Eckdaten:
Für die 35. Sitzung der 20. Gesetzgebungsperiode des österreichischen Nationalrats haben wir 691 Zwischenrufe gefunden. Hier findest du das offizielle Protokoll der Sitzung (Link).
Abg. Dr. Helene Partik-Pablé: Zur Geschäftsordnung!
Präsident Dr. Heinz Fischer: Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich darf Sie herzlich begrüßen. Ich eröffne die 35. Sitzung des Nationalrates. (Abg. Dr. Helene Partik-Pablé: Zur Geschäftsordnung!)
Beifall bei SPÖ und ÖVP.
Bundesminister für Arbeit und Soziales Franz Hums: Herr Abgeordneter! Sie haben zu Recht gesagt, daß dieses Problem der Jugend ein ernstes ist. Junge Menschen müssen wir vorrangig in die Arbeitswelt eingliedern, und zwar nicht nur aus menschlichen Gründen – es ist sicher für jeden jungen Menschen katastrophal, wenn er nicht in absehbarer Zeit Arbeit findet –, sondern auch aus gesellschaftlichen Gründen. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)
Beifall bei der SPÖ.
Bundesminister für Arbeit und Soziales Franz Hums: Sehr geehrte Frau Abgeordnete! Ob es wirklich eine Erleichterung ist, wenn man nicht sozialversichert ist, das möchte ich dahingestellt sein lassen. Fragen Sie Frauen, die mit dieser Maßnahme erstmals eine Versicherung erhalten, was sie davon halten. (Beifall bei der SPÖ.)
Abg. Dr. Khol: Aber Sie haben diesen 4 400 S schon zugestimmt!
Es ist dies ein Problem, die Lösung war wirklich nicht leicht. Es hat mehrere Diskussionen gegeben. Letztendlich haben sich aber die Sozialpartner und alle darauf geeinigt, daß man eine einheitliche Grenze haben soll – und das sind die 3 600 S. (Abg. Dr. Khol: Aber Sie haben diesen 4 400 S schon zugestimmt!)
Abg. Dietachmayr: Das ist das Letzte! – Abg. Seidinger: Beschämend! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ. – Abg. Ing. Meischberger: Genauso ist es! Das ist typisch!
Abgeordnete Dr. Helene Partik-Pablé (Freiheitliche): Sehr geehrter Herr Minister! Da nicht zu übersehen war, daß Ihnen Herr Abgeordneter Guggenberger Fragen gestellt hat, damit Sie sich positiv darstellen können, möchte ich darauf hinweisen ... (Abg. Dietachmayr: Das ist das Letzte! – Abg. Seidinger: Beschämend! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ. – Abg. Ing. Meischberger: Genauso ist es! Das ist typisch!)
Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.
Es war ja fast peinlich. Es war eigentlich peinlich. (Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.)
Abg. Dr. Partik-Pablé: Das habe ich nicht gemeint!
Bundesminister für Arbeit und Soziales Franz Hums: Die österreichische Bundesregierung hat bereits im Jahr 1992 das Behindertenkonzept beschlossen, und dieses wird sukzessive umgesetzt. Es gibt Sonderprogramme für Rehabilitation, Sonderprogramme für die Arbeitsplatzsicherung und Sonderprogramme für Maßnahmen im Berufsleben. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Das habe ich nicht gemeint!) Ich werde mich aber auch – wie Sie hier festgestellt haben – im Rahmen meiner Möglichkeiten dafür einsetzen, daß es immer weitergehende Maßnahmen gegen die Diskriminierung von Behinderten gibt. – Das war ja Ihre Frage. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Das war nicht meine Frage! Wir wollen ein Antidiskriminierungsgesetz und keine Maßnahmen!)
Abg. Dr. Partik-Pablé: Das war nicht meine Frage! Wir wollen ein Antidiskriminierungsgesetz und keine Maßnahmen!
Bundesminister für Arbeit und Soziales Franz Hums: Die österreichische Bundesregierung hat bereits im Jahr 1992 das Behindertenkonzept beschlossen, und dieses wird sukzessive umgesetzt. Es gibt Sonderprogramme für Rehabilitation, Sonderprogramme für die Arbeitsplatzsicherung und Sonderprogramme für Maßnahmen im Berufsleben. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Das habe ich nicht gemeint!) Ich werde mich aber auch – wie Sie hier festgestellt haben – im Rahmen meiner Möglichkeiten dafür einsetzen, daß es immer weitergehende Maßnahmen gegen die Diskriminierung von Behinderten gibt. – Das war ja Ihre Frage. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Das war nicht meine Frage! Wir wollen ein Antidiskriminierungsgesetz und keine Maßnahmen!)
Abg. Dr. Partik-Pablé: Er hat keine Pension!
Sehr geehrte Frau Abgeordnete! Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch folgendes sagen: Ich habe auch von Ihnen immer wieder den Vorwurf des Taschengeldes gehört. – Ich möchte hier noch einmal feststellen: Es wird hier permanent Falsches behauptet. Im Bereich des Bundespflegegeldes sollen jedem, der in einem Heim ist, weiterhin 20 Prozent seiner Pension und die gesamte Sonderzahlung der Pension als Taschengeld zur Verfügung stehen. Wir haben mit der Pflegegeldregelung (Abg. Dr. Partik-Pablé: Er hat keine Pension!) – übrigens auch eine Regelung im Interesse der Behinderten – eine Regelung getroffen, die es in ganz Europa in dieser Qualität nicht gibt, die es in der ganzen Welt in dieser Qualität nicht gibt. Diese Regelung im Bereich des Pflegegeldes ist aber nicht als Einkommen, sondern als Maßnahme zu sehen, um den Behinderten für die Pflegeaufwendung zusätzlich Geld zur Verfügung zu stellen. Das ist die Maßnahme.
Zwischenruf des Abg. Leikam.
Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, daß im Zusammenhang mit diesen Regelungen noch nicht alle Wünsche, die die Oppositionsparteien auf den Tisch gelegt haben, restlos erfüllt sind. (Zwischenruf des Abg. Leikam. )
Abg. Leikam: Feuerwehr, Rettung! Der Brief vom Kollegen Haupt an die Feuerwehr ist erfüllt!
Herr Kollege Leikam, Sie meinen, es geht nicht alles auf einmal, und Sie meinen auch, daß es vorher noch schlechter war – da gebe ich Ihnen schon recht –, aber ... (Abg. Leikam: Feuerwehr, Rettung! Der Brief vom Kollegen Haupt an die Feuerwehr ist erfüllt!)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Sie, Herr Bundesminister, haben ins Treffen geführt, daß es Ihnen gelungen ist, mit den Ärzten, aber auch mit der Pharmaindustrie entsprechende Einsparungen zu vereinbaren. – Das ist gut so. Ich hoffe, daß Ihnen das auch in Zukunft gelingen wird. Ich glaube aber, daß im Bereich der Heilbehelfe und der Heilmittel in Österreich noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Die dringlichen Anfragen der Freiheitlichen und die Sondersitzung zu diesem Thema haben ja sehr viele Ungereimtheiten in diesem Bereich zu Tage gefördert. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Ich glaube daher, Herr Bundesminister, daß in diesem Bereich noch sehr viel Einfallsreichtum durchaus auf der Basis der heutigen Realität gefragt wäre und daher diese 50 S Belastung aus der Krankenscheingebühr für den Kranken im Anlaßfall – ein Potential von etwa 400 Millionen bis 600 Millionen Schilling aus diesem Titel, das lukriert wird – nicht notwendig wäre, wenn man das, was andererseits jeder in Österreich, der sich mit diesen gesundheitspolitischen Maßnahmen beschäftigt, ohnehin weiß, in den entsprechenden Verhandlungen ausreichend berücksichtigt hätte. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen
Ich mache mir Sorgen um diesen Bereich, und die Freiheitlichen werden daher in der heutigen Sitzung Anträge zu den §§ 149, 150 und 349 ASVG einbringen, die dann im Herbst im Sozialausschuß zu diskutieren sein werden, weil wir glauben, daß es nicht sein kann, daß dieser für die österreichische Grundversorgung auch wichtige Bereich der privaten Krankenanstalten hier einfach negiert wird und auf die Goodwill-Wartebank des jeweiligen Landesfinanzreferenten und Landesgesundheitsreferenten abgeschoben wird (Beifall bei den Freiheitlichen) und die dortigen Mitarbeiter, immerhin 15 Prozent der Beschäftigten der österreichischen Gesundheitsberufe in diesem Bereich und noch einmal 17 Prozent der Beschäftigten im Bereiche der niedergelassenen Ärzte, um ihre Arbeitsplätze zittern müssen. Es kann nicht so sein, daß auf der einen Seite in den Krankenanstalten der Länder teilweise Überhonorare bezahlt und lukriert werden und auf der anderen Seite die Arbeitnehmer im nichtgeschützten Bereich, um das so auszudrücken, um ihre Arbeitsplätze zittern müssen oder diese sogar verlieren.
Beifall bei den Freiheitlichen
Aber ich glaube nicht, daß es sozial gerecht ist, daß man jenen Menschen, die bescheiden angefangen haben und durch ihre Arbeitsleistung uns, der Nachkriegsgeneration, Wohlstand und sozialen Frieden gebracht haben, heute in der Pension wieder zusätzliche Belastungen hinaufdividiert, obwohl sie dieses Sozialsystem 40 Jahre hindurch aufrechterhalten haben (Beifall bei den Freiheitlichen), und ausschließlich die Politik, die hier in diesem Hohen Hause gemacht worden ist, dafür verantwortlich ist, daß die Töpfe heute leer sind – nicht jene, die 40 Jahre hindurch die Beitragszahler waren und die heute zur Verantwortung gezogen werden.
Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Dr. Feurstein: Keine Sorge!
Noch etwas zu der Frage, die ich Ihnen gegenüber in der Fragestunde angeschnitten habe, Herr Bundesminister: Wenn Sie ein Controlling von seiten des Hauptverbandes einführen, so ist das durchaus gutzuheißen. Es sollte aber dieses Controlling nicht dazu ausgenützt werden, was die Gebietskrankenkasse von Vorarlberg sagt, daß sie nämlich dann dort ans Gängelband genommen wird, wo sie kostengünstig arbeitet und die anderen nicht kostengünstig arbeiten. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Dr. Feurstein: Keine Sorge!)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Sie, Kollege Feurstein, winken ab. Sie haben sicherlich auch die Begutachtung Ihrer eigenen Landsleute gelesen. Ich glaube durchaus, daß einige der Argumente, die die Vorarlberger hier auf den Tisch gelegt haben, nicht so einfach von der Hand zu weisen sind. Wir wollen nicht einen Moloch Hauptverband haben, der dann dort, wo wirklich kosten- und patientengünstig gearbeitet wird, die Lage verschlechtert und auf der anderen Seite dort, wo Mißbrauch betrieben wird, nicht eingreift! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Herr Bundesminister! Ich darf Sie schon darauf hinweisen, daß es im Bereich der Krankenstände doch zu Ungleichbehandlungen kommt. In jenem Bereich, wo ausschließlich der Arbeitgeber zahlungsverpflichtet ist, werden sehr wenige oder überhaupt keine Kontrollen durchgeführt, und erst dann, wenn die Gebietskrankenkasse oder die anderen Kassen ein Krankenentgelt zu leisten haben, werden die Kontrollen eingesetzt. Ich würde mir wünschen, daß die Kontrollen schon einsetzen, wenn die Meldungen kommen, sprich vom ersten Tag des Krankseins an, denn ich glaube, daß hier doch noch einiges zu lukrieren wäre. Ich glaube auch, daß der Brief des Wiener Unternehmers, den ich Ihnen zitiert habe, und die Auflistung aus seinem eigenen Bereich – hochgerechnet auf zwei Jahre 19 Milliarden Schilling – durchaus ein Potential zeigen, das in Österreich auch einmal angegangen werden sollte. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Ich möchte es nicht so drastisch sagen, aber daß die sozialen Angelegenheiten, die Arbeitsplatzsicherung und alles, was damit zusammenhängt, nicht ureigenstes Primärrecht der EU ist, sondern in der dritten Säule angesiedelt ist im überwiegenden Anteil und daher von den Ländern selbst zu gestalten ist, gibt uns in Österreich durchaus die Möglichkeit, dort freundlicher zu sein, wo die Gesundheit der Arbeitnehmer durch ihre Arbeit eindeutig medizinisch belegt und klar beeinträchtigt wird. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Ich bitte Sie, sehr geehrter Herr Bundesminister, dafür zu sorgen, daß angesichts der Tatsache, daß die Pensionisten nun um 0,25 Prozent mehr für die Krankenversicherung zu zahlen haben, ihnen auch im Alter, wenn sie es aufgrund ihres mangelnden Gesundheitszustandes brauchen, die notwendigen Behelfe genau gleich wie den jungen Menschen in dieser Republik zur Verfügung gestellt werden – und nicht anders! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Daß es durch den vorliegenden Entwurf im Bereich der bäuerlichen Sozialversicherungsanstalt nunmehr auch für einige Frauen zu Schwierigkeiten kommen wird, die ehemals beraten wurden, doch die Möglichkeit der Selbstversicherung in Anspruch zu nehmen, sei nur am Rande erwähnt. Meine Kollegin Aumayr wird zu diesem Problem einen Abänderungsantrag einbringen, denn ich glaube nicht, daß das, was heute hier im Bereich der bäuerlichen Sozialversicherung auf dem Tisch liegt, der Weisheit letzter Schluß ist. Wir Freiheitlichen würden uns wünschen, daß für jene Menschen, bei denen sich herausstellt, daß sie falsch beraten wurden, auch entsprechende humane Übergangsfristen eingeführt werden. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Sehr geehrter Herr Bundesminister! Das vorliegende Sozialrechts-Änderungsgesetz, die ehemals ausgeschickte 53. ASVG-Novelle, ist auch in rechtlicher Hinsicht problematisch, aber das ist ein Thema, das ohnehin bei jeder ASVG-Novelle von uns Freiheitlichen hier in den Raum gestellt wird. Ich hoffe, daß Sie endlich mit Ihrer Arbeitsgruppe im Ministerium fertig werden, um eine Neukodifizierung des Arbeitsrechtes vorzunehmen und damit wieder eine Lesbarkeit des Arbeits- und Pensionsrechtes in Österreich für alle Österreicher und nicht nur für einige wenige Sozialexperten zu gewährleisten. – Ich danke, Herr Bundesminister. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei der SPÖ.
Meine Damen und Herren! Ich leugne nicht, daß mir eine maßvolle Beitragserhöhung als beste Lösung erschienen wäre, zumal es dadurch Harmonisierungsschritte zwischen Arbeitern und Angestellten gegeben hätte, was ich hier schon mehrmals gefordert habe und was mir ein großes Anliegen ist. (Beifall bei der SPÖ.)
Abg. Böhacker: Warum die Arbeitgeber?
Verhindert wurde die Kostenbeteiligung der Versicherten an den medizinischen Leistungen. Herr Kollege Haupt hat hier gesagt, daß es zu Selbstbehalten gekommen sei, was nicht stimmt. Wir haben die zweitbeste Lösung gewählt: einen Kompromiß, nämlich eine Krankenscheingebühr von 50 S, die jedoch nicht für Überweisungen gilt; ausgenommen davon sind Pensionisten, Kinder und Rezeptgebührenbefreite. Wenn man das rechnet, so kann dies nicht als Selbstbehalt bezeichnet werden. Das sind zusätzliche Kosten von 16,70 S pro Monat. Die Einführung ist ab 1. Jänner 1997 geplant, damit auch die Arbeitgeber die Umstellung leichter bewältigen können. (Abg. Böhacker: Warum die Arbeitgeber?)
Abg. Böhacker: So "klar" ist das Gesetz!
Eine Ausschußfeststellung, wie sie diesmal im Sozialausschuß beschlossen wurde, ist ein Novum, denn es ist eine Art Betriebsanleitung zur Auslegung des Gesetzes. (Abg. Böhacker: So "klar" ist das Gesetz!) Der Gesetzgeber ist eigentlich dafür nicht zuständig, aber wegen der massiven Verunsicherung haben wir letztendlich unsere Zustimmung gegeben.
Beifall bei der SPÖ.
Meine Damen und Herren! Ich glaube, es hat vor allem deshalb um diese Regelungen so viel Aufregung gegeben, weil man hier in eine Wunde gestoßen hat. Es ist hier sehr viel Mißbrauch begangen worden, Mißbrauch auf dem Rücken jener, die diese Arbeiten erbracht haben, die diese Werkverträge eingegangen sind. Jetzt haben wir sie in der Sozialversicherung, und das ist sehr wichtig, denn es stellt sich immer erst im Alter heraus, wenn es keine Pensionsansprüche gibt, wenn man keine Zeiten für die Pension hat, wenn man keinen entsprechenden Krankenversicherungsschutz hat, was das bedeutet. Aber dann darüber nachzudenken, ist zu spät. Da muß man schon früher korrigierend eingreifen. (Beifall bei der SPÖ.) Ein lückenloser Versicherungsverlauf ist, glaube ich, für jeden vernünftig und verantwortungsbewußt denkenden Österreicher das Allerwichtigste.
Beifall bei der SPÖ.
Was ich mir noch sehr gewünscht hätte, was bis jetzt aber leider nicht zu schaffen war – vielleicht gelingt es uns noch, einen Abänderungsantrag während der laufenden Sozialdebatte durchzubringen –, ist die rückwirkende Zuerkennung von Hinterbliebenenleistungen bei verspäteter Antragstellung. Im Entwurf war das ursprünglich enthalten. Meine Damen und Herren! Hier geht es um ganz besondere Härtefälle. Und damit Sie auch die Größenordnung kennen: In 20 Jahren gab es insgesamt zwei solcher Fälle, und ich denke, daß wir diese Korrektur hier verantworten könnten. – Ich danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei der SPÖ.)
Abg. Dr. Kier: Freiwillig!
Präsident Dr. Heinz Fischer: Der nächste Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Kier. Er hat das Wort. Gleichfalls 20 Minuten. (Abg. Dr. Kier: Freiwillig!) Freiwillig 20 Minuten, alles darüber ist unfreiwillig.
Beifall beim Liberalen Forum.
Die erste Voraussetzung ist Transparenz des Rechtes, und diese wird hier zerstört. Daher meine ich, daß man diese meine Befürchtungen, die ich hier mit Ernst vortrage, mehr beachten sollte als bisher und sich von dieser Anlaßgesetzgebung lösen sollte. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Zwischenruf des Abg. Dr. Feurstein .
Man kann anhand von zwei Argumenten deutlich machen, daß es sich um Anlaßgesetzgebung handelt. Ich meine: Der Anlaß, der im Vordergrund gestanden ist, ist unübersehbar – er wird nur nicht zugegeben –: Geldbeschaffung. Der Anlaß für diese Gesetze ist Geldbeschaffung. Nach vorne gestellt werden: mehr soziale Gerechtigkeit, Abbau von Mißbrauch, sozialer Schutz; das ist die vordere Fassade. Einige Elemente davon sind nicht ganz falsch. Es ist nicht so, daß ich betreiten will, daß diese Anliegen auch vorhanden sind, nur: So wie es gemacht wurde, werden ihnen in keiner Weise entsprechend Rechnung getragen. Ich werde das argumentieren. (Zwischenruf des Abg. Dr. Feurstein .) Kollege Feurstein ist vielleicht der Meinung, das sei oppositionelle Polemik. Das ist nicht oppositionelle Polemik! (Abg. Dr. Feurstein: Nein, habe ich nicht gesagt! Das Gegenteil habe ich gesagt!) Ich wollte es Ihnen nicht unterstellen. Aber ich meine, der tatsächliche Anlaß ist Geldbeschaffung, und das läßt sich lückenlos nachweisen, wenn man das Gesetz analysiert. ( Abg. Mag. Barmüller: Panikartige Geldbeschaffung!)
Abg. Dr. Feurstein: Nein, habe ich nicht gesagt! Das Gegenteil habe ich gesagt!
Man kann anhand von zwei Argumenten deutlich machen, daß es sich um Anlaßgesetzgebung handelt. Ich meine: Der Anlaß, der im Vordergrund gestanden ist, ist unübersehbar – er wird nur nicht zugegeben –: Geldbeschaffung. Der Anlaß für diese Gesetze ist Geldbeschaffung. Nach vorne gestellt werden: mehr soziale Gerechtigkeit, Abbau von Mißbrauch, sozialer Schutz; das ist die vordere Fassade. Einige Elemente davon sind nicht ganz falsch. Es ist nicht so, daß ich betreiten will, daß diese Anliegen auch vorhanden sind, nur: So wie es gemacht wurde, werden ihnen in keiner Weise entsprechend Rechnung getragen. Ich werde das argumentieren. (Zwischenruf des Abg. Dr. Feurstein .) Kollege Feurstein ist vielleicht der Meinung, das sei oppositionelle Polemik. Das ist nicht oppositionelle Polemik! (Abg. Dr. Feurstein: Nein, habe ich nicht gesagt! Das Gegenteil habe ich gesagt!) Ich wollte es Ihnen nicht unterstellen. Aber ich meine, der tatsächliche Anlaß ist Geldbeschaffung, und das läßt sich lückenlos nachweisen, wenn man das Gesetz analysiert. ( Abg. Mag. Barmüller: Panikartige Geldbeschaffung!)
Abg. Mag. Barmüller: Panikartige Geldbeschaffung!
Man kann anhand von zwei Argumenten deutlich machen, daß es sich um Anlaßgesetzgebung handelt. Ich meine: Der Anlaß, der im Vordergrund gestanden ist, ist unübersehbar – er wird nur nicht zugegeben –: Geldbeschaffung. Der Anlaß für diese Gesetze ist Geldbeschaffung. Nach vorne gestellt werden: mehr soziale Gerechtigkeit, Abbau von Mißbrauch, sozialer Schutz; das ist die vordere Fassade. Einige Elemente davon sind nicht ganz falsch. Es ist nicht so, daß ich betreiten will, daß diese Anliegen auch vorhanden sind, nur: So wie es gemacht wurde, werden ihnen in keiner Weise entsprechend Rechnung getragen. Ich werde das argumentieren. (Zwischenruf des Abg. Dr. Feurstein .) Kollege Feurstein ist vielleicht der Meinung, das sei oppositionelle Polemik. Das ist nicht oppositionelle Polemik! (Abg. Dr. Feurstein: Nein, habe ich nicht gesagt! Das Gegenteil habe ich gesagt!) Ich wollte es Ihnen nicht unterstellen. Aber ich meine, der tatsächliche Anlaß ist Geldbeschaffung, und das läßt sich lückenlos nachweisen, wenn man das Gesetz analysiert. ( Abg. Mag. Barmüller: Panikartige Geldbeschaffung!)
Beifall beim Liberalen Forum.
Ich meine daher, daß sich da ein bestehendes System, eine bestehende Struktur um jeden Preis reproduziert, statt sich zur Diskussion zu stellen. (Beifall beim Liberalen Forum.) Statt sich darum zu bemühen, die eigentlichen Anliegen, die man damit erreichen will, klar herauszustellen und dann völlig leidenschaftslos darüber zu diskutieren, welche Werkzeuge die geeignetsten sind, um diese Anliegen zu verwirklichen, werden die Werkzeuge diskutiert und wird so getan, als würde man sich um die Anliegen kümmern. Und das ist von Grund auf falsch! (Beifall beim Liberalen Forum.)
Beifall beim Liberalen Forum.
Ich meine daher, daß sich da ein bestehendes System, eine bestehende Struktur um jeden Preis reproduziert, statt sich zur Diskussion zu stellen. (Beifall beim Liberalen Forum.) Statt sich darum zu bemühen, die eigentlichen Anliegen, die man damit erreichen will, klar herauszustellen und dann völlig leidenschaftslos darüber zu diskutieren, welche Werkzeuge die geeignetsten sind, um diese Anliegen zu verwirklichen, werden die Werkzeuge diskutiert und wird so getan, als würde man sich um die Anliegen kümmern. Und das ist von Grund auf falsch! (Beifall beim Liberalen Forum.)
Beifall beim Liberalen Forum sowie des Abg. Böhacker .
Beschämend daran ist: Jene Experten, die an diesen Gesetzen mitgewirkt haben, in den Stäben der großen Kammern, in den Stäben der freien Berufsvereinigungen, im ÖGB zum Beispiel, sind die Vortragenden an diesen Einrichtungen, die sich somit selbst diese Ausnahme erhalten haben. Wenn so etwas vorliegt, ist das nicht nur absolut gleichheitswidrig im Verhältnis zu konkurrierenden privatorganisierten Bildungseinrichtungen, wie zum Beispiel privaten Sprachschulen, sondern außerdem ein Beweis dafür, daß es um dieses Anliegen gar nicht gegangen ist, denn sonst hätte man solche Ausnahmen nicht aufrecht erhalten! (Beifall beim Liberalen Forum sowie des Abg. Böhacker .)
Beifall beim Liberalen Forum und bei den Grünen.
Das wird an einem Teilgesichtspunkt ganz besonders deutlich: Wenn jemand ein geringfügig bezahltes – ich sage es jetzt bewußt so – Beschäftigungsverhältnis – welcher Art auch immer – hat, so ist es bis 3 600 S pro Monat eigentlich sozialversicherungsfrei, wenn man von der Unfallversicherung absieht. Mit 3 601 S wird die Grenze überschritten, und dann sind Sozialversicherungsbeiträge zu bezahlen. Dies hat man jetzt auf die Werkverträge umgelegt und hat gesagt: Bei den Werkverträgen machen wir es genauso: Sie sind auch bis 3 600 S frei und ab 3 601 S pflichtig. Nur: Bei den Werkverträgen hat man sich zusätzlich eine Quellensteuer in Höhe von 20 Prozent einfallen lassen. Ein Werkvertragsnehmer, der über diese Grenze gerät, zahlt seine Sozialversicherungsbeiträge, und es werden 20 Prozent Quellensteuer zur Verrechnung auf spätere Einkommensteuern einbehalten. Man könnte sagen: Das ist fair, das ist eine Art Steuervorauszahlung!, das soll schon sein, nur: Jemand, der auf den Monat bezogen 3 600 S verdient – und das ist ja Ihr System –, zahlt überhaupt keine Einkommensteuer, da er weit unter jeder steuerpflichtigen Einkommensgrenze liegt! Das heißt, Sie holen sich bei diesen Menschen ein zinsenloses Darlehen, um zur besseren Pseudoerreichung der Maastricht-Ziele weitere Groschen zu sammeln. Und das entspricht nicht dem, was wir Liberale unter Gerechtigkeit und sozialer Ausgewogenheit verstehen! (Beifall beim Liberalen Forum und bei den Grünen.)
Zwischenruf des Abg. Böhacker.
Das heißt, es gibt überhaupt keine Kosten-Nutzen-Rechnung für diese Maßnahmen, sondern nur dilatorische Zahlen in der Regierungsvorlage, die wirklich unseriös sind. (Zwischenruf des Abg. Böhacker. ) Es gibt die Aussage eines nicht unwesentlichen Menschen aus dem Bereich der Sozialversicherung, die lautet: Natürlich werden die Leute jetzt doppelt versichert sein, und sie werden auch die Leistungen zweimal in Anspruch nehmen können; vielleicht nicht jede Leistung, aber zwei Krankenscheine werden möglich sein.
Beifall beim Liberalen Forum und bei den Grünen sowie des Abg. Meisinger .
Mit anderen Worten: Sie schreiben in dieses Gesetz eine Bestimmung hinein, die bei Wirksamwerden dessen, was Sie gestern als Bezügereform beschlossen haben, folgendes bedeutet: Den Beamten, die eben nur 25 Prozent arbeiten und auch nur 25 Prozent bekommen – aufgrund dieses Bezügegesetzes, nicht aufgrund einer echten Teilzeitbeschäftigung – oder die zur Gänze auf ihre Bezüge verzichten, werden diese Versicherungsbeiträge vom Bund gezahlt. Sie schaffen also schon wieder überflüssigerweise ein neues Privileg – noch dazu nicht gestern, sondern heute, damit es nicht so auffällt. Und das ist beschämend! (Beifall beim Liberalen Forum und bei den Grünen sowie des Abg. Meisinger .)
Zwischenruf bei den Freiheitlichen
Abgeordneter Dr. Gottfried Feurstein (ÖVP): Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich muß einleitend zugeben, daß die Stellungnahmen von den Oppositionsparteien, sowohl von den Freiheitlichen als auch vom Liberalen Forum, heute im wesentlichen sehr konstruktiv waren (Zwischenruf bei den Freiheitlichen) , ausgenommen die letzten Aussagen von Dr. Kier, die einfach falsch sind.
Beifall bei der ÖVP.
Herr Dr. Kier! Sie müssen ganz genau wissen, daß im Bezügegesetz, das wir gestern beschlossen haben, eindeutig festgestellt ist, daß der Beamte, der öffentlich Bedienstete nur dann einen Pensionsanspruch erwirbt, wenn er aus Eigenem die Pensionsbeiträge weiterbezahlt. Das ist eindeutig und unmißverständlich festgestellt – und Sie sollten hier keine Unwahrheiten und Unrichtigkeiten verbreiten! (Beifall bei der ÖVP.)
Abg. Dr. Kier: Ich habe es extra vorgelesen!
Herr Dr. Kier! Lesen Sie bitte nach (Abg. Dr. Kier: Ich habe es extra vorgelesen!) , was wir gestern für den Bereich der Mandatare beschlossen haben! (Abg. Mag. Barmüller: Kier hat recht, sie haben unrecht!) Diese Bestimmung ist eine Bestimmung für die Frauen, weil wir den Frauen den Pensionsanspruch sichern wollen. Ich nehme an, daß Frau Abgeordnete Motter und auch andere hier im Haus diese Bestimmung, mit der wir für die Frauen Klarheit bei einer Reduzierung der Arbeitszeit geschaffen haben, mitunterstützen. (Abg. Schwarzenberger – zur Abg. Motter –: Wir werden sehen, ob Sie zustimmen!)
Abg. Mag. Barmüller: Kier hat recht, sie haben unrecht!
Herr Dr. Kier! Lesen Sie bitte nach (Abg. Dr. Kier: Ich habe es extra vorgelesen!) , was wir gestern für den Bereich der Mandatare beschlossen haben! (Abg. Mag. Barmüller: Kier hat recht, sie haben unrecht!) Diese Bestimmung ist eine Bestimmung für die Frauen, weil wir den Frauen den Pensionsanspruch sichern wollen. Ich nehme an, daß Frau Abgeordnete Motter und auch andere hier im Haus diese Bestimmung, mit der wir für die Frauen Klarheit bei einer Reduzierung der Arbeitszeit geschaffen haben, mitunterstützen. (Abg. Schwarzenberger – zur Abg. Motter –: Wir werden sehen, ob Sie zustimmen!)
Abg. Schwarzenberger – zur Abg. Motter –: Wir werden sehen, ob Sie zustimmen!
Herr Dr. Kier! Lesen Sie bitte nach (Abg. Dr. Kier: Ich habe es extra vorgelesen!) , was wir gestern für den Bereich der Mandatare beschlossen haben! (Abg. Mag. Barmüller: Kier hat recht, sie haben unrecht!) Diese Bestimmung ist eine Bestimmung für die Frauen, weil wir den Frauen den Pensionsanspruch sichern wollen. Ich nehme an, daß Frau Abgeordnete Motter und auch andere hier im Haus diese Bestimmung, mit der wir für die Frauen Klarheit bei einer Reduzierung der Arbeitszeit geschaffen haben, mitunterstützen. (Abg. Schwarzenberger – zur Abg. Motter –: Wir werden sehen, ob Sie zustimmen!)
Abg. Dr. Pumberger: Ihr habt es ja selbst geschrieben!
Meine Damen und Herren! Es ist durch Einsparungen ein Finanzierungsvolumen zustande gebracht worden, das zwei Drittel dieser 6,9 Milliarden Schilling für das Jahr 1997 abdeckt. Wer das nicht zur Kenntnis nehmen will, möge bitte die Erläuterungen zu dieser Regierungsvorlage und die Erläuterungen zum Ministeralentwurf lesen, denn dort steht eindeutig, daß es um Strukturmaßnahmen geht. (Abg. Dr. Pumberger: Ihr habt es ja selbst geschrieben!) Wir haben das nicht selbst geschrieben!
Abg. Dr. Pumberger: Belastungen!
Wir gehen nicht den Weg, meine Damen und Herren von den Freiheitlichen, daß wir einfach Zahlen hineinschreiben – ich gebe dem Kollegen Haupt schon recht, man könnte die eine oder andere Zahl erhöhen und einen Ausgleich herstellen, aber das wäre nicht koordiniert, das wäre nicht abgestimmt, meine Damen und Herren. Damit wäre die Finanzierung nicht gesichert. Wir wollen von einem gesicherten Finanzierungsvolumen ausgehen, das durch konkrete Einsparungen zustande gebracht wird. (Abg. Dr. Pumberger: Belastungen!)
Abg. Dr. Pumberger: Mißstände vertuschen!
Meine Damen und Herren! Wir haben noch etwas getan, was allgemein vergessen beziehungsweise nicht beachtet wird: Wir haben die Haftungsbestimmungen des Hauptverbandes konkretisiert und wesentlich ausgeweitet. Die Damen und Herren des Hauptverbandes sind durch die neuen Haftungsbestimmungen dafür verantwortlich, daß dieses Finanzierungsvolumen auch eingehalten und erbracht wird. Und dazu brauchen wir diese neue Bestimmung bezüglich des Controlling. (Abg. Dr. Pumberger: Mißstände vertuschen!) Ich stehe voll dazu, meine Damen und Herren! Daran lasse ich nicht rütteln! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Dr. Graf: Wie schaut die Verantwortung aus?)
Beifall bei der ÖVP. – Abg. Dr. Graf: Wie schaut die Verantwortung aus?
Meine Damen und Herren! Wir haben noch etwas getan, was allgemein vergessen beziehungsweise nicht beachtet wird: Wir haben die Haftungsbestimmungen des Hauptverbandes konkretisiert und wesentlich ausgeweitet. Die Damen und Herren des Hauptverbandes sind durch die neuen Haftungsbestimmungen dafür verantwortlich, daß dieses Finanzierungsvolumen auch eingehalten und erbracht wird. Und dazu brauchen wir diese neue Bestimmung bezüglich des Controlling. (Abg. Dr. Pumberger: Mißstände vertuschen!) Ich stehe voll dazu, meine Damen und Herren! Daran lasse ich nicht rütteln! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Dr. Graf: Wie schaut die Verantwortung aus?)
Beifall bei der ÖVP. – Abg. Dr. Khol: Richtig!
Nächster Punkt: Es geht um die privaten Krankenanstalten, die für uns ein ganz ernstes Anliegen sind, meine Damen und Herren. Sie sind beim KRAZAF leider nicht einbezogen worden, das möchte ich auch feststellen. Wir dürfen die privaten Krankenanstalten nicht hin- und herschieben, sondern wir müssen für die privaten Krankenanstalten klare, eindeutige und gesicherte Finanzierungsgrundlagen schaffen, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Dr. Khol: Richtig!) Ich sage das auch von diesem Rednerpult aus: Für uns haben die privaten Krankenanstalten den gleichen Stellenwert wie die Krankenanstalten von Gebietskörperschaften. (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall bei der ÖVP.
Nächster Punkt: Es geht um die privaten Krankenanstalten, die für uns ein ganz ernstes Anliegen sind, meine Damen und Herren. Sie sind beim KRAZAF leider nicht einbezogen worden, das möchte ich auch feststellen. Wir dürfen die privaten Krankenanstalten nicht hin- und herschieben, sondern wir müssen für die privaten Krankenanstalten klare, eindeutige und gesicherte Finanzierungsgrundlagen schaffen, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Dr. Khol: Richtig!) Ich sage das auch von diesem Rednerpult aus: Für uns haben die privaten Krankenanstalten den gleichen Stellenwert wie die Krankenanstalten von Gebietskörperschaften. (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall bei der ÖVP sowie der Abg. Hostasch .
Verbesserungen im Leistungsrecht wird es auch geben. Ich möchte nicht wiederholen, was von den Oppositionsredner festgehalten wurde, aber: Eine Bestimmung, die von uns als Sozialpolitiker von größter Bedeutung ist, ist bisher nicht erwähnt worden: Es wird ab 1. August 1996 so sein, daß auch Waisen und Witwen, wenn der Vater oder der Ehegatte eine niedrige Pension besaß, die volle Ausgleichszulage bekommen. Die Ausgleichszulage wird also nicht mehr in die mögliche Pension desjenigen, der verstorben ist, eingerechnet. Die Pension wird in voller Höhe der Ausgleichszulage gewährt. Meine Damen und Herren! Damit haben wir für die Ärmsten eine wichtige Lücke in unserem System geschlossen. Das sollte man feststellen und auch anerkennen. (Beifall bei der ÖVP sowie der Abg. Hostasch .)
Beifall bei der ÖVP sowie der Abg. Hostasch .
Wir haben auf der anderen Seite bei den Ausgleichszulagenempfängern, die nicht ständig in Österreich wohnen, klargestellt, daß der ständige Aufenthalt in Österreich wesentlich für den Bezug der Ausgleichszulage ist. Ich lehne natürlich die Forderung der Freiheitlichen mit ihrer unmöglichen diskriminierenden Vorgangsweise strikte ab, meine Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP sowie der Abg. Hostasch .)
Abg. Dr. Pumberger: Das ist eine Steuer!
Wenn Kinder, Pensionisten und sozial Schwache von der Krankenscheingebühr ausgenommen werden, dann ist das eine solche soziale Rücksichtnahme, die ganz wichtig ist, meine Damen und Herren! (Abg. Dr. Pumberger: Das ist eine Steuer!) Schlußfolgernd kann man sagen, daß es für die Qualität der medizinischen Versorgung keine Einschränkungen gibt: weder im Krankenhausbereich noch im Bereich der medizinischen Versorgung durch die Ärzte. Keine Einschränkungen! Es ist ... (Abg. Dr. Pumberger: Was ist mit den Ökonomierichtlinien? Chefarztpflicht. Was ist damit?) Was die Chefarztpflicht betrifft, so gibt es keine Änderungen, ausgenommen jene Änderungen, die notwendig sind, um eine Kostenexplosion zu verhindern, aber ansonsten gibt es keine Einschränkungen der medizinischen Versorgung, Herr Abgeordneter, von den Freiheitlichen! (Beifall bei der ÖVP.)
Abg. Dr. Pumberger: Was ist mit den Ökonomierichtlinien? Chefarztpflicht. Was ist damit?
Wenn Kinder, Pensionisten und sozial Schwache von der Krankenscheingebühr ausgenommen werden, dann ist das eine solche soziale Rücksichtnahme, die ganz wichtig ist, meine Damen und Herren! (Abg. Dr. Pumberger: Das ist eine Steuer!) Schlußfolgernd kann man sagen, daß es für die Qualität der medizinischen Versorgung keine Einschränkungen gibt: weder im Krankenhausbereich noch im Bereich der medizinischen Versorgung durch die Ärzte. Keine Einschränkungen! Es ist ... (Abg. Dr. Pumberger: Was ist mit den Ökonomierichtlinien? Chefarztpflicht. Was ist damit?) Was die Chefarztpflicht betrifft, so gibt es keine Änderungen, ausgenommen jene Änderungen, die notwendig sind, um eine Kostenexplosion zu verhindern, aber ansonsten gibt es keine Einschränkungen der medizinischen Versorgung, Herr Abgeordneter, von den Freiheitlichen! (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall bei der ÖVP.
Wenn Kinder, Pensionisten und sozial Schwache von der Krankenscheingebühr ausgenommen werden, dann ist das eine solche soziale Rücksichtnahme, die ganz wichtig ist, meine Damen und Herren! (Abg. Dr. Pumberger: Das ist eine Steuer!) Schlußfolgernd kann man sagen, daß es für die Qualität der medizinischen Versorgung keine Einschränkungen gibt: weder im Krankenhausbereich noch im Bereich der medizinischen Versorgung durch die Ärzte. Keine Einschränkungen! Es ist ... (Abg. Dr. Pumberger: Was ist mit den Ökonomierichtlinien? Chefarztpflicht. Was ist damit?) Was die Chefarztpflicht betrifft, so gibt es keine Änderungen, ausgenommen jene Änderungen, die notwendig sind, um eine Kostenexplosion zu verhindern, aber ansonsten gibt es keine Einschränkungen der medizinischen Versorgung, Herr Abgeordneter, von den Freiheitlichen! (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall bei der ÖVP sowie der Abg. Hostasch .
Die Qualität der medizinischen Versorgung ist uns ganz wichtig. Sie ist zu erhalten, sie wird durch diese finanziellen Maßnahmen, die wir gesetzt haben, gesichert. Und das ist Grund genug, zu diesem Paket voll und ganz zu stehen. (Beifall bei der ÖVP sowie der Abg. Hostasch .)
Beifall beim Liberalen Forum.
Abgeordneter Dr. Volker Kier (Liberales Forum): Hohes Haus! Kollege Feurstein hat ausgeführt, ich hätte gemeint, daß im Bereich der Pensionsversicherung der Beamten Mißstände vorherrschen. Ich möchte das insofern tatsächlich berichtigen, als ich mich ausdrücklich auf das Beamten-Kranken- und Unfallversicherungsgesetz bezogen habe. Sollte ich mich mißverständlich ausgedrückt haben, stelle ich das hiemit klar. Es war also nicht von der Pensionsseite die Rede, sondern von der Krankenversicherung, und dabei bleibe ich. Ich habe daher bewußt den Wortlaut des Paragraphen wiedergegeben, aus dem sich ergibt, daß Beamte, auch wenn sie zur Gänze auf ihre Bezüge verzichten, die Krankenversicherungsbeiträge von ihrem Dienstgeber in voller Höhe bezahlt bekommen, was insbesondere bei Beamten, die aus Gründen eines Mandats verzichtet haben, der Fall sein wird. Und das wollte ich aufzeigen. – Danke schön. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Abg. Ing. Reichhold: Wir Bauern müssen zum Beispiel damit leben! Wir haben 20 Prozent Selbstbehalt!
Im Jahre 1960 hat sich das Parlament in diesem Fall – aus guten Gründen – für eine Beitragserhöhung ausgesprochen. – Selbstbehalte sind unsozial, meine Damen und Herren von der ÖVP, Sie wissen das. Im Jahr 1960 waren sich die Regierungsparteien und sogar die Freiheitliche Partei, deren Hauptredner damals Kandutsch hieß, einig darüber, daß die Selbstbehalte in dieser Form, wie wir sie in Österreich kennen keineswegs einen lenkenden Effekt im Gesundheitswesen haben und schon aus diesem Grund nicht das, was man sich von Ihnen verspricht, einlösen können. Deshalb sind im Jahr 1960 die Selbstbehalte bei der Krankenscheingebühr abgeschafft worden. (Abg. Ing. Reichhold: Wir Bauern müssen zum Beispiel damit leben! Wir haben 20 Prozent Selbstbehalt!)
Abg. Silhavy: Des ASVG-Pensionisten mit 70 000, 80 000 S, den zeigen Sie mir einmal!
Frau Kollegin Silhavy, ich weiß nicht, was Sie da so witzig daran finden, daß es tatsächlich diese Krankenscheingebühr gibt. (Abg. Silhavy: Des ASVG-Pensionisten mit 70 000, 80 000 S, den zeigen Sie mir einmal!) Mit Zusatzpensionen ist das selbstverständlich möglich, auch im ASVG-Bereich. – Ich weiß schon, daß ein ASVG-Pensionist von sich aus nicht 70 000, 80 000 S erhalten kann. Aber soll ich Ihnen die Fälle aus Ihrem Bereich nennen, Frau Kollegin Silhavy, die tatsächlich 70 000, 80 000 S an Pension bekommen? Ich könnte sie Ihnen nennen, verzichte aber darauf.
Abg. Dr. Feurstein: Nachkaufen kann man sie nicht!
Es gibt auch die Möglichkeit – ich habe Ihnen das schon im Ausschuß gesagt, Herr Minister –, diese Werkvertragsregelung positiv zu benützen, um das Sozialversicherungsrecht für sich zu instrumentalisieren. Man braucht nicht mehr seine Studienzeiten um teures Geld nachzukaufen, was Sie anbieten, sondern man kann sich relativ billig in Werkverträge einkaufen und damit Versicherungsjahre nachkaufen. Das ist auch eine Möglichkeit, die es durch diese Regelung gibt. (Abg. Dr. Feurstein: Nachkaufen kann man sie nicht!)
Zwischenruf des Abg. Dr. Cap.
Das führt dazu, daß sozusagen eine Ungleichbehandlung gegenüber dem "Normalarbeitnehmer" erfolgen kann. Es führt dazu, was ich auch für nicht ohne Belang halte, daß man einen Versicherungsschutz gerade dann, wenn man ihn braucht, wieder verliert. Und das ist die Regelung, die vor allem jene Werkverträge betrifft, die wegen Krankheit unterbrochen werden. (Zwischenruf des Abg. Dr. Cap. )
Beifall bei den Grünen.
Ich bitte Sie jedoch: Wenn Sie das nächste Mal über das Gesundheitswesen und über das Krankenversicherungswesen in Österreich diskutieren, so gehen Sie doch ein bißchen in die Geschichte! Schauen Sie sich an, was Sie selbst schon hier in diesem Parlament beschlossen und was Sie als "unsinnig" verurteilt haben. Dann wird es Ihnen vielleicht leichter fallen, den Anträgen der Opposition – in diesem Fall der Grünen – zuzustimmen! (Beifall bei den Grünen.)
Abg. Dr. Ofner: Eine so lange und interessante Rede werden Sie, Kollege Öllinger, nach der GO-Reform nicht mehr halten können!
Zu Wort gemeldet ist nun Herr Bundesminister Hums. – Bitte, Herr Bundesminister. (Abg. Dr. Ofner: Eine so lange und interessante Rede werden Sie, Kollege Öllinger, nach der GO-Reform nicht mehr halten können!)
Beifall bei der SPÖ
Es ist daher entscheidend, daß wir im Sinne der Qualitätssicherung mit dieser Novelle den gesetzlichen Anspruch auf Krankengeldbezug von 26 auf 52 Wochen anheben, wobei es den Kassen nach wie vor, so wie heute, möglich sein wird, daß in jenen Fällen, in denen das sozialmedizinisch notwendig ist, über diese 52 Wochen hinaus das gegeben wird, nämlich bis 78 Wochen. Das heißt, das Entscheidende dieser heutigen Novellierung ist, daß wir die finanzielle Sicherung dafür treffen, daß unser gutes Gesundheitssystem auch in Zukunft – mit allen Fortschritten der Medizin, mit allen Notwendigkeiten, die mit dem Steigen unseres Lebensalters erfreulicherweise verbunden sind –, weiter so finanzierbar bleibt, daß jeder – unabhängig vom Einkommen –, auch der sozial Schwächste, am medizinischen Fortschritt in Zukunft genauso beteiligt sein wird wie heute, (Beifall bei der SPÖ) und daß im Bereich des Krankengeldes auch in Zukunft per Gesetz nicht mehr wie bis jetzt 26, sondern 52 Wochen Krankengeld gesetzlich abgesichert sein werden. Ich glaube, das ist ein wesentlicher sozialpolitischer Schritt für die Zukunft. (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ.
Es ist daher entscheidend, daß wir im Sinne der Qualitätssicherung mit dieser Novelle den gesetzlichen Anspruch auf Krankengeldbezug von 26 auf 52 Wochen anheben, wobei es den Kassen nach wie vor, so wie heute, möglich sein wird, daß in jenen Fällen, in denen das sozialmedizinisch notwendig ist, über diese 52 Wochen hinaus das gegeben wird, nämlich bis 78 Wochen. Das heißt, das Entscheidende dieser heutigen Novellierung ist, daß wir die finanzielle Sicherung dafür treffen, daß unser gutes Gesundheitssystem auch in Zukunft – mit allen Fortschritten der Medizin, mit allen Notwendigkeiten, die mit dem Steigen unseres Lebensalters erfreulicherweise verbunden sind –, weiter so finanzierbar bleibt, daß jeder – unabhängig vom Einkommen –, auch der sozial Schwächste, am medizinischen Fortschritt in Zukunft genauso beteiligt sein wird wie heute, (Beifall bei der SPÖ) und daß im Bereich des Krankengeldes auch in Zukunft per Gesetz nicht mehr wie bis jetzt 26, sondern 52 Wochen Krankengeld gesetzlich abgesichert sein werden. Ich glaube, das ist ein wesentlicher sozialpolitischer Schritt für die Zukunft. (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ.
Nochmals: Gerne belaste ich niemanden. Aber das ist keine Pensionskürzung, wie manche behaupten, sondern das ist ein Beitrag zu einer guten Gesundheitsvorsorge und Krankenbehandlung. (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ.
Die größeren Bedenken gegen diese Gebühr habe ich im Hinblick auf die Bürokratie, die zu mildern ist. – Ich meine, daß es notwendig war, Finanzierungsmöglichkeiten in diesem Kompromißweg zu finden, um künftig die Qualität der Gesundheitsvorsorge zu sichern, um zu sichern, daß jeder auch am Fortschritt der Medizin teilhaben kann, und ganz besonders deshalb, weil wir nicht wollen, daß der Krankengeldbezug für jene, die am sozial schwächsten sind, auf 26 Wochen reduziert wird. 26 Wochen steht derzeit im Gesetz; nach Ihrem Beschluß wird im Gesetz der Anspruch auf mindestens 52 Wochen verankert sein, und das ist sozialpolitisch wichtig und wertvoll. (Beifall bei der SPÖ.)
Abg. Dr. Pumberger: Ich hoffe, Sie haben ihn selber gelesen!
Wer das wirklich gelesen hat und gegen diese Maßnahmen ist, den kann ich nicht verstehen. (Abg. Dr. Pumberger: Ich hoffe, Sie haben ihn selber gelesen!) Und ich bin daher der Überzeugung, wenn ich mit den einzelnen Krankenversicherungsträgern die entsprechenden zusätzlichen Gespräche geführt habe, werden sie mit dieser Maßnahme sehr einverstanden sein, denn diese sichert in Zukunft eine einnahmenorientierte Vertragspolitik, mit den Mitteln und Methoden einer modernen Managementtechnik. Das ist der Sinn. Und ein Ziel wird ja auch Qualitätssicherung für die Versicherten ohne Überlastung der Volkswirtschaft sein, ohne Berücksichtigung der Einnahmenssituation.
Beifall bei SPÖ und ÖVP.
Ich erwarte daher, Herr Abgeordneter Öllinger – ich bin gerne bereit, Ihnen das noch näher zu erläutern –, daß Sie Ihren Zusatzantrag in diese Richtung zurückziehen werden. – Danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)
Abg. Dr. Haselsteiner: Mittelmaß!
Abgeordnete Eleonora Hostasch (SPÖ): Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Die 53. ASVG-Novelle ist eine wichtige Weiterentwicklung unseres Sozialversicherungsrechtes, eine wichtige Grundlage zur Sicherung der Finanzierung im Gesundheitswesen, sie ist aber – und das soll nicht beschönigt werden – ein Kompromiß sehr unterschiedlicher Interessen, ein Kompromiß von sehr vielen Beteiligten, die mit unterschiedlichen Überlegungen in die Verhandlungen gegangen sind, um die finanzielle Sicherung der Gesundheitspolitik zu bewältigen. (Abg. Dr. Haselsteiner: Mittelmaß!)
Abg. Dr. Pumberger: 4 000 Leute, die mehr als ein Jahr im Krankenstand sind!
Unverzichtbar für mich war – es wurde schon gesagt –, daß für Langzeitkranke, für besonders Bedürftige aufgrund ihres gesundheitlichen Zustandes durch das ASVG sichergestellt ist, daß der Krankengeldbezug 52 Wochen lang erfolgt und nicht jene Maßnahme realisiert werden muß, zu der zum Beispiel die Wiener Gebietskrankenkasse rechtlich verpflichtet war: nämlich den Bezug des Krankengeldes auf 26 Wochen zurückzunehmen. – Ich glaube, das ist ein unverzichtbarer sozialpolitischer Fortschritt, den wir im ASVG nun durchgesetzt haben. (Abg. Dr. Pumberger: 4 000 Leute, die mehr als ein Jahr im Krankenstand sind!)
Beifall bei der SPÖ sowie des Abg. Donabauer. – Abg. Dr. Pumberger: Ein Streichen um ein halbes Jahr ist für Sie ein "sozialpolitischer Erfolg"! Unglaublich!
Haben Sie den Mut, Herr Doktor, Langzeitkranken die Existenzsicherung zu entziehen? Haben Sie wirklich das Herz, darauf zu verzichten, daß gesetzliche Maßnahmen gesetzt werden, um denjenigen, die am schwächsten sind, die sich selbst nicht mehr helfen können, mehr Krankengeld zu zahlen? – Ich habe diesen Mut nicht, daher habe ich mich dafür eingesetzt, daß das so realisiert wird. (Beifall bei der SPÖ sowie des Abg. Donabauer. – Abg. Dr. Pumberger: Ein Streichen um ein halbes Jahr ist für Sie ein "sozialpolitischer Erfolg"! Unglaublich!)
Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten der ÖVP.
Als letztes zum Bereich der Krankenversicherung: Geschätzte Damen und Herren! 7,9 Millionen Menschen sind im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung erfaßt und geschützt, das sind fast 100 Prozent der Bevölkerung. Und wenn man sich die Beitragsstruktur anschaut, sieht man, daß es 62,4 Prozent beitragsleistende Versicherte und 34,1 Prozent beitragsfrei Mitversicherte gibt, und das, sehr geschätzte Damen und Herren, ist eine der ganz großen sozialpolitischen und auch familienpolitischen Leistungen einer gesetzlichen Krankenversicherung, eine Leistung, die eine private Krankenversicherung nicht annähernd erbringen könnte. Daher ein klares Bekenntnis zur Versicherungspflicht und ein Ja zur sozialen Krankenversicherung. (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten der ÖVP.)
Beifall bei SPÖ und ÖVP.
Abschließend, sehr geschätzte Damen und Herren: Ich bin froh, daß wir im Rahmen dieser Sozialgesetze auch im Arbeitszeitgesetz eine Änderung insofern vorzunehmen haben, als es bei den Bauarbeitern zu einer Einigung mit der Arbeitgeberseite über ein Jahresarbeitszeitmodell gekommen ist und damit bewiesen wurde, daß die Sozialpartner große Handlungs- und Lösungskompetenz haben. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Herr Präsident! Herr Bundesminister! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Bundeskanzler hat uns schon mitgeteilt, daß dieses Belastungspaket sozial ausgewogen sei. Bestätigt wird uns dies vom Herrn Bundesminister für Arbeit und Soziales. Bestätigt wird uns das von den Rednern der ÖVP und der SPÖ. Weniger bestätigt wird uns das von den Familienverbänden, von Pensionistenverbänden, von den Behindertenverbänden, von der Arbeiterkammer, vom sozialistischen Landeshauptmann Häupl – der überhaupt sagt: Das, was hier ausgehandelt wurde, ist ein Unsinn –, von der Ärztekammer, und am wenigsten bestätigt wird uns das von den Patienten. Das einzige, was Sie bei diesem Paket können, Herr Bundesminister, die einzige Therapie, die Sie hier haben, ist der Aderlaß und die Schröpftherapie, anstatt den Sozialversicherungen eine ordentliche Abmagerungskur zu verordnen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen. – Bundesminister Hums will sich zu Wort melden.
Umgekehrt müßte es sein, Herr Bundesminister, umgekehrt müßte es sein! Sie sind die oberste Aufsichtsbehörde für den Hauptverband, und Sie müßten einmal darauf achten, daß dort ordentlich gewirtschaftet wird, Herr Bundesminister. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Bundesminister Hums will sich zu Wort melden.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Vor der Wahl hat es vom Bundeskanzler geheißen – viele Wahlplakate haben uns das jeden Tag, an jeder Straßenkreuzung vermittelt –: Wenn die Sozialisten nicht mehr am Ruder sind, dann werden die Pensionen gekürzt, werden soziale Abstriche gemacht. – Und was war nach der Wahl? – Jetzt werden die Pensionisten, die sozial Schwächsten, die, die unseren Sozialstaat aufgebaut haben, die dafür gesorgt haben, daß wir heute in sozialer Sicherheit leben, geschröpft, denen werden höhere Beiträge zugemutet, anstatt einmal wirklich bei den Kassen zu sparen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Wenn jetzt der Hauptverband – aufgrund der heutigen Beschlüsse, die Sie, glaube ich, mehrheitlich fassen werden – die Aufgaben übernimmt, können wir uns ja bei den einzelnen Landeskassen die Obmänner, die Obmannstellvertreter, die Direktoren, die Stellvertreter, die alle proporzmäßig besetzt sind, sparen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Oder: Da haben die neun Gebietskrankenkassen in ihrem Statut drinnen, daß man 2,5 Prozent der Lohnsumme der Bediensteten, der Arbeitnehmer in den Krankenkassen, für Sport, Spaß und Freizeit verwenden kann. Ich sage Ihnen: Den Spaß sollen sich die Angestellten der Gebietskrankenkasse selbst finanzieren, wie jeder andere Arbeitnehmer im ungeschützten Bereich auch. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.
Es wurde vom Rechnungshof kritisiert, daß die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse beispielsweise gleich nach Wien die meisten Bediensteten von ganz Österreich hat. Das ist vom Rechnungshof kritisiert worden, das kommt nicht von mir. (Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.) Ich zitiere nur den Rechnungshof. Lesen Sie es einmal durch! Lesen Sie einmal den Kontrollbericht des Rechnungshofes! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Es wurde vom Rechnungshof kritisiert, daß die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse beispielsweise gleich nach Wien die meisten Bediensteten von ganz Österreich hat. Das ist vom Rechnungshof kritisiert worden, das kommt nicht von mir. (Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.) Ich zitiere nur den Rechnungshof. Lesen Sie es einmal durch! Lesen Sie einmal den Kontrollbericht des Rechnungshofes! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Wir Freiheitlichen werden daher diesem Belastungpaket keine Zustimmung erteilen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Dr. Pumberger: Ich trau’ mich ja gar nicht alles sagen, sonst würde auch mir der Vertrag gekündigt, wie schon bei einem anderen Arzt!
Bundesminister für Arbeit und Soziales Franz Hums: Herr Abgeordneter Dr. Pumberger! Ich würde Sie ersuchen, vor einer Stellungnahme hier wirklich Gesetz und Novelle durchzulesen, denn dann könnte ich es mir ersparen, hier nochmals darauf einzugehen, was in der Novelle steht. (Abg. Dr. Pumberger: Ich trau’ mich ja gar nicht alles sagen, sonst würde auch mir der Vertrag gekündigt, wie schon bei einem anderen Arzt!)
Abg. Dr. Pumberger: Sonst würde auch mir der Vertrag gekündigt! – Weitere Zwischenrufe.
Ich möchte konkret ... (Abg. Dr. Pumberger: Sonst würde auch mir der Vertrag gekündigt! – Weitere Zwischenrufe.)
Beifall bei SPÖ und ÖVP.
Ich möchte nochmals erklären: Primär haben wir Einsparungsmaßnahmen gesetzt, und viele der Einsparungsvorschläge, die von Ihnen in letzter Zeit gekommen sind, sind im Hauptverband und mit den Krankenversicherungsträgern längst vorbereitet. Sie haben teilweise nichts anderes getan, als die Erläuterungen zum Gesetzentwurf abgeschrieben, und dann haben Sie sie hier thematisiert. Wir stehen auch ohne Ihre Vorschläge immer wieder für Kosteneinsparungen – aber dort, wo sie möglich und richtig sind, ohne die Qualität für die Versicherten zu verschlechtern. Das ist unsere Zielrichtung, und die wird auch in Zukunft bestehen. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)
Abg. Apfelbeck: Was sagen Sie zu den arbeitslosen Einkommen der Politiker?
Präsident MMag. Dr. Willi Brauneder: Zum Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Donabauer. – Bitte, Herr Abgeordneter. (Abg. Apfelbeck: Was sagen Sie zu den arbeitslosen Einkommen der Politiker?)
Beifall bei der ÖVP.
Abgeordneter Karl Donabauer (ÖVP): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Meine Damen und Herren! Hohes Haus! Es wäre schlecht, wenn nach einem haßerfüllten Systemkritiker nun einer kommen würde, der alles guthieße. Ich bin einer aus der Sozialversicherung. Ich stehe dazu und meine, daß diese Sozialversicherung und daß unsere Sozialpolitik nicht so gut ist, wie manche glauben, aber bei Gott nicht so schlecht ist, wie Sie immer tun. (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall bei der ÖVP.
Sie, Herr Dr. Pumberger, konnten heute mit "Freude" und mit "Genugtuung" feststellen, daß sie von ihrem eigenen Präsidenten zur Ordnung gerufen wurden. Ich glaube, Sie müssen verstehen, daß er Ihnen sagen mußte: Herr Dr. Pumberger, Thema verfehlt! (Beifall bei der ÖVP.) Ihre Rede hat nur Beschimpfungen enthalten.
Neuerlicher Beifall bei der ÖVP. – Abg. Ing. Reichhold: Sagst du auch etwas zur Bäuerinnenpension?
Noch etwas: Dr. Pumberger hat sich hier hergestellt und hat vermeldet: Politiker gefährden die Volksgesundheit! Er ist einer jener, der die Volksgesundheit gefährdet, wenn er so weitertut. Herr Dr. Pumberger, erkennen Sie endlich Ihre Aufgaben! (Neuerlicher Beifall bei der ÖVP. – Abg. Ing. Reichhold: Sagst du auch etwas zur Bäuerinnenpension?) Jawohl, Herr Abgeordneter Reichhold! Erstens: Es liegt ein Entschließungsantrag vor, in welchem steht, daß die Anpassungsbestimmungen für die Bäuerinnenpension noch weiter geändert werden sollen.
Beifall bei der ÖVP. – Abg. Ing. Reichhold: Das hätten Sie schon früher tun müssen!
Lieber Herr Kollege! Wir waren es, die unter Anwendung eines ungemeinen Verhandlungseifers die notwendigen Korrekturen vorgenommen haben. Wir wissen, wo wir stehen. Wir sind auf eine Richtung aus gewesen: nämlich das System finanzierbar zu halten. Und dazu stehen wir! Jedwede Polemik interessiert uns nicht! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Ing. Reichhold: Das hätten Sie schon früher tun müssen!)
Abg. Ing. Reichhold: Wo zum Beispiel?
Lieber Herr Abgeordneter! Dieser Abänderungsantrag – du kannst auch das hören! – strotzt nur so von Unsachlichkeit, und zwar vom ersten bis zum letzten Satz. (Abg. Ing. Reichhold: Wo zum Beispiel?) Lies ihn dir einmal durch!
Abg. Aumayr: Mit welchem Ergebnis?
Zweite Sache: Weiterer Entschließungsantrag, ebenfalls betreffend Bauern. Die diesbezüglichen Verhandlungen werden schon lange geführt. (Abg. Aumayr: Mit welchem Ergebnis?) Nur: Du interessierst dich nicht dafür. Dabei geht es nicht nur um den Einheitswert, sondern es geht auch um die Frage Besitz und Bewirtschaftung. Es geht um viel mehr, als in diesem Antrag dargestellt wird. Wir wissen, was wir tun, nur ihr wißt manchmal nicht, was ihr sagt. Das ist der Unterschied! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Ing. Reichhold: Ja, ja, schon 20 Jahre wißt ihr, was ihr tut!)
Beifall bei der ÖVP. – Abg. Ing. Reichhold: Ja, ja, schon 20 Jahre wißt ihr, was ihr tut!
Zweite Sache: Weiterer Entschließungsantrag, ebenfalls betreffend Bauern. Die diesbezüglichen Verhandlungen werden schon lange geführt. (Abg. Aumayr: Mit welchem Ergebnis?) Nur: Du interessierst dich nicht dafür. Dabei geht es nicht nur um den Einheitswert, sondern es geht auch um die Frage Besitz und Bewirtschaftung. Es geht um viel mehr, als in diesem Antrag dargestellt wird. Wir wissen, was wir tun, nur ihr wißt manchmal nicht, was ihr sagt. Das ist der Unterschied! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Ing. Reichhold: Ja, ja, schon 20 Jahre wißt ihr, was ihr tut!)
Beifall bei der ÖVP.
Noch keine Antwort wissen wir auf die Frage, Herr Dr. Pumberger, wie wir die enorm gestiegenen Ärztehonorare eingrenzen sollen. Es gibt nicht nur Sozialversicherungsfunktionäre, die um Geld arbeiten, es gibt auch Ärzte, die sich sehr aktiv einbringen. Sie dürften auch einer davon sein. (Beifall bei der ÖVP.)
Zwischenrufe bei der ÖVP und bei den Freiheitlichen
Was ich noch sagen möchte, ist, daß die Krankenscheingebühr (Zwischenrufe bei der ÖVP und bei den Freiheitlichen) natürlich ein großes Thema ist. Das haben wir aber von der ersten Stunde an gewußt. Ich halte die Krankenscheingebühr, meine Damen und Herren, bei Gott nicht für die Lösung aller anstehenden Fragen. Ich habe aber auch keine Berührungsängste damit. Ich betrachte die Krankenscheingebühr nicht als Finanzierungsinstrument, sondern als notwendige Steuerungsmaßnahme. So ist sie gut, und so vertreten wir sie, und auf dieser Linie gehen wir weiter. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)
Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.
Was ich noch sagen möchte, ist, daß die Krankenscheingebühr (Zwischenrufe bei der ÖVP und bei den Freiheitlichen) natürlich ein großes Thema ist. Das haben wir aber von der ersten Stunde an gewußt. Ich halte die Krankenscheingebühr, meine Damen und Herren, bei Gott nicht für die Lösung aller anstehenden Fragen. Ich habe aber auch keine Berührungsängste damit. Ich betrachte die Krankenscheingebühr nicht als Finanzierungsinstrument, sondern als notwendige Steuerungsmaßnahme. So ist sie gut, und so vertreten wir sie, und auf dieser Linie gehen wir weiter. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)
Beifall bei der ÖVP.
Wir haben einen guten Vorschlag gemacht, und wir werden dieser Regierungsvorlage unsere Zustimmung geben. (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Schwarzenberger: Diese Aussage ist noch unanständiger! – Abg. Ing. Tychtl: Ein Wiederholungstäter!
Ich stelle tatsächlich richtig, daß ich einen Ordnungsruf deshalb bekommen habe, weil ich den Herrn Sozialminister als eine "vom Hauptverband ferngesteuerte Marionette" bezeichnet habe. –Ich kann mich nicht daran erinnern, diese Behauptung zurückgenommen zu haben. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Schwarzenberger: Diese Aussage ist noch unanständiger! – Abg. Ing. Tychtl: Ein Wiederholungstäter!)
Abg. Dr. Stummvoll: Was ist Ihr konkreter Vorschlag?
Wissen Sie, Herr Bundesminister, was Sie damit erreichen werden? – Sie werden damit einen großen Beitrag zum Bäckersterben leisten, aber auch die Wirtschaftskammer mit, die das mitbeschließt. Denn der kleine Bäcker, Herr Stummvoll, lebt davon, daß er flexibel sein kann, daß er auf Marktbedürfnisse reagiert, und Sie treiben uns Nachfrager von Bäckereiprodukten in die Bäckereiindustrie. Wir bekommen die Öfen von Resch & Frisch, wir kaufen uns die Backwaren nicht mehr beim örtlichen Bäcker. Wir kaufen sie uns bei Resch & Frisch, wo wir sie dann, wenn unsere Gäste frische Backwaren haben wollen, nicht dann, wenn Ihr Gesetz es erlaubt, selbst zubereiten. Da können Sie uns Gott sei Dank nicht hineinreglementieren. Leid tut es mir nur, Herr Stummvoll, um die Kultur des österreichischen Bäckergewerbes. (Abg. Dr. Stummvoll: Was ist Ihr konkreter Vorschlag?)
Beifall beim Liberalen Forum.
Aber das, was Sie hier in diesem Bäckereiarbeiter/innengesetz vorlegen, ist – das sage ich Ihnen – sozialpartnerschaftlicher Pfusch. Das ist eine Reglementierungsordnung, die in das 19. Jahrhundert gehört, genauso wie die Gewerbeordnung. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Abg. Fuchs: Die Arbeitnehmer sollen ohne Schutz auskommen!
Arbeitnehmerschutz ist unverzichtbar. (Abg. Fuchs: Die Arbeitnehmer sollen ohne Schutz auskommen!) Aber das stimmt doch nicht, gnädige Frau! Liebe Kollegin, das stimmt nicht! Ich habe gesagt – schon mehrmals von diesem Platz aus –: Der Mitarbeiterschutz ist unverzichtbar. Die Frage ist aber, ob man das kollektive Glück, die kollektive Glückseligkeit über dieses Land ausbreitet oder endlich einmal versteht, daß erstens die individuelle Arbeitszeitanforderung des einzelnen Mitarbeiters unterschiedlich ist und daß wir zweitens in der Wirtschaft dazu da sind, Kundenbedürfnisse zu befriedigen und nicht pausenlos von uns zu reden. Diejenigen Unternehmungen, die keine Kundenbedürfnisse befriedigen, werden halt keinen Kunden mehr haben und werden leider ihre Mitarbeiter arbeitslos machen müssen. Das müssen Sie endlich einmal verstehen und nicht solche Gesetze in diesem Haus vorlegen. (Beifall beim Liberalen Forum. – Zwischenruf des Abg. Parnigoni. )
Beifall beim Liberalen Forum. – Zwischenruf des Abg. Parnigoni.
Arbeitnehmerschutz ist unverzichtbar. (Abg. Fuchs: Die Arbeitnehmer sollen ohne Schutz auskommen!) Aber das stimmt doch nicht, gnädige Frau! Liebe Kollegin, das stimmt nicht! Ich habe gesagt – schon mehrmals von diesem Platz aus –: Der Mitarbeiterschutz ist unverzichtbar. Die Frage ist aber, ob man das kollektive Glück, die kollektive Glückseligkeit über dieses Land ausbreitet oder endlich einmal versteht, daß erstens die individuelle Arbeitszeitanforderung des einzelnen Mitarbeiters unterschiedlich ist und daß wir zweitens in der Wirtschaft dazu da sind, Kundenbedürfnisse zu befriedigen und nicht pausenlos von uns zu reden. Diejenigen Unternehmungen, die keine Kundenbedürfnisse befriedigen, werden halt keinen Kunden mehr haben und werden leider ihre Mitarbeiter arbeitslos machen müssen. Das müssen Sie endlich einmal verstehen und nicht solche Gesetze in diesem Haus vorlegen. (Beifall beim Liberalen Forum. – Zwischenruf des Abg. Parnigoni. )
Abg. Fuchs: Auch Wünsche des Arbeitnehmers!
Lieber Rudi Parnigoni! Es lohnt sich, sich dafür aufzuregen, weil dieses Hohe Haus immer nur von der einen Seite der Arbeit, aber nie von den Kunden redet. Ich fordere alle Damen und Herren, die hier in der Legislative arbeiten, auf: Reden wir einmal von unseren Kunden, von deren Wünschen und Bedürfnissen und darüber, was wir tun müssen, um mehr Beschäftigung zu schaffen. Das gelingt nicht durch Arbeitsverweigerung, sondern das gelingt nur dadurch, daß man Kundenwünsche dann befriedigt, wenn sie entstehen. Sonst gibt es in einem großen europäischen Binnenmarkt ... (Abg. Fuchs: Auch Wünsche des Arbeitnehmers!) Natürlich auch des Arbeitnehmers! Ohne Arbeitnehmer kann kein Unternehmer erfolgreich sein. (Abg. Fuchs: Um jeden Preis arbeiten, nur damit die Wirtschaft lebt!)
Abg. Fuchs: Um jeden Preis arbeiten, nur damit die Wirtschaft lebt!
Lieber Rudi Parnigoni! Es lohnt sich, sich dafür aufzuregen, weil dieses Hohe Haus immer nur von der einen Seite der Arbeit, aber nie von den Kunden redet. Ich fordere alle Damen und Herren, die hier in der Legislative arbeiten, auf: Reden wir einmal von unseren Kunden, von deren Wünschen und Bedürfnissen und darüber, was wir tun müssen, um mehr Beschäftigung zu schaffen. Das gelingt nicht durch Arbeitsverweigerung, sondern das gelingt nur dadurch, daß man Kundenwünsche dann befriedigt, wenn sie entstehen. Sonst gibt es in einem großen europäischen Binnenmarkt ... (Abg. Fuchs: Auch Wünsche des Arbeitnehmers!) Natürlich auch des Arbeitnehmers! Ohne Arbeitnehmer kann kein Unternehmer erfolgreich sein. (Abg. Fuchs: Um jeden Preis arbeiten, nur damit die Wirtschaft lebt!)
Beifall beim Liberalen Forum.
Sie werden leider diesen Antrag von uns Liberalen ablehnen. Ich bedauere das. Nur: Verstehen Sie eines: Je mehr Sie sich der Realität verweigern, je mehr Sie Ihre Augen verschließen und beweisen, daß Sie es in Wirklichkeit in einer sozialpartnerschaftlichen Weise besser wissen, desto weniger gut wird es der österreichischen Wirtschaft gehen und desto weniger Menschen wird sie leider beschäftigen können! (Beifall beim Liberalen Forum.)
Ruf bei den Freiheitlichen: Cap ...!
Was ich ebenfalls nicht ohne Bemerkung im Raum stehen lassen will und was mir persönlich für dieses Haus sehr weh tut, war die Äußerung des Kollegen Dr. Pumberger, mit welcher er Sozialminister Hums als "ferngesteuerte Marionette des Hauptverbandes" bezeichnet hat. – Herr Dr. Pumberger ist leider nicht mehr da. – Wenn man in dieser Sichtweise einige Vorgänge in Ihrer Fraktion, Herr Dr. Pumberger, beleuchten würde, dann könnte man derartige Dinge auch von Ihnen sagen. (Ruf bei den Freiheitlichen: Cap ...!)
Beifall bei SPÖ und ÖVP
Nur: In diesem Haus wird niemand mit derartiger Wortwahl gegen Ihre Fraktion vorgehen. Doch ich bin dem Präsidenten Brauneder dankbar dafür, daß er diese Wortwahl mit einem Ordnungsruf sanktioniert hat (Beifall bei SPÖ und ÖVP), denn diese ist schädlich für den Parlamentarismus, und das darf in diesem Haus nicht weiter einreißen.
Beifall bei der SPÖ. – Abg. Schwemlein: Lieber die Mikrowelle 24 Stunden als der Arbeitnehmer!
Worauf wir Sozialdemokraten Wert legen, ist, daß diese Arbeitszeiten sowohl dem Arbeitgeber und damit der Wirtschaft, als auch dem Arbeitnehmer entsprechen. Darauf werden wir pochen, und davon werden wir nicht abweichen. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Schwemlein: Lieber die Mikrowelle 24 Stunden als der Arbeitnehmer!) Genau das habe ich mit technischen Mitteln gemeint, denn Resch & Frisch ist nichts anderes.
Zwischenruf der Abg. Motter.
Herr Mag. Haupt! Ich sehe das nicht so, denn eine moderne Wirtschaft kommt ohne Controlling-System überhaupt nicht mehr aus. (Zwischenruf der Abg. Motter. ) Und wenn wir die Körperschaften öffentlichen Rechts auch in diese Richtung entwickeln wollen, dann ist es aber auch notwendig, daß diese Körperschaften im eigenen Haus ein Controlling einführen. (Abg. Öllinger: Im eigenen Haus!) Lassen Sie mich bitte ausreden. Wir machen doch beim Arbeitsmarktservice genau dasselbe und sind deshalb nicht am Gängelband des Sozialministeriums.
Abg. Öllinger: Im eigenen Haus!
Herr Mag. Haupt! Ich sehe das nicht so, denn eine moderne Wirtschaft kommt ohne Controlling-System überhaupt nicht mehr aus. (Zwischenruf der Abg. Motter. ) Und wenn wir die Körperschaften öffentlichen Rechts auch in diese Richtung entwickeln wollen, dann ist es aber auch notwendig, daß diese Körperschaften im eigenen Haus ein Controlling einführen. (Abg. Öllinger: Im eigenen Haus!) Lassen Sie mich bitte ausreden. Wir machen doch beim Arbeitsmarktservice genau dasselbe und sind deshalb nicht am Gängelband des Sozialministeriums.
Beifall bei der SPÖ sowie des Abg. Dr. Khol.
Einen letzten Punkt möchte ich noch anführen, für den ich Sozialminister Hums öffentlichen Dank aussprechen möchte. Geschätzte Damen und Herren! Sie wissen vielleicht, daß derzeit weltweit 24 Personen als Ersatzzivildienst Gedenkdienst leisten und dabei wichtige Zeichen setzen, Zeichen setzen in Form von Information bei ehemaligen Holocaust-Stätten gegen Faschismus und gegen jede andere Art von autoritärer Gewalt. Diese Gedenkdienstleistenden waren bis dato nicht in die Sozialversicherungspflicht miteinbezogen. Dank Sozialminister Hums konnten diese Personen jetzt mit den Zivildienern gleichgestellt und in die Sozialversicherungspflicht einbezogen werden. Das, so glaube ich, sind wir diesen Personen schuldig. Und ich möchte auch dem Koalitionspartner dafür danken, daß er dem Sozialminister in dieser Sache entgegengekommen ist. (Beifall bei der SPÖ sowie des Abg. Dr. Khol. )
Beifall bei den Grünen.
Herr Minister! Ich bitte Sie, diese Werkvertragsregelung nochmals zu überdenken. Sie ist unsozial, sie ist ungerecht, und sie hat in der derzeitigen Form absolut keine Berechtigung, in Kraft zu treten. – Danke. (Beifall bei den Grünen.)
Beifall bei ÖVP und SPÖ.
Abgeordneter Dkfm. Dr. Günter Stummvoll (ÖVP): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich glaube, daß der heutige Tag mit 16 "Wiener Stunden" und zwei dringlichen Anfragen neuerlich ein Beweis dafür ist, wie gut es war, gestern die Geschäftsordnungsreform zu beschließen, meine Damen und Herren! (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)
Beifall bei der ÖVP und bei Abg. Mag. Guggenberger
Ich freue mich darauf, daß wir in der Herbstsession derartige Tage nicht mehr haben werden. Das ist meines Erachtens wirklich ein Mißbrauch des Parlaments, den wir heute wieder erleben (Beifall bei der ÖVP und bei Abg. Mag. Guggenberger ) , denn 16 Stunden plus zwei Dringliche würde bedeuten, daß wir morgen um 6 Uhr früh auch noch hier sind, und das kann es nicht sein, das kann nicht Parlamentarismus sein, meine Damen und Herren! (Abg. Dr. Graf: Wer hat 16 Stunden festgelegt?)
Abg. Dr. Graf: Wer hat 16 Stunden festgelegt?
Ich freue mich darauf, daß wir in der Herbstsession derartige Tage nicht mehr haben werden. Das ist meines Erachtens wirklich ein Mißbrauch des Parlaments, den wir heute wieder erleben (Beifall bei der ÖVP und bei Abg. Mag. Guggenberger ) , denn 16 Stunden plus zwei Dringliche würde bedeuten, daß wir morgen um 6 Uhr früh auch noch hier sind, und das kann es nicht sein, das kann nicht Parlamentarismus sein, meine Damen und Herren! (Abg. Dr. Graf: Wer hat 16 Stunden festgelegt?)
Beifall bei der ÖVP.
Denn eines ist nicht tolerierbar: Jeder von uns erwartet von den Betrieben ständig, die Betriebe sollen Arbeit schaffen und Arbeitsplätze sichern, und daneben haben wir Spezialeinrichtungen für die Durchführung der Krankenversicherung, sie heißen Krankenkassen. Und diese Krankenkassen erklären: Für uns ist das viel zu viel Verwaltungsarbeit, das sollen die Betriebe machen! – Meine Damen und Herren! Wo kommen denn wir da hin? Sollen die Betriebe jetzt Arbeit schaffen oder unbezahlte Staatsbuchhalter sein? – Vor dieser Entscheidung stehen wir, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall bei der ÖVP.
Herr Sozialminister! Ich gehe davon aus und wäre Ihnen dankbar für eine klare Stellungnahme Ihrerseits, daß diese Präzisierung für die Bauwirtschaft nicht bedeutet, daß das, was bisher in anderen Branchen rechtens war, nunmehr nicht mehr rechtens ist. Dieser Umkehrschluß, ist nicht zu ziehen. Es geht um eine Präzisierung, und Recht darf nicht gebogen werden. Ich gehe davon aus, Herr Minister, daß Sie sich dazu zu Wort melden. – Danke. (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Wenn Sie dann eine Änderung mit den Werkverträgen herbeiführen, wie heute gesagt wurde – wir probieren es einmal aus –, dann, Herr Minister, wird es zu spät sein, und die Frauen sind wieder die Benachteiligten! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Madl: Was? Da haben Sie eine Ahnung?
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Da auch gerade wieder von der Abgeordneten Madl die Arbeitszeit, das Nachtarbeitsverbot und überhaupt die Flexibilisierung angesprochen wurde, möchte ich schon sagen, daß die Flexibilität auch in Industrie- und Wirtschaftszweigen gefragt ist, und zwar vor allem von jenen, die, so wie die Abgeordnete Madl, diese Arbeit nie werden erbringen müssen. (Abg. Madl: Was? Da haben Sie eine Ahnung?) Das kann ich mir nicht vorstellen, daß Sie in einem Betrieb eine ganze Woche einmal diese Leistung erbringen müssen. (Abg. Madl: Ja, Sie können sich vieles nicht vorstellen!) Ich gehe gern mit Ihnen in den Betrieb. Ich gehe gerne mit Ihnen in den Betrieb raus! (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Haigermoser: Zeigen Sie uns Ihre schwieligen Arbeiterhände!) Die können Sie sich anschauen.
Abg. Madl: Ja, Sie können sich vieles nicht vorstellen!
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Da auch gerade wieder von der Abgeordneten Madl die Arbeitszeit, das Nachtarbeitsverbot und überhaupt die Flexibilisierung angesprochen wurde, möchte ich schon sagen, daß die Flexibilität auch in Industrie- und Wirtschaftszweigen gefragt ist, und zwar vor allem von jenen, die, so wie die Abgeordnete Madl, diese Arbeit nie werden erbringen müssen. (Abg. Madl: Was? Da haben Sie eine Ahnung?) Das kann ich mir nicht vorstellen, daß Sie in einem Betrieb eine ganze Woche einmal diese Leistung erbringen müssen. (Abg. Madl: Ja, Sie können sich vieles nicht vorstellen!) Ich gehe gern mit Ihnen in den Betrieb. Ich gehe gerne mit Ihnen in den Betrieb raus! (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Haigermoser: Zeigen Sie uns Ihre schwieligen Arbeiterhände!) Die können Sie sich anschauen.
Beifall bei der SPÖ. – Abg. Haigermoser: Zeigen Sie uns Ihre schwieligen Arbeiterhände!
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Da auch gerade wieder von der Abgeordneten Madl die Arbeitszeit, das Nachtarbeitsverbot und überhaupt die Flexibilisierung angesprochen wurde, möchte ich schon sagen, daß die Flexibilität auch in Industrie- und Wirtschaftszweigen gefragt ist, und zwar vor allem von jenen, die, so wie die Abgeordnete Madl, diese Arbeit nie werden erbringen müssen. (Abg. Madl: Was? Da haben Sie eine Ahnung?) Das kann ich mir nicht vorstellen, daß Sie in einem Betrieb eine ganze Woche einmal diese Leistung erbringen müssen. (Abg. Madl: Ja, Sie können sich vieles nicht vorstellen!) Ich gehe gern mit Ihnen in den Betrieb. Ich gehe gerne mit Ihnen in den Betrieb raus! (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Haigermoser: Zeigen Sie uns Ihre schwieligen Arbeiterhände!) Die können Sie sich anschauen.
Beifall bei der SPÖ. – Zwischenruf des Abg. Rosenstingl.
Ich habe 20 Jahre lang Akkordarbeit geleistet. Sie können auch nicht mitreden, was es heißt, acht Stunden in Akkord zu arbeiten. (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenruf des Abg. Rosenstingl. ) Nein, das können Sie nicht! Ich nehme Sie gerne in den Betrieb mit, und dann werden Sie sich anschauen können, was die Leute im Akkord und in Schwerarbeit um 8 000 S netto leisten müssen. (Abg. Ing. Tychtl: Bitte nicht mitnehmen!)
Abg. Ing. Tychtl: Bitte nicht mitnehmen!
Ich habe 20 Jahre lang Akkordarbeit geleistet. Sie können auch nicht mitreden, was es heißt, acht Stunden in Akkord zu arbeiten. (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenruf des Abg. Rosenstingl. ) Nein, das können Sie nicht! Ich nehme Sie gerne in den Betrieb mit, und dann werden Sie sich anschauen können, was die Leute im Akkord und in Schwerarbeit um 8 000 S netto leisten müssen. (Abg. Ing. Tychtl: Bitte nicht mitnehmen!)
Beifall bei der SPÖ.
Betreffend die Diskussion über die Aufhebung des Nachtarbeitsverbots für Frauen möchte ich sagen, ich setze mich auch für eine gleiche Regelung für beide Geschlechter ein, doch es müssen dafür erst die erforderlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, und dazu wird in erster Linie auch die Wirtschaft ihr Scherflein beitragen müssen. – Danke. (Beifall bei der SPÖ.)
Abg. Haigermoser: Eine angenehme Rede wird das jetzt werden gegenüber der vorigen! – Abg. Motter: Danke, Herr Kollege!
Präsident Dr. Heinrich Neisser: Zu Wort ist nunmehr Frau Abgeordnete Klara Motter gemeldet. – Bitte. (Abg. Haigermoser: Eine angenehme Rede wird das jetzt werden gegenüber der vorigen! – Abg. Motter: Danke, Herr Kollege!)
Beifall beim Liberalen Forum. – Abg. Dr. Feurstein betritt den Sitzungssaal.
Noch einmal eine Frage an Herrn Kollege Feurstein: Wo bleibt sein gesundes Empfinden, und wo bleibt sein vielgepriesener Föderalismus? – Ich kann mit gutem Gewissen heute dem Entschließungsantrag der Grünen, die sich mit diesem Inhalt beschäftigen, meine Zustimmung geben. (Beifall beim Liberalen Forum. – Abg. Dr. Feurstein betritt den Sitzungssaal.)
Beifall beim Liberalen Forum.
Meine Damen und Herren! Mit der heutigen Beschlußfassung der 53. ASVG-Novelle werden weitere Belastungen für unsere Bevölkerung von den Regierungsparteien beschlossen. Herr Dr. Stummvoll! Sie nennen das "Kunst des Möglichen". – Wir als Opposition sehen das natürlich anders: Durch die Erhöhung der Rezeptgebühr um 7 S, mit der Einführung einer Krankenscheingebühr von 50 S und mit der Erhöhung des Beitragssatzes für Pensionisten kommen Belastungen auf die Bevölkerung zu, die unser desolates Gesundheitssystem auch nicht im Ansatz zu einer Reform führen, denn die Krankenscheingebühr löst keines der schwerwiegenden strukturellen Probleme im österreichischen Gesundheitswesen, sie stopft nur kurzfristig Finanzlöcher, und ich behaupte heute schon, daß – wenn unser Gesundheitswesen nicht von Grund auf saniert wird – die nächste Belastung bereits vorprogrammiert ist! (Beifall beim Liberalen Forum.) Hierin sind wir, Herr Kollege Dr. Stummvoll, wie ich glaube, einer Meinung.
Beifall beim Liberalen Forum.
Auch mit der Erhöhung der Rezeptgebühr von 35 S auf 42 S werden neuerlich Pensionisten und kranke Menschen zur Kasse gebeten, ohne daß andererseits auch nur die geringste Reform beim sogenannten Medikamentenmißbrauch sichtbar wird. (Beifall beim Liberalen Forum.) Herr Minister! Ich goutiere Ihre Gespräche mit der Ärztekammer und mit der Apothekerkammer, aber von Erfolgen kann man in diesem Bereich wohl noch nicht sprechen.
Beifall beim Liberalen Forum. – Zwischenruf des Abg. Parnigoni .
Weiters wird dadurch auch dem verfassungsrechtlichen Grundsatz der Gleichbehandlung widersprochen, denn die geplante Änderung des § 131 ASVG widerspricht den Bestimmungen des § 135 Abs. 2 des ASVG, wonach der Patient das Recht auf die freie Arztwahl hat. Und solange wir im Bereich der Krankenversicherung eine Pflichtversicherung haben, ist diese Maßnahme entschieden abzulehnen! (Beifall beim Liberalen Forum. – Zwischenruf des Abg. Parnigoni .)
Beifall beim Liberalen Forum.
Danke schön. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Beifall bei ÖVP und SPÖ. – Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.
Abgeordnete Ridi Steibl (ÖVP): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Bevor ich zu meinem eigentlichen Thema, dem Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungsgesetz als Teil der wichtigen heutigen Sozialdebatte komme, möchte ich sehr verwundert etwas anderes feststellen: Wir haben uns fast einen ganzen Tag lang – einen Arbeitstag, wenn ich die Arbeitszeit an einem normalen Arbeitstag rechne – mit dieser wichtigen Sozialdebatte beschäftigt, bei der es um sehr, sehr viele Dinge für unser Land, für unsere Bevölkerung geht. Und was passiert? – Die F-ler sind nicht anwesend, allen voran der Ober-F-ler! Der Herr Abgeordnete Haider ist nicht hier! (Beifall bei ÖVP und SPÖ. – Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.)
Abg. Ing. Tychtl: Unerhört! Keine Moral!
Er wird wahrscheinlich wieder eine Sondersitzung zu diesem Thema planen und wahrscheinlich seine heutige Pressekonferenz – während der Arbeitszeit der Abgeordneten hier im Haus – um 19 Uhr im Schweizerhaus bei Stelzen und Maßbier vorbereiten! (Abg. Ing. Tychtl: Unerhört! Keine Moral!) Aber vielleicht hat er sich in der Zeit geirrt, vielleicht meint er morgen 6 Uhr früh, wenn wir dann fertig sind mit der Debatte. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Dr. Stippel: Eine Stechuhr für den Haider!) Bei ihm würde wahrscheinlich dann das eintreffen, was er uns immer unterstellt: daß wir eine Stechuhr benützen, aber nicht arbeiten.
Beifall bei der ÖVP. – Abg. Dr. Stippel: Eine Stechuhr für den Haider!
Er wird wahrscheinlich wieder eine Sondersitzung zu diesem Thema planen und wahrscheinlich seine heutige Pressekonferenz – während der Arbeitszeit der Abgeordneten hier im Haus – um 19 Uhr im Schweizerhaus bei Stelzen und Maßbier vorbereiten! (Abg. Ing. Tychtl: Unerhört! Keine Moral!) Aber vielleicht hat er sich in der Zeit geirrt, vielleicht meint er morgen 6 Uhr früh, wenn wir dann fertig sind mit der Debatte. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Dr. Stippel: Eine Stechuhr für den Haider!) Bei ihm würde wahrscheinlich dann das eintreffen, was er uns immer unterstellt: daß wir eine Stechuhr benützen, aber nicht arbeiten.
Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.
In diesem Sinne glaube ich, daß wir die Diskussion über dieses gesamte Paket mit einer verstärkten Anwesenheit im Plenarsaal weiterführen sollten – das ist aber eher in diese Richtung (in Richtung der Freiheitlichen weisend) gemeint. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ sowie der Abg. Tichy-Schreder .
Es kann sich dabei aber nur um Gestaltungsmöglichkeiten handeln, die im Interesse beider Partner sind. Es kann sicher nicht so sein, daß etwa unter dem Titel "Flexibilisierung der Arbeitszeit" schlichtweg danach getrachtet wird, den Arbeitnehmern zum Beispiel Überstundenzuschläge zu streichen. Das kann es nicht sein. Bessere Gestaltungsmöglichkeiten: ja, aber keinesfalls zu Lasten eines der beteiligten Partner! (Beifall bei der SPÖ sowie der Abg. Tichy-Schreder .)
Beifall bei der SPÖ.
Dabei ist mir natürlich eines klar – das ist so wie bei der jetzigen Novelle, wie auch bei den anderen Maßnahmen, die getroffen werden –: Damit ein Gesetz hier beschlußfähig wird, ist es notwendig, auch Kompromisse zu schließen. Aber ich möchte nochmals betonen: sicher keine Kompromisse, die einseitig zu Lasten der Arbeitnehmer gehen! (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei SPÖ und ÖVP.
Diese Maßnahme ist daher nicht verzichtbar, auch wenn sie nicht perfekt sein kann und auch wenn ich nicht ausschließen kann, daß wir sie noch öfter novellieren müssen. – Danke. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)
Beifall bei den Freiheitlichen
Wissen Sie, was unseriös ist? Zuerst die Bäuerinnen in eine Pensionsversicherung zu locken, ihnen zu versprechen, daß sie nach 15 Jahren pensionsberechtigt sind, und jetzt, wo sie brav ihre Beiträge zahlen, diese Frist um fünf Jahre zu verlängern. Ist die schwarze Donabauer-Pensionsfalle einmal zugeklappt, dann müssen sie fünf Jahre länger zahlen, damit sie am Ende die gleiche Pension herausbekommen. Das ist unseriös (Beifall bei den Freiheitlichen) , und dagegen werden wir uns entschieden zur Wehr setzen.
Beifall bei den Freiheitlichen.
Herr Bundesminister! Ich bitte Sie, ich fordere Sie auf, auch im Namen der gesamten Bauernschaft, dieses Unrecht endlich zu beseitigen, damit jene, die Beiträge zahlen, auch Leistungen erhalten können. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Zwischenruf des Abg. Meisinger
Auch der Angriff auf die Kassenambulatorien wird immer wieder von der FPÖ hier getätigt (Zwischenruf des Abg. Meisinger ) , und ich finde ihn nicht ganz gerechtfertigt, denn man sollte es einmal anhand von sachlichen Zahlen anschauen, Herr Kollege.
Abg. Koppler: Die Ambulatorien!
Die Zahnambulatorien der Krankenversicherungsträger haben im Jahr 1994 einen Produktionswert von 1 458 Millionen Schilling erbracht, bei Kosten von 1 066 Millionen Schilling. (Abg. Koppler: Die Ambulatorien!) Das heißt mit anderen Worten: Wenn ich mir das am freien Zahnarztmarkt sozusagen zukaufen müßte, müßte die Sozialversicherung 392 Millionen Schilling mehr für diese Leistungen erbringen. Das ist Ihre Politik!
Beifall bei der SPÖ. – Abg. Ing. Tychtl: Sehr verdächtig!
Warum, frage ich mich, hat Herr Dr. Pumberger diese Kritik auf einmal übersehen? Warum hat er nur Belange aufgezeigt, die mit Dienstnehmerrechten zu tun haben, aber nichts mit Kassen und Vertragsbedingungen und mit Ärztehonoraren? (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Ing. Tychtl: Sehr verdächtig!)
Beifall bei der SPÖ.
Aber das liegt vielleicht an der Intention der Politik der FPÖ. Die Freiheitlichen haben eine Presseaussendung am 28. Juni getätigt, in der sie das freiheitliche Maßnahmenpaket zur Sanierung der Krankenkassen darstellen, und darin findet sich witzigerweise überhaupt nichts über eine Eindämmung der Ärztehonorare, aber sehr wohl wieder die Forderung nach Zusammenlegung der Sozialversicherungsträger und nach einem freien Wettbewerb am Versicherungsmarkt, Umwandlung der Pflichtversicherung in eine Versicherungspflicht. Selbstverwaltung und damit direkte Demokratie paßt eben nicht in die Dritte Republik der Freiheitlichen. (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ.
Dieser Antrag wird keinesfalls unsere Zustimmung finden. Wir glauben, daß für Tagesmütter das (entfaltet ein Plakat) die bessere Lösung ist, meine Damen und Herren: "Kinderbetreuung ist kein Kinderspiel. Tagesmütter sind bei uns Angestellte. Qualität schafft Sicherheit." Und das müssen uns unsere Kinder auf jeden Fall wert sein. Daher wollen wir Tagesmütter, die beschäftigt sind, die Angestellte sind, die ein Berufsbild und eine Ausbildung haben. Das ist unser Bestreben. (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ.
Aber da fällt mir noch etwas dazu ein, weil der Kollege Reichhold schon wieder gemeint hat, manche Fragen ließen sich vielleicht besser mit der FPÖ lösen. Kollege Haider sollte sich besser mehr um den Kollegen Meischberger kümmern als um das Semperit-Werk, denn dort springt er wieder auf einen fahrenden Zug auf, und dabei kann man leicht ausrutschen. Dort sind nämlich schon längst Sozialdemokraten, ÖGB und Arbeiterkammer dabei, Lösungsmöglichkeiten, und zwar ernsthaft, zu erarbeiten. (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ.
Wir als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sind täglich vor Ort gemeinsam mit den betroffenen Menschen bemüht, die bestmögliche Lösung für alle zu finden. (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall beim Liberalen Forum.
Insgesamt aber, meine Damen und Herren, wäre es schön, wenn auch von Ihrer Seite grundsätzlich solchen Anträgen zugestimmt wird. Man könnte sie dann vielleicht gleich in der ersten Legislaturperiode, in der sie – wenn auch von der Opposition – eingebracht werden, behandeln und müßte nicht eine verstreichen lassen, um es dann doch so zu machen. – Danke schön. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Der Aufgerufene schlägt irrtümlich den Weg zur Regierungsbank ein. – Ruf bei der ÖVP: Da mußt du gehen! – Heiterkeit. – Abg. Seidinger: Die Ministerbank ist nicht drinnen! – Abg. Dr. Khol: Wird schon noch kommen! – Neuerliche Heiterkeit.
Präsident Dr. Heinrich Neisser: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Mag. Dr. Trinkl. – Bitte, Herr Abgeordneter, Sie haben das Wort. (Der Aufgerufene schlägt irrtümlich den Weg zur Regierungsbank ein. – Ruf bei der ÖVP: Da mußt du gehen! – Heiterkeit. – Abg. Seidinger: Die Ministerbank ist nicht drinnen! – Abg. Dr. Khol: Wird schon noch kommen! – Neuerliche Heiterkeit.)
Beifall bei ÖVP und SPÖ. – Zwischenruf bei der SPÖ.
Abgeordneter Mag. Dr. Josef Trinkl (ÖVP): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Fast hätte ich die Regierungsbank erklommen. Aber keine Angst: Sie ist gut besetzt, daher ist das auch nicht notwendig. (Beifall bei ÖVP und SPÖ. – Zwischenruf bei der SPÖ.) Da war ich schon, bei der Frau Dr. Pittermann, und das war nicht unangenehm!
Beifall bei der ÖVP.
Wir reden so gerne von der Sicherung des Wirtschaftsstandortes Österreich. Wir reden von den Rahmenbedingungen, die wir schaffen müßten, damit Unternehmungsgründungen interessant werden. Und was tun wir? – Wir belasten die Unternehmer mit zusätzlicher Bürokratie! Kein Mensch versteht, warum die Einhebung nicht dort passiert, wo auch der wirtschaftliche Nutzen gezogen wird, nämlich beim Arzt. Wenn schon dieser Weg aus mir nicht erklärlichen Gründen nicht durchsetzbar ist, so bietet uns die Situation doch die Möglichkeit, das Steinzeitsystem des Krankenscheines grundsätzlich zu diskutieren. (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall bei der ÖVP.
In den letzten Tagen haben uns viele, viele Unternehmer angerufen, die diesen neuerlichen Bürokratieschub wirklich sehr bedauern. Ich appelliere daher an den Herrn Bundesminister und auch an die Sozialversicherungsträger Österreichs, die Leerformel vom Wirtschaftsstandort Österreich nicht weiter zu predigen, wenn man nicht bereit ist, Bürokratieabbau aktiv anzugehen. (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall bei der ÖVP. – Abg. Dr. Khol: Guter Schlußsatz! – Abg. Kiss: Herr "Minister" Trinkl! – Abg. Dr. Khol: Bald bist du Minister! – Abg. Dr. Trinkl: Ich bin eh schon hinaufgegangen!
Bis zur Einführung der Chipkarte ersuchen wir mit allem Nachdruck, die Belastung für die Betroffenen durch eine möglichst einfache Durchführung auf ein Minimum zu reduzieren. So gesehen bedeutet die vorliegende Novelle tatsächlich eine große Chance: Sie gibt einerseits allen Österreicherinnen und Österreichern die Sicherheit, daß ihnen auch in Zukunft – zumindest in den nächsten Jahren – die Möglichkeiten, die die moderne Medizin bietet, offenstehen, sie ist aber auch Anlaß dafür, eingefahrene bürokratische Gleise zu verlassen und neue Wege der Kooperation zwischen Krankenversicherungsträgern, Patienten und Ärzten zu entwickeln. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Dr. Khol: Guter Schlußsatz! – Abg. Kiss: Herr "Minister" Trinkl! – Abg. Dr. Khol: Bald bist du Minister! – Abg. Dr. Trinkl: Ich bin eh schon hinaufgegangen!)
Abg. Silhavy: Wie heißt das? Wie der Schelm denkt, so ist er! – Abg. Reitsamer: Wie der Schelm ist, so denkt er!
Zur Regierungsvorlage 214 der Beilagen: Sozialrechts-Änderungsgesetz, in der diese vorgeschlagene Änderung des § 292 Abs. 1 des ASVG enthalten ist, durch die eine mißbräuchliche Inanspruchnahme der Ausgleichszulage durch Personen, die nicht in Österreich leben, verhindert werden soll, wenn sie den Hauptwohnsitz nicht in Österreich haben, sehr geehrte Damen und Herren, hat Frau Kollegin Reitsamer vorhin erwähnt, es gebe keine Ausgleichszulage, wenn jemand nicht in Österreich wohnhaft ist. Das ist mir schon klar. Aber es gibt ja auch diese Ausgleichszulagenpendler, wie uns allen bekannt ist. Das sind Leute, die einen Hauptwohnsitz in Österreich angeben, aber praktisch nur herfahren, damit sie die Ausgleichszulage kassieren. Da gibt es etliche Beispiele aus dem ehemaligen Jugoslawien, aus Polen und so weiter. (Abg. Silhavy: Wie heißt das? Wie der Schelm denkt, so ist er! – Abg. Reitsamer: Wie der Schelm ist, so denkt er!)
Abg. Koppler: Das gibt es ja!
Kollege Koppler! Ich glaube, da bist du meiner Meinung. (Abg. Koppler: Das gibt es ja!) Das gibt es nicht, Kollege Koppler. Ich werde dir jetzt einige Beispiele sagen, wieso es das nicht gibt. Die tägliche Normalarbeitszeit ist jetzt aufgeteilt. Jetzt steht im Arbeitszeitgesetz, die tägliche Normalarbeitszeit kann acht, sie kann aber auch neun oder zehn Stunden betragen. Da gibt es unterschiedliche Regelungen im Kollektivvertrag, und das ist eigentlich der krumme Hund dabei, Kollege Koppler.
Abg. Koppler: Schau dir die Betriebsvereinbarung bei BMW Steyr an!
Eine Durchrechnung auf 52 Wochen dürfte nicht überschritten werden, aber die Überstundenzuschläge – das ist extra zu verhandeln –, müßten pro Monat ab einer gewissen Anzahl mit dem Grundlohn ausbezahlt werden. Die Höhe ist fraglich. Man muß überlegen, ob man das ab 40 Stunden, ab 43 Stunden pro Woche macht, die geleisteten Stunden zwischen 38,5 und 50 sollten als Zeitausgleich innerhalb von 52 Wochen verwendet werden. Aber auf keinen Fall kann die wöchentliche Normalarbeitszeit darüber hinaus bis auf 50 Stunden ausgedehnt werden. Die EU-Richtlinie sagt überdies noch aus, daß die wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden nicht überschritten werden soll. (Abg. Koppler: Schau dir die Betriebsvereinbarung bei BMW Steyr an!)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Dieser Vorschlag ist extrem arbeitnehmerfeindlich, gesundheitsgefährdend, gehaltskürzend, es ist keine Flexibilisierung der Arbeitszeit vorhanden, sondern eine Arbeit auf Abruf. So etwas, sehr geehrte Damen und Herren, können wir einfach nicht mittragen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Die entfallenen Überstundenzuschläge und Trennungszulagen bedeuten im Prinzip nur eine Änderung auf Kosten der Arbeitnehmer. Deswegen können wir auch dieser Änderung des Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungsgesetzes nicht unsere Zustimmung geben. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei der SPÖ.
Es waren einige Highlights negativer Art festzustellen und zu berichten. Wenn zum Beispiel Dr. Pumberger herausgeht und den Herrn Sozialminister beleidigt und sagt, er sei eine vom Hauptverband ferngesteuerte Marionette, dann ist das an und für sich beleidigend genug, aber dann noch zu einer tatsächlichen Berichtigung herauszugehen und dasselbe noch einmal unter demselben Titel festzustellen, das fällt unter den Titel Wiederholungstäter. – Herr Dr. Pumberger, ich weiß nicht, welche Kinderstube Sie genossen haben! (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ. – Abg. Steibl: Das war ein kluger Mann!
Daß Herr Dr. Haider nicht anwesend ist, das ist für uns alle nichts Neues. Heute war er in Traiskirchen draußen vor 15 Mitarbeitern. Das war traurig: Das Fernsehen war nicht dort, die Presse war nicht dort. Jetzt um diese Zeit möchte er eine Pressekonferenz geben, aber der Werksleiter hat ihm das nicht zugestanden, und hinein soll er auch nicht gehen. Das ist einmal die richtige Antwort auf jemanden, der immer nur vorgibt, für die kleinen Leute und die Arbeiter dazusein, der aber in Wirklichkeit keinen Einsatz zeigt. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Steibl: Das war ein kluger Mann!)
Beifall bei der SPÖ. – Abg. Dr. Khol: Das war eine richtige Feststellung!
Diese Interpretation ist aus folgenden Gründen unzutreffend. Gemäß § 19 Abs. 5 Beamten-Kranken- und Unfallversicherungsgesetz ist in Zukunft im Falle der Kürzung, eines teilweisen oder gänzlichen Entfalls der Bezüge für die Bemessung der Beiträge die letzte vor der Herabsetzung der Bezüge herangezogene Beitragsgrundlage maßgeblich. Und dies gilt auch für den Fall der Kürzung oder des Entfalls der Bezüge eines Politikers. In diesem Fall ist nach § 22 Abs. 4 B-KUVG der entfallende Anteil vom Dienstgeber allein zu tragen, weil diese Vorschrift ausdrücklich eine Ausnahme für den Fall einer Verminderung der Bezüge aufgrund einer Herabsetzung der Dienstzeit enthält. Diese Ausnahme gilt auch für Abgeordnete, deren Dienstbezüge entsprechend der neuen Regelung gekürzt werden oder wegen Außerdienststellung zur Gänze entfallen. – Ich bitte Sie, diese Feststellung zur Kenntnis zu nehmen. Danke schön. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Dr. Khol: Das war eine richtige Feststellung!)
Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten von den Freiheitlichen. – Abg. Böhacker: Welchen Mist meinen Sie?
Sie müssen mir verzeihen, aber ich wundere mich doch auch manchmal darüber, daß Kollegen und Kolleginnen, die gegen die Aufhebung des Nachtarbeitsverbotes sind, sehr wohl um 1 Uhr oder um 2 Uhr in die Cafeteria gehen und erwarten, daß dort jemand für sie das Schnitzel bäckt und serviert und daß auch nach der Sitzung jemand unseren Mist wegräumt. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten von den Freiheitlichen. – Abg. Böhacker: Welchen Mist meinen Sie?) Nicht den, den Ihr Parteiführer meint.
Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.
Bei der Firma Suchard zum Beispiel gibt es 400 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Hälfte davon sind Frauen. Suchard macht den Pilotversuch, Nachtarbeitsschichten zu fahren. Es gab eine Umfrage, und die meisten Frauen sind auf freiwilliger Basis bereit, Nachtarbeit zu leisten, weil es für sie bedeutet, den Job zu bekommen, den Job zu behalten und natürlich auch mehr zu verdienen. Ich glaube, es ist heutzutage hoch an der Zeit – und ich fordere Sie und den Sozialminister wirklich auf –, hier endlich tätig zu werden. Ich erwarte mir, daß der Sozialminister sein Versprechen hält, daß es eine Lösung dieses Problems bis zum Herbst gibt. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Jede neue Belastung wirkt sich dann umso spürbarer in den Haushaltskassen unserer Familien, also unserer Bürger aus. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Dr. Haselsteiner: Von Hums! Der Schlögl war es nicht! – Abg. Dr. Partik-Pablé: Dann würde es besser ausschauen!
Ich habe Ihnen im letzten Plenum erzählt, daß das Belastungspaket schwanger ist, und ich habe Ihnen auch gesagt, daß es ein neues Belastungsbaby in sich trägt. Leider ist der Herr Minister heute nicht da, weil ich kann ... (Abg. Dr. Haselsteiner: Von Hums! Der Schlögl war es nicht! – Abg. Dr. Partik-Pablé: Dann würde es besser ausschauen!) Ich kann ihm das nämlich auch gleich beweisen. Der Herr Minister selbst hat nämlich gesagt, daß das prognostizierte Defizit der Kassen für 1998 bereits 8 Milliarden beträgt. Ich habe es hier in einer Pressemeldung. Alle bis jetzt getroffenen Maßnahmen einschließlich der für 1998 vorgeschlagenen Maßnahmen reduzieren dieses Defizit auf nur 6,8 Milliarden Schilling. Das heißt, es fehlt uns jetzt schon eine Milliarde Schilling, von der wir nicht wissen, wo wir sie hernehmen sollen.
Beifall bei den Freiheitlichen.
Wir brauchen keine neue Krankensteuer bei den Krankenscheinen. (Beifall bei den Freiheitlichen.) Wir brauchen – und das haben schon einige meiner Vorredner gesagt – eine etwas modernere, intelligentere Form der Verrechnung, nämlich eine Chip-Card oder eine Med-Card, je nachdem, wie man sie nennen will. Das würde uns viel Arbeit und auch sehr viele Kosten ersparen.
Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Dr. Fekter: Ja!
Dort, wo heute die Bürokratie mit der Krankenscheinadministration zuschlägt, muß morgen einfach ein neues Computersystem stehen. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Dr. Fekter: Ja!)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Wir von den Freiheitlichen bekräftigen daher heute unsere Ablehnung, unsere absolute Ablehnung diesem unintelligenten Belastungspaket gegenüber. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Es ist mir persönlich ein ganz besonderes Anliegen, mich für sozial Schwache und vor allem auch für unsere alten Mitbürger einzusetzen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei ÖVP und SPÖ.
Abgeordneter Wolfgang Großruck (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Geschätzte Damen und Herren! Herr Kollege Dolinschek – ein lieber Sitznachbar von mir – hat vorhin über das Arbeitszeitgesetz gesprochen und moniert, daß durch verschiedene Anträge die Gefahr besteht, daß die Bürger zu lange arbeiten müssen. Dolinschek, du hättest es gestern in der Hand gehabt, daß zumindest ein Teil der Bürger nicht so lange arbeiten muß, indem du der Geschäftsordnungsreform zugestimmt hättest, denn dann hätten jene Bediensteten im Parlament, die 18 Stunden und mehr arbeiten, dank deiner Zustimmung weniger arbeiten müssen. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.) Das war nur ein kleiner Hinweis, der zeigt, daß die Praxis etwas anders ausschaut, als es in der Theorie hier heraußen verkündet wird.
Abg. Ing. Reichhold: Die haben fünf neue Bundesländer verkraften müssen!
Übertitel: Pleite im Paradies. Geburtenrückgang und Arbeitslosigkeit haben die sozialen Sicherungssysteme verwüstet. Der Sozialstaat bisheriger Prägung ist am Ende. Die Rente ist unsicher. Niemand weiß, womit Arbeitslosengeld, Pflegehilfe und Krankengeld in Zukunft bezahlt werden sollen. – So gehen die Schlagzeilen in diesem "Spiegel"-Bericht über Deutschland weiter. Es heißt: Letzte Chance: Umschichtungen können die Bundesanstalt für Arbeit entlasten. – Und so weiter. (Abg. Ing. Reichhold: Die haben fünf neue Bundesländer verkraften müssen!)
Abg. Ing. Reichhold: Was sagen Sie dazu, daß die fünf neue Bundesländer verkraften haben müssen und trotzdem weniger Schulden haben als wir?
Meine Damen und Herren! Das ist die Situation in Deutschland (Abg. Ing. Reichhold: Was sagen Sie dazu, daß die fünf neue Bundesländer verkraften haben müssen und trotzdem weniger Schulden haben als wir?) , und wir werden mit dieser 53. Novelle die Schraube drehen, damit wir nicht in diese Situation kommen. (Abg. Ing. Reichhold: Warum gehen Sie auf meine Zwischenrufe nicht ein?!) Ich habe nicht so viel Zeit! Wenn der Zwischenruf qualifiziert wäre, bekämen Sie eine Antwort, aber so gehe ich nicht darauf ein. (Beifall bei ÖVP und SPÖ. – Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.) Die blauen Brüder probieren jetzt, mich aus dem Konzept zu bringen. Das wird ihnen nicht gelingen! Hören Sie zu, dann wissen Sie, was ich Ihnen zu sagen habe, und dann sind Sie nachher ein bißchen gescheiter. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Böhacker: Wer regiert denn in Deutschland? Die Schwarzen regieren in Deutschland!)
Abg. Ing. Reichhold: Warum gehen Sie auf meine Zwischenrufe nicht ein?!
Meine Damen und Herren! Das ist die Situation in Deutschland (Abg. Ing. Reichhold: Was sagen Sie dazu, daß die fünf neue Bundesländer verkraften haben müssen und trotzdem weniger Schulden haben als wir?) , und wir werden mit dieser 53. Novelle die Schraube drehen, damit wir nicht in diese Situation kommen. (Abg. Ing. Reichhold: Warum gehen Sie auf meine Zwischenrufe nicht ein?!) Ich habe nicht so viel Zeit! Wenn der Zwischenruf qualifiziert wäre, bekämen Sie eine Antwort, aber so gehe ich nicht darauf ein. (Beifall bei ÖVP und SPÖ. – Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.) Die blauen Brüder probieren jetzt, mich aus dem Konzept zu bringen. Das wird ihnen nicht gelingen! Hören Sie zu, dann wissen Sie, was ich Ihnen zu sagen habe, und dann sind Sie nachher ein bißchen gescheiter. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Böhacker: Wer regiert denn in Deutschland? Die Schwarzen regieren in Deutschland!)
Beifall bei ÖVP und SPÖ. – Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.
Meine Damen und Herren! Das ist die Situation in Deutschland (Abg. Ing. Reichhold: Was sagen Sie dazu, daß die fünf neue Bundesländer verkraften haben müssen und trotzdem weniger Schulden haben als wir?) , und wir werden mit dieser 53. Novelle die Schraube drehen, damit wir nicht in diese Situation kommen. (Abg. Ing. Reichhold: Warum gehen Sie auf meine Zwischenrufe nicht ein?!) Ich habe nicht so viel Zeit! Wenn der Zwischenruf qualifiziert wäre, bekämen Sie eine Antwort, aber so gehe ich nicht darauf ein. (Beifall bei ÖVP und SPÖ. – Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.) Die blauen Brüder probieren jetzt, mich aus dem Konzept zu bringen. Das wird ihnen nicht gelingen! Hören Sie zu, dann wissen Sie, was ich Ihnen zu sagen habe, und dann sind Sie nachher ein bißchen gescheiter. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Böhacker: Wer regiert denn in Deutschland? Die Schwarzen regieren in Deutschland!)
Beifall bei der ÖVP. – Abg. Böhacker: Wer regiert denn in Deutschland? Die Schwarzen regieren in Deutschland!
Meine Damen und Herren! Das ist die Situation in Deutschland (Abg. Ing. Reichhold: Was sagen Sie dazu, daß die fünf neue Bundesländer verkraften haben müssen und trotzdem weniger Schulden haben als wir?) , und wir werden mit dieser 53. Novelle die Schraube drehen, damit wir nicht in diese Situation kommen. (Abg. Ing. Reichhold: Warum gehen Sie auf meine Zwischenrufe nicht ein?!) Ich habe nicht so viel Zeit! Wenn der Zwischenruf qualifiziert wäre, bekämen Sie eine Antwort, aber so gehe ich nicht darauf ein. (Beifall bei ÖVP und SPÖ. – Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.) Die blauen Brüder probieren jetzt, mich aus dem Konzept zu bringen. Das wird ihnen nicht gelingen! Hören Sie zu, dann wissen Sie, was ich Ihnen zu sagen habe, und dann sind Sie nachher ein bißchen gescheiter. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Böhacker: Wer regiert denn in Deutschland? Die Schwarzen regieren in Deutschland!)
Abg. Böhacker: Darum das Krisenszenario in Deutschland!
Meine Damen und Herren! Der Bundeskanzler der Republik Deutschland Dr. Kohl hat etwas sehr Gescheites gesagt, nämlich: Der Staat ist keine Kuh, die im Himmel gefüttert und auf der Erde gemolken werden kann! (Abg. Böhacker: Darum das Krisenszenario in Deutschland!) – So funktioniert es auch bei uns: Die Sozialkuh, meine Damen und Herren, die wir in Österreich melken, müssen wir auch hier in Österreich füttern! – Das muß uns klar und bewußt sein. Damit eben der Futtertrog nicht leer wird, damit wir in Österreich auch weiterhin den Sozialstandard aufrechterhalten können, ist es notwendig, die 53. ASVG-Novelle zu beschließen. (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall bei der ÖVP.
Meine Damen und Herren! Der Bundeskanzler der Republik Deutschland Dr. Kohl hat etwas sehr Gescheites gesagt, nämlich: Der Staat ist keine Kuh, die im Himmel gefüttert und auf der Erde gemolken werden kann! (Abg. Böhacker: Darum das Krisenszenario in Deutschland!) – So funktioniert es auch bei uns: Die Sozialkuh, meine Damen und Herren, die wir in Österreich melken, müssen wir auch hier in Österreich füttern! – Das muß uns klar und bewußt sein. Damit eben der Futtertrog nicht leer wird, damit wir in Österreich auch weiterhin den Sozialstandard aufrechterhalten können, ist es notwendig, die 53. ASVG-Novelle zu beschließen. (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall bei der ÖVP.
Das waren die drei Anträge, meine Damen und Herren, die somit eingebracht sind. – Danke schön. (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Die Arbeitnehmer, die täglich um ihren Arbeitsplatz kämpfen müssen, fühlen sich da wirklich auf den Arm genommen! (Beifall bei den Freiheitlichen.) Und zwar auf der einen Seite von einer Regierungspartei, die vorgibt, Arbeitnehmervertreter oder Arbeiterpartei zu sein, und auf der anderen Seite von einer Regierungspartei, der christlichsozialen Partei, die immer wieder sagt, daß sie sich für den Menschen und für die Gleichbehandlung einsetzt.
Beifall bei den Freiheitlichen.
Im Bereich des Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungsgesetzes gibt es eine Regelung, die nicht als Ministerialentwurf in Begutachtung war, die in der letzten Sitzung des Sozialausschusses im raschesten Verfahren durchgezogen wurde – natürlich ohne gründliche Vorbereitung, denn darin haben die Sozialpartner ja besondere Erfahrung. Das möchte ich ganz besonders ins Treffen führen, da dieses Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungsgesetz in krassem Widerspruch zu dem steht, was zum Beispiel in Oberösterreich passiert, wo die Abteilung des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, die für Wildbach- und Lawinenverbauung zuständig ist, über die Wintermonate 100 Mitarbeiter freisetzen will. Auf der anderen Seite aber kündigt die Bundesregierung im Baubereich große, medienwirksame Beschäftigungsoffensiven an. Es sollen diese Mitarbeiter also über die Wintermonate freigestellt werden, und man ist nicht bereit, für sie dieses neue Gesetz anzuwenden. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Herr Minister! Sie werden sich noch wundern, was sich im heurigen Herbst im Tourismus und gerade bei den Einsaison-Betrieben abspielen wird. Ich ersuche Sie daher, das wirklich ernst zu nehmen und initiativ zu werden. – Danke sehr. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Ich ersuche vor allem die bäuerlichen Abgeordneten der ÖVP, dem Wunsch der oberösterreichischen Bäuerinnen, des oberösterreichischen Bäuerinnenausschusses, der eine Resolution an alle Parlamentsfraktionen geschickt hat, gerecht zu werden, denn es handelt sich in diesem Fall um echte Härtefälle, da eine Gesetzesänderung im nachhinein nun dazu führt, daß Bäuerinnen, die seit ihrem 14., 15. Lebensjahr schwer arbeiten, aufgrund der Änderung absolut keinen Anspruch mehr haben, nicht einmal auf eine Mindestpension. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, handeln Sie! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Ich darf Sie, meine Damen und Herren von der Österreichischen Volkspartei, herzlich einladen, gemeinsam mit uns Freiheitlichen eine Koalition der Vernunft zu bilden und die Besteuerung beziehungsweise Sozialversicherungspflicht bei Werkverträgen wieder abzuschaffen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall der Abg. Dr. Partik-Pablé.
Nun, Herr Minister, haben Sie den Mut, diese Sozialversicherungspflicht bei Werkverträgen bis Jahresende auszusetzen, damit neu verhandelt werden kann und endlich das gemacht wird, was auch Ihr Koalitionspartner will. (Beifall der Abg. Dr. Partik-Pablé.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Dieser Abänderungsantrag gehört zur Regierungsvorlage betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bauern-Sozialversicherungsgesetz und das Betriebsbeihilfegesetz geändert werden sollen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Grünen.
Oder aber – und das scheint auch sehr logisch zu sein, verfolgt man die Politik der SPÖ überhaupt in dieser Frage – Sie versuchen hier einen Spagat, der nicht gelingen kann, einen Spagat zwischen einem Beitritt zur NATO, zur Westeuropäischen Union und der Aufrechterhaltung der Neutralität. Diesen Spagat versuchen Sie offensichtlich noch bis zur Europawahl zu halten, um damit auch ganz wichtige Wählersegmente abzudecken, um zumindest den Schein zu wahren, als würden Sie die Neutralität nie wirklich in Frage stellen. (Beifall bei den Grünen.)
Beifall bei den Grünen.
Diese Debatte hat, wie ich eingangs gesagt habe, am Wochenende wieder einen Höhepunkt und weitere Aktualität erreicht, als unser Bundespräsident gesagt hat, wir hätten 50 Jahre lang unsere Rolle gespielt, die der Neutralität. Nun hätte sich das komplett geändert und Österreich suche eine neue Rolle in Europa. Der Osten ist nicht mehr der Osten des kalten Krieges, die NATO ist nicht mehr die NATO des kalten Krieges, und die Neutralität ist nicht mehr die Neutralität. Ein sehr einfaches Weltbild scheint sich dahinter zu verbergen, und die Frage wirft sich auf, ob unser Bundespräsident sich mit diesen Äußerungen überhaupt noch im Verfassungsbogen, den sein Klubobmann in anderen Fällen immer gerne auslegt, befindet. (Beifall bei den Grünen.)
Abg. Hans Helmut Moser: In vier Jahren!
Aber, Herr Bundeskanzler, Sie haben an diesem Wochenende mit Ihrer Reaktion auf diese Äußerungen des Bundespräsidenten auch aufhorchen lassen. Sie haben eine klare Distanzierung, um nicht zu sagen, Kritik diesen Äußerungen gegenüber vermissen lassen. Aber Sie haben nicht nur diese Distanzierung vermissen lassen, sondern Sie haben in Ihrer Aussage dem Bundespräsidenten sogar insofern recht gegeben, als Sie gesagt haben, die NATO hätte sich auf den Weg gemacht, in acht bis zehn Jahren eine andere NATO zu sein. (Abg. Hans Helmut Moser: In vier Jahren!)
Beifall bei den Grünen, bei Abgeordneten des Liberalen Forums sowie des Abg. Dr. Graf.
Jetzt geht es nicht darum, daß ich die Anträge der anderen Oppositionsparteien verteidigen möchte – vor dem Hintergrund, den ich habe, sind sie nicht das, was ich will –, aber es geht um die Vorgangsweise, die hier gewählt wurde: Man meidet bewußt eine Debatte über einen ganz wichtigen zentralen politischen Punkt, nämlich über den Beitrag zur Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik. Man meidet die Debatte darüber, wie sich Österreich entscheiden soll, was die Optionen sind, und glaubt offensichtlich, dieses Thema Neutralität schlicht und einfach aussitzen zu können. (Beifall bei den Grünen, bei Abgeordneten des Liberalen Forums sowie des Abg. Dr. Graf. )
Abg. Scheibner: Wäre Ihnen das andere lieber gewesen?
Ein anderer Mythos ist – der Klubobmann der ÖVP hat das erst neulich wieder in einem Kommentar beschrieben –, daß die NATO den Frieden in Europa gesichert hat. Wie hat denn die NATO den Frieden in Europa gesichert? Mit einer Rüstungsspirale, mit einer Abschreckungspolitik und -philosophie wurde nicht ein Frieden gesichert, sondern wurde gesichert, daß es zu keinem Ausbruch von militärischen ... (Abg. Scheibner: Wäre Ihnen das andere lieber gewesen?)
Abg. Scheibner: Da gehören aber immer zwei dazu!
Nein, es wäre mir nicht lieber gewesen, aber man soll auseinanderhalten, was Frieden ist und was Abschreckung ist (Abg. Scheibner: Da gehören aber immer zwei dazu!), und man soll keinen Mythos bilden, als wäre die NATO eine Friedenstruppe. Das ist sie nicht, das war sie nicht, und das wird sie nie sein! (Beifall bei den Grünen.)
Beifall bei den Grünen.
Nein, es wäre mir nicht lieber gewesen, aber man soll auseinanderhalten, was Frieden ist und was Abschreckung ist (Abg. Scheibner: Da gehören aber immer zwei dazu!), und man soll keinen Mythos bilden, als wäre die NATO eine Friedenstruppe. Das ist sie nicht, das war sie nicht, und das wird sie nie sein! (Beifall bei den Grünen.)
Abg. Dr. Frischenschlager: Das hat der Pilz immer verlangt!
Sie erwähnen dann im Zusammenhang mit diesen Petersberger Erklärungen immer die humanitären Aufgaben, die Rettungseinsätze, die friedenserhaltenden Aufgaben. Sie vergessen auch hier zu sagen: Der zweite Teil dieser Petersberger Aufgaben – und den erwähnen Sie nie – sieht nämlich Kampfeinsätze zur Krisenbewältigung und eindeutig auch Peace-making vor, also Kampfeinsätze zur Herstellung des Friedens. (Abg. Dr. Frischenschlager: Das hat der Pilz immer verlangt!) Was immer das heißen mag, es ist eben offen. Und vergessen Sie nicht, daß das im Lichte der letzten Entwicklungen bedeutet, daß solche Einsätze auch unter dem atomaren Schirm durchgeführt werden können und sollen und gewollt sind. Aber das erwähnen Sie nicht. Sie tun immer so, als würde es sich hier um eine humanitäre Organisation handeln. (Beifall bei den Grünen.)
Beifall bei den Grünen.
Sie erwähnen dann im Zusammenhang mit diesen Petersberger Erklärungen immer die humanitären Aufgaben, die Rettungseinsätze, die friedenserhaltenden Aufgaben. Sie vergessen auch hier zu sagen: Der zweite Teil dieser Petersberger Aufgaben – und den erwähnen Sie nie – sieht nämlich Kampfeinsätze zur Krisenbewältigung und eindeutig auch Peace-making vor, also Kampfeinsätze zur Herstellung des Friedens. (Abg. Dr. Frischenschlager: Das hat der Pilz immer verlangt!) Was immer das heißen mag, es ist eben offen. Und vergessen Sie nicht, daß das im Lichte der letzten Entwicklungen bedeutet, daß solche Einsätze auch unter dem atomaren Schirm durchgeführt werden können und sollen und gewollt sind. Aber das erwähnen Sie nicht. Sie tun immer so, als würde es sich hier um eine humanitäre Organisation handeln. (Beifall bei den Grünen.)
Abg. Hans Helmut Moser: Wer sagt denn das?
Auch hier wird tunlichst verschwiegen, was längst anhand von durchaus seriösen Untersuchungen auf dem Tisch liegt und auch durch Aussagen von führenden Militärs des Landesverteidigungsministeriums belegt ist: Die Mindestkosten eines NATO-Beitrittes betragen das Doppelte des Landesverteidigungsbudgets, das heißt also, es ist eine Verdoppelung von 20 auf 40 Milliarden notwendig. (Abg. Hans Helmut Moser: Wer sagt denn das?) Das ist das mindeste. (Abg. Scheibner: Können Sie die Kosten aufschlüsseln?) Diese Kosten sind aufgeschlüsselt worden, und Sie können sie nachlesen in der Zeitschrift "NEWS" aus dem vorigen Jahr: Aufstockung des Personals, höherer Sachaufwand durch die NATO-Übungen, höhere Investitionen, die Umstellung des Militärs, all das bringt eine Mindestverteuerung von 20 auf 40 Milliarden. (Abg. Scheibner: Bringen Sie die Alternative!)
Abg. Scheibner: Können Sie die Kosten aufschlüsseln?
Auch hier wird tunlichst verschwiegen, was längst anhand von durchaus seriösen Untersuchungen auf dem Tisch liegt und auch durch Aussagen von führenden Militärs des Landesverteidigungsministeriums belegt ist: Die Mindestkosten eines NATO-Beitrittes betragen das Doppelte des Landesverteidigungsbudgets, das heißt also, es ist eine Verdoppelung von 20 auf 40 Milliarden notwendig. (Abg. Hans Helmut Moser: Wer sagt denn das?) Das ist das mindeste. (Abg. Scheibner: Können Sie die Kosten aufschlüsseln?) Diese Kosten sind aufgeschlüsselt worden, und Sie können sie nachlesen in der Zeitschrift "NEWS" aus dem vorigen Jahr: Aufstockung des Personals, höherer Sachaufwand durch die NATO-Übungen, höhere Investitionen, die Umstellung des Militärs, all das bringt eine Mindestverteuerung von 20 auf 40 Milliarden. (Abg. Scheibner: Bringen Sie die Alternative!)
Abg. Scheibner: Bringen Sie die Alternative!
Auch hier wird tunlichst verschwiegen, was längst anhand von durchaus seriösen Untersuchungen auf dem Tisch liegt und auch durch Aussagen von führenden Militärs des Landesverteidigungsministeriums belegt ist: Die Mindestkosten eines NATO-Beitrittes betragen das Doppelte des Landesverteidigungsbudgets, das heißt also, es ist eine Verdoppelung von 20 auf 40 Milliarden notwendig. (Abg. Hans Helmut Moser: Wer sagt denn das?) Das ist das mindeste. (Abg. Scheibner: Können Sie die Kosten aufschlüsseln?) Diese Kosten sind aufgeschlüsselt worden, und Sie können sie nachlesen in der Zeitschrift "NEWS" aus dem vorigen Jahr: Aufstockung des Personals, höherer Sachaufwand durch die NATO-Übungen, höhere Investitionen, die Umstellung des Militärs, all das bringt eine Mindestverteuerung von 20 auf 40 Milliarden. (Abg. Scheibner: Bringen Sie die Alternative!)
Abg. Scheibner: Bringen Sie die Alternative!
Aber ich frage Sie: Wie wollen Sie allein diese Steigerung von 20 auf 40 Milliarden vor der Bevölkerung vertreten? Wir haben erst vor zwei Monaten in diesem Haus eine Diskussion über die Sparpakete für die nächsten zwei Jahre gehabt. (Abg. Scheibner: Bringen Sie die Alternative!) Hier wurden Streichungen bei den Sozialleistungen vorgenommen, die Familien wurden regelrecht geschröpft, die Familienbeihilfen gekürzt. Das nächste Sparpaket steht vor der Tür, es wird notwendig sein, trotz der Beteuerungen, daß keines kommen wird. Und Sie reden locker davon, daß das eine Priorität ist, die Österreich in diesem Bereich zu setzen hat, obwohl ein NATO-Beitritt mindestens eine Verdoppelung des Landesverteidigungsbudgets erfordert, ungeachtet aller sozialen und wirtschaftlichen Anstrengungen, die Österreich unternehmen sollte, ja ungeachtet dessen, daß Sie sich in einem Widerspruch zu Ihren eigenen Aussagen befinden, Herr Bundeskanzler, wenn Sie sagen, das zentrale Anliegen der Regierungskonferenz sei die Beschäftigungspolitik. Wie wollen Sie denn Beschäftigung sichern und ermöglichen, wenn Sie das Geld in die Aufstockung des Landesverteidigungsbudgets pulvern? (Beifall bei den Grünen.)
Beifall bei den Grünen.
Aber ich frage Sie: Wie wollen Sie allein diese Steigerung von 20 auf 40 Milliarden vor der Bevölkerung vertreten? Wir haben erst vor zwei Monaten in diesem Haus eine Diskussion über die Sparpakete für die nächsten zwei Jahre gehabt. (Abg. Scheibner: Bringen Sie die Alternative!) Hier wurden Streichungen bei den Sozialleistungen vorgenommen, die Familien wurden regelrecht geschröpft, die Familienbeihilfen gekürzt. Das nächste Sparpaket steht vor der Tür, es wird notwendig sein, trotz der Beteuerungen, daß keines kommen wird. Und Sie reden locker davon, daß das eine Priorität ist, die Österreich in diesem Bereich zu setzen hat, obwohl ein NATO-Beitritt mindestens eine Verdoppelung des Landesverteidigungsbudgets erfordert, ungeachtet aller sozialen und wirtschaftlichen Anstrengungen, die Österreich unternehmen sollte, ja ungeachtet dessen, daß Sie sich in einem Widerspruch zu Ihren eigenen Aussagen befinden, Herr Bundeskanzler, wenn Sie sagen, das zentrale Anliegen der Regierungskonferenz sei die Beschäftigungspolitik. Wie wollen Sie denn Beschäftigung sichern und ermöglichen, wenn Sie das Geld in die Aufstockung des Landesverteidigungsbudgets pulvern? (Beifall bei den Grünen.)
Beifall bei den Grünen. – Abg. Dr. Stummvoll: So eine Polemik! Das ist ja unglaublich!
Fragen Sie doch die Österreicher und Österreicherinnen, was sie lieber wollen, ob sie lieber Radpanzer und Schützenpanzer oder lieber eine ordentliche Familienbeihilfe wollen. Fragen Sie doch die Österreicher und Österreicherinnen, ob sie lieber neue Abfangjäger als Nachfolger der Draken wollen oder ob sie lieber eine Sicherung ihrer Arbeitsplätze, eine Mindestsicherung ihrer sozialen Situation wollen. (Beifall bei den Grünen. – Abg. Dr. Stummvoll: So eine Polemik! Das ist ja unglaublich!)
Abg. Hans Helmut Moser: Das stimmt ja nicht! Das ist eine theoretische Berechnung, die nicht stimmt!
Schauen Sie sich diese NATO-Osterweiterung einmal an. Nach einer Studie des amerikanischen Verteidigungsministeriums würde die NATO-Osterweiterung für diese Länder 124 Milliarden Dollar kosten. (Abg. Hans Helmut Moser: Das stimmt ja nicht! Das ist eine theoretische Berechnung, die nicht stimmt!) Das ist ein Betrag, der für uns kaum mehr vorstellbar ist. Und ich frage Sie, wie glaubwürdig Sie mit Ihrer Politik sind, wenn Sie immer wieder beteuern, daß Sie für eine Osterweiterung sind, und zwar nicht in militärischer, in verteidigungspolitischer Hinsicht, sondern in wirtschaftlicher Hinsicht, in Hinsicht auf die Europäische Union.
Beifall bei den Grünen.
Ich möchte in einigen Fällen durchaus kritisch darauf eingehen. Allein Ihre Haltung im Rahmen einer aktiven Außenpolitik läßt alles vermissen, was wir darunter verstehen. Wir verstehen Neutralität keineswegs so, daß wir nichts tun sollten, uns nicht beteiligen sollten an dieser Debatte. Wir verstehen Neutralität durchaus so, daß Sie sich aktiv daran beteiligen sollten, wie denn diese Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik ausschauen soll. (Beifall bei den Grünen.)
Beifall bei den Grünen.
Gleichzeitig versichern Sie uns in den entsprechenden Gremien, das Thema Außen- und Sicherheitspolitik würde bei der Regierungskonferenz noch gar nicht behandelt werden, wir hätten Zeit bis zum Herbst. Wie gesagt, diverse Anträge werden von der Tagesordnung genommen oder entsorgt. Es wird uns gesagt, es sei noch gar nicht das Thema. Inzwischen beraten die Vertreter der Mitgliedsländer in Brüssel bereits über die Details dieser Fragen, und Österreich nimmt daran quasi nicht teil. Es bringt keine eigene Meinung, keinen eigenen Standpunkt ein. Es schließt sich immer der Mehrheitsmeinung an. Das ist nicht unser Verständnis von aktiver Außenpolitik, und das ist nicht unser Verständnis von Neutralitätspolitik. (Beifall bei den Grünen.)
Beifall bei den Grünen
Lassen Sie mich nur bei einem Beispiel bleiben, um eine Alternative aufzuzeigen. Österreich hat sich nach dem Abkommen von Dayton an den IFOR-Truppen beteiligt, und das hat Österreich in etwa 1996 300 Millionen Schilling gekostet, wenn man das einmal so sehen will. Das aber, was unserer Meinung nach heute und in Zukunft notwendig sein wird, um diesen Waffenstillstand und die Durchführung dieses Abkommens auch wirklich sicherstellen zu können, ist sehr, sehr viel mehr als nur Geldmittel, sondern das sind sehr viel mehr präventive Maßnahmen, sind sehr viel mehr zivile Aufbaumaßnahmen, Wiederaufbaumaßnahmen. Es ist zu gewährleisten, daß die Wahlen in Bosnien tatsächlich durchgeführt werden können. Es ist zu gewährleisten, daß die Flüchtlinge in ihre Gebiete zurückkehren können. Es sind viele, viele begleitende Arbeiten in diesem Bereich des Aufbaus zu leisten, des zivilen Lebens in Bosnien. Wir denken, wir wären besser beraten, anstatt 300 Fernfahrer nach Bosnien zu schicken, die, was diesen Aspekt betrifft, das Kraut wirklich nicht fett machen, dort einzutreten und uns dort einzusetzen, wo die Stärken Österreichs liegen (Beifall bei den Grünen), und ich denke, daß diese Stärken durchaus beim zivilen Aufbau, in der humanitären Hilfe liegen, was jetzt genauso dringend notwendig ist wie vor einem Jahr oder wie zum Zeitpunkt des Abkommens von Dayton. Das wäre eine der möglichen Alternativen.
Beifall bei den Grünen.
Warum kann sich Österreich nicht, statt als voreiliger Musterschüler zu glauben, einem Militärbündnis unter völlig ungeklärten Voraussetzungen beitreten zu wollen oder zu können, auf jene Stärken berufen und besinnen, die es zweifelsohne hat, die es als neutrales Land auch weiter ausführen und ausüben kann. Es kann in dieser Situation durchaus als Vermittler, als unterstützendes Land auftreten und mehr Geldmittel als bisher, die eine Lächerlichkeit sind gegenüber dem, was nötig ist, zum Beispiel für Wahlbeobachtungen in Bosnien einsetzen, um dafür die Garantie zu geben, daß diese Wahlen wirklich durchgeführt werden können. (Beifall bei den Grünen.)
Beifall bei den Grünen.
Und sehen Sie: Nicht wenige Menschen haben dieses Volksbegehren unterstützt, und ich denke mir, sie und alle anderen verdienen diese klare Antwort auf diese Frage. Sie sollten nicht ein Volksbegehren in einem Unterausschuß entsorgen, und Sie sollten nicht glauben, daß Sie mit dieser Antwort einfach bis nach den Wahlen warten und so tun können, als würde diese Frage jetzt nicht existieren. (Beifall bei den Grünen.)
Beifall bei den Grünen.
Die Befürchtung, die nicht nur wir haben, die sehr viele haben, ist, daß diese Entscheidungen nicht im Parlament getroffen werden, daß Sie diese Entscheidungen in Gremien verlagern, wo es die Mitsprache der Parlamentarier und Parlamentarierinnen nicht gibt und noch weniger die Mitsprache der Bevölkerung, wiewohl sie notwendig und dringend erforderlich ist. (Beifall bei den Grünen.)
Anhaltender Beifall bei den Grünen.
Herr Bundeskanzler! Daher sind Sie aufgerufen, jetzt und heute und nicht im Herbst und nicht drei Tage vor den Wahlen und nicht drei Tage nach den Wahlen Antwort darauf zu geben: Wird es eine Volksabstimmung geben, wenn Österreich den Boden der Neutralität verläßt? Wieviel kostet die Beteiligung Österreichs an einem gemeinsamen Außen- und Sicherheitsmodell, und wie wird dieses von Ihnen in Brüssel mit getragen und mit entschieden werden? – Danke. (Anhaltender Beifall bei den Grünen.)
Beifall bei der SPÖ.
Arbeitslosigkeit ist – das wissen wir – letztendlich genauso ein Sicherheitsproblem, wie es eine militärische Bedrohung sein kann. Und wenn das langsam in Europa so erkannt wird, dann nicht zuletzt deshalb, weil wir einen wesentlichen Beitrag zu dieser Meinungs- und Erkenntnisbildung geleistet haben. (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ.
Daher sind auch alle Vorwürfe unzutreffend, Österreich sei ein sicherheitspolitischer Trittbrettfahrer. Innerhalb der sich abzeichnenden Konturen für eine europäische Sicherheitsarchitektur sehe ich die Rolle Österreichs durchaus als ein Mitgestalter, als ein Teilmotor eines Gesamten für Frieden und Stabilität, und ich glaube, daß wir diesen Weg gemeinsam fortsetzen müssen. (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.
Herr Kollege, es geht nicht darum, was jemand als Diskussionsbeitrag liefert, sondern was die gesamte Bundesregierung letztendlich beschließt. Das ist in einem Rechtsstaat so. Wir legen Ihnen ja auch nicht einzelne Meinungen von Ministern als Regierungsvorlagen vor, sondern diese drücken die Haltung der gesamten Bundesregierung aus. Und dabei wird es auch bleiben. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)
Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.
Im übrigen verweise ich auf meine einleitenden grundsätzlichen Ausführungen. – Danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)
Zwischenruf des Abg. Scheibner.
Herr Bundeskanzler! Es stimmt: Sie und weite Teile Ihrer Fraktion waren in der Vergangenheit nicht diejenigen, die die Demontage der österreichischen Neutralität besonders aktiv und lautstark betrieben haben. Das stimmt. Aber Sie haben auch nicht aktiv und lautstark und mit dem ganzen Gewicht der stärksten Fraktion in diesem Haus die österreichische Neutralität verteidigt und auch nicht die immer wieder und ganz kontinuierlich kommenden Vorstöße in Richtung eines Abbaus der Neutralität verhindert. (Zwischenruf des Abg. Scheibner.) Sie hören ja, wie
Abg. Scheibner: Das ist schon die Mehrheit!
Herr Bundeskanzler, das mache ich Ihnen zum Vorwurf! Mit dieser Antwort, die Sie geben, tun Sie so, als würden Sie in einem innenpolitischen Vakuum agieren, als könnten Sie ganz allein und ohne mit Widerständen rechnen zu müssen, Ihre Position umsetzen. – Dem ist nicht so. Drei Fraktionen in diesem Haus haben bereits ganz klar ihre Meinung zur österreichischen Neutralität kundgetan. (Abg. Scheibner: Das ist schon die Mehrheit!) Ja, das ist die Mehrheit, Herr Abgeordneter Scheibner, leider. Und insofern wäre ein vehementes, ein ganz entschlossenes Verteidigen der Neutralität durch die stärkste Fraktion in diesem Haus dringend angesagt! (Beifall bei den Grünen.)
Beifall bei den Grünen.
Herr Bundeskanzler, das mache ich Ihnen zum Vorwurf! Mit dieser Antwort, die Sie geben, tun Sie so, als würden Sie in einem innenpolitischen Vakuum agieren, als könnten Sie ganz allein und ohne mit Widerständen rechnen zu müssen, Ihre Position umsetzen. – Dem ist nicht so. Drei Fraktionen in diesem Haus haben bereits ganz klar ihre Meinung zur österreichischen Neutralität kundgetan. (Abg. Scheibner: Das ist schon die Mehrheit!) Ja, das ist die Mehrheit, Herr Abgeordneter Scheibner, leider. Und insofern wäre ein vehementes, ein ganz entschlossenes Verteidigen der Neutralität durch die stärkste Fraktion in diesem Haus dringend angesagt! (Beifall bei den Grünen.)
Beifall bei den Grünen. – Abg. Dr. Frischenschlager: Vielleicht wollen sie es nicht!
Das ist die Mehrheit in diesem Haus! Und da genügt es nicht, Herr Bundeskanzler, daß Sie sagen: Wir werden zuwarten, wir werden sehen, nicht jetzt, vielleicht, und vielleicht wird die NATO einmal etwas ganz anderes sein, wer weiß, wohin sich die EU entwickelt. – Wenn Sie als Bundeskanzler und mit Ihnen die stärkste Fraktion in diesem Hause hier nicht aktiv für die Neutralität eintreten und kämpfen, dann kann man heute schon voraussagen, daß der Prozeß einer scheibchenweisen Demontage der Neutralität in Österreich, den Sie auch bisher nicht verhindert haben, weitergehen wird. (Beifall bei den Grünen. – Abg. Dr. Frischenschlager: Vielleicht wollen sie es nicht!)
Präsident Dr. Neisser übernimmt den Vorsitz.
Ich erinnere Sie, Herr Bundeskanzler: 1990/91, Golfkrieg. Sie und Ihre Fraktion waren mit dabei, als ein wesentlicher Teil der Neutralität verschwunden ist, als die Vorschriften über die Ein-, Aus- und Durchfuhr von Kriegsmaterial wesentlich abgeschwächt und verändert wurden. (Präsident Dr. Neisser übernimmt den Vorsitz.)
Beifall bei den Grünen.
1995, Bosnieneinsatz – das wurde von Frau Abgeordneter Pollet bereits angesprochen –: Auch da haben Sie sich wieder einmal mehr um die Frage, ob das mit der österreichischen Neutralität vereinbar ist, herumgedrückt. Das ist keine Antwort, daß Österreich auch humanitäre Hilfe leistet. Gott sei Dank, ich bin sehr froh darüber und ich bin sehr stolz darauf, daß Österreich es tut, aber der andere Teil, der ist nicht vereinbar mit der österreichischen Neutralität, und es macht einen großen Unterschied, ob Österreich sich im Rahmen von Peace-keeping-missions aktiv einsetzt oder bei diesem Einsatz – noch dazu bei der historischen Position Österreichs. (Beifall bei den Grünen.)
Beifall bei den Grünen.
Sie haben es ja in Ihren ersten Ausführungen noch klarer formuliert: Sie wollen zwischen Tätern und Opfern differenzieren. Herr Bundeskanzler, das ist legitim, aber auf der Seite der Zivilbevölkerung. Dort heißt aktive Neutralitätspolitik tatsächlich, sich bedingungslos für die Opfer einzusetzen, aber nicht auf der Ebene der Staaten. Auf der Ebene der Staaten heißt neutral sein tatsächlich, Distanz zu wahren in Konflikten. (Beifall bei den Grünen.)
Beifall bei den Grünen.
Herr Bundeskanzler! Ein Militärpakt ist ein Militärpakt ist ein Militärpakt – und daran führt nichts vorbei. Gerade der Jugend in Österreich können Sie nicht ein X für ein U vormachen. Die NATO neu wird vielleicht einige Aufgaben dazubekommen, auch um die immer unpopulärer werdenden militärischen Einsätze ein bißchen zu verbrämen, aber sie bleibt ein Militärpakt. Und sich dieser Hoffnung hinzugeben, heißt, die österreichische Neutralität leichtfertig aufs Spiel zu setzen! (Beifall bei den Grünen.)
Beifall bei den Grünen.
Da können Sie nicht mit der NATO-Politik konform gehen, und da ist es viel zu wenig, zu sagen, auf österreichischem Territorium werden keine Kernwaffen stationiert, sondern wenn es Ihnen ernst ist mit der Antiatompolitik, dann müssen Sie sich gerade in unseren Nachbarstaaten, gerade in den Gremien der EU dafür einsetzen, daß alle Staaten atomar abrüsten und daß kein Staat mehr – insbesondere Österreich nicht – in diesem Wahnsinn der atomaren Aufrüstung mitmacht. (Beifall bei den Grünen.)
Beifall bei der SPÖ.
Abgeordneter Peter Schieder (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Meine sehr geschätzten Damen und Herren! Ich glaube nicht, daß es gut für Österreich ist, wenn die Neutralität laufend ins Gerede gebracht wird. (Beifall bei der SPÖ.) Egal, aus welcher Absicht es geschieht – im Wollen, sie abzuschaffen, oder, wie heute durch die Anfrage der Grünen, im Bestreben, sie zu schützen –: Ins Gerede kommt sie dadurch allemal. (Ironische Heiterkeit bei den Grünen. – Abg. Mag. Stadler: Sie sind doch eine so diskussionsfreudige Partei!)
Ironische Heiterkeit bei den Grünen. – Abg. Mag. Stadler: Sie sind doch eine so diskussionsfreudige Partei!
Abgeordneter Peter Schieder (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Meine sehr geschätzten Damen und Herren! Ich glaube nicht, daß es gut für Österreich ist, wenn die Neutralität laufend ins Gerede gebracht wird. (Beifall bei der SPÖ.) Egal, aus welcher Absicht es geschieht – im Wollen, sie abzuschaffen, oder, wie heute durch die Anfrage der Grünen, im Bestreben, sie zu schützen –: Ins Gerede kommt sie dadurch allemal. (Ironische Heiterkeit bei den Grünen. – Abg. Mag. Stadler: Sie sind doch eine so diskussionsfreudige Partei!)
Abg. Ing. Langthaler: Also wollen Sie eine Geheimhaltung?
In diesem Sinne ist die grüne Anfrage sicherlich nicht dringlich gewesen. Sie war eindringlich vorgebracht, aber dringlich ist sie wirklich nicht. (Abg. Ing. Langthaler: Also wollen Sie eine Geheimhaltung?) Nein, es geht nicht um Geheimhaltung. Es ist nichts geheimzuhalten. Es ist völlig offen und völlig klar: Wir haben ein gültiges Gesetz. Die österreichische Neutralität besteht, sie ist inhaltlich weiterentwickelt worden, und diese Weiterentwicklung war gleichzeitig auch ein Zurückführen auf jene Punkte, die in den Verhandlungen seit 1953 und in der parlamentarischen Debatte 1955 im Vordergrund standen, nämlich die Ablehnung eines Bündnisses und die Ablehnung von fremden Truppen auf unserem Territorium.
Abg. Dr. Ofner: Da hat er recht!
Die Frage der Neutralität stellt sich daher nicht, und die Frage der Volksabstimmung stellt sich genausowenig, wie sich die Frage der Abschaffung der Neutralität stellt. (Abg. Dr. Ofner: Da hat er recht!)
Abg. Haigermoser: 1970/71! – Abg. Mag. Stadler: Wenn der letzte Lipizzaner stirbt! Dann ist die Kavallerie tot!
Zur Frage, die Ihre außenpolitische Sprecherin in der Begründung aufgeworfen hat, wie denn nun diese Sicherheitsarchitektur Europas ausschauen kann, werden wir hier sicherlich in den folgenden Beiträgen – vor allem der FPÖ, aber vielleicht auch des Liberalen Forums – wieder einmal hören, wie man bestehende Einrichtungen weiterentwickeln soll. Ich denke dabei immer daran, daß sich die Militärexperten eigentlich nicht einig sind, wann das Ende der Kavallerie anzusetzen ist. War es Friedland, oder war es Borodino, oder war es 1917 im Kampf um Beersheba – oder vielleicht gar erst 1945 im Joglland? (Abg. Haigermoser: 1970/71! – Abg. Mag. Stadler: Wenn der letzte Lipizzaner stirbt! Dann ist die Kavallerie tot!)
Abg. Scheibner: Was sind die NATO-Staaten: böse Finsterlinge?
Die NATO-Mitglieder sind selbstverständlich für letztere Vorgangsweise (Abg. Scheibner: Was sind die NATO-Staaten: böse Finsterlinge?), selbst wenn sie sich für ein Sicherheitssystem aussprechen, denn sie befinden sich auf vertrautem Terrain, sie haben mit Strukturen und Hierarchien umzugehen gelernt, es ist die Aktie über den Atlantik da, über die Aufteilung der Finanzierung herrscht Klarheit, und es ist auch im Interesse der Rüstungsindustrie und deren Lieferantenfirmen, die sich auf bestehende Systeme fixiert haben und die wissen, daß sie eine gewisse Garantie haben. Auch die Verwaltung, die natürlich überleben will, ist für dieses System. Hauptargument der Staaten ist allerdings: Es gibt funktionierende Einrichtungen, die eingespielt und einsatzbereit sind.
Abg. Scheibner: Trotzdem wollen sie alle in die NATO hinein: das Baltikum und so weiter!
Bei der OSZE-Tagung vor wenigen Tagen haben sich diese Bruchlinien klar gezeigt: Die osteuropäischen Länder wollen hinein, die westlichen Länder wollen, daß in der OSZE die NATO die führende Rolle übernimmt, und die Nachfolgestaaten der Sowjetunion haben für ein europäisches Sicherheitssystem plädiert, das mehr ist als eine sich verändernde NATO. (Abg. Scheibner: Trotzdem wollen sie alle in die NATO hinein: das Baltikum und so weiter!)
Abg. Wabl: Was wird da mystifiziert?
Manche drängen natürlich auf eine Entscheidung unter Verweis auf die notwendigen Sicherheitsgarantien. Hiezu meine ich: Österreich soll nicht eine Beteiligung an Sicherheitssystemen mit Sicherheitsgarantien verknüpfen, die es gar nicht braucht. Österreich hat jedenfalls in der Vergangenheit schon ausreichend bewiesen und ist auch in der Zukunft ausreichend in der Lage, konstruktive Beiträge für die internationale Sicherheit zu liefern, ohne daß dafür ständig vom NATO-Beitritt und vom Abschaffen der Neutralität auf der eine Seite geredet werden muß oder andererseits die NATO verteufelt und die Neutralität mystifiziert wird, wie es von mancher Seite geschieht. (Abg. Wabl: Was wird da mystifiziert?)
Beifall bei der SPÖ und des Abg. Dr. Stummvoll .
Ich weiß, wir leben in einer Zeit, in der man griffige, titelartige Formulierungen liebt, in der man ein Ja oder ein Nein haben möchte, aber wir alle wissen, wir leben gleichzeitig in einer Welt, in der die Lösungen nicht bloß schlagzeilenartig sind, nicht bloß ein Ja oder ein Nein darstellen, und deshalb ist es gut, daß wir bei unserer Haltung bleiben: auf die speziellen Sicherheitsinteressen Österreichs einzugehen und in der Frage der militärischen Strukturen eine flexible Position einzunehmen. Und eine flexible Position heißt in diesem Zusammenhang abwarten und dann beurteilen, heißt nicht Opportunismus, sondern garantiert, daß das Notwendige und politisch Sinnvolle tatsächlich gemacht werden kann und so ein Maximum an Sicherheit möglich ist. (Beifall bei der SPÖ und des Abg. Dr. Stummvoll .)
Beifall bei der ÖVP und des Abg. Mag. Peter .
Wenn wir heute die Sicherheit unseres Landes durch den Verbund mit anderen freien Ländern gewährleisten können, dann halte ich das für die beste Wahl. Ich habe zu garantieren beziehungsweise zu sichern, daß sich der Staat frei und in demokratischer Weise entwickeln kann. Wodurch ich das erreiche, ist sekundär. Es ist die Wahl, für die ich in der Politik die Verantwortung trage. Das ist der Unterschied! (Beifall bei der ÖVP und des Abg. Mag. Peter .)
Beifall bei der ÖVP.
Es geht nicht darum, liebe Kollegin Kammerlander, was wir uns wünschen, sondern darum, was in dieser Welt notwendig ist, um die Demokratie und die Freiheit der Menschen zu sichern. (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall bei der ÖVP und der Abg. Mag. Peter , Mag. Firlinger und Scheibner .
Ich sage Ihnen: Die NATO hat dort mehr gemacht als viele tausend Bücher, die über Menschenrechte, über Menschenwürde geschrieben wurden. Sie hat nämlich endlich einmal mit dem Morden, mit dem Vergewaltigen en masse, das dort passiert ist, Schluß gemacht. Man muß auch den Mut haben, das anzuerkennen. (Beifall bei der ÖVP und der Abg. Mag. Peter , Mag. Firlinger und Scheibner .)
Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ, des Liberalen Forums und der Freiheitlichen.
Ich habe mich im September 1991 beim Angriff auf Kroatien gegen das Waffenembargo ausgesprochen. Es haben dann die Verhandlungen über die Wiederherstellung des Friedens in diesem Teil Europas begonnen. Vier Jahre ist nichts passiert. In dieser Zeit hat man sich massiv gegen eine militärische Lösung ausgesprochen. Meine Damen und Herren! Die 8 000 Menschen von Srbrenica würden heute noch leben, wenn es zwei Jahre vorher eine militärische Lösung gegeben hätte. Wer trägt denn die Verantwortung dafür? (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ, des Liberalen Forums und der Freiheitlichen.)
Beifall bei ÖVP und SPÖ.
Meine Damen und Herren! Wir können das nicht so abwerten. Wir leben in einer Zeit der Hedonie, des Materialismus, in der es ein Problem ist – gerade Sie von den Grünen weisen oft zu Recht darauf hin –, geringe zusätzliche Leistungen für Entwicklungsländer, für die Armen der Welt zu erbringen. Aber was sagen wir jenen, die das Optimum leisten, die ihre Sicherheit, ihre Unverletzlichkeit zur Verfügung stellen, um den Bürger zu schützen? Der Polizist, aber auch der Angehörige des Bundesheeres riskieren sein Leben, um den anderen Sicherheit zu geben. Da haben wir doch allen Grund dazu, ihnen Dank auszusprechen, sie zu respektieren. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)
Beifall bei ÖVP und SPÖ.
Daß nun ein Durchbruch erzielt worden ist, sagte schon mein Kollege Schieder. Wir sollten diesen Weg intensivieren. In Berlin wurde ein neuer Ansatz gesetzt. Die NATO wurde europäisiert. Frankreich kehrt zurück in den militärischen Apparat der NATO. Die NATO stellt auch der Westeuropäischen Union Mittel zur Verfügung, um im Interesse des Friedens, im Interesse des menschlichen Fortschritts, im Interesse der UNO-Charta agieren zu können. Auch in Bosnien, Kollegin Kammerlander, hat die NATO im Auftrag der UNO gearbeitet. Wir sollten anerkennen, daß diese Institutionen nur dann eine Chance auf Wirkung haben, wenn sie auch tatsächlich ernstgenommen werden. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)
Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.
Abgeordneter Herbert Scheibner (Freiheitliche): Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Herr Kollege Mock! Wie so oft, wenn es um außenpolitische Debatten geht, kann man Ihren Worten völlig zustimmen. Sie haben das auch aus unserer Sicht richtig analysiert. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)
Beifall bei den Freiheitlichen
Es kann doch nicht so sein, Herr Kollege Mock und meine Damen und Herren von der ÖVP, daß man deshalb, weil man in einer Regierung mit den Sozialisten sitzt, die ein anderes Verständnis von Sicherheitspolitik haben, sagt, diese Frage klammern wir aus unserer Politik aus, aus unserer politischen Handlung klammern wir die Sicherheitspolitik aus. Das kann doch nicht die Aufgabe einer Partei wie der Österreichischen Volkspartei sein, Herr Minister Mock, in der Sie noch etwas zu reden haben, in der es einen Verteidigungsminister Fasslabend gibt, in der es einen Vizekanzler Schüssel gibt (Beifall bei den Freiheitlichen), die uns immer wieder richtige
Zwischenbemerkung des Bundeskanzlers Dr. Vranitzky .
Wir haben es heute wieder erlebt, meine Damen und Herren! Der Herr Bundeskanzler hat in seiner Beantwortung der dringlichen Anfrage – selbstverständlich kann man mit den Intentionen der Anfragesteller überhaupt nicht konform gehen kann – nur einen Nebeltopf losgelassen, nämlich die Dinge, die wir schon so oft gehört haben wiederholt. Man muß zuwarten, man wird sehen, was sich entwickelt, jetzt noch nicht. Es war auch der Zeitplan sehr interessant, den er uns vorgelegt hat. In acht bis zehn Jahren wird sich vielleicht etwas entwickeln. Das heißt also, in der Nach-Vranitzky-Ära werden sich seine Nachfolger mit der Neuordnung der Sicherheitspolitik zu beschäftigen haben. Er ist nicht bereit, diese Diskussion zu führen. (Zwischenbemerkung des Bundeskanzlers Dr. Vranitzky .)
Abg. Schieder: Wieso schließen Sie in zehn Jahren ein Nachher aus?
Selbstverständlich, Herr Bundeskanzler! In den Diskussionen der letzten Tage haben Sie acht bis zehn Jahre gesagt. (Abg. Schieder: Wieso schließen Sie in zehn Jahren ein Nachher aus?) Davon gehe ich wohl aus, Herr Kollege Schieder. Vielleicht ist es auch eine Hoffnung. Herr Kollege Schieder! Ich gebe Ihnen recht, da ist vielleicht der Wunsch Vater des Gedankens. (Abg. Dr. Fuhrmann: Wishful thinking!) Ich hoffe jedenfalls, daß Sie bald auch in Ihren Reihen Politiker an der Spitze Ihrer Fraktion haben werden, die keine Berühungsängste mit sicherheitspolitischen Debatten haben, denn damit wäre unserem Land wirklich gedient, Herr Kollege Schieder und meine Damen und Herren von der SPÖ. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Dr. Fuhrmann: Wishful thinking!
Selbstverständlich, Herr Bundeskanzler! In den Diskussionen der letzten Tage haben Sie acht bis zehn Jahre gesagt. (Abg. Schieder: Wieso schließen Sie in zehn Jahren ein Nachher aus?) Davon gehe ich wohl aus, Herr Kollege Schieder. Vielleicht ist es auch eine Hoffnung. Herr Kollege Schieder! Ich gebe Ihnen recht, da ist vielleicht der Wunsch Vater des Gedankens. (Abg. Dr. Fuhrmann: Wishful thinking!) Ich hoffe jedenfalls, daß Sie bald auch in Ihren Reihen Politiker an der Spitze Ihrer Fraktion haben werden, die keine Berühungsängste mit sicherheitspolitischen Debatten haben, denn damit wäre unserem Land wirklich gedient, Herr Kollege Schieder und meine Damen und Herren von der SPÖ. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Selbstverständlich, Herr Bundeskanzler! In den Diskussionen der letzten Tage haben Sie acht bis zehn Jahre gesagt. (Abg. Schieder: Wieso schließen Sie in zehn Jahren ein Nachher aus?) Davon gehe ich wohl aus, Herr Kollege Schieder. Vielleicht ist es auch eine Hoffnung. Herr Kollege Schieder! Ich gebe Ihnen recht, da ist vielleicht der Wunsch Vater des Gedankens. (Abg. Dr. Fuhrmann: Wishful thinking!) Ich hoffe jedenfalls, daß Sie bald auch in Ihren Reihen Politiker an der Spitze Ihrer Fraktion haben werden, die keine Berühungsängste mit sicherheitspolitischen Debatten haben, denn damit wäre unserem Land wirklich gedient, Herr Kollege Schieder und meine Damen und Herren von der SPÖ. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Schieder: Aber deswegen muß das nicht stimmen!
Herr Kollege Schieder! Sie wissen, daß es diese Diskussionen gibt. Sagen Sie nicht im Inland etwas anderes als das, was uns draußen auch immer wieder mitgeteilt wird. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Schieder: Aber deswegen muß das nicht stimmen!)
Abg. Schieder: Wenn alles stimmt, was gesagt wird, wäre das furchtbar!
Herr Kollege Schieder! Sie sagen natürlich immer (Abg. Schieder: Wenn alles stimmt, was gesagt wird, wäre das furchtbar!), das stimmt alles nicht, was die anderen sagen. Es stimmt alles nicht, was die Europäische Union festhält, was Ihre Parteikollegen festhalten. Es ist mir ein völliges Rätsel, warum es diese Berührungsängste gibt. (Abg. Schieder: Sie waren selbst dabei, wie Delors gesagt hat, er kann leben damit!) Natürlich. Er kann mit einer Neutralität leben, die bedeutet, daß wir uns überall beteiligen, daß wir uns von keinen Aktionen ausschließen, weil die Neutralität nur zur innenpolitischen Beruhigung der Bevölkerung notwendig ist. Das ist es. Das sind die Dinge, die uns dort vorgehalten werden, Herr Kollege Schieder! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Schieder: Sie waren selbst dabei, wie Delors gesagt hat, er kann leben damit!
Herr Kollege Schieder! Sie sagen natürlich immer (Abg. Schieder: Wenn alles stimmt, was gesagt wird, wäre das furchtbar!), das stimmt alles nicht, was die anderen sagen. Es stimmt alles nicht, was die Europäische Union festhält, was Ihre Parteikollegen festhalten. Es ist mir ein völliges Rätsel, warum es diese Berührungsängste gibt. (Abg. Schieder: Sie waren selbst dabei, wie Delors gesagt hat, er kann leben damit!) Natürlich. Er kann mit einer Neutralität leben, die bedeutet, daß wir uns überall beteiligen, daß wir uns von keinen Aktionen ausschließen, weil die Neutralität nur zur innenpolitischen Beruhigung der Bevölkerung notwendig ist. Das ist es. Das sind die Dinge, die uns dort vorgehalten werden, Herr Kollege Schieder! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Herr Kollege Schieder! Sie sagen natürlich immer (Abg. Schieder: Wenn alles stimmt, was gesagt wird, wäre das furchtbar!), das stimmt alles nicht, was die anderen sagen. Es stimmt alles nicht, was die Europäische Union festhält, was Ihre Parteikollegen festhalten. Es ist mir ein völliges Rätsel, warum es diese Berührungsängste gibt. (Abg. Schieder: Sie waren selbst dabei, wie Delors gesagt hat, er kann leben damit!) Natürlich. Er kann mit einer Neutralität leben, die bedeutet, daß wir uns überall beteiligen, daß wir uns von keinen Aktionen ausschließen, weil die Neutralität nur zur innenpolitischen Beruhigung der Bevölkerung notwendig ist. Das ist es. Das sind die Dinge, die uns dort vorgehalten werden, Herr Kollege Schieder! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Schieder: Aktive Friedenspolitik, Friedensforschung!
Man muß doch wohl auch klarlegen, was das bedeutet, Herr Kollege Schieder. (Abg. Schieder: Aktive Friedenspolitik, Friedensforschung!) Was bedeutet eine ernstgenommene völkerrechtliche Neutralität? – Das heißt, daß man seine Sicherheits- und Verteidigungspolitik alleine und isoliert von anderen Staaten organisiert. Da rede ich gar nicht von Überflugsgenehmigungen und von Durchfuhrgenehmigungen von Waffen und sonstigem Gerät, sondern da rede ich nur von der Neutralitätspolitik, Herr Kollege Schieder, die auch in Friedenszeiten für einen neutralen Staat Voraussetzung ist, sodaß man sagen kann, man werde sich auch in Zukunft im Ernstfall aus allen möglichen Konflikten heraushalten, man werde selbstverständlich keiner Organisation beitreten, die kollektive Verteidigungsmaßnahmen vorsieht. Herr Kollege Schieder! Das wären die Bedingungen an einen dauernd neutralen Staat. Die Schweiz etwa hat es sehr ernst genommen. Sie hat gesagt, wir bleiben aus all diesen Sicherheitssystemen draußen: keine UNO-Mitgliedschaft, keine EU-Mitgliedschaft et cetera et cetera.
Abg. Schieder: Glauben Sie an Geisterstimmen? Ich habe das mit keinem Wort erwähnt!
Herr Kollege Schieder! Sie, aber auch Ihr Klubobmann Kostelka, haben auch die Kosten eines NATO-Beitritts immer wieder ins Spiel gebracht. Man muß dann aber auch festhalten, daß man seine Verteidigung selbst organisieren und selbst finanzieren muß. Herr Kollege Schieder! (Abg. Schieder: Glauben Sie an Geisterstimmen? Ich habe das mit keinem Wort erwähnt!) Was würde das kosten, wenn wir sagen, wir müssen unser Bundesheer so weit aufrüsten, daß wir uns alleine gegen alle möglichen potentiellen Bedrohungen der Zukunft zur Wehr setzen können? (Abg. Dr. Cap: Hören Sie wirklich Geisterstimmen?) Da müssen Sie auch die Alternativen sehen. (Beifall bei Freiheitlichen.)
Abg. Dr. Cap: Hören Sie wirklich Geisterstimmen?
Herr Kollege Schieder! Sie, aber auch Ihr Klubobmann Kostelka, haben auch die Kosten eines NATO-Beitritts immer wieder ins Spiel gebracht. Man muß dann aber auch festhalten, daß man seine Verteidigung selbst organisieren und selbst finanzieren muß. Herr Kollege Schieder! (Abg. Schieder: Glauben Sie an Geisterstimmen? Ich habe das mit keinem Wort erwähnt!) Was würde das kosten, wenn wir sagen, wir müssen unser Bundesheer so weit aufrüsten, daß wir uns alleine gegen alle möglichen potentiellen Bedrohungen der Zukunft zur Wehr setzen können? (Abg. Dr. Cap: Hören Sie wirklich Geisterstimmen?) Da müssen Sie auch die Alternativen sehen. (Beifall bei Freiheitlichen.)
Beifall bei Freiheitlichen.
Herr Kollege Schieder! Sie, aber auch Ihr Klubobmann Kostelka, haben auch die Kosten eines NATO-Beitritts immer wieder ins Spiel gebracht. Man muß dann aber auch festhalten, daß man seine Verteidigung selbst organisieren und selbst finanzieren muß. Herr Kollege Schieder! (Abg. Schieder: Glauben Sie an Geisterstimmen? Ich habe das mit keinem Wort erwähnt!) Was würde das kosten, wenn wir sagen, wir müssen unser Bundesheer so weit aufrüsten, daß wir uns alleine gegen alle möglichen potentiellen Bedrohungen der Zukunft zur Wehr setzen können? (Abg. Dr. Cap: Hören Sie wirklich Geisterstimmen?) Da müssen Sie auch die Alternativen sehen. (Beifall bei Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Hätte vor 10 oder 15 Jahren jemand vorhersehen können, daß 1991 an unseren Grenzen gekämpft wird, daß im ehemaligen Jugoslawien ein fürchterlicher Bürgerkrieg stattfindet? Hätte man damals Garantien abgeben können, daß das alles nicht passiert und daß eine militärische Landesverteidigung nicht notwendig ist? Wer würde denn heute die Verantwortung für diese Garantien übernehmen? Können Sie diese Garantien abgeben, und übernehmen Sie dann die Verantwortung, wenn Ihre Prognose nicht eintritt? Ich glaube, daß das nicht möglich ist. Wir als verantwortliche Politiker in Österreich müssen uns auf den Fall, der derzeit nicht aktuell, aber auch nicht auszuschließen ist, vorbereiten wie bei einer Versicherung. Jetzt in Friedenszeiten für unsere Sicherheit sorgen, das muß uns etwas wert sein, und dazu müssen wir auch Dogmen aus der Vergangenheit überwinden. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
In den Gremien, in denen wir als Beobachter vertreten sind, sitzen wir in der letzten Reihe und hören zu, wie Staaten wie Albanien, Moldavien, Rußland, Rumänien das Rederecht haben und Anträge stellen, in die politischen Gremien der NATO und der anderen Verteidigungssysteme vollintegriert sind. Wir sind hier Schlußlicht, Herr Bundeskanzler! Die Staaten des ehemaligen Ostblocks, die Staaten des ehemaligen feindlichen Bündnisses haben uns bei der Integration in die westliche Verteidigungsstruktur längst überholt. Das ist Ihre Verantwortung. Durch Ihr Zögern, durch Ihr Zaudern, mitverantwortet auch durch die ÖVP, die das zugelassen hat, sind wir hier auf das Abstellgleis gekommen, meine Damen und Herren! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Fassen Sie endlich Mut, sagen Sie der Bevölkerung in Österreich die Wahrheit, nämlich daß die Neutralität ein Instrument der Vergangenheit ist, das in der Vergangenheit eine wichtige Funktion gehabt hat, daß wir uns aber jetzt auf neue Gegebenheiten einzustellen haben, und das ist nur im Verbund mit den anderen Staaten möglich. Fassen Sie den Mut, setzen Sie endlich gemeinsam mit uns die Initiativen, stellen Sie die Mitgliedsanträge zur NATO, zur Westeuropäischen Union, schaffen Sie die Voraussetzungen für eine funktionierende Landesverteidigung, denn dann ist auch die Sicherheit Österreichs für die Zukunft sichergestellt! Österreich darf sich nicht immer mehr zu einem sicherheitspolitischen Vakuum im Herzen Europas entwickeln. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Zwischenruf des Abg. Hans Helmut Moser .
Abgeordneter Dr. Friedhelm Frischenschlager (Liberales Forum): Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Hohes Haus! Ich bin der grünen Fraktion dankbar, daß sie heute das Thema Neutralität einer Diskussion unterzieht. Ich glaube, daß diese Diskussion dringend notwendig ist – im Gegensatz zu dem, was Kollege Schieder gesagt hat –, aber in der Sache selbst gehe ich natürlich mit den Grünen ganz und gar nicht konform. Im Gegenteil: Ich behaupte, daß sie einen sicherheitspolitischen Diskussionsstand haben, der irgendwo weit vor ihrem Gründungsdatum liegt, irgendwo in den siebziger Jahren. (Zwischenruf des Abg. Hans Helmut Moser .) Ich glaube auch, daß sie bis heute noch nicht erfaßt haben, daß sich Österreich als Mitgliedsland der Europäischen Union in einer total veränderten sicherheitspolitischen Situation befindet.
Bundeskanzler Dr. Vranitzky: Das ist doch nicht neu!
In der SPÖ gibt es eine neue Facette, die mich natürlich auch fasziniert hat. Das kommt in einer Aussendung des Bundeskanzlers vom 29. Juni zum Ausdruck, in der steht: "Klar bekannte sich Vranitzky zur Beibehaltung der Neutralität, solange es kein anderes System gibt, das uns größere Sicherheit bringt." – Das ist immerhin etwas, was ganz gut ist. Aber interessant ist, daß der Herr Bundeskanzler einen neuen Begriff in die aktuelle Diskussion einführt, nämlich die Paktfreiheit. (Bundeskanzler Dr. Vranitzky: Das ist doch nicht neu!)
Bundeskanzler Dr. Vranitzky: Oja!
Nun meine ich, daß hier offensichtlich wieder eine neue Verwirrungsmethode kreiert wird, indem man sich nämlich von der immerwährenden Neutralität zur Paktfreiheit "hinüberhantelt". Meine Damen und Herren! Herr Bundeskanzler! Die Paktfreiheit hat natürlich mit Neutralität überhaupt nichts zu tun (Bundeskanzler Dr. Vranitzky: Oja!) , sondern Paktfreiheit ist die selbstgewählte Positionierung, keinem Pakt anzugehören, während die Neutralität zwei Seiten hat, nämlich einerseits, daß man sich selbst ganz klar zum Heraushalten aus Konflikten verpflichtet, aber eben auch international Pflichten hat, nämlich sich aus zukünftigen Konflikten absolut herauszuhalten. Sie ist eben eine zweiseitige Angelegenheit, und das ist der elementare Unterschied zur Paktfreiheit.
Beifall beim Liberalen Forum.
Das geht nicht, das ist völlig unglaubwürdig, und richtigerweise wird jeder Staat auf dieser Welt annehmen, daß sich Österreich in Krisen- und Konfliktsituationen zur Europäischen Union nicht nur loyal verhalten wird, sondern vor allem ein Interesse daran hat, daß sich diese Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik auch tatsächlich durchsetzt. Das ist der Sinn dieser Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, daß sich die politische Kraft und die wirtschaftliche Stärke dieses Kontinents in eine Sicherheitspolitik umsetzen. Das ist der Sinn dieser Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Beifall bei Liberalen Forum.
Nochmals in diesem Zusammenhang: Mit dem Beitritt zur Europäischen Union haben wir jede Glaubwürdigkeit, daß wir uns in Zukunft neutral verhalten werden, selbst bewußt aufgegeben und uns vertraglich dazu verpflichtet, daß wir diese Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union mitbeginnen, mitaufbauen und mittragen. Wir sollten das jetzt auch nicht nach dem Lebertranprinzip als etwas sehen, das wir bedauerlicherweise machen müssen, weil wir zu den süßen Drops auch saure Drops dazunehmen mußten. Nein, das Liberale Forum ist sich dessen bewußt, es gibt auf diesem Kontinent nur in einer solidarischen Sicherheitspolitik, in einer Leistungs- und Lastenverteilung eine gemeinsame sicherheitspolitische Perspektive. (Beifall bei Liberalen Forum.)
Abg. Wabl: Dazu müssen wir beitreten, wenn wir abrüsten müssen!
Aber unsere Aufgabe ist es, nicht nur den Realitäten ins Auge zu schauen, sondern für eine bessere, solidarische europäische Außen- und Sicherheitspolitik zu sorgen, die natürlich nicht nur eine militärische ist. Im Gegenteil, ich bin davon überzeugt, daß dieser Kontinent nach wie vor "überrüstet" ist. Abrüstung muß das Ziel sein. Wir müssen daher eine Sicherheitspolitik aufbauen, die Konflikte verhindert, und vorbeugend darauf achten, daß keine Konflikte ausbrechen. (Abg. Wabl: Dazu müssen wir beitreten, wenn wir abrüsten müssen!) Wir müssen darauf schauen, daß dieser europäische Kontinent in bezug auf gesellschaftspolitische, wirtschaftspolitische, grundrechtliche und demokratische Standards auf ein Niveau kommt, daß es keine Konflikte mehr geben kann. Das ist das Ziel.
Beifall beim Liberalen Forum.
Das ist nicht möglich, deshalb müssen wir endlich die Scheuklappen beiseite geben, das Ziel der Europäischen Sicherheitspolitik angehen und von Anfang an beim Aufbau dieser Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik dabei sein. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Beifall beim Liberalen Forum.
Das ist realistisch, das ist logisch. Daß ich das heute sagen konnte, verdanke ich eurer Dringlichen, wofür ich mich nochmals herzlich bedanke. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Zwischenrufe beim Liberalen Forum.
Abgeordneter Karl Öllinger (Grüne): Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Abgeordneter Frischenschlager hat jetzt für mich ein wunderbares Beispiel in der Disziplin "Tarnen und Täuschen" geliefert. Wenn er von einer europäischen Sicherheitspolitik, von einer europäischen Sicherheitsarchitektur, von einem europäischen Sicherheitssystem redet, dann ist das synonym zu setzen mit Rüstungssystem, Rüstungspolitik und Rüstungsarchitektur. (Zwischenrufe beim Liberalen Forum.)
Zwischenruf des Abg. Dr. Frischenschlager .
Nicht anders ist es zu verstehen, wenn er einerseits davon spricht, daß wir in Europa überrüstet sind – da gebe ich ihm recht –, wenn er aber auf der anderen Seite noch vor wenigen Tagen in der Öffentlichkeit, beispielsweise im "Standard" sagt: In Österreich haben wir zu wenig Rüstung. Wir verstoßen sozusagen auf dem Feld der militärischen Verteidigungspolitik gegen die europäischen Wettbewerbsbedingungen, weil wir zu wenig gerüstet haben. Wir müssen sozusagen aufrüsten – um in der Logik des Abgeordneten Frischenschlager zu bleiben –, damit dann europaweit abgerüstet werden kann. Wer das verstehen will, der möge es verstehen. (Zwischenruf des Abg. Dr. Frischenschlager .) Herr Abgeordneter Frischenschlager! Für meine Begriffe ist das sehr deutlich etwas anderes als das, was Sie hier gesagt haben.
Abg. Mag. Kukacka: Da hat er nicht so unrecht!
Ich möchte aber schon darauf hinweisen, es geht eigentlich um mehr als um die Einzelbeiträge von einzelnen Abgeordneten. Für mich kam bisher in der Debatte schon sehr deutlich heraus, daß versucht wird, uns unter dem Mantel "neue Sicherheitsarchitektur, NATO-Erweiterung" und ähnlichem zu verkaufen: Wer sich gegen die NATO stellt, wer sich gegen diese Sicherheitsarchitektur stellt, wer gegen den Beitritt zur WEU ist, ist ein Träumer, lebt in den siebziger Jahren, betreibt eine falsche Politik der Wehrlosigkeit, der Entwaffnung und treibt uns in die Arme des russischen Bären. – Das hat Abgeordneter Mock ziemlich deutlich ausgesprochen, indem er mit Herrn Sjuganow aus Moskau sozusagen symbolisch mit dem russischen Bären gewinkt hat beziehungsweise ihn in den Raum gestellt hat. (Abg. Mag. Kukacka: Da hat er nicht so unrecht!)
Abg. Scheibner: Genau umgekehrt!
Es war die NATO, die eindeutig in Jugoslawien der UNO den Auftrag, den Befehl zum Einschreiten verweigert hat. Die NATO hätte schon viel früher die Möglichkeit gehabt einzuschreiten! (Abg. Scheibner: Genau umgekehrt!) Sie hat es nicht getan. Es ist in Jugoslawien unter anderem auch darum gegangen, ein international durchaus sinnvolles System wie die UNO zu diskreditieren. Ich meine, man muß schon sehr genau aufpassen, wenn man sich den jugoslawischen Konflikt ansieht, um nicht zu einem falschen Urteil zu kommen.
Abg. Scheibner: Richtig! Sie haben ganz klare Ziele!
Meine Damen und Herren! Es geht nicht darum, daß die Grünen die Träumer, die Polizei- und Militärabschaffer sind (Abg. Scheibner: Richtig! Sie haben ganz klare Ziele!), die Österreich wehrlos dem russischen Bären ausliefern wollen. Es geht darum, daß man sich, auch in Europa, ganz real die Bedrohungsszenarien anschauen muß. Ich möchte nur darauf hinweisen – und das stammt nicht aus meinem Mund, sondern aus dem eines international renommierten Militärforschers –, daß sich die Bedrohungsszenarien international in den letzten Jahrzehnten gewaltig verändert haben. Es geht nicht mehr primär um die klassischen Konflikte zwischen Militärbündnissen und die klassischen Konflikte zwischen Ländern. Es geht nicht mehr darum, daß ein Land dem anderen den Krieg erklärt.
Abg. Mag. Stadler: Wozu dient der Mittelfinger des Kollegen Wabl?
Ist die Unabhängigkeit Österreichs, die Abgeordneter Mock im Zusammenhang mit dem Neutralitätsgesetz angesprochen hat, ein Ziel oder ein Mittel? – Er hat sie als ein Ziel angesprochen. Ich meine, so wie er sie definiert hat, war sie aber eindeutig als ein Mittel zu sehen, und zwar als ein Mittel, um sich zu befreien. Und man sollte, wenn man schon sehr grundsätzlich an diese Fragen herangeht, es auch sehr grundsätzlich diskutieren und sich auch grundsätzlich die Zeit dafür nehmen. (Abg. Mag. Stadler: Wozu dient der Mittelfinger des Kollegen Wabl?)
Beifall bei den Grünen.
Herr Abgeordneter Stadler! Wenn Sie bei einer Debatte über die Sicherheitspolitik nichts anderes im Sinn haben, als über den Mittelfinger des Abgeordneten Wabl zu diskutieren, dann tun Sie mir, ehrlich gesagt, wirklich leid! (Beifall bei den Grünen.) Das ist Ihre Art, sich damit auseinanderzusetzen. Das ist Ihre Art, sich mit der Sicherheitspolitik, mit der Neutralitätspolitik auseinanderzusetzen, daß Sie in dieser Debatte auf den Mittelfinger verweisen. (Abg. Mag. Stadler: Weil es eine Obszönität war, eine Entgleisung des Kollegen Wabl! Wenn Sie schon Ihre Kohlenkastenphilosophie hier ausbreiten, bringen Sie wenigstens dem Wabl Anstand bei!)
Abg. Mag. Stadler: Weil es eine Obszönität war, eine Entgleisung des Kollegen Wabl! Wenn Sie schon Ihre Kohlenkastenphilosophie hier ausbreiten, bringen Sie wenigstens dem Wabl Anstand bei!
Herr Abgeordneter Stadler! Wenn Sie bei einer Debatte über die Sicherheitspolitik nichts anderes im Sinn haben, als über den Mittelfinger des Abgeordneten Wabl zu diskutieren, dann tun Sie mir, ehrlich gesagt, wirklich leid! (Beifall bei den Grünen.) Das ist Ihre Art, sich damit auseinanderzusetzen. Das ist Ihre Art, sich mit der Sicherheitspolitik, mit der Neutralitätspolitik auseinanderzusetzen, daß Sie in dieser Debatte auf den Mittelfinger verweisen. (Abg. Mag. Stadler: Weil es eine Obszönität war, eine Entgleisung des Kollegen Wabl! Wenn Sie schon Ihre Kohlenkastenphilosophie hier ausbreiten, bringen Sie wenigstens dem Wabl Anstand bei!)
Abg. Dr. Partik-Pablé: Sonst schreien Sie immer! – Abg. Mag. Stadler: Bringen Sie Ihrem Kollegen Wabl Anstand bei!
Herr Abgeordneter Stadler! Bitte um etwas mehr Respekt gegenüber dem, was viele Österreicherinnen und Österreicher in dieser Frage auch bewegt. Ich bitte Sie um etwas mehr Respekt! (Abg. Dr. Partik-Pablé: Sonst schreien Sie immer! – Abg. Mag. Stadler: Bringen Sie Ihrem Kollegen Wabl Anstand bei!) Ich gebe Ihnen die Chance, daß Sie Ihren Mittelfingerdiskurs zu Ende führen, aber lassen Sie mich bitte aus dem Kraut dabei. Ich will nicht mit Ihnen über den Mittelfinger diskutieren! Es geht um die Sicherheits- und Neutralitätspolitik! Und Sie sollten sich langsam wieder etwas beruhigen, Herr Abgeordneter Stadler! (Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Stadler: Ich bin ruhig! Sie sind nicht ruhig, Sie wissen sich nicht zu helfen!)
Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Stadler: Ich bin ruhig! Sie sind nicht ruhig, Sie wissen sich nicht zu helfen!
Herr Abgeordneter Stadler! Bitte um etwas mehr Respekt gegenüber dem, was viele Österreicherinnen und Österreicher in dieser Frage auch bewegt. Ich bitte Sie um etwas mehr Respekt! (Abg. Dr. Partik-Pablé: Sonst schreien Sie immer! – Abg. Mag. Stadler: Bringen Sie Ihrem Kollegen Wabl Anstand bei!) Ich gebe Ihnen die Chance, daß Sie Ihren Mittelfingerdiskurs zu Ende führen, aber lassen Sie mich bitte aus dem Kraut dabei. Ich will nicht mit Ihnen über den Mittelfinger diskutieren! Es geht um die Sicherheits- und Neutralitätspolitik! Und Sie sollten sich langsam wieder etwas beruhigen, Herr Abgeordneter Stadler! (Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Stadler: Ich bin ruhig! Sie sind nicht ruhig, Sie wissen sich nicht zu helfen!)
Rufe und Gegenrufe bei den Freiheitlichen und beim Liberalen Forum.
Meine Damen und Herren! Ich frage Sie: Wo bleibt die österreichische Rolle in einer europäischen Sicherheitsarchitektur als neutraler Staat innerhalb der EU, wenn es zum Beispiel darum geht, im Konflikt innerhalb Nordirlands oder zwischen Irland und Großbritannien zu vermitteln? Wo bleibt unsere Rolle, wenn wir ein Teil der NATO, ein Teil der WEU sind? Wo bliebe da die Rolle? – Sie ist nicht gegeben. (Rufe und Gegenrufe bei den Freiheitlichen und beim Liberalen Forum.)
Neuerliche Zwischenrufe des Abg. Mag. Stadler in Richtung Liberales Forum.
Meine Damen und Herren! Die Rolle Österreichs ist aber dann gegeben, wenn wir tatsächlich als neutraler Staat intervenieren können. (Neuerliche Zwischenrufe des Abg. Mag. Stadler in Richtung Liberales Forum.) – Herr Abgeordneter Stadler! Ich bitte Sie wirklich: Können Sie ein bisserl leiser sein? Sie können Ihre Wirtshausdiskurse bitte woanders machen, aber nicht im Plenarsaal! (Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Stadler: Ich rede mit Kollegen Haselsteiner! Haselsteiner führt keine Wirtshausdiskurse! Haselsteiner, wehren Sie sich!) Herr Abgeordneter Stadler! Diese Art ... (Abg. Mag. Stadler: Bringen Sie dem Wabl Anstand bei!) Herr Abgeordneter Stadler! Sie können einen eigenen Tagesordnungspunkt verlangen, Sie können sich zu diesem Thema auch zu Wort melden. Aber Ihre permanenten Zwischenrufe von unbeschreiblicher Qualität sollten Sie besser bleiben lassen! (Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Stadler: Weil Wabl mit seinen Obszönitäten das ganze Haus herunterwürdigt!)
Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Stadler: Ich rede mit Kollegen Haselsteiner! Haselsteiner führt keine Wirtshausdiskurse! Haselsteiner, wehren Sie sich!
Meine Damen und Herren! Die Rolle Österreichs ist aber dann gegeben, wenn wir tatsächlich als neutraler Staat intervenieren können. (Neuerliche Zwischenrufe des Abg. Mag. Stadler in Richtung Liberales Forum.) – Herr Abgeordneter Stadler! Ich bitte Sie wirklich: Können Sie ein bisserl leiser sein? Sie können Ihre Wirtshausdiskurse bitte woanders machen, aber nicht im Plenarsaal! (Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Stadler: Ich rede mit Kollegen Haselsteiner! Haselsteiner führt keine Wirtshausdiskurse! Haselsteiner, wehren Sie sich!) Herr Abgeordneter Stadler! Diese Art ... (Abg. Mag. Stadler: Bringen Sie dem Wabl Anstand bei!) Herr Abgeordneter Stadler! Sie können einen eigenen Tagesordnungspunkt verlangen, Sie können sich zu diesem Thema auch zu Wort melden. Aber Ihre permanenten Zwischenrufe von unbeschreiblicher Qualität sollten Sie besser bleiben lassen! (Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Stadler: Weil Wabl mit seinen Obszönitäten das ganze Haus herunterwürdigt!)
Abg. Mag. Stadler: Bringen Sie dem Wabl Anstand bei!
Meine Damen und Herren! Die Rolle Österreichs ist aber dann gegeben, wenn wir tatsächlich als neutraler Staat intervenieren können. (Neuerliche Zwischenrufe des Abg. Mag. Stadler in Richtung Liberales Forum.) – Herr Abgeordneter Stadler! Ich bitte Sie wirklich: Können Sie ein bisserl leiser sein? Sie können Ihre Wirtshausdiskurse bitte woanders machen, aber nicht im Plenarsaal! (Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Stadler: Ich rede mit Kollegen Haselsteiner! Haselsteiner führt keine Wirtshausdiskurse! Haselsteiner, wehren Sie sich!) Herr Abgeordneter Stadler! Diese Art ... (Abg. Mag. Stadler: Bringen Sie dem Wabl Anstand bei!) Herr Abgeordneter Stadler! Sie können einen eigenen Tagesordnungspunkt verlangen, Sie können sich zu diesem Thema auch zu Wort melden. Aber Ihre permanenten Zwischenrufe von unbeschreiblicher Qualität sollten Sie besser bleiben lassen! (Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Stadler: Weil Wabl mit seinen Obszönitäten das ganze Haus herunterwürdigt!)
Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Stadler: Weil Wabl mit seinen Obszönitäten das ganze Haus herunterwürdigt!
Meine Damen und Herren! Die Rolle Österreichs ist aber dann gegeben, wenn wir tatsächlich als neutraler Staat intervenieren können. (Neuerliche Zwischenrufe des Abg. Mag. Stadler in Richtung Liberales Forum.) – Herr Abgeordneter Stadler! Ich bitte Sie wirklich: Können Sie ein bisserl leiser sein? Sie können Ihre Wirtshausdiskurse bitte woanders machen, aber nicht im Plenarsaal! (Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Stadler: Ich rede mit Kollegen Haselsteiner! Haselsteiner führt keine Wirtshausdiskurse! Haselsteiner, wehren Sie sich!) Herr Abgeordneter Stadler! Diese Art ... (Abg. Mag. Stadler: Bringen Sie dem Wabl Anstand bei!) Herr Abgeordneter Stadler! Sie können einen eigenen Tagesordnungspunkt verlangen, Sie können sich zu diesem Thema auch zu Wort melden. Aber Ihre permanenten Zwischenrufe von unbeschreiblicher Qualität sollten Sie besser bleiben lassen! (Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Stadler: Weil Wabl mit seinen Obszönitäten das ganze Haus herunterwürdigt!)
Der Redner trinkt einen Schluck Wasser. – Abg. Wabl: Der Anstands-Stadler! – Abg. Mag. Stadler: Jetzt hat er ein Glas Wasser verinnerlicht, damit er den Text wiederfindet!
Abgeordneter Karl Öllinger (fortsetzend) : Danke, Herr Präsident! Aber wenn Herr Abgeordneter Stadler glaubt, diese Diskussion unterbrechen zu müssen, ... (Der Redner trinkt einen Schluck Wasser. – Abg. Wabl: Der Anstands-Stadler! – Abg. Mag. Stadler: Jetzt hat er ein Glas Wasser verinnerlicht, damit er den Text wiederfindet!)
Zwischenrufe beim Liberalen Forum.
Die Bedrohungsszenarien haben sich geändert. Es gibt nicht mehr nur den West-Ost-Konflikt. Bundeskanzler Kreisky hat schon damals darauf hingewiesen, daß es auch um den Nord-Süd-Konflikt geht. Es ist auch notwendig, daß wir als neutraler Staat hier in Europa klar Partei ergreifen und daß wir uns nicht vereinnahmen lassen für eine Sicherheitspolitik, die eine versteckte Rüstungspolitik ist, Herr Abgeordneter Frischenschlager! (Zwischenrufe beim Liberalen Forum.)
Der Redner senkt das Pult ab. – Abg. Mag. Schweitzer: Hoch, gelt?
Abgeordneter Anton Gaál (SPÖ): Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Meine sehr geschätzten Damen und Herren! (Der Redner senkt das Pult ab. – Abg. Mag. Schweitzer: Hoch, gelt?) Das ist eine optische Festlegung. Ansonsten kann man das, was hoch oder niedrig ist, auch anders beurteilen!
Beifall bei der SPÖ.
Meine Damen und Herren! Lassen Sie mich mit einer Feststellung beginnen. Die zentrale Frage in der Diskussion um die europäische Sicherheitspolitik – und das haben heute diese vielen Debattenbeiträge auch gezeigt – ist: Wie wird diese neue Sicherheit in Europa umfassend organisiert? – Natürlich, Kollege Scheibner, werden dabei die Verteidigungsbündnisse NATO und WEU, insbesondere dann, wenn sie sich weiterentwickeln, in dieser neuen europäischen Sicherheitsarchitektur ebenso eine Funktion erfüllen können wie die OSZE. Eines ist jedenfalls sicher: Ein neues europäisches Sicherheitssystem steht und fällt damit, daß es keine neuen Blöcke und keine Trennlinien in Europa mehr geben darf! (Beifall bei der SPÖ.)
Abg. Scheibner: Alle in deiner Fraktion?
Herr Kollege Scheibner! In vielem, was Sie heute zur Sicherheitspolitik gesagt haben – insbesondere bei dem, was nicht auszuschließen ist –, gebe ich Ihnen recht. Aber wenn Sie uns damit unterstellen, daß wir die Landesverteidigung in Frage stellen, dann kann ich Ihnen sagen: Das Gegenteil ist der Fall! Wir treten für eine glaubwürdige und effiziente Landesverteidigung ein. (Abg. Scheibner: Alle in deiner Fraktion?)
Abg. Scheibner: Aber weniger auch nicht!
Ich glaube, das haben wir immer wieder bewiesen. Und auch das, was Sie als Begründung für einen übereilten NATO- und WEU-Beitritt immer wieder anführen, findet nicht unsere Zustimmung, sondern wir vertreten die Auffassung, der Beitritt zur WEU und zur NATO würde für Österreich zum jetzigen Zeitpunkt kein Mehr an Sicherheit bringen (Abg. Scheibner: Aber weniger auch nicht!) , sondern nur unseren sicherheitspolitischen Spielraum einengen und unsere Handlungsfähigkeit einschränken. Daher darf ich gemäß meiner Einschätzung diese beiden Organisationen einmal erklären.
Abg. Hans Helmut Moser: Das ist positiv!
Die WEU ist gegenwärtig von einer Doppelrolle geprägt. Zum einen ist sie beauftragt, die Verteidigungskomponente der Europäischen Union auszuarbeiten, und zum anderen wurde sie als europäischer Pfeiler akzeptiert. Nach unserem Beitritt zur Europäischen Union sind wir – so wie andere neutrale Staaten auch – Beobachter der EU geworden. Dabei darf man nicht vergessen, daß die WEU noch immer ein Militärbündnis mit einer automatischen Beistandsverpflichtung ist. (Abg. Hans Helmut Moser: Das ist positiv!) Das heißt, Kollege Moser, daß eine Vollmitgliedschaft bei der WEU mit der Neutralität gemäß unserer Bundesverfassung nicht vereinbar ist! (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Scheibner: Das ist richtig!)
Beifall bei der SPÖ. – Abg. Scheibner: Das ist richtig!
Die WEU ist gegenwärtig von einer Doppelrolle geprägt. Zum einen ist sie beauftragt, die Verteidigungskomponente der Europäischen Union auszuarbeiten, und zum anderen wurde sie als europäischer Pfeiler akzeptiert. Nach unserem Beitritt zur Europäischen Union sind wir – so wie andere neutrale Staaten auch – Beobachter der EU geworden. Dabei darf man nicht vergessen, daß die WEU noch immer ein Militärbündnis mit einer automatischen Beistandsverpflichtung ist. (Abg. Hans Helmut Moser: Das ist positiv!) Das heißt, Kollege Moser, daß eine Vollmitgliedschaft bei der WEU mit der Neutralität gemäß unserer Bundesverfassung nicht vereinbar ist! (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Scheibner: Das ist richtig!)
Abg. Scheibner: Warum ist die NATO so ein Feindbild?
Auch die Berliner Erklärung des NATO-Rates hat die WEU, im Gegensatz zu dem, was Herr Dr. Mock heute gesagt hat, für mich nicht europäischer gemacht. Ganz im Gegenteil: Sie wurde wieder atlantischer und näher an die NATO heran genommen, und daher kann ich mich nicht der hier von Dr. Mock vertretenen Einschätzung anschließen. (Abg. Scheibner: Warum ist die NATO so ein Feindbild?)
Beifall bei der SPÖ.
Daher ist es mir ganz unverständlich, Frau Mag. Kammerlander, daß Sie die 300 im Bosnieneinsatz befindlichen österreichischen Soldaten abwertend als "Fernfahrer" bezeichnet haben. Diese Soldaten leisten ja einen großartigen Einsatz zur Friedenssicherung und damit auch für Österreich! Ich bitte Sie daher, diese Leistungen, dieses persönliche Engagement, diesen nicht ungefährlichen Einsatz dieser Freiwilligen hier nicht zu schmälern und sie nicht "runterzumachen". (Beifall bei der SPÖ.)
Abg. Scheibner: Die habe ich nicht gestellt!
Damit beantworte ich auch die von Ihnen, Kollege Scheibner, aufgeworfene Frage, gegen wen wir noch neutral sein wollen (Abg. Scheibner: Die habe ich nicht gestellt!) – sehr wohl ist sie in Ihrer Rede vorgekommen –: Gegen jede Art von Interventionspolitik und gegen alle militärischen Interventionen out of area. Das ist so. (Abg. Scheibner: Ein völkerrechtliches Instrument kann man doch nicht selbst definieren!) Dennoch ist ein Festhalten an der Neutralität für uns berechtigt.
Abg. Scheibner: Ein völkerrechtliches Instrument kann man doch nicht selbst definieren!
Damit beantworte ich auch die von Ihnen, Kollege Scheibner, aufgeworfene Frage, gegen wen wir noch neutral sein wollen (Abg. Scheibner: Die habe ich nicht gestellt!) – sehr wohl ist sie in Ihrer Rede vorgekommen –: Gegen jede Art von Interventionspolitik und gegen alle militärischen Interventionen out of area. Das ist so. (Abg. Scheibner: Ein völkerrechtliches Instrument kann man doch nicht selbst definieren!) Dennoch ist ein Festhalten an der Neutralität für uns berechtigt.
Beifall bei der SPÖ.
Unser Ziel muß es sein, meine Damen und Herren, umfassende Lösungen für unsere Sicherheit zu finden, die weit über den militärischen Bereich hinausreichen, die natürlich auch die wirtschaftliche, die soziale und ökologische Dimension miteinschließen. Da ist natürlich eine europaweite Zusammenarbeit notwendig und erforderlich, und wir werden daran aktiv mitarbeiten. (Beifall bei der SPÖ.)
Abg. Wabl: Brauchen wir Abfangjäger, oder brauchen wir sie nicht?
Abgeordneter Hans Helmut Moser (Liberales Forum): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Meine Damen und Herren! (Abg. Wabl: Brauchen wir Abfangjäger, oder brauchen wir sie nicht?) Ich bin froh, daß wir wieder über das Thema Sicherheitspolitik in diesem Hohen Haus diskutieren können. Kollege Frischenschlager hat das ja in seiner Wortmeldung bereits dargestellt (Abg. Wabl: Brauchen wir neue Abfangjäger oder nicht?) – Kollege Wabl, hör zu, du wirst Antworten bekommen auf die sicherheitspolitischen Fragen aus unserer Sicht –, wie notwendig eine sicherheitspolitische Diskussion ist, daß die Bundesregierung in dieser Frage doch ein sehr konfuses und auch planloses Bild bietet und – so wie man es in einer Karikatur im "Standard" sehen konnte – eine Vogel-Strauß-Politik betreibt, den Kopf in den Sand steckt und an den Realitäten, an den Gegebenheiten in Europa vorbeidiskutiert, meine Damen und Herren.
Abg. Wabl: Brauchen wir neue Abfangjäger oder nicht?
Abgeordneter Hans Helmut Moser (Liberales Forum): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Meine Damen und Herren! (Abg. Wabl: Brauchen wir Abfangjäger, oder brauchen wir sie nicht?) Ich bin froh, daß wir wieder über das Thema Sicherheitspolitik in diesem Hohen Haus diskutieren können. Kollege Frischenschlager hat das ja in seiner Wortmeldung bereits dargestellt (Abg. Wabl: Brauchen wir neue Abfangjäger oder nicht?) – Kollege Wabl, hör zu, du wirst Antworten bekommen auf die sicherheitspolitischen Fragen aus unserer Sicht –, wie notwendig eine sicherheitspolitische Diskussion ist, daß die Bundesregierung in dieser Frage doch ein sehr konfuses und auch planloses Bild bietet und – so wie man es in einer Karikatur im "Standard" sehen konnte – eine Vogel-Strauß-Politik betreibt, den Kopf in den Sand steckt und an den Realitäten, an den Gegebenheiten in Europa vorbeidiskutiert, meine Damen und Herren.
Abg. Anschober: Sondern?
Oder wenn gebetsmühlenartig immer wieder gebracht wird, der NATO-Beitritt koste Zigmilliarden – einmal wird von 140 Milliarden, dann wieder von nur 50 Milliarden gesprochen –, dann, meine Damen und Herren muß ich sagen: Das stimmt nicht! (Abg. Anschober: Sondern?) Es ist richtig, es gibt eine Studie aus dem Pentagon, es gibt eine Studie der RAND-Corporation, das ist ein theoretischer Ansatz. Faktum ist, meine Damen und Herren – und ich sage Ihnen jetzt die Zahlen, Frau Kollegin Kammerlander –, daß es gerade in den NATO-Ländern in den letzten Jahren zu einer massiven Abrüstung gekommen ist. Und die Zahlen schauen so aus: Im Jahre 1980 waren die Gesamtausgaben der NATO – und ich nehme NATO-Europa her, nur NATO-Europa – 168 700 Millionen US-Dollar. 1990 waren es 186 200 Millionen. (Abg. Schieder: 100 000 Millionen US-Dollar?) Millionen US-Dollar! (Abg. Schieder: 100 000 Millionen US-Dollar?) 100 000 US-Millionen US-Dollar! NATO-Unterlage! (Abg. Schieder: Das sind 100 Milliarden Schilling! – Nein!) Nein, 1 000 Milliarden Schilling!
Abg. Schieder: 100 000 Millionen US-Dollar?
Oder wenn gebetsmühlenartig immer wieder gebracht wird, der NATO-Beitritt koste Zigmilliarden – einmal wird von 140 Milliarden, dann wieder von nur 50 Milliarden gesprochen –, dann, meine Damen und Herren muß ich sagen: Das stimmt nicht! (Abg. Anschober: Sondern?) Es ist richtig, es gibt eine Studie aus dem Pentagon, es gibt eine Studie der RAND-Corporation, das ist ein theoretischer Ansatz. Faktum ist, meine Damen und Herren – und ich sage Ihnen jetzt die Zahlen, Frau Kollegin Kammerlander –, daß es gerade in den NATO-Ländern in den letzten Jahren zu einer massiven Abrüstung gekommen ist. Und die Zahlen schauen so aus: Im Jahre 1980 waren die Gesamtausgaben der NATO – und ich nehme NATO-Europa her, nur NATO-Europa – 168 700 Millionen US-Dollar. 1990 waren es 186 200 Millionen. (Abg. Schieder: 100 000 Millionen US-Dollar?) Millionen US-Dollar! (Abg. Schieder: 100 000 Millionen US-Dollar?) 100 000 US-Millionen US-Dollar! NATO-Unterlage! (Abg. Schieder: Das sind 100 Milliarden Schilling! – Nein!) Nein, 1 000 Milliarden Schilling!
Abg. Schieder: 100 000 Millionen US-Dollar?
Oder wenn gebetsmühlenartig immer wieder gebracht wird, der NATO-Beitritt koste Zigmilliarden – einmal wird von 140 Milliarden, dann wieder von nur 50 Milliarden gesprochen –, dann, meine Damen und Herren muß ich sagen: Das stimmt nicht! (Abg. Anschober: Sondern?) Es ist richtig, es gibt eine Studie aus dem Pentagon, es gibt eine Studie der RAND-Corporation, das ist ein theoretischer Ansatz. Faktum ist, meine Damen und Herren – und ich sage Ihnen jetzt die Zahlen, Frau Kollegin Kammerlander –, daß es gerade in den NATO-Ländern in den letzten Jahren zu einer massiven Abrüstung gekommen ist. Und die Zahlen schauen so aus: Im Jahre 1980 waren die Gesamtausgaben der NATO – und ich nehme NATO-Europa her, nur NATO-Europa – 168 700 Millionen US-Dollar. 1990 waren es 186 200 Millionen. (Abg. Schieder: 100 000 Millionen US-Dollar?) Millionen US-Dollar! (Abg. Schieder: 100 000 Millionen US-Dollar?) 100 000 US-Millionen US-Dollar! NATO-Unterlage! (Abg. Schieder: Das sind 100 Milliarden Schilling! – Nein!) Nein, 1 000 Milliarden Schilling!
Abg. Schieder: Das sind 100 Milliarden Schilling! – Nein!
Oder wenn gebetsmühlenartig immer wieder gebracht wird, der NATO-Beitritt koste Zigmilliarden – einmal wird von 140 Milliarden, dann wieder von nur 50 Milliarden gesprochen –, dann, meine Damen und Herren muß ich sagen: Das stimmt nicht! (Abg. Anschober: Sondern?) Es ist richtig, es gibt eine Studie aus dem Pentagon, es gibt eine Studie der RAND-Corporation, das ist ein theoretischer Ansatz. Faktum ist, meine Damen und Herren – und ich sage Ihnen jetzt die Zahlen, Frau Kollegin Kammerlander –, daß es gerade in den NATO-Ländern in den letzten Jahren zu einer massiven Abrüstung gekommen ist. Und die Zahlen schauen so aus: Im Jahre 1980 waren die Gesamtausgaben der NATO – und ich nehme NATO-Europa her, nur NATO-Europa – 168 700 Millionen US-Dollar. 1990 waren es 186 200 Millionen. (Abg. Schieder: 100 000 Millionen US-Dollar?) Millionen US-Dollar! (Abg. Schieder: 100 000 Millionen US-Dollar?) 100 000 US-Millionen US-Dollar! NATO-Unterlage! (Abg. Schieder: Das sind 100 Milliarden Schilling! – Nein!) Nein, 1 000 Milliarden Schilling!
Beifall beim Liberalen Forum.
Ich frage Sie wirklich, Herr Kollege Wabl – Sie werden sicherlich noch herauskommen und darüber sprechen –, wem gegenüber wir noch neutral sein sollen als sicherheitspolitische Konzeption. Die Neutralität war Mittel zum Zweck und ist kein Selbstzweck. Da die Neutralität ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen kann, sind wir, glaube ich, gut beraten, darauf zu verzichten und uns eine neue Rolle im Rahmen der europäischen Sicherheitsordnung zu suchen, und diese neue Rolle im Rahmen dieser europäischen Sicherheitsordnung heißt für uns auch Solidarität: aktive Mitwirkung und aktive Mitarbeit im Rahmen der Europäischen Union, im Rahmen dieser neuen europäischen Sicherheitsordnung. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Abg. Schieder: Kollege Moser, das ist nicht korrekt! Nur wenn es ein Angriff von außen ist!
Und genau das, Herr Kollege Schieder, ist für die anderen EU-Mitgliedstaaten völkerrechtlich verpflichtend, wenn wir Mitglied im Rahmen der Westeuropäischen Union sind. (Abg. Schieder: Kollege Moser, das ist nicht korrekt! Nur wenn es ein Angriff von außen ist!) Richtig! (Abg. Schieder: Nicht untereinander!) Richtig! (Abg. Schieder: Bitte ganz korrekt sein!) Und genau das, Herr Kollege Schieder, verlangen Sie: Gegen einen Aggressor! (Abg. Schieder: Das kann ja auch innerhalb einer Gemeinschaft sein!) Eine gemeinsame Unterstützung!
Abg. Schieder: Nicht untereinander!
Und genau das, Herr Kollege Schieder, ist für die anderen EU-Mitgliedstaaten völkerrechtlich verpflichtend, wenn wir Mitglied im Rahmen der Westeuropäischen Union sind. (Abg. Schieder: Kollege Moser, das ist nicht korrekt! Nur wenn es ein Angriff von außen ist!) Richtig! (Abg. Schieder: Nicht untereinander!) Richtig! (Abg. Schieder: Bitte ganz korrekt sein!) Und genau das, Herr Kollege Schieder, verlangen Sie: Gegen einen Aggressor! (Abg. Schieder: Das kann ja auch innerhalb einer Gemeinschaft sein!) Eine gemeinsame Unterstützung!
Abg. Schieder: Bitte ganz korrekt sein!
Und genau das, Herr Kollege Schieder, ist für die anderen EU-Mitgliedstaaten völkerrechtlich verpflichtend, wenn wir Mitglied im Rahmen der Westeuropäischen Union sind. (Abg. Schieder: Kollege Moser, das ist nicht korrekt! Nur wenn es ein Angriff von außen ist!) Richtig! (Abg. Schieder: Nicht untereinander!) Richtig! (Abg. Schieder: Bitte ganz korrekt sein!) Und genau das, Herr Kollege Schieder, verlangen Sie: Gegen einen Aggressor! (Abg. Schieder: Das kann ja auch innerhalb einer Gemeinschaft sein!) Eine gemeinsame Unterstützung!
Abg. Schieder: Das kann ja auch innerhalb einer Gemeinschaft sein!
Und genau das, Herr Kollege Schieder, ist für die anderen EU-Mitgliedstaaten völkerrechtlich verpflichtend, wenn wir Mitglied im Rahmen der Westeuropäischen Union sind. (Abg. Schieder: Kollege Moser, das ist nicht korrekt! Nur wenn es ein Angriff von außen ist!) Richtig! (Abg. Schieder: Nicht untereinander!) Richtig! (Abg. Schieder: Bitte ganz korrekt sein!) Und genau das, Herr Kollege Schieder, verlangen Sie: Gegen einen Aggressor! (Abg. Schieder: Das kann ja auch innerhalb einer Gemeinschaft sein!) Eine gemeinsame Unterstützung!
Abg. Mag. Stadler , zu Abg. Schieder gewendet: General in Ruhe! – Abg. Schieder: Also im Falle eines Konfliktes zwischen zwei WEU-Mitgliedern gibt es nichts?!
Herr Kollege Schieder, Sie wissen auch ganz genau, daß der Artikel V des Vertrages über die Westeuropäische Union nicht für die Mitgliedstaaten der Westeuropäischen Union untereinander gilt, genauso wie die Beistandsverpflichtung der NATO nicht gilt, wenn zwei NATO-Mitgliedsländer gegeneinander in einen bewaffneten Konflikt eintreten. (Abg. Mag. Stadler , zu Abg. Schieder gewendet: General in Ruhe! – Abg. Schieder: Also im Falle eines Konfliktes zwischen zwei WEU-Mitgliedern gibt es nichts?!) Da gibt es nichts! Das ist richtig: Da gibt es nichts! Das ist keine Frage! Aber gegen eine Aggression von außen hat sehr wohl Artikel V des Statuts der Westeuropäischen Union seine Gültigkeit. (Abg. Schieder: Gegen einen Nachbarn gibt es nichts!) Das ist richtig! Das ist klar so festgelegt und auch klar so definiert.
Abg. Schieder: Gegen einen Nachbarn gibt es nichts!
Herr Kollege Schieder, Sie wissen auch ganz genau, daß der Artikel V des Vertrages über die Westeuropäische Union nicht für die Mitgliedstaaten der Westeuropäischen Union untereinander gilt, genauso wie die Beistandsverpflichtung der NATO nicht gilt, wenn zwei NATO-Mitgliedsländer gegeneinander in einen bewaffneten Konflikt eintreten. (Abg. Mag. Stadler , zu Abg. Schieder gewendet: General in Ruhe! – Abg. Schieder: Also im Falle eines Konfliktes zwischen zwei WEU-Mitgliedern gibt es nichts?!) Da gibt es nichts! Das ist richtig: Da gibt es nichts! Das ist keine Frage! Aber gegen eine Aggression von außen hat sehr wohl Artikel V des Statuts der Westeuropäischen Union seine Gültigkeit. (Abg. Schieder: Gegen einen Nachbarn gibt es nichts!) Das ist richtig! Das ist klar so festgelegt und auch klar so definiert.
Präsident Dr. Neisser gibt das Glockenzeichen
Ich bedaure es, daß gerade die Regierungsparteien so tun, als würde es die Berliner Beschlüsse nicht geben. Und in diesen Berliner Beschlüssen, meine Damen und Herren, Herr Kollege Gaál, ist klar definiert, daß die NATO europäischer wird. Nicht die Westeuropäische Union ist amerikanischer geworden, sondern ich sage, die NATO ist europäischer geworden, indem sie der Westeuropäischen Union eine klare Aufgabe, eine klare Rolle zugeteilt hat. Und die NATO ist auf dem Weg zu einem gesamteuropäischen Sicherheitssystem mit einer europäischen Verteidigungsidentität im Rahmen der Westeuropäischen Union als Ausdruck der Verteidigungsidentität der Europäischen Union, mit einer klaren transatlantischen Partnerschaft zu den Vereinigten Staaten und mit einer Sicherheitskooperation mit Rußland (Präsident Dr. Neisser gibt das Glockenzeichen), denn Sicherheit auf dem Kontinent ohne Rußland ist nicht möglich.
Präsident Dr. Neisser gibt erneut das Glockenzeichen
Genau das sind all die Bedingungen, meine Damen und Herren, von denen Sie immer wieder sagen, daß sie erfüllt werden müssen (Präsident Dr. Neisser gibt erneut das Glockenzeichen) , und die notwendig sind für die zukünftige europäische und österreichische Sicherheitspolitik.
Beifall beim Liberalen Forum. – Abg. Scheibner: Überzogen!
Ich komme zum Schluß, Herr Präsident. Ich frage mich: Worauf wartet diese Regierung noch? Ich glaube, es ist an der Zeit, daß wir die notwendigen sicherheitspolitischen Schritte setzen, es ist an der Zeit, daß wir in diesem Hause eine umfassende sicherheitspolitische Diskussion führen, damit wir zum frühestmöglichen Zeitpunkt Mitglied der Westeuropäischen Union werden, damit wir auch unsere Position zur NATO entsprechend definieren können. – Danke. (Beifall beim Liberalen Forum. – Abg. Scheibner: Überzogen!)
Abg. Schieder: Kann ich gehen, oder danken Sie uns auch?
Abgeordneter Rudolf Anschober (Grüne): Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Sehr herzlich möchte ich auch den heutigen Vertreter und Beobachter seitens des militärischen Geheimdienstes, des Heeres-Nachrichtenamtes, hier in unserer Runde begrüßen – ich hoffe, daß ich keine negativen Vermerke in meinem Akt nach dieser Rede erhalte – und zu Beginn auch sehr herzlich begrüßen und danken für seine stramme Rede dem Herrn Oberst, dem Herrn Oberst Moser. Das war wirklich eine beachtenswerte, stramme Rede! (Abg. Schieder: Kann ich gehen, oder danken Sie uns auch?) Ich würde vorschlagen nach dieser Rede: Beförderung in den Generalstand. Durchaus machbar und durchaus möglich, Herr Generaloberst.
Abg. Dr. Mertel: Gilt das für die Grünen auch?
In Oberösterreich habe ich ja einen Landeshauptmann gehabt, der einmal gemeint hat – sehr zu meinem Leidwesen und von mir kritisiert –, daß man manchen Personen die Herkunft ansieht. Manchmal geht es mir so, zum Beispiel bei der letzten Rede, daß man manchen Personen die politische Herkunft "anhört", denn zwischen dem Herrn General Moser und den Kameraden von den Freiheitlichen war eigentlich kein Unterschied, keinerlei Unterschied (Abg. Dr. Mertel: Gilt das für die Grünen auch?) , und das war für mich auch etwas Entlarvendes und Interessantes an dieser Debatte. (Abg. Wabl: General Moser a.D. ohne Bezüge!)
Abg. Wabl: General Moser a.D. ohne Bezüge!
In Oberösterreich habe ich ja einen Landeshauptmann gehabt, der einmal gemeint hat – sehr zu meinem Leidwesen und von mir kritisiert –, daß man manchen Personen die Herkunft ansieht. Manchmal geht es mir so, zum Beispiel bei der letzten Rede, daß man manchen Personen die politische Herkunft "anhört", denn zwischen dem Herrn General Moser und den Kameraden von den Freiheitlichen war eigentlich kein Unterschied, keinerlei Unterschied (Abg. Dr. Mertel: Gilt das für die Grünen auch?) , und das war für mich auch etwas Entlarvendes und Interessantes an dieser Debatte. (Abg. Wabl: General Moser a.D. ohne Bezüge!)
Abg. Mag. Stadler: Sie sind mir nicht einmal mehr einen Zwischenruf wert!
Das verstehe ich ja noch von Ihrem Denken her, das verstehe ich ja noch sehr gut, aber daß Sie nur einen einzigen Redner stellen und sich dann niemand mehr zu Wort meldet – außer der Herr Stadler mit ein paar "qualifizierten" Zwischenrufen (Abg. Mag. Stadler: Sie sind mir nicht einmal mehr einen Zwischenruf wert!) –, das wundert mich auch sehr, und das paßt eigentlich
Anhaltende Zwischenrufe und allgemeine Unruhe im Saal.
Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die ÖVP hat es ja genauso gemacht, leider Gottes zu einem zentralen Thema: sicherheitspolitische Zukunft Österreichs – ein einziger Redner! (Anhaltende Zwischenrufe und allgemeine Unruhe im Saal.) – Kollege Haselsteiner, ich habe Sie nicht verstanden. Sie haben jetzt so engagiert zwischengerufen, und ich konnte Sie leider Gottes nicht verstehen. Aber vielleicht beim nächsten Mal. Fest dahinterbleiben!
Fortgesetzte Zwischenrufe. – Präsident Dr. Neisser gibt das Glockenzeichen.
Dritter Bereich, der meiner Ansicht nach auch entlarvend war in dieser Debatte bisher ... (Fortgesetzte Zwischenrufe. – Präsident Dr. Neisser gibt das Glockenzeichen.) Herr Präsident, haben Sie vielleicht ein Herzmittel für den Kollegen Haselsteiner? Das nimmt ja bedrohliche Ausmaße an. (Abg. Wabl: Der Betriebsarzt ist auch da!) Gut, es beruhigt sich alles wieder.
Abg. Wabl: Der Betriebsarzt ist auch da!
Dritter Bereich, der meiner Ansicht nach auch entlarvend war in dieser Debatte bisher ... (Fortgesetzte Zwischenrufe. – Präsident Dr. Neisser gibt das Glockenzeichen.) Herr Präsident, haben Sie vielleicht ein Herzmittel für den Kollegen Haselsteiner? Das nimmt ja bedrohliche Ausmaße an. (Abg. Wabl: Der Betriebsarzt ist auch da!) Gut, es beruhigt sich alles wieder.
Rufe und Gegenrufe zwischen den Grünen und dem Liberalen Forum.
Dritter Bereich, der entlarvend war ... (Rufe und Gegenrufe zwischen den Grünen und dem Liberalen Forum.) Ich will Sie wirklich nicht reizen, Herr Haselsteiner. Jetzt will ich wirklich nicht reagieren, aber offensichtlich war es ein Treffer, offensichtlich geht es euch dann nicht gut, wenn man zeigt, daß ihr in verteidigungspolitischen Bereichen durchaus eine Allianz mit den Freiheitlichen bildet. Das ist unangenehm.
Präsident Dr. Brauneder übernimmt den Vorsitz.
Dritter Bereich, der entlarvend war, war die sehr, sehr weiche Antwort auf die dringliche Anfrage seitens des Bundeskanzlers, eine Antwort, die im wesentlichen weder Fisch noch Fleisch war, in der er versucht hat, sich hier durchzuturnen zwischen der Parteienmehrheit in diesem Haus, zwischen dieser unseligen Dreiparteienallianz von ÖVP, Freiheitlichen und Liberalen in dieser Frage einerseits und andererseits der Mehrheitsmeinung der österreichischen Bevölkerung, die die Beibehaltung der Neutralität will und einen Beitritt in Richtung NATO und auch eine schleichende Annäherung zur NATO entscheidend und vehement und mit ganz überzeugend großer Mehrheit ablehnt. (Präsident Dr. Brauneder übernimmt den Vorsitz.)
Abg. Scheibner: Diese Länder müssen ja nicht NATO-Mitglied werden! Sie wollen es ja selber!
Wir haben heute sehr klar thematisiert – dieser Zahl wurde von niemandem widersprochen –, daß nach einer Studie des Pentagons für den Fall, daß die potentiellen Neumitglieder der NATO Polen, Tschechien und Ungarn beitreten würden, diese Armeen natürlich auf NATO-kompatible Waffensysteme umgestellt werden müßten und dies nach Schätzungen des Pentagons Kosten von 124 Milliarden Dollar verschlingen würde. Was glauben Sie, was dies für die Handlungsmöglichkeiten dieser Länder im Bereich der Entschärfung der Atomreaktoren, im Bereich des Umbaus dieser nuklearen Zeitbomben, im Bereich einer offensiven Beschäftigungspolitik bedeuten würde? Damit wäre der Handlungsspielraum in diesen wesentlichen sicherheitspolitischen Feldern gleich null und entscheidend reduziert. (Abg. Scheibner: Diese Länder müssen ja nicht NATO-Mitglied werden! Sie wollen es ja selber!)
Beifall bei den Grünen für den das Rednerpult verlassenden Abg. Anschober.
Präsident MMag. Dr. Willi Brauneder: Das war also der Schlußsatz. Ihre Redezeit ist abgelaufen, Herr Abgeordneter. Es tut mir leid. (Beifall bei den Grünen für den das Rednerpult verlassenden Abg. Anschober.)
Abg. Anschober: So eine Genauigkeit würde ich mir sonst bei Ihrer Vorsitzführung auch wünschen!
Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Dr. Gusenbauer. – Bitte, Herr Abgeordneter. (Abg. Anschober: So eine Genauigkeit würde ich mir sonst bei Ihrer Vorsitzführung auch wünschen!) Ganz bestimmt. Damit können Sie rechnen. (Zwischenrufe bei den Grünen.)
Zwischenrufe bei den Grünen.
Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Dr. Gusenbauer. – Bitte, Herr Abgeordneter. (Abg. Anschober: So eine Genauigkeit würde ich mir sonst bei Ihrer Vorsitzführung auch wünschen!) Ganz bestimmt. Damit können Sie rechnen. (Zwischenrufe bei den Grünen.)
Abg. Moser: Das macht man!
Wenn man sich dieser Zielsetzung stellt, dann muß es natürlich das erste Anliegen sein, die ehemaligen Gegner und Feinde in eine solche Sicherheitsstruktur miteinzubeziehen (Abg. Moser: Das macht man!) , zum Beispiel den gesamten Südosten, Osten und Zentralraum Europas. Wenn man nun an diese Frage herangeht, wie das zum Beispiel die NATO gemacht hat, die in der Berliner Erklärung durchaus einige Schritte in Richtung Europäisierung setzt, aber gleichzeitig gegenüber Rußland keine stichhaltige Sicherheitsgarantien abgeben hat können, was militärische Ausdünnung in den angrenzenden osteuropäischen Staaten, Garantie über die Nichtstationierung von Atomwaffen in diesen Bereichen und eine Reihe von anderen Garantien auch betrifft, dann muß man sich die Frage stellen: Ist Berlin ein Zwischenschritt, dem weitere in der NATO folgen werden, oder ist Berlin ein Schritt, der nur eine Einladung an Rußland sein soll, zu akzeptieren, daß die vormaligen Mitgliedstaaten des Warschauer Paktes Mitglied der NATO werden können: ja oder nein?
Zwischenruf des Abg. Wabl.
Wenn dieser Wunsch nun in der Debatte geäußert wird, dann müßte die Neutralität mit einem derartigen Ausmaß wie die Demokratie oder die Freiheit als Grundwert ausgestattet werden, etwas, was ich aber auch in den Ausführungen des Kollegen Öllinger nicht erkennen konnte, daß sozusagen Neutralität als Wert per se nun gleichrangig neben Demokratie und Freiheit stehen würde. Aber wenn das eine politische Zielsetzung ist, dann bin ich bereit, darüber zu diskutieren. (Zwischenruf des Abg. Wabl. ) Sofort, Kollege Wabl.
Abg. Wabl: Sagen Sie das dem Bundeskanzler!
Ich habe viel Verständnis für Entwicklungspolitik und so weiter, aber: Wie schaut denn heute neutrale Entwicklungspolitik aus? Wie schaut heute neutral sein im Nord-Süd-Maßstab aus, wenn man als Teil des Nordens die Entscheidungen der internationalen Finanzinstitutionen auch aus eigenen Interessen heraus mitträgt? Es ist relativ schwierig, ökonomisch und politisch klar zugehörig sein, aber es ist nicht richtig, sich eine Spielwiese zu suchen und zu sagen, wir sind neutral und eigentlich gehören wir nicht zu dem, wo wir in Wirklichkeit dazugehören. Man sollte politische Zielsetzungen, die man hat, als solche bezeichnen, was sie sind – und nicht zu versuchen, hinter dem Titel "Neutralität" Dinge zu verbergen, die nicht drinstecken. (Abg. Wabl: Sagen Sie das dem Bundeskanzler!)
Abg. Hans Helmut Moser: Dieses Spielzeug gibt es nicht mehr!
Ich habe volles Verständnis dafür, wenn ein Oberst des Bundesheeres die Darstellungen im oberen Bereich dieser Karikatur schöner findet als die Vögel im unteren Bereich. Das verstehe ich. Darüber will ich gar nicht mit Ihnen diskutieren. Meine Frage ist nur: Was darf’s denn kosten? Was darf dieses schöne Spielzeug – als Kind habe ich ja auch gern mit diesen Panzern gespielt, wo vorne das Feuer herauskommt, das ist ja sehr lustig – kosten? (Abg. Hans Helmut Moser: Dieses Spielzeug gibt es nicht mehr!) Ich bin überzeugt davon: Wenn Sie sich bemühen, können Sie es noch irgendwo kaufen.
Abg. Scheibner: Gerade deshalb ist der NATO-Beitritt die günstigste Variante!
Wenn Sie ein Haus haben und es versichern lassen wollen, dann werden Sie natürlich ökonomische Überlegungen anstellen und abwägen, welches Risiko besteht, daß es abbrennt, und welche Prämie man dafür zu bezahlen bereit ist. (Abg. Scheibner: Gerade deshalb ist der NATO-Beitritt die günstigste Variante!) Dieses Thema wollte ich heute unbedingt anschneiden: In welchem Verhältnis zum Risiko steht die Prämie, die wir für den NATO-Beitritt zu bezahlen hätten? Was darf’s sein?
Abg. Scheibner: Deutschland!
Meine Damen und Herren! Innerhalb der NATO gibt es kaum ein Land, dessen Militäretat weniger als 2 Prozent des Sozialprodukts beträgt. (Abg. Scheibner: Deutschland!) Neuesten Daten
Zwischenruf des Abg. Hans Helmut Moser .
Ich gebe gerne zu, Herr Kollege Moser, daß die Summe der Militäretats innerhalb der NATO seit 1989 zurückgegangen ist. Na selbstverständlich! Angesichts des sinkenden Bedrohungspotentials sind diese Zahlen zurückgegangen. Das ändert nichts daran, daß der Durchschnitt der NATO immer noch bei 3 Prozent des Sozialprodukts liegt. Wissen Sie, was 3 Prozent bedeuten? – Das heißt 70 Milliarden Schilling im Falle Österreichs. Derzeit haben wir ein Verteidigungsbudget in Höhe von 20 Milliarden Schilling. Das wollen Sie wirklich? (Zwischenruf des Abg. Hans Helmut Moser .) Mir ist es ja gleichgültig, Herr Kollege.
Beifall bei den Grünen.
Nur den NATO-Beitritt zu verlangen, ohne zu sagen, was das kostet, und ohne zu sagen, wie das finanziert werden soll, durch Steuererhöhungen oder durch Ausgabensenkung, eine derartige Diskussion halte ich für unseriös und unehrlich, und zwar so lange, bis ehrliche, ernsthafte Vorschläge kommen. Ich bitte Sie, nicht mit den Dienstwägen zu kommen. – Danke schön. (Beifall bei den Grünen.)
Abg. Wabl: Nein, das ist nicht das Problem! Diese Frage haben wir oft diskutiert!
Nur: Es ist in Fragen der Friedenssicherung, einer europäischen Sicherheitsarchitektur, der Neutralität im Spannungsfeld zur Westeuropäischen Union und einer möglichen, wenn auch in utopischer Ferne liegenden Weltfriedensordnung der falsche Zugang, aus kaufmännischer Sicht zu sagen: Da es wahrscheinlich etwas kosten wird, lassen wir es lieber, wie es ist. (Abg. Wabl: Nein, das ist nicht das Problem! Diese Frage haben wir oft diskutiert!) Das ist ein unrichtiger Zugang, und es ist mir ganz wichtig, das auf den politischen Punkt zu bringen.
Beifall beim Liberalen Forum.
Das, was mich hier berührt, allerdings nicht angenehm berührt hat, war, daß es Vertreter in diesem Haus gibt, die aus der Neutralität ein Dogma zu machen versuchen. Wenn man in der Politik irgendeine politische Position – und sei sie auch über Jahrzehnte noch so verdienstvoll gewesen – dogmatisiert, nimmt man sich selber den Raum für Weiterentwicklung. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Abg. Wabl: Herr Kier! Das ist doch nicht Ihr Niveau!
Wer an der Neutralität in der Form der Kollegin Kammerlander oder des Kollegen Öllinger festhält, muß sich leider den Vorwurf des dogmatischen Zugangs zur Politik gefallen lassen (Abg. Wabl: Herr Kier! Das ist doch nicht Ihr Niveau!) , der Perspektivenlosigkeit für die Zukunft und der Mutlosigkeit. Und das ist kein guter Ansatz für eine Lösung.
Beifall beim Liberalen Forum.
Wenn man sich tatsächlich als neutraler Staat allein und souverän behaupten will, dann würde das konsequenterweise isolierte, autarke Hochrüstung bedeuten, und das kann niemand in diesem Hause wollen. – Danke schön. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Abg. Schieder: Glauben Sie, daß der Effekt ist, daß morgen in der Zeitung steht: Parlament schützt Neutralität!, oder glauben Sie nicht, daß es heißen wird: Wieder Debatte über Neutralität?
Sie sehen tatenlos zu – diesen Vorwurf müssen Sie sich gefallen lassen –, wie die Neutralität scheibchenweise demontiert wird, aber nichts anderes, wirklich Neues an Stelle dessen tritt. (Abg. Schieder: Glauben Sie, daß der Effekt ist, daß morgen in der Zeitung steht: Parlament schützt Neutralität!, oder glauben Sie nicht, daß es heißen wird: Wieder Debatte über Neutralität?) Das war eine ganze Zwischenrede. Ich meine, wenn Sie heute mit uns gemeinsam diesem Antrag Folge leisten würden, was ja noch nicht die Mehrheit wäre, wäre es immerhin ein sehr klares und deutliches Signal an eine Mehrheit in der Bevölkerung, die nicht ohne weiteres die Neutralität aufgeben möchte. – Aber so tragen Sie auch weiter zur Verunsicherung bei, die zweifelsohne stattfindet, die eben jeden Tag ein bißchen mehr, bei jeder Gelegenheit ein bißchen mehr weiter verbreitet wird.
Abg. Scheibner: Oh ja, die eigene Armee so hochrüsten, daß wir es allein können wie die Schweiz!
Wenn Sie alle heute hier – die Liberalen, die Freiheitlichen und die ÖVP – so tun, als würde gar keine andere Möglichkeit bestehen als die der NATO und der Westeuropäischen Union (Abg. Scheibner: Oh ja, die eigene Armee so hochrüsten, daß wir es allein können wie die Schweiz!) , als ob das die Legitimation darstellen würde, nur so könnte eine friedliche Ordnung in Europa hergestellt werden, so möchte ich Sie auch noch einmal zurückführen in die Jahre 1989/90.
Beifall bei den Grünen.
Wenn nichts anderes, dann unterstreicht dieses Faktum ganz klar und eindeutig, daß es nicht um eine Friedenstruppe, um eine Friedensordnung, nicht einmal um ein Verteidigungsbündnis geht, sondern daß es ganz klar um einen Militärpakt mit Interventionsauftrag geht, wenn der Zugang zu den Rohstoffen und der Zugang zum Weltmarkt für die Europäische Union gefährdet erscheint. (Beifall bei den Grünen.)
Abg. Dr. Maitz: Ohne den militärischen Schutz hat das ganze andere keinen Sinn!
Lassen Sie mich zum Schluß noch einmal ein Beispiel bringen, ein Beispiel nur. Österreich hat sich in Bosnien in drei Bereichen beteiligt, wie das auch vom Kollegen Mock ausgeführt wurde: mit den IFOR-Truppen in Höhe von 300 Millionen Schilling, dann in einer von der UNO und EU organisierten Wirtschaftshilfe mit Krediten in Höhe von 90 Millionen Schilling und an der Wahlvorbereitung und Flüchtlingsrückführung mit 15 Experten. – Das sind, wenn man das gegenüberstellt, militärische Maßnahmen in Höhe von 300 Millionen Schilling und zivile Maßnahmen in Höhe von 100 Millionen Schilling. Aber es ist trotzdem ein Ungleichgewicht zwischen militärischen und zivilen Maßnahmen. (Abg. Dr. Maitz: Ohne den militärischen Schutz hat das ganze andere keinen Sinn!)
Beifall bei den Grünen.
Damit einhergehend, um zurückzukommen zu der dringlichen Anfrage und zu dem Entschließungsantrag, der auf dem Tisch liegt, montieren Sie auch noch die Neutralität stückchenweise ab, ohne das Volk zu befragen, weil Sie genau wissen, daß, wenn Sie heute eine Volksabstimmung zu diesem Thema durchführen würden, die Mehrheit eine andere wäre als hier im Haus. Davor haben Sie Angst, und der Koalitionspartner gehorcht offensichtlich einem Koalitionswillen, anstatt das einzig Richtige zu tun: die Fakten vor einer Wahl zum Europaparlament klarzustellen, das Volk zu befragen und vorher klarzustellen, daß eine solche Volksabstimmung durchgeführt wird, wenn es zu einer Veränderung der Verfassung in den Bereichen der Neutralität kommt. (Beifall bei den Grünen.)
Abg. Schieder: Danke!
Abgeordneter Andreas Wabl (Grüne): Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Meine Damen und Herren! Es gab heute sehr interessante Beiträge des Bundeskanzlers und meines Erachtens auch einen sehr beachtenswerten Beitrag des Kollegen Schieder. (Abg. Schieder: Danke!)
Abg. Dr. Haselsteiner: Nein, das stimmt nicht! Sie haben schon wieder nicht zugehört!
Meine Damen und Herren! Es gibt in diesem Hause drei Parteien, die der Meinung sind, daß Österreich im Zusammenhang mit Sicherheitsfragen am besten in der NATO aufgehoben ist. Das ist ohne Wenn und Aber die Freiheitliche Partei, das ist ohne Wenn und Aber die Liberale Partei (Abg. Dr. Haselsteiner: Nein, das stimmt nicht! Sie haben schon wieder nicht zugehört!) , und das ist auch die ÖVP.
Zwischenruf des Abg. Dr. Haselsteiner.
Die Grünen nehme eine Position zur Neutralität ein, die Kollegin Kammerlander hier klar dargelegt hat. – Meine Damen und Herren! Was das Interessante ist ... (Zwischenruf des Abg. Dr. Haselsteiner. )
Abg. Dr. Haselsteiner: Wie sagt er? – Abg. Schieder: "Cui bono"?!
Man fragt sich: Wem nützt diese Unklarheit? Der Lateiner sagt: Cui bonum? Wem nützt sie? (Abg. Dr. Haselsteiner: Wie sagt er? – Abg. Schieder: "Cui bono"?!) Ja, ist schon klar, Herr Kollege Schieder, ich danke Ihnen, in Latein war ich immer bestens. Meine Damen und Herren! Die Frage ist: Wem nützt es? Die SPÖ hat eine hervorragende Haltung und wird deshalb ... (Abg. Dr. Haselsteiner: "bonum" oder "bonus"?) Bei Ihnen heißt es immer "Bonus", das ist klar. (Heiterkeit. – Abg. Dr. Haselsteiner: Dafür bin ich zu gewinnen!)
Abg. Dr. Haselsteiner: "bonum" oder "bonus"?
Man fragt sich: Wem nützt diese Unklarheit? Der Lateiner sagt: Cui bonum? Wem nützt sie? (Abg. Dr. Haselsteiner: Wie sagt er? – Abg. Schieder: "Cui bono"?!) Ja, ist schon klar, Herr Kollege Schieder, ich danke Ihnen, in Latein war ich immer bestens. Meine Damen und Herren! Die Frage ist: Wem nützt es? Die SPÖ hat eine hervorragende Haltung und wird deshalb ... (Abg. Dr. Haselsteiner: "bonum" oder "bonus"?) Bei Ihnen heißt es immer "Bonus", das ist klar. (Heiterkeit. – Abg. Dr. Haselsteiner: Dafür bin ich zu gewinnen!)
Heiterkeit. – Abg. Dr. Haselsteiner: Dafür bin ich zu gewinnen!
Man fragt sich: Wem nützt diese Unklarheit? Der Lateiner sagt: Cui bonum? Wem nützt sie? (Abg. Dr. Haselsteiner: Wie sagt er? – Abg. Schieder: "Cui bono"?!) Ja, ist schon klar, Herr Kollege Schieder, ich danke Ihnen, in Latein war ich immer bestens. Meine Damen und Herren! Die Frage ist: Wem nützt es? Die SPÖ hat eine hervorragende Haltung und wird deshalb ... (Abg. Dr. Haselsteiner: "bonum" oder "bonus"?) Bei Ihnen heißt es immer "Bonus", das ist klar. (Heiterkeit. – Abg. Dr. Haselsteiner: Dafür bin ich zu gewinnen!)
Abg. Scheibner: Wieviel ist Ihnen die Sicherheit Österreichs wert?
Ich glaube, daß man sich irgendwann einmal entscheiden muß, welche Rolle man einnimmt. Man kann meinetwegen meinen – ich halte die Meinung, die Scheibner da einnimmt, für falsch –, daß es die beste Lösung ist, daß Österreich im großen Waffengeklirr mitspielt und dort seine Position einbringt. Aber dann halte ich es für eine Frage der politischen Redlichkeit – und daran sollten Sie, Herr Kollege Kier, nicht vorbeischauen –, daß man dann, wenn man über politische Themen und Inhalte redet, auch die ökonomische Frage klar anspricht. Es geht nicht an, daß Sie eine sicherheitspolitische Option ansprechen, aber völlig ausklammern, daß diese auch budgetäre Auswirkungen hat. Herr Scheibner! Deshalb ist es legitim, daß man, wenn Sie Kampfpanzer, Abfangjäger haben wollen, von Ihnen verlangt wird, zu sagen, woher Sie das Geld dafür nehmen. (Abg. Scheibner: Wieviel ist Ihnen die Sicherheit Österreichs wert?) Kollege Sascha Van der Bellen hat Ihnen schon gesagt: Nicht mit dem Dienstauto – Sparmentalität. Das ist wichtig, aber es bringt uns nicht die von Ihnen und Moser gewünschten neuen Abfangjäger. Sie sollten das klar auf den Tisch legen.
Abg. Dr. Cap: Was will Wabl?
Genauso können wir ja auch in den Fragen des Gesundheitswesens nicht sagen (Abg. Dr. Cap: Was will Wabl?) , wir diskutieren jetzt nur das Gesundheitswesen, aber wieviel das kostet, interessiert uns nicht. Das ist unredlich, Herr Kollege Cap! Es ist vielleicht politischerweise für Sie opportun vor den Wahlen am 13. Oktober, aber letztendlich unredlich und unsauber. (Abg. Dr. Cap: Was will Wabl?)
Abg. Dr. Cap: Was will Wabl?
Genauso können wir ja auch in den Fragen des Gesundheitswesens nicht sagen (Abg. Dr. Cap: Was will Wabl?) , wir diskutieren jetzt nur das Gesundheitswesen, aber wieviel das kostet, interessiert uns nicht. Das ist unredlich, Herr Kollege Cap! Es ist vielleicht politischerweise für Sie opportun vor den Wahlen am 13. Oktober, aber letztendlich unredlich und unsauber. (Abg. Dr. Cap: Was will Wabl?)
Abg. Scheibner: Das ist doch Unsinn!
Meine Damen und Herren! Es kommt dann auch noch die wunderbare Walze – Moser hat damit angefangen, aber auch andere – mit den Kosten in der NATO. Es wird gesagt, die seien nicht gestiegen. Die Ausgaben für die NATO sind im Durchschnitt ungefähr 3,3 Prozent. Wenn ich das für Österreich hochrechne, komme ich auf ungefähr 72 Milliarden Schilling. Herr Moser, wieviel fehlen da auf das österreichische Militärbudget? – Fragen Sie Frischenschlager! – Ungefähr 40 bis 50 Milliarden Schilling. Herr Scheibner, sagen Sie uns bitte, woher Sie diesen Betrag nehmen! (Abg. Scheibner: Das ist doch Unsinn!) Geschenkt – wir nehmen nur die Hälfte, aber sagen Sie uns, woher Sie das Geld nehmen! Sie wissen ja nicht einmal, woher Sie das Geld für die neuen Abfangjäger, die Sie propagieren, nehmen sollen, das Geld, das Sie so wieder der Rüstungsindustrie in den Rachen werfen wollen.
Abg. Dr. Cap: Was will jetzt Wabl?
Das ist unseriös, Herr Kollege Scheibner! Das ist nicht Politik! Das mag möglicherweise für Wahlkampfreden interessant sein, ist aber einer echten sicherheitspolitischen Diskussion hier in diesem Haus nicht zweckdienlich. (Abg. Dr. Cap: Was will jetzt Wabl?)
Beifall bei den Grünen.
Meine Damen und Herren! Wir verlangen, daß in dieser sehr sensiblen Frage das österreichische Volk befragt wird, und dann können Sie, meine Damen und Herren, als Volksvertreter sagen: Ja, das war eine demokratische Entscheidung, und die Exekutive, die Regierung hat sich daran zu halten. Aber hören Sie auf mit diesem Versteckspiel "Windi, wandi, welches Handi?", je nachdem, ob Fasslabend aus dem Fernsehbild glotzt oder der Herr Bundeskanzler aus der Röhre lacht. – Danke schön. (Beifall bei den Grünen.)
Abg. Koppler: VOEST-Glas gibt es schon seit zehn Jahren nicht mehr!
Nun zu den Tatsachen, schreibt Mitsui, dieser größte japanische Handelskonzern: 1992 haben wir von Österreich nach Japan noch im Wert von 4 Milliarden Schilling exportiert, 1995 werden es knapp 1 Milliarde sein, 1996 vielleicht 600 bis 800 Millionen und 1997 wahrscheinlich nichts. Vielleicht noch VOEST-Glas aus dem steirischen Werk. (Abg. Koppler: VOEST-Glas gibt es schon seit zehn Jahren nicht mehr!)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Österreich war jahrelang hinter den USA für diese Produkte nach Japan der zweitgrößte Exporteur. Die österreichische Bundesregierung hat vor dem EU-Beitritt viel versprochen, diesbezüglich aber wirklich nichts gehalten! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen
Zitat Treichl: Von meinen 100 Vorstandsmitgliedern – und darauf bin ich besonders stolz, Herr Prinzhorn, hat er mir gesagt – kommen 99 aus der ÖVP. Herr Dr. Treichl leistet wenigstens heute Abbitte durch seine karitative Tätigkeit als Präsident des Roten Kreuzes (Beifall bei den Freiheitlichen), während Leibenfrost bei der Löwenbräu sein nächstes Waterloo erlebt. – Aber das zahlt wenigstens ein Privater! (Heiterkeit bei den Freiheitlichen.)
Heiterkeit bei den Freiheitlichen.
Zitat Treichl: Von meinen 100 Vorstandsmitgliedern – und darauf bin ich besonders stolz, Herr Prinzhorn, hat er mir gesagt – kommen 99 aus der ÖVP. Herr Dr. Treichl leistet wenigstens heute Abbitte durch seine karitative Tätigkeit als Präsident des Roten Kreuzes (Beifall bei den Freiheitlichen), während Leibenfrost bei der Löwenbräu sein nächstes Waterloo erlebt. – Aber das zahlt wenigstens ein Privater! (Heiterkeit bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Haben nicht Initiativen und Ankündigungen über Arbeitsplatzschaffung, Exportoffensiven, nicht zuletzt auch die des Oberkämmerers und jetzigen Wirtschaftsministers Farnleitner in dieselbe Kerbe geschlagen, meine Damen und Herren? (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Ruf bei der SPÖ: Serviettenmaschinen schon!
Das, meine Damen und Herren, ist die Wahrheit. Österreich ist dafür der teuerste Standort Europas. Gott sei Dank, kann ich nur sagen, kann man Papiermaschinen nicht so leicht wie Bearbeitungsmaschinen der Reifenindustrie auf einen Tieflader verfrachten und in andere Länder übersiedeln und dort wieder aufstellen. (Ruf bei der SPÖ: Serviettenmaschinen schon!)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Dafür, meine Damen und Herren, haben wir aber Lohnkosten mit dem Milliardenaufwand der Kammerumlage auf Jahrzehnte bereits überfrachtet, und ich habe mir gerade eine neue Aufstellung vom April dieses Jahres geben lassen und kann Ihnen sagen: All unsere Prognosen von 6 Milliarden Schilling an Bürokratiekosten in den Kammern, die zum Großteil in die Lohnnebenkosten eingehen, wurden überboten. Der tatsächliche Aufwand beträgt 8,5 Milliarden, die die Landeskammern und Wirtschaftskammern gemeinsam verursachen. Dabei sind es allein fast 500 Milliarden Funktionäraufwand, es sind 3,3 Milliarden Personalaufwand, und es sind 3,6 Milliarden Aufwand von Organisationen, die sich alles selbst finanzieren könnten, und das belastet den österreichischen Standort und nicht zuletzt auch Semperit. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Aber auch Umweltauflagen, meine Damen und Herren, die wir in Brüssel verpflichtend für die EU einbringen wollten und die in Österreich schon lange gelten, werden von dort nicht einmal ignoriert, weil wir uns in diesen Verhandlungen unsere Rechte nicht ordentlich haben absichern lassen, nämlich unsere Rechte auf Umweltstandards und nicht auf den Import des Drecks von anderen EU-Ländern. (Beifall bei den Freiheitlichen.) Diese unsere guten Bestimmungen, die wir in der EU nicht durchbringen, führen noch dazu auf unserem Buckel zu Entindustrialisierung und steigender Arbeitslosigkeit.
Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenruf der Abg. Dr. Mertel .
Da muß ich Ihnen sagen, der Punkt vom i war gestern schon – und das sei hier einmal erwähnt –, als der Pädagoge Wabl seinen Finger in Richtung unseres Parteiobmannes gezeigt hat und der Herr Präsident des Nationalrates verschämt weggeschaut und nicht eingegriffen hat: Ich habe den Herrn Wabl immer sehr für seine vielen und wirren Haare bewundert, die er trägt. Seit ich weiß, was unter diesen Haaren verborgen ist, bewundere ich ihn nicht mehr und bin mit meiner Glatze sehr zufrieden! (Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenruf der Abg. Dr. Mertel .)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Ich muß Ihnen sagen: Für mich ist das so erschütternd, weil man anscheinend nichts gelernt hat. Hatten wir nicht bei HTM schon dasselbe Desaster? Haben wir nicht bei HTM bereits mit dem zigarrenrauchenden Monopolisten am Zigarren- und Zigarettensektor milliardenteure Exkurse gemacht in die Freizeitindustrie? Haben wir aus all dem nichts gelernt? Muß jetzt die Staatsdruckerei, gerade jetzt, dasselbe noch einmal machen, den geschützten Bereich ausweiten, sich nicht auf Reisepässe und Vignetten reduzieren, sondern eine riesige, europaweit führende Rollenoffsetdruckerei schaffen und mit den Gewinnen, die sie am Monopolsektor gemacht hat, dort jetzt den Wettbewerb unterfahren und eine Politik der verbrannten Erde machen. Wir lernen nicht, meine Damen und Herren! Und das ist eigentlich erschreckend. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Zwischenruf des Abg. Koppler
Wir Unternehmer haben daher einen Antrag eingebracht – dieser Antrag ist bereits dem Herrn Präsidenten zugegangen –, in dem diese wesentlichen Dinge auch stehen. Statt die standorterhaltenden Anliegen der Unternehmer samt Mitarbeitern von Kammern und Gewerkschaft selbst zu entwickeln (Zwischenruf des Abg. Koppler ) , Herr Abgeordneter Koppler, begnügt man sich mit Feuerwehraktionen, am besten still und heimlich, um Beispielswirkungen erst gar nicht aufkommen zu lassen.
Beifall bei den Freiheitlichen.
Herr Präsident! Was ist denn los in der Gewerkschaft? Der Schwund an Mitgliedern sollte doch endlich zum Umdenken führen und einer auch nach außen bejahenden Strategie der Arbeitsplatzsicherung Platz machen. Sie sollten nicht zur Rettung der Betriebe eine Arbeitszeitverlängerung in den Betrieben und zur eigenen Rettung am Gewerkschaftstag eine Arbeitszeitverkürzung verlangen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Auch in diesen geschützten Bereichen widersetzt man sich allen Mahnungen der EU zum Trotz. Wieder gehen wertvolle Jahre verloren. Nicht einmal da sind wir in der Lage, die EU als Anstoß zur Veränderung zeitgerecht zu nutzen. Statt dessen verblödeln wir Jahre mit der CA-Privatisierung, und der gute Ruf der CA geht noch dazu den Bach hinunter. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Meine Damen und Herren! Ist Österreich wieder anders? Semperit könnte vielleicht vom Niederösterreichischen Bauernbund übernommen werden, wenn man nur daran denkt, wie Landeshauptmann Pröll im Zusammenhang mit der Mehrwegverpackung agiert hat. Er hat Unternehmen wie Römerquelle durch eine völlig falsche Signalwirkung in die falsche Richtung getrieben, indem er sich bei Fernsehauftritten mit dem Milchpackerl ins Gesicht gespritzt und die PET-Flasche als Gift dargestellt hat. Und bei Coca-Cola lacht man sich heute den Rücken krumm, denn die haben den Fernsehauftritt des Herrn Dr. Pröll Gott sei Dank nicht gesehen und in die richtige Richtung investiert. Und wer ist wiederum einmal schuld? Ein österreichischer Unternehmer, der von Politikern in die falsche Richtung getrieben wurde. Aber vielleicht hat Herr Dr. Pröll eine Idee und wird Kautschuk im nördlichen Niederösterreich zur Rettung von Semperit anbauen. Man weiß ja bei ihm nie. Gut hineingebrüllt und dazu gelacht, das geht allemal hinein. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Bei soviel Populismus vergißt man leicht darauf, die Milliardenförderungen, die der Staat Semperit gezahlt hat, zurückzufordern, und das ist eines der Anliegen von uns Freiheitlichen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Geld, das in all den Jahren von Semperit als Dividende nach Deutschland geflossen ist, Geld des österreichischen Steuerzahlers, das wollen wir zurück, wir fordern das ganz deutlich. Aber bei der Wirtschaftspolitik in diesem Land, meine Damen und Herren, ist der Verlust von Geld ja nur der Anfang, der Verlust von Arbeitsplätzen folgt auf den Fuß. Siehe bei Semperit! – Danke schön. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Dr. Haider: Warum sperren wir dann zu?
Bundesminister für wirtschaftliche Angelegenheiten Dr. Johann Farnleitner: Herr Präsident! Hohes Haus! Einleitend möchte ich festhalten, daß es sich grundsätzlich bei der österreichischen Autozuliefererindustrie um einen Wachstumsbereich handelt, der 1995 weltweit rund 52 Milliarden Schilling abgesetzt hat und derzeit rund 50 000 Mitarbeiter beschäftigt. Durch eine Reihe von Initiativen von multinationalen Unternehmen gerade in diesem Bereich – ich nenne BMW, VW, Audi, Mercedes, Ford und General Motors – ist in der Zukunft in diesem Bereich mit weiteren Umsatzsteigerungen zu rechnen. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Dr. Haider: Warum sperren wir dann zu?)
Beifall bei der ÖVP.
Semperit ist ein atypischer Sonderfall, der im Zusammenhang mit den Strukturproblemen allgemein und der Situation der japanischen Autoindustrie im besonderen zu sehen ist. Viele österreichische Zulieferfirmen konnten in den letzten Jahren erhebliche Steigerungen ihrer Exporte erreichen, und wir sind für diesen Bereich nach wie vor ein Investorland, wenn ich nur an die Verlagerung der Europazentrale eines multinationalen amerikanisch-kanadischen Zulieferers in jüngster Zeit erinnern darf. (Beifall bei der ÖVP.)
Abg. Mag. Stadler: So war das nicht! Er hat das ausdrücklich versprochen! Reden Sie einmal mit Ihrem Chef!
Bei dem angeführten Versprechen meines Amtsvorgängers Dr. Schüssel kann es sich nur um dessen Briefwechsel mit der EU-Kommission handeln, in dem diese ihre Bereitschaft erklärte, Japan zu konsultieren, um von der japanischen Seite eine Zusage zu erhalten (Abg. Mag. Stadler: So war das nicht! Er hat das ausdrücklich versprochen! Reden Sie einmal mit Ihrem Chef!)
Abg. Ing. Reichhold: Da waren Sie noch nicht im Parlament, als er das versprochen hat!
Die traditionellen Autozulieferungen sollten, so die japanische Zusage, unter dem EU-Zollregime in voller Höhe aufrechterhalten werden. (Abg. Ing. Reichhold: Da waren Sie noch nicht im Parlament, als er das versprochen hat!)
Abg. Ing. Reichhold: Das hat er sogar im Fernsehen versprochen, fällt mir jetzt ein!
Schließlich ist zu betonen, daß insgesamt die heimische Kfz-Zulieferindustrie, wie ich später noch ausführen werde, eine sehr positive Entwicklung aufzuweisen hat. (Abg. Ing. Reichhold: Das hat er sogar im Fernsehen versprochen, fällt mir jetzt ein!)
Beifall bei der ÖVP.
Den österreichischen Zulieferexporten an BMW im Wert von 13 Milliarden Schilling – 13 Milliarden Schilling! – stehen Importe von Kfz dieser Marke im Wert von 3 Milliarden Schilling gegenüber. Das entspricht einer Deckungsquote von 420 Prozent. (Beifall bei der ÖVP.)
Abg. Ing. Reichhold: Wie können Sie das behaupten?
Ein gewisser Rückgang der österreichischen Kfz-Zulieferexporte nach Japan wirkt sich zwar negativ auf die Handelsbilanz mit diesem Staat aus, doch steht dem eine Steigerung der sonstigen Exporte gegenüber. Im Augenblick gibt es hier keine offiziellen Statistiken. Sobald diese vorliegen, werden wir sie dem Haus zuleiten. (Abg. Ing. Reichhold: Wie können Sie das behaupten?) – Weil wir uns anhand der japanischen Statistik und der Auskünfte der Handels
Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.
Meine Damen und Herren! Derartige Maßnahmen sind im Rahmen der verfassungsgesetzlich verankerten Grundrechte und des Betriebsverfassungsrechtes zulässig. Ich halte jedoch Gespräche mit allen Betroffenen für zielführender und bin gerne bereit, selbst nicht nur an allen Gesprächen teilzunehmen, sondern auch weiter nötige Initiativen zu ergreifen. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Abgeordneter Dr. Jörg Haider (Freiheitliche): Hohes Haus! Meine Damen und Herren! Die Tatsache, daß wir heute eine dringliche Anfrage zum Thema Semperit einbringen, hat ganz wesentlich damit zu tun, daß es sich nicht um einen Einzelfall handelt, sondern im Grunde genommen um ein Flaggschiff der österreichischen Autozubehörindustrie, das sein 100jähriges Bestehen gefeiert hat, das aber offenbar zehn Jahre sozialistischer Regierungspolitik nicht zu überdauern scheint. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Verzetnitsch: Rinderwahn haben!
So aber ist man heute mit einem Tod auf Raten konfrontiert, und Verzetnitsch hat in einem Zeitungsinterview schon richtig gesagt: Wenn man in der EU etwas gelten will, dann muß man entweder ein Verbrecher sein oder – was hat er noch gesagt? (Abg. Verzetnitsch: Rinderwahn haben!) – Rinderwahn haben.
Abg. Mag. Stadler: Da schau her!
"Nach Rückkehr der Österreicher wurde Semperit dann vom Mutterhaus Continental-Reifen die weitere Behandlung der Exportwünsche untersagt, da die Belieferung nach Brasilien dem deutschen Mutterhaus vorbehalten ist." (Abg. Mag. Stadler: Da schau her!) Das ist es: Wir
Beifall bei den Freiheitlichen.
Meine Damen und Herren! Von einem Reifenabsatz von 1,5 Millionen im Jahre 1994 sind heuer 260 000 übriggeblieben. Das ist Ihre Politik! Das ist die Politik dieser Bundesregierung, die die Hausaufgaben für die EU gelöst hat, die sagt: Ihr müßt als Arbeiter für die EU stimmen, denn das sichert eure Arbeitsplätze! In Wirklichkeit schauen Sie zu, wie die Aufträge den Bach hinuntergehen, Millionen ins Ausland überwiesen und die Arbeitsplätze gleichzeitig vernichtet werden. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Mag. Stadler: Seit wann hat er das Gutachten?
Und das ist mein Appell, Herr Bundesminister! Da gibt es ja eine Studie, vor dem EU-Beitritt angefertigt vom Wirtschaftsministerium, eine Kostenrechnung, wie die Auswirkungen auf Semperit Reifen AG bei Wegfall der Japan-Regelungen sein werden. Daraus geht hervor, daß 3 242 Millionen an Wertschöpfung verlorengehen, wenn das Japangeschäft nicht gesichert werden kann. (Abg. Mag. Stadler: Seit wann hat er das Gutachten?)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Dieses Gutachten existierte bereits vor dem Jahre 1994 und ist im Auftrag des Wirtschaftsministerium erstellt worden. Ich stelle es Ihnen gerne zur Verfügung. Sie, diese Bundesregierung hat die Leute nach Strich und Faden angelogen. Sie haben die Arbeiter hinters Licht geführt und nehmen in Kauf, daß Tausende Arbeitsplätze und Industriebetriebe auf diese Weise gefährdet werden. (Beifall bei den Freiheitlichen.) Das, meine Damen und Herren, ist die wirklich ungeheuerliche Vorgangsweise.
Beifall bei den Freiheitlichen.
Das fordert Ihre wirtschaftspolitische Verantwortung und auch jene der Regierungsparteien, wenn es um den Kampf für die Arbeitsplätze geht! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Mag. Stadler: Das traut sich die Regierung nicht!
Wer hat sich denn erfolgreich gewehrt? Irland zum Beispiel war konfrontiert mit dem Wunsch von Conti, in Indien die irländische Produktion weiterzuführen. Irland hat sofort auf Rückzahlung sämtlicher Förderungen geklagt, und die Firma Continental hat den Kopf eingezogen, und die Produktion ist erhalten geblieben. (Abg. Mag. Stadler: Das traut sich die Regierung nicht!)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Wo, bitte, klagt denn die Regierung? Seit fünf Jahren wissen Sie, daß der Vertrag nicht eingehalten wird. Seit fünf Jahren wissen Sie, daß die Forschungs- und Entwicklungskonzentration, wie im Vertrag vereinbart, nicht stattfindet. Also klagen Sie endlich einmal auf die Rückzahlung von 1,2 Milliarden Schilling, die hier zu Unrecht aus dem Steuertopf in Anspruch genommen worden sind, damit Sie Conti unter Druck setzen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Blöder geht es ja wohl wirklich nicht mehr. Dann spart sich nämlich die Firma Conti auch noch die Schließungskosten. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenrufe bei der ÖVP.
Da sollen also die Genossen einmal wissen, mit wem sie sich im Boot befinden, mit wem der Herr Bundeskanzler Golf spielt, bis hin zum Herrn Neuber, der der Chef jener WestLB ist, jener Bank, die diese Zwangsdividende herausschindet, um Arbeitsplätze zu vernichten. Fragen Sie einmal Ihren Kanzler, warum er so schweigsam ist bei der Semperit-Partie? Weil er seine Golffreunde nicht vergrämen will und lieber Tausende Arbeitsplätze riskiert, die hier zugrunde gehen. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenrufe bei der ÖVP.) Euch ist das Wurscht! Jawohl, ihr habt jetzt fünf Jahre zugeschaut, obwohl ihr in der Regierung seid.
Beifall bei den Freiheitlichen.
Abgeordneter Dr. Jörg Haider (fortsetzend): Und demnächst wird ein weiterer größerer Automobilproduzent in Österreich mit mehr als 1 000 Mitarbeitern ebenfalls das gleiche Problem wie Semperit haben. Es ist eine Wende angesagt in der Industriepolitik, und Sie werden sich endlich einmal um die Arbeitsplätze kümmern müssen, anstatt Ihrem Kanzler ständig Golfwochenenden zu finanzieren. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei der ÖVP. – Ironische Heiterkeit bei den Freiheitlichen. – Zahlreiche lebhafte Zwischenrufe.
Abgeordneter Franz Kampichler (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundesminister! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Hohes Haus! Es ist wieder einmal eine der populistischen Aktionen der Freiheitlichen. (Beifall bei der ÖVP. – Ironische Heiterkeit bei den Freiheitlichen. – Zahlreiche lebhafte Zwischenrufe.)
Beifall bei der ÖVP. – Abg. Aumayr: Was bringen Sie?
Zuerst hat die Show in Traiskirchen begonnen. Das ist offensichtlich nicht so erfolgreich verlaufen, und jetzt wird diese Show hier im Hohen Haus fortgesetzt. Ein Aktionismus, der medial gut rüberkommen soll, der aber leider Gottes den Betroffenen draußen im Werk bei Semperit überhaupt nichts bringt. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Aumayr: Was bringen Sie?)
Abg. Mag. Stadler: Schauen Sie auf Ihren Minister! Er schämt sich!
In Wirklichkeit geht es den Freiheitlichen nicht um das Schicksal der Semperit-Arbeiter, sondern es geht in erster Linie um ein Politspektakel, Herr Kollege Stadler. (Abg. Mag. Stadler: Schauen Sie auf Ihren Minister! Er schämt sich!)
Zwischenrufe bei den Freiheitlichen. – Präsident Dr. Brauneder gibt das Glockenzeichen
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sehr viele Bürger unseres Landes haben dies bereits durchschaut und fallen nicht mehr auf Ihre plumpen Aktionen herein. Ich verstehe Ihre Nervosität, aber für mich ist eines unverständlich (Zwischenrufe bei den Freiheitlichen. – Präsident Dr. Brauneder gibt das Glockenzeichen): Dr. Haider ruft plötzlich nach dem Staat, obwohl er sich
Abg. Dr. Ofner: So alt werden wir aber nicht, daß wir das noch erleben!
Mittelfristig wird sich die Situation verbessern, denn mit jedem Betrieb, der ausgelagert wird, steigt das Lohnniveau in diesen Ländern, und es ist also zu erwarten, daß dieses hohe Lohngefälle sich ausgleicht. (Abg. Dr. Ofner: So alt werden wir aber nicht, daß wir das noch erleben!)
Abg. Mag. Stadler: Die Arbeiter werden sich was denken, wenn Sie Ihre Rede hören!
Bei der Absicherung von Betrieben sollten wir verstärkt Modelle unterstützen, bei denen die Mitarbeiter des Betriebes zu Betriebsinhabern werden. Jede Form der Mitarbeiterbeteiligung bringt einen enormen Motivationsschub. Das führt zu einer totalen Identifikation mit dem Betrieb und bringt damit einen entscheidenden Schritt zur Gesundung, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Abg. Mag. Stadler: Die Arbeiter werden sich was denken, wenn Sie Ihre Rede hören!) Herr Kollege Stadler! Sie kennen die Situation in diesem Gebiet nicht so gut wie ich. (Abg. Mag. Stadler: So sieht die "Wirtschaftskompetenz" der ÖVP aus! Da wird sich jeder abwenden, wenn er das hört!)
Abg. Mag. Stadler: So sieht die "Wirtschaftskompetenz" der ÖVP aus! Da wird sich jeder abwenden, wenn er das hört!
Bei der Absicherung von Betrieben sollten wir verstärkt Modelle unterstützen, bei denen die Mitarbeiter des Betriebes zu Betriebsinhabern werden. Jede Form der Mitarbeiterbeteiligung bringt einen enormen Motivationsschub. Das führt zu einer totalen Identifikation mit dem Betrieb und bringt damit einen entscheidenden Schritt zur Gesundung, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Abg. Mag. Stadler: Die Arbeiter werden sich was denken, wenn Sie Ihre Rede hören!) Herr Kollege Stadler! Sie kennen die Situation in diesem Gebiet nicht so gut wie ich. (Abg. Mag. Stadler: So sieht die "Wirtschaftskompetenz" der ÖVP aus! Da wird sich jeder abwenden, wenn er das hört!)
Abg. Mag. Stadler: Ihnen kann nichts Besseres passieren, als daß Sie still sein müßten!
Es gibt in der Nähe von Traiskirchen, und zwar in Berndorf, einen Betrieb ... (Abg. Mag. Stadler: Ihnen kann nichts Besseres passieren, als daß Sie still sein müßten!) Kollege Stadler! (Abg. Mag. Stadler: Bitte, tun Sie mich nicht als Kollegen bezeichnen! Reden Sie weiter!)
Abg. Mag. Stadler: Bitte, tun Sie mich nicht als Kollegen bezeichnen! Reden Sie weiter!
Es gibt in der Nähe von Traiskirchen, und zwar in Berndorf, einen Betrieb ... (Abg. Mag. Stadler: Ihnen kann nichts Besseres passieren, als daß Sie still sein müßten!) Kollege Stadler! (Abg. Mag. Stadler: Bitte, tun Sie mich nicht als Kollegen bezeichnen! Reden Sie weiter!)
Abg. Mag. Stadler: Ich weiß, wovon Sie reden! – Weitere Zwischenrufe. – Präsident Dr. Brauneder gibt das Glockenzeichen.
Es gibt in der Nähe von Traiskirchen einen Betrieb, und zwar in Berndorf, wo diese Mitarbeiterbeteiligungsmodelle sehr erfolgreich laufen. Ich habe mich dort persönlich überzeugen können, und ich würde es wirklich jedem empfehlen – auch Ihnen, Herr Kollege Stadler, denn dann würden Sie wissen, wovon ich rede –, diesen Betrieb zu studieren. (Abg. Mag. Stadler: Ich weiß, wovon Sie reden! – Weitere Zwischenrufe. – Präsident Dr. Brauneder gibt das Glockenzeichen.)
Abg. Mag. Stadler: Ich bin froh, daß Sie diesen Unsinn verzapfen!
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Stadler! Dort wurde ein konkursreifer Betrieb sehr erfolgreich aufgebaut und läuft heute bestens. (Abg. Mag. Stadler: Ich bin froh, daß Sie diesen Unsinn verzapfen!)
Präsident Dr. Fischer übernimmt den Vorsitz.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Im Interesse aller Betroffenen hoffe ich, daß es möglich ist, mit Conti eine Lösung zu erzielen, die den Betriebsstandort erhält. Auch aus meiner Region pendeln sehr viele Arbeitnehmer nach Traiskirchen, und ich weiß, wie viele persönliche Schicksale damit verbunden sind. (Präsident Dr. Fischer übernimmt den Vorsitz.)
Beifall bei ÖVP und SPÖ.
Ich glaube, wir brauchen für die Zukunft neue Ideen, neue Impulse. Wir brauchen intelligente Produkte mit einer hohen Wertschöpfung, und wir brauchen die Modelle der Mitarbeiterbeteiligung. Auf diese Weise, meine sehr geehrten Damen und Herren, werden wir den Abwanderungen über die Grenze in Billiglohnländer entgegentreten können. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)
Abg. Dr. Haider: Deswegen muß es noch nicht richtig sein!
Abgeordneter Friedrich Verzetnitsch (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Abgeordneter Prinzhorn! Da Sie die Arbeitnehmerpolitik in Frage gestellt haben: Ich maße mir nicht an, mich mit französischen Ministerpräsidenten auf die gleiche Stufe zu stellen. Aber Juppé und Rocard sind nicht gerade Gewerkschaftsführer und verlangen zum Beispiel auch die Arbeitszeitverkürzung auf die 35-Stunden-Woche. (Abg. Dr. Haider: Deswegen muß es noch nicht richtig sein!) Anscheinend gibt es ja doch Modelle, über die man nachdenken soll. (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ.
Abgeordneter Friedrich Verzetnitsch (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Abgeordneter Prinzhorn! Da Sie die Arbeitnehmerpolitik in Frage gestellt haben: Ich maße mir nicht an, mich mit französischen Ministerpräsidenten auf die gleiche Stufe zu stellen. Aber Juppé und Rocard sind nicht gerade Gewerkschaftsführer und verlangen zum Beispiel auch die Arbeitszeitverkürzung auf die 35-Stunden-Woche. (Abg. Dr. Haider: Deswegen muß es noch nicht richtig sein!) Anscheinend gibt es ja doch Modelle, über die man nachdenken soll. (Beifall bei der SPÖ.)
Abg. Dr. Haider: Was hat das damit zu tun?
Es ist ja auch eine Tatsache, daß Sie als prominenter Funktionär der Industriellenvereinigung auch dazu beigetragen haben, daß sich die Industriellenvereinigung an Auslandsdelegationen in hohem Maße beteiligt hat. Ebenso kennen Sie sich bei Subventionen in Österreich aus (Abg. Dr. Haider: Was hat das damit zu tun?) – ich beziehe mich auf die Rede Ihres Abgeordneten – und haben auch mit der Frage der Auslagerung in osteuropäische Staaten einige Erfahrung. (Beifall bei SPÖ und ÖVP. – Abg. Dr. Nowotny: Jawohl!)
Beifall bei SPÖ und ÖVP. – Abg. Dr. Nowotny: Jawohl!
Es ist ja auch eine Tatsache, daß Sie als prominenter Funktionär der Industriellenvereinigung auch dazu beigetragen haben, daß sich die Industriellenvereinigung an Auslandsdelegationen in hohem Maße beteiligt hat. Ebenso kennen Sie sich bei Subventionen in Österreich aus (Abg. Dr. Haider: Was hat das damit zu tun?) – ich beziehe mich auf die Rede Ihres Abgeordneten – und haben auch mit der Frage der Auslagerung in osteuropäische Staaten einige Erfahrung. (Beifall bei SPÖ und ÖVP. – Abg. Dr. Nowotny: Jawohl!)
Abg. Dr. Haider: Du verstehst es noch immer nicht!
Herr Kollege Haider! Ich bin froh, daß du noch nicht im "Schweizerhaus" bist, sondern daß du vielleicht auch mir ein bißchen weiterhelfen kannst in meiner Unsicherheit. Ich habe nämlich schon irgendwie das Gefühl, daß heute der Arbeitnehmertag ist. Da verlangt Haider staatliche Interventionen. Morgen ist dann Wirtschaftstag, und da wird dann das Wachstumskonzept der FPÖ zitiert, in welchem eine Abnahme der staatlichen Intervention bei unternehmerischen Maßnahmen verlangt wird. Also morgen ist dann wieder die freie Wirtschaft dran. (Abg. Dr. Haider: Du verstehst es noch immer nicht!)
Abg. Dr. Haider: Sag nicht "Führer", ich sag’ auch "Obmann" zu dir!
Wir alle können uns noch daran erinnern, wie die FPÖ – und im besonderen ihr Führer Haider – zum Beispiel in der Steiermark verlangt hat, Betriebe zu schließen. (Abg. Dr. Haider: Sag nicht "Führer", ich sag’ auch "Obmann" zu dir!) Der Parteiführer, ist in Ordnung.
Abg. Dr. Haider: Der wurde gut, weil man ihn verselbständigt hat!
Ich meine hier Semperit als Reifenkonzern. Ich sage das bewußt, weil wir noch einen zweiten Semperit-Betrieb im Lande haben, den man nicht in einem Aufwaschen mitnennen sollte. (Abg. Dr. Haider: Der wurde gut, weil man ihn verselbständigt hat!) Dort gibt es Facharbeiter, Männer und Frauen, die ich heute im Betrieb kennengelernt habe (Abg. Dr. Haider: Aber die haben sich
Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Dr. Haider: Da kauf’ ich keine Aktien!
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich bin daher davon überzeugt, daß wir die Dinge auch beim Namen nennen sollen, Namen, die bedeuten: Wir wandern in eine Dividendengesellschaft hinein, in eine Dividendengesellschaft, wo nur das Abzocken – ich sage das so, wie ich es mir denke – von Dividenden im Vordergrund steht und nicht eine soziale Entwicklung unseres Marktes. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Dr. Haider: Da kauf’ ich keine Aktien!)
Abg. Mag. Stadler: Das ist ein Strohhalm, an den Sie sich da klammern!
Es kann, so glaube ich, zu einem bösen Erwachen der Conti-Verantwortlichen führen, wenn der Österreich-Vorteil beim Käufer nicht mehr registriert wird und daher die Marke nicht mehr als österreichische Marke wahrgenommen wird. (Abg. Mag. Stadler: Das ist ein Strohhalm, an den Sie sich da klammern!)
Abg. Dr. Haider: Da mußt du meine Rede nehmen!
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich bin aber überzeugt davon, daß damit eigentlich nur eine Linie fortgesetzt wird, die wir von Herrn Grünberg seit längerer Zeit kennen: Zusage, Forschung und Entwicklung in Österreich auszubauen – nicht eingehalten. Zusage für Neuausrüstung von Maschinen – nicht eingehalten. Im Gegensatz zu Ihrer Begründung bin ich der Auffassung – eben weil ich den Betrieb kenne –, daß dieser Betrieb keine veraltete Technologie in sich birgt. (Abg. Dr. Haider: Da mußt du meine Rede nehmen!)
Abg. Mag. Stadler: Warum klagt ihr dann nicht, wenn er die Zusagen nicht einhält?
Das steht in eurer Begründung drinnen, in der letzten Zeile eurer Begründung. Lest eure Begründung! Ich nehme nur die Begründung der FPÖ; da steht das in der letzten Zeile. Man sollte sich schon auf etwas einigen. (Abg. Mag. Stadler: Warum klagt ihr dann nicht, wenn er die Zusagen nicht einhält?)
Abg. Dr. Haider: Seit fünf Jahren wißt ihr das und klagt nicht!
Weiters: Zusagen für Neuausrüstungen – nicht eingehalten. Die fünfte Maschine fehlt nach wie vor. Und auch die Zusage, die im heurigen Frühjahr abgegeben worden ist, die Kostenvoranschläge, die Kosteneinsparungsmöglichkeiten zu prüfen, ist nicht eingehalten worden. Die Antwort waren die Reduzierung der Produktion und das Verbot – das Verbot, das der Herr Minister nicht ausgesprochen hat – des Herrn Grünberg, daß die österreichischen Reifenhersteller also nicht direkt mit den Japanern verhandeln dürfen und auch nicht direkt abschließen dürfen. (Abg. Dr. Haider: Seit fünf Jahren wißt ihr das und klagt nicht!)
Abg. Dr. Haider: Wäre möglich, daß sie abzocken!
Ein gutes Produkt, modernste Technologie, hervorragende Facharbeit, abgelieferte Gewinne – und dennoch ziehen sich die Eigentümer schrittweise zurück. (Abg. Dr. Haider: Wäre möglich, daß sie abzocken!) Sie müssen sich nur einigen, was Sie wollen: freie Wirtschaft oder staatlich gelenkte Wirtschaft. Sie müssen sich einmal darauf einigen, was Sie wirklich wollen. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)
Beifall bei SPÖ und ÖVP.
Ein gutes Produkt, modernste Technologie, hervorragende Facharbeit, abgelieferte Gewinne – und dennoch ziehen sich die Eigentümer schrittweise zurück. (Abg. Dr. Haider: Wäre möglich, daß sie abzocken!) Sie müssen sich nur einigen, was Sie wollen: freie Wirtschaft oder staatlich gelenkte Wirtschaft. Sie müssen sich einmal darauf einigen, was Sie wirklich wollen. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)
Abg. Dr. Haider: Fünf Jahre schaut der SPÖ-Sozialminister zu!
Halten wir fest: Continental hat für Semperit insgesamt deutlich mehr als eine Milliarde Schilling bekommen. Zusätzlich sind weitere Millionen geflossen. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Seit einigen Monaten wird gegen diese Strategie gearbeitet. (Abg. Dr. Haider: Fünf Jahre schaut der SPÖ-Sozialminister zu!) Den Belegschaftsvertretern – mit denen du heute nicht gesprochen hast –, dem Bürgermeister, dem Land, dem Bund, den Interessenvertretern und den direkt Betroffenen geht es im wesentlichen darum, daß der Versuch unternommen wird, durch Rückforderungen, anhand von Prüfungen durch die Finanzprokuratur nachzuweisen, daß diese Verträge einzuhalten sind und nicht einem kurzfristigen Dividendenzuwachs des Herrn Grünberg entsprechen müssen. (Abg. Mag. Stadler: Die Finanzprokuratur hat das gemacht!)
Abg. Mag. Stadler: Die Finanzprokuratur hat das gemacht!
Halten wir fest: Continental hat für Semperit insgesamt deutlich mehr als eine Milliarde Schilling bekommen. Zusätzlich sind weitere Millionen geflossen. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Seit einigen Monaten wird gegen diese Strategie gearbeitet. (Abg. Dr. Haider: Fünf Jahre schaut der SPÖ-Sozialminister zu!) Den Belegschaftsvertretern – mit denen du heute nicht gesprochen hast –, dem Bürgermeister, dem Land, dem Bund, den Interessenvertretern und den direkt Betroffenen geht es im wesentlichen darum, daß der Versuch unternommen wird, durch Rückforderungen, anhand von Prüfungen durch die Finanzprokuratur nachzuweisen, daß diese Verträge einzuhalten sind und nicht einem kurzfristigen Dividendenzuwachs des Herrn Grünberg entsprechen müssen. (Abg. Mag. Stadler: Die Finanzprokuratur hat das gemacht!)
Ruf bei den Freiheitlichen: Wie bei HTM!
Der Conti-Vorschlag, den Rückkauf möglich zu machen, sollte geprüft werden. – Kollege Haider, nur zur Erinnerung: In einer Presseaussendung von dir heißt es heute "schwachsinniges Argument", ein "Wahnsinn" sagtest du in deiner Rede. Der niederösterreichische Wirtschaftssprecher der FPÖ Rambossek hat das offenbar noch nicht mitbekommen, denn er hat einen Antrag eingebracht: Der Semperit-Standort Traiskirchen kann längerfristig nur dann überleben, wenn er sich wieder aus der Umklammerung der deutschen Continental löst. – Das stellte der freiheitliche Wirtschaftssprecher Rambossek fest. – Die Belegschaft müßte daher in ihrem eigenen Interesse Verhandlungen mit dem deutschen Eigentümer aufnehmen, um das Werk im Wege eines Management- und Mitarbeiter-Buyout wieder zurückzukaufen. – Also scheint sich das noch nicht ganz herumgesprochen zu haben. (Ruf bei den Freiheitlichen: Wie bei HTM!)
Abg. Dr. Haider: Zuerst habt ihr gesagt, daß bis 1999 alles garantiert ist!
Es gibt andere, von denen man sicherlich lernen kann, meine sehr geehrten Damen und Herren. Ein ganz aktuelles Beispiel von heute: Audi in der Bundesrepublik Deutschland. Auch Audi lagert aus, aber Audi hat mit seinen Beschäftigten einen Beschäftigungssicherungspakt abgeschlossen, der bis zum Jahr 2000 die Beschäftigung in der Bundesrepublik Deutschland garantiert und darüber hinaus die Beschäftigung in Ungarn aufbaut. Ich glaube, daß das der richtigere Weg ist. (Abg. Dr. Haider: Zuerst habt ihr gesagt, daß bis 1999 alles garantiert ist!)
Beifall bei der SPÖ. – Abg. Dr. Haider: Fünf Jahre habt ihr Zeit gehabt, zu klagen auf die Einhaltung der Verträge!
Das richtet sich an alle hier im Haus: Wenn wir Semperit für so wichtig halten, dann brauchen wir keine dringliche Anfrage, Kollege Haider, dann brauchen wir zum Beispiel auf deinem Dienstwagen keine Continental-Reifen, sondern Semperit-Reifen, wie das in vielen anderen Bereichen auch sinnvoll wäre. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Dr. Haider: Fünf Jahre habt ihr Zeit gehabt, zu klagen auf die Einhaltung der Verträge!)
Beifall bei SPÖ und ÖVP. – Abg. Dr. Haider: Da mußt du aber jetzt einen Reifenwechsel machen bei deinem Auto! Conti-Reifen!
Dann brauchen wir meiner Meinung nach keine dringliche Anfrage, sondern dann brauchen wir eine dringliche "Ansage" an den Herrn Grünberg, er sollte "Die Zeit" lesen: Ändern Sie Ihre Moral vom Kapital, sonst fahren Sie demnächst mit platten Reifen. (Beifall bei SPÖ und ÖVP. – Abg. Dr. Haider: Da mußt du aber jetzt einen Reifenwechsel machen bei deinem Auto! Conti-Reifen!)
Abg. Leikam: Sie kennen sich aus!
Abgeordneter Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn (Freiheitliche): Herr Präsident Verzetnitsch! Sie haben unrichtig behauptet, ich hätte Betriebsverlagerungen in Niedriglohnländer vorgenommen. Das ist unrichtig. (Abg. Leikam: Sie kennen sich aus!)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Ich exportiere Milliarden aus österreichischer Produktion in Niedriglohnländer, habe nur in Österreich Betriebe aufgebaut und nicht abgebaut, und ich beschäftige über 2 000 Mitarbeiter. (Beifall bei den Freiheitlichen.) Keinerlei Produktions-, Maschinen-, geschweige denn Betriebsverlagerung aus Österreich weg wurde von mir je vorgenommen.
Abg. Dr. Nowotny: Und Beteiligungen? Nie Beteiligungen?
Herr Präsident Verzetnitsch! Sie behaupten weiters fälschlich, ich hätte ... (Abg. Dr. Nowotny: Und Beteiligungen? Nie Beteiligungen?) Es geht um Verlagerungen aus Österreich weg. Das haben Sie mehrfach behauptet. (Abg. Dr. Nowotny: Beteiligungen im Ausland? Haben Sie Beteiligungen? – Abg. Mag. Stadler: Zahlen Sie Ihre Gehälter zurück, bevor Sie da maulen!) Sie behaupten weiters – unmißverständlich deuten Sie das an –, ich hätte Subventionen in Österreich bezogen. Das ist unrichtig. Ich bediene mich in Österreich für jedermann zugänglicher Kredite – und sonst nichts! Stellen Sie das einmal richtig! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Dr. Nowotny: Beteiligungen im Ausland? Haben Sie Beteiligungen? – Abg. Mag. Stadler: Zahlen Sie Ihre Gehälter zurück, bevor Sie da maulen!
Herr Präsident Verzetnitsch! Sie behaupten weiters fälschlich, ich hätte ... (Abg. Dr. Nowotny: Und Beteiligungen? Nie Beteiligungen?) Es geht um Verlagerungen aus Österreich weg. Das haben Sie mehrfach behauptet. (Abg. Dr. Nowotny: Beteiligungen im Ausland? Haben Sie Beteiligungen? – Abg. Mag. Stadler: Zahlen Sie Ihre Gehälter zurück, bevor Sie da maulen!) Sie behaupten weiters – unmißverständlich deuten Sie das an –, ich hätte Subventionen in Österreich bezogen. Das ist unrichtig. Ich bediene mich in Österreich für jedermann zugänglicher Kredite – und sonst nichts! Stellen Sie das einmal richtig! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Herr Präsident Verzetnitsch! Sie behaupten weiters fälschlich, ich hätte ... (Abg. Dr. Nowotny: Und Beteiligungen? Nie Beteiligungen?) Es geht um Verlagerungen aus Österreich weg. Das haben Sie mehrfach behauptet. (Abg. Dr. Nowotny: Beteiligungen im Ausland? Haben Sie Beteiligungen? – Abg. Mag. Stadler: Zahlen Sie Ihre Gehälter zurück, bevor Sie da maulen!) Sie behaupten weiters – unmißverständlich deuten Sie das an –, ich hätte Subventionen in Österreich bezogen. Das ist unrichtig. Ich bediene mich in Österreich für jedermann zugänglicher Kredite – und sonst nichts! Stellen Sie das einmal richtig! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Dr. Haider: Nein! Stimmt nicht! 1985 schon wieder positiv! Zum Zeitpunkt, wo die Conti eingestiegen ist, waren sie positiv!
Aber bei aller Berechtigung um die Sorge über die Arbeitsplätze, über die Entwicklung möchte ich darauf hinweisen, daß wir auch über ein Unternehmen diskutieren, das 1985 schlicht und ergreifend pleite war. (Abg. Dr. Haider: Nein! Stimmt nicht! 1985 schon wieder positiv! Zum Zeitpunkt, wo die Conti eingestiegen ist, waren sie positiv!)
Abg. Dr. Haider: Ich kann dir die Bilanzen vorlegen! 1983 waren sie pleite, 1985 waren sie schon wieder flott!
Lieber Jörg! 1985 waren sie pleite. Ich kenne mich auf diesem Gebiet, glaube ich, ganz gut aus, vielleicht sogar ausnahmsweise ein bißchen besser als du. (Abg. Dr. Haider: Ich kann dir die Bilanzen vorlegen! 1983 waren sie pleite, 1985 waren sie schon wieder flott!) Und ich darf noch etwas dazu sagen: Semperit war zu einem Zeitpunkt in einer Krise, als die Reifenindustrie weltweit eine nachhaltige Krise durchlebt hat, die insgesamt durch Überkapazitäten und Neuorientierungen im internationalen Markt gekennzeichnet war. Es war ja nicht nur Semperit damals in einer Krise. Es gab auf dem italienischen Markt Entwicklungen, die zur Konzentration geführt haben, es gab letztendlich vor allem auch in Deutschland eine ganz massive Unternehmenkonzentration, die eben mit einer dominanten Stellung von Conti – und ich kenne den Vorstandsvorsitzenden, der damals verantwortlich war, recht gut – einherging.
Abg. Dr. Haider: Semperit hat in elf Jahren 1,4 Milliarden Gewinn gemacht und 800 Millionen Dividende abgeliefert! Du kannst jetzt nicht sagen, daß die nicht saniert waren!
Ich glaube darüber hinaus, daß er das eine oder andere Schlupfloch bietet – das ist auch noch möglich –, daß er sozusagen nicht eingehalten werden muß . Aber die Ursache der heutigen Erscheinungen liegen im Jahr 1985 und nicht in einer Dringlichkeit begründet. Dringlich, Herr Kollege Prinzhorn, sind sozusagen nur die Auswirkungen und die Gelegenheit, darüber auch politisch zu diskutieren, und das wird ja einer Opposition noch überlassen bleiben. (Abg. Dr. Haider: Semperit hat in elf Jahren 1,4 Milliarden Gewinn gemacht und 800 Millionen Dividende abgeliefert! Du kannst jetzt nicht sagen, daß die nicht saniert waren!)
Abg. Dr. Haider: Weil du einen Vertrag hast, daß du es dalassen mußt !
Ich glaube das alles, nur: Wenn man sich etwas damit befaßt, was Konzernpolitik und was internationale Konzernpolitik bedeutet, dann kann man es nicht beklagen, daß ein Unternehmer, ein Konzerneigner, sei er nun deutsch oder japanisch, seine übergeordneten Interessen verfolgt. Ich bin ein kleiner internationaler Unternehmer, aber auch ich habe in anderen Ländern Interessen. Und ich würde es mir verbieten, wenn ich in Ungarn kritisiert werden würde, weil ich meinen österreichischen Betrieb im Vordergrund habe, wenn man dort sagen würde: Jetzt zieht er die EDV ab nach Österreich, und die Maschinenabteilung ist in Österreich, und das Labor ist in Österreich. (Abg. Dr. Haider: Weil du einen Vertrag hast, daß du es dalassen mußt !) Das muß jedem Unternehmer überlassen bleiben, meine Herren, hier irren Sie grundsätzlich! (Beifall beim Liberalen Forum.)
Beifall beim Liberalen Forum.
Ich glaube das alles, nur: Wenn man sich etwas damit befaßt, was Konzernpolitik und was internationale Konzernpolitik bedeutet, dann kann man es nicht beklagen, daß ein Unternehmer, ein Konzerneigner, sei er nun deutsch oder japanisch, seine übergeordneten Interessen verfolgt. Ich bin ein kleiner internationaler Unternehmer, aber auch ich habe in anderen Ländern Interessen. Und ich würde es mir verbieten, wenn ich in Ungarn kritisiert werden würde, weil ich meinen österreichischen Betrieb im Vordergrund habe, wenn man dort sagen würde: Jetzt zieht er die EDV ab nach Österreich, und die Maschinenabteilung ist in Österreich, und das Labor ist in Österreich. (Abg. Dr. Haider: Weil du einen Vertrag hast, daß du es dalassen mußt !) Das muß jedem Unternehmer überlassen bleiben, meine Herren, hier irren Sie grundsätzlich! (Beifall beim Liberalen Forum.)
Abg. Dr. Haider: Mit unseren Gewinnen im Ausland die Arbeitsplätze finanzieren!
Sie stellen hier ein Gespenst in das Schaufenster und sagen: Das ist es!, und am allerliebsten tust du es, Jörg, indem du sagst: Das ist die EU! Ich verstehe den Schmäh, aber ich weise ihn zurück als Schmäh. (Abg. Dr. Haider: Mit unseren Gewinnen im Ausland die Arbeitsplätze finanzieren!)
Anhaltende Zwischenrufe bei den Freiheitlichen. – Abg. Mag. Barmüller: Den Mund halten und zuhören!
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich noch etwas sagen zur Förderung. (Anhaltende Zwischenrufe bei den Freiheitlichen. – Abg. Mag. Barmüller: Den Mund halten und zuhören!)
Abg. Dr. Graf: Da haben Sie aber auch gesagt, daß das nicht dringlich ist!
Es gibt andere Fälle, HTM zum Beispiel, wo wir erst erleben müssen, wie viele Mannjahre mit 4 oder 5 Milliarden Schilling sozusagen gerettet werden können. Hier, im Falle Semperit, meine Damen und Herren, ist es nicht so dramatisch. (Abg. Dr. Graf: Da haben Sie aber auch gesagt, daß das nicht dringlich ist!)
Beifall beim Liberalen Forum und bei den Freiheitlichen.
Meine Damen und Herren! Angesichts einer solchen Vorgangsweise, muß ich schon fragen: Herr Stummvoll, warum kommen Sie nicht heraus und verteidigen uns Unternehmer einmal? (Beifall beim Liberalen Forum und bei den Freiheitlichen.) Geben Sie doch Ihrem Koalitionspartner eine Nachhilfestunde über wirtschaftliche Zusammenhänge! (Abg. Koppler: Wer kümmert sich denn um die Industriepolitik da herinnen? Wer kümmert sich denn um die Industriepolitik außer uns?) Aber, geh’n S’!
Abg. Koppler: Wer kümmert sich denn um die Industriepolitik da herinnen? Wer kümmert sich denn um die Industriepolitik außer uns?
Meine Damen und Herren! Angesichts einer solchen Vorgangsweise, muß ich schon fragen: Herr Stummvoll, warum kommen Sie nicht heraus und verteidigen uns Unternehmer einmal? (Beifall beim Liberalen Forum und bei den Freiheitlichen.) Geben Sie doch Ihrem Koalitionspartner eine Nachhilfestunde über wirtschaftliche Zusammenhänge! (Abg. Koppler: Wer kümmert sich denn um die Industriepolitik da herinnen? Wer kümmert sich denn um die Industriepolitik außer uns?) Aber, geh’n S’!
Beifall beim Liberalen Forum.
Wenn Sie, Herr Verzetnitsch, sagen, die 35-Stunden-Woche wird auch anderswo gefordert, dann vergessen Sie aber, zu sagen: Wenn die 35-Stunden-Woche aus dem Lösungsansatz herauskommt, daß Sie hier ein knapper werdendes Gut, nämlich Arbeit, gerechter verteilen müssen, dann haben Sie meine Unterstützung. Aber dann sagen Sie auch laut und deutlich: Selbstverständlich ohne jeglichen Lohnausgleich!, denn wenn Sie in einem Atemzug auch den Lohnausgleich fordern, dann erhöhen Sie die Produktionskosten, dann verringern Sie die Wettbewerbsfähigkeit und die internationale Konkurrenzfähigkeit des Standortes Österreich. Das müssen Sie dazusagen! (Beifall beim Liberalen Forum.)
Abg. Verzetnitsch: Der Herr Lopez, aber sonst niemand! – Abg. Dr. Haider: Du wirst immer mehr zum Pflichtverteidiger der Conti!
Hier gelten andere, internationale Gesetze, und die werden sie befolgen. Und diese Menschen werden auch Erfolg haben – ob es Ihnen paßt oder nicht paßt, Herr Verzetnitsch (Abg. Verzetnitsch: Der Herr Lopez, aber sonst niemand! – Abg. Dr. Haider: Du wirst immer mehr zum Pflichtverteidiger der Conti!)
Abg. Dr. Haider: Dann sag es einmal! – Abg. Mag. Stadler: Die Finanzprokuratur?!
Aber, meine Herren! Jörg! Was heißt "zum Pflichtverteidiger der Conti"? Ich bin der Meinung: Wenn die Conti Verpflichtungen auf sich genommen hat, dann sind diese Verpflichtungen auf Schilling und Heller einzufordern, selbstverständlich! Ich nehme an, die Finanzprokuratur und andere werden dafür sorgen. (Abg. Dr. Haider: Dann sag es einmal! – Abg. Mag. Stadler: Die Finanzprokuratur?!)
Heiterkeit und Beifall beim Liberalen Forum. – Weitere Zwischenrufe des Abg. Mag. Stadler .
Herr Stadler! Oder machen Sie es halt persönlich, das ist mir doch egal. Sie sind zwar nicht dazu fähig, aber probieren Sie es. (Heiterkeit und Beifall beim Liberalen Forum. – Weitere Zwischenrufe des Abg. Mag. Stadler .)
Abg. Dr. Haider: Hundenamen brauchst du nicht schon wieder verwenden!
Meine Damen und Herren! Eines muß auch klar sein: Durch die bloße Negation wirtschaftlicher Zusammenhänge, durch lautes Bellen aus der ersten Reihe, Herr Stadler (Abg. Dr. Haider: Hundenamen brauchst du nicht schon wieder verwenden!) , lösen Sie dieses Problem nicht, und auch du nicht, Jörg. Du bist seinerzeit zum "Konsum" gefahren, hast eine Wurstsemmel gegessen. Heute bist du nach Wimpassing gefahren, aber die Wurstsemmel mit "Semperit"-Schnitzel wirst du nicht gegessen haben, weil sie dir nicht schmeckt. (Heiterkeit und Beifall beim Liberalen Forum.) Das ist doch ein Witz! (Abg. Mag. Stadler: Verteidigt Conti-Manager! – Abg. Dr. Haider: Haben wir ihn an einer wunden Stelle erwischt! – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.)
Heiterkeit und Beifall beim Liberalen Forum.
Meine Damen und Herren! Eines muß auch klar sein: Durch die bloße Negation wirtschaftlicher Zusammenhänge, durch lautes Bellen aus der ersten Reihe, Herr Stadler (Abg. Dr. Haider: Hundenamen brauchst du nicht schon wieder verwenden!) , lösen Sie dieses Problem nicht, und auch du nicht, Jörg. Du bist seinerzeit zum "Konsum" gefahren, hast eine Wurstsemmel gegessen. Heute bist du nach Wimpassing gefahren, aber die Wurstsemmel mit "Semperit"-Schnitzel wirst du nicht gegessen haben, weil sie dir nicht schmeckt. (Heiterkeit und Beifall beim Liberalen Forum.) Das ist doch ein Witz! (Abg. Mag. Stadler: Verteidigt Conti-Manager! – Abg. Dr. Haider: Haben wir ihn an einer wunden Stelle erwischt! – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.)
Abg. Mag. Stadler: Verteidigt Conti-Manager! – Abg. Dr. Haider: Haben wir ihn an einer wunden Stelle erwischt! – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.
Meine Damen und Herren! Eines muß auch klar sein: Durch die bloße Negation wirtschaftlicher Zusammenhänge, durch lautes Bellen aus der ersten Reihe, Herr Stadler (Abg. Dr. Haider: Hundenamen brauchst du nicht schon wieder verwenden!) , lösen Sie dieses Problem nicht, und auch du nicht, Jörg. Du bist seinerzeit zum "Konsum" gefahren, hast eine Wurstsemmel gegessen. Heute bist du nach Wimpassing gefahren, aber die Wurstsemmel mit "Semperit"-Schnitzel wirst du nicht gegessen haben, weil sie dir nicht schmeckt. (Heiterkeit und Beifall beim Liberalen Forum.) Das ist doch ein Witz! (Abg. Mag. Stadler: Verteidigt Conti-Manager! – Abg. Dr. Haider: Haben wir ihn an einer wunden Stelle erwischt! – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.)
Abg. Dr. Haider: Was schlägst du dann vor?
Herr Bundesminister! Ich glaube, daß Sie, wollten Sie das probieren, größere Probleme mit der Übersetzung haben würden. Man wird Sie schlicht und ergreifend nicht verstehen. Ich glaube daher, Sie sollten dem Ratschlag des Herrn Klubobmannes Haider in diesem Punkt nicht folgen. (Abg. Dr. Haider: Was schlägst du dann vor?)
Abg. Dr. Haider: Das nützt den Semperitlern nichts!
Wir glauben auch, daß man in verschiedenen Bereichen Erleichterungen für die Unternehmer schaffen könnte, zum Beispiel einen leichteren Zugang zum Gewerbe. (Abg. Dr. Haider: Das nützt den Semperitlern nichts!) Bedauerlicherweise, meine Damen und Herren, sind all diese Rezepte und all diese Maßnahmen nur mittelfristig und langfristig. Das weiß ich, und ich bedauere, daß man den Betroffenen nicht in der Schnelligkeit und mit der Wirkung helfen kann, wie sie sich das wünschen und wie sie es ohne Zweifel auch verdienen. (Abg. Dr. Haider: Konkret für Semperit, lieber Freund!) Aber so wenig, wie du den "Konsum"-Angestellten helfen konntest, weil du dort eine Wurstsemmel verzehrt hast, kannst du den Semperit-Angestellten helfen, indem du dort heute eine Versammlung abgehalten hast. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Abg. Dr. Haider: Konkret für Semperit, lieber Freund!
Wir glauben auch, daß man in verschiedenen Bereichen Erleichterungen für die Unternehmer schaffen könnte, zum Beispiel einen leichteren Zugang zum Gewerbe. (Abg. Dr. Haider: Das nützt den Semperitlern nichts!) Bedauerlicherweise, meine Damen und Herren, sind all diese Rezepte und all diese Maßnahmen nur mittelfristig und langfristig. Das weiß ich, und ich bedauere, daß man den Betroffenen nicht in der Schnelligkeit und mit der Wirkung helfen kann, wie sie sich das wünschen und wie sie es ohne Zweifel auch verdienen. (Abg. Dr. Haider: Konkret für Semperit, lieber Freund!) Aber so wenig, wie du den "Konsum"-Angestellten helfen konntest, weil du dort eine Wurstsemmel verzehrt hast, kannst du den Semperit-Angestellten helfen, indem du dort heute eine Versammlung abgehalten hast. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Beifall beim Liberalen Forum.
Wir glauben auch, daß man in verschiedenen Bereichen Erleichterungen für die Unternehmer schaffen könnte, zum Beispiel einen leichteren Zugang zum Gewerbe. (Abg. Dr. Haider: Das nützt den Semperitlern nichts!) Bedauerlicherweise, meine Damen und Herren, sind all diese Rezepte und all diese Maßnahmen nur mittelfristig und langfristig. Das weiß ich, und ich bedauere, daß man den Betroffenen nicht in der Schnelligkeit und mit der Wirkung helfen kann, wie sie sich das wünschen und wie sie es ohne Zweifel auch verdienen. (Abg. Dr. Haider: Konkret für Semperit, lieber Freund!) Aber so wenig, wie du den "Konsum"-Angestellten helfen konntest, weil du dort eine Wurstsemmel verzehrt hast, kannst du den Semperit-Angestellten helfen, indem du dort heute eine Versammlung abgehalten hast. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Anhaltende Zwischenrufe bei den Freiheitlichen – Abg. Dr. Haselsteiner: Gehen Sie zu Ihrem arbeitslosen Einkommen, Herr Bauer! Das ist viel gescheiter! Wenn Sie nicht zurechtkommen, schicke ich Ihnen einen Portugiesen!
Abgeordneter Dr. Alexander Van der Bellen (Grüne): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Meine Damen und Herren! (Anhaltende Zwischenrufe bei den Freiheitlichen – Abg. Dr. Haselsteiner: Gehen Sie zu Ihrem arbeitslosen Einkommen, Herr Bauer! Das ist viel gescheiter! Wenn Sie nicht zurechtkommen, schicke ich Ihnen einen Portugiesen!) – Der Kollege Haselsteiner ist schon den ganzen Abend sehr erregt.
Abg. Dr. Graf: Damit wollte er den Futterneid schüren!
Was folgt aber dann daraus? – Erstens folgt daraus, was Präsident Verzetnitsch schon gesagt hat – wie ich den Medien entnommen habe –: Das ist Kapitalismus pur. – Ja, das ist Kapitalismus pur. Diese Aussage läßt mich als Ökonomen zunächst einmal ziemlich kalt. Sie scheint mir ein bißchen moralisch zu sein, aber sie hilft uns noch nicht wirklich weiter. Denn was soll ich jetzt damit anfangen? – Soweit ich Unternehmensleiter kenne, haben die wenigsten von ihnen den Ehrgeiz, Säulenheilige der Moraltheologie zu werden. Ihr Interesse ist ein anderes, nämlich Gewinne zu machen. (Abg. Dr. Graf: Damit wollte er den Futterneid schüren!)
Abg. Mag. Stadler: Das ist richtig!
Nun meine ich, daß die Strategie von Conti oder von Conti-Semperit eine Achillesferse hat, und zwar genau dort, wo auch ihre Stärke liegt, nämlich beim hohen Marktanteil in Österreich. (Abg. Mag. Stadler: Das ist richtig!) Dieser hohe Marktanteil ist, wenn ich dem "Kurier" glauben darf, wirklich extrem: nämlich bei PKW-Reifen insgesamt 48 Prozent, wenn man alle Marken zusammenzählt, bei Semperit allein 32 Prozent, aber da kommen noch einige andere Markennamen dazu, die auch Conti zugehören; und bei LKW-Reifen beträgt der Marktanteil insgesamt nicht weniger als 60 Prozent, davon allein 49 Prozent Semperit!
Abg. Mag. Stadler: Das traut sich die Regierung auch nicht!
Markenbindung existiert nicht einfach a priori, Markenbindung erzeugt man im Lauf der Geschichte, sie wächst historisch. Aber man kann sie auch sehr schnell untergraben. Das mußte etwa Shell erfahren. So etwas kann man nicht 1 : 1 übertragen, aber den Grundgedanken kann man übernehmen. (Abg. Mag. Stadler: Das traut sich die Regierung auch nicht!)
Zwischenrufe der Abgeordneten Mag. Stadler und Dr. Haider .
Die Übernahme von Semperit durch Conti ist in diesem Zusammenhang völlig irrelevant. Conti wird wohl die Auflagen, die Semperit gegeben wurden, mit übernommen haben, es sei denn, die damalige österreichische Politik hat bewußt davon Abstand genommen. Darüber muß es auch einen Schriftverkehr geben. Wenn nicht, dann gilt das, was 1983 vereinbart wurde. (Zwischenrufe der Abgeordneten Mag. Stadler und Dr. Haider .) Davon habe ich gehört.
Abg. Mag. Stadler: Das traut sich die Regierung nicht!
Aber entweder wurden die Auflagen erfüllt oder nicht. Bürgermeister Knotzer von Traiskirchen behauptet jedenfalls immer wieder – das entnehme ich den Medien –, daß Vertragsverletzungen von Conti vorliegen. Ich meine: Entweder liegen sie vor oder nicht. Aber wenn sie vorliegen, dann muß die Firma doch geklagt werden! Das kann man doch nicht einfach hinnehmen! (Abg. Mag. Stadler: Das traut sich die Regierung nicht!) Mit diesen Auflagen meine ich nicht nur die
Abg. Mag. Stadler: Mit der Finanzprokuratur!
Was ich aber in der kurzen Zeit, seit ich die Dringliche der Freiheitlichen kenne, nicht herausfinden konnte, war, ob sich in bezug auf die Auflagen für die Unternehmungen irgend etwas verändert hat. Das würde mich jetzt interessieren! Wir haben ein völlig anderes Regime, was die Beziehungen zu Brüssel betrifft: Es ist schön und gut, daß jede Subvention argumentiert und gerechtfertigt werden muß, weil die in Brüssel sonst nicht zustimmen. Aber wozu verpflichten sich die Unternehmungen eigentlich? Und wie wird sie der Staat in Zukunft zwingen, diese Verpflichtungen auch einzuhalten? (Abg. Mag. Stadler: Mit der Finanzprokuratur!)
Abg. Dr. Haider: 1,2 Milliarden!
Im Burgenland haben wir einen größeren Industriebauplatz, und es müssen – ich weiß nicht genau – 500 oder 700 Millionen in das Lyocell-Werk gesteckt werden. (Abg. Dr. Haider: 1,2 Milliarden!) Also gut, soll sein, es müssen 1 Milliarde oder 1,2 Milliarden in das Werk gesteckt werden. Mit welchen Auflagen wurden diese Mittel aber eigentlich vergeben? Mit gar keinen? Gut, dann können wir nur abwarten, was die freie Marktwirtschaft nach der Methode "Haselsteiner" dann bringt. Dann kann man sowieso nichts ändern! Aber wenn es Auflagen gibt, dann hätte ich gerne gewußt, wie das Wirtschaftsministerium pro futuro Fälle wie "Semperit" auszuschließen gedenkt. – Danke schön. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)
Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.
Im Burgenland haben wir einen größeren Industriebauplatz, und es müssen – ich weiß nicht genau – 500 oder 700 Millionen in das Lyocell-Werk gesteckt werden. (Abg. Dr. Haider: 1,2 Milliarden!) Also gut, soll sein, es müssen 1 Milliarde oder 1,2 Milliarden in das Werk gesteckt werden. Mit welchen Auflagen wurden diese Mittel aber eigentlich vergeben? Mit gar keinen? Gut, dann können wir nur abwarten, was die freie Marktwirtschaft nach der Methode "Haselsteiner" dann bringt. Dann kann man sowieso nichts ändern! Aber wenn es Auflagen gibt, dann hätte ich gerne gewußt, wie das Wirtschaftsministerium pro futuro Fälle wie "Semperit" auszuschließen gedenkt. – Danke schön. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Sein Verhalten hier am Rednerpult ist bezeichnend: Er redet an der Sache vorbei, es wird deutlich, daß Ratlosigkeit in dieser Regierungskoalition herrscht und in welche Richtung die ÖVP sich entwickelt hat: Eine Partei, die sich irgendwann einmal vor vielen Jahrzehnten als "Wirtschaftspartei" bezeichnet hat, schickt als Erstredner jemanden ans Rednerpult, der uns folgende Theorie klarmacht: Auslagerungen aus Österreich sind glänzend, weil durch diese Auslagerungen das Lohnniveau in den entsprechenden Ländern gehoben wird. Das ist Ihre Theorie: Lagern wir alle Betriebe von Österreich in andere Länder aus. Dann haben diese ein hohes Lohnniveau, und wir werden wieder leichter arbeiten können. – Sehen Sie denn nicht, welch Unsinn das ist? Herr Kollege Stummvoll! Schämen Sie sich nicht, wenn solche Theorien hier vertreten werden? (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Ruf bei der SPÖ: Da ist er ja!
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Leider ist auch Herr Präsident Verzetnitsch nicht mehr im Saal. (Ruf bei der SPÖ: Da ist er ja!) Wo ist er? – Aha, er ist da! Herr Präsident! Es ist bedauerlich, daß Sie diese notwendige Debatte mit einer unsachlichen Diskussion eingeleitet haben. Herr Kollege! Sie müßten doch den Unterschied zwischen Betriebsverlagerungen und Expansion in Österreich und im Ausland kennen! – Wenn ja, was soll dann dieser unqualifizierte Angriff auf einen erfolgreichen Unternehmer, der viele Arbeitsplätze in Österreich geschaffen hat?
Beifall bei den Freiheitlichen.
Der Zwischenruf des Herrn Professor Nowotny hat deutlich gezeigt, wie Sie denken: In einem Zwischenruf meinte er, daß es schändlich sei, ausländische Beteiligungen zu haben. – Dieser Zwischenruf zeigt Ihr Problem, Herr Kollege Fuhrmann, auf, nämlich das Problem der Sozialdemokraten. Sie vertreten leider noch immer eine unternehmerfeindliche Politik. Sie haben noch nicht begriffen, daß Unternehmerfeindlichkeit auch Arbeitnehmerfeindlichkeit bedeutet, Frau Präsidentin Hostasch! Das haben Sie leider bis jetzt nicht begriffen! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Herr Kollege Haselsteiner! Wir Freiheitliche haben für die Arbeitnehmer und für die Unternehmer hier in diesem Hause etwas getan. Wir haben in von uns beantragten Sondersitzungen zum Beispiel das Problem der "Konsum"-Angestellten verdeutlicht oder etwa auch das Thema der Arbeitsplatzsicherung in Österreich insgesamt aufgegriffen. Sie vom Liberalen Forum haben hingegen noch überhaupt nichts getan! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Zwischenruf des Abg. Dr. Haselsteiner .
Das einzige, was Sie gemacht haben, war gestern als Blindarm dieser Regierungskoalition die notwendigen Aktivitäten hier in diesem Hause einzuschränken! (Zwischenruf des Abg. Dr. Haselsteiner .) Herr Kollege! Sie sollten wirklich nicht darüber sprechen, daß Sie oder eine andere Partei hier irgend etwas gemacht hat! Sie müssen erst beweisen, daß Sie irgendeine sinnvolle Aktivität setzen können! (Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenruf des Abg. Mag. Barmüller .) Mit dir diskutiere ich nicht über Wirtschaftspolitik, denn du verstehst nichts davon! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenruf des Abg. Mag. Barmüller .
Das einzige, was Sie gemacht haben, war gestern als Blindarm dieser Regierungskoalition die notwendigen Aktivitäten hier in diesem Hause einzuschränken! (Zwischenruf des Abg. Dr. Haselsteiner .) Herr Kollege! Sie sollten wirklich nicht darüber sprechen, daß Sie oder eine andere Partei hier irgend etwas gemacht hat! Sie müssen erst beweisen, daß Sie irgendeine sinnvolle Aktivität setzen können! (Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenruf des Abg. Mag. Barmüller .) Mit dir diskutiere ich nicht über Wirtschaftspolitik, denn du verstehst nichts davon! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Das einzige, was Sie gemacht haben, war gestern als Blindarm dieser Regierungskoalition die notwendigen Aktivitäten hier in diesem Hause einzuschränken! (Zwischenruf des Abg. Dr. Haselsteiner .) Herr Kollege! Sie sollten wirklich nicht darüber sprechen, daß Sie oder eine andere Partei hier irgend etwas gemacht hat! Sie müssen erst beweisen, daß Sie irgendeine sinnvolle Aktivität setzen können! (Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenruf des Abg. Mag. Barmüller .) Mit dir diskutiere ich nicht über Wirtschaftspolitik, denn du verstehst nichts davon! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenrufe bei der ÖVP.
Sie beziehungsweise die Regierungsfraktionen haben vor lauter EU-Euphorie geglaubt, daß ohnedies alles Ordnung sei. Sie waren zufriedengestellt und haben überhaupt nicht an die österreichischen Arbeitnehmer und Unternehmer gedacht. Diese österreichischen Arbeitnehmer und Unternehmer und auch die österreichischen Bauern, Herr Kollege, sind auf der Strecke geblieben. Denn Sie sind übereilt in diese EU gegangen und haben die entsprechenden Rahmenbedingungen nicht geschaffen! (Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenrufe bei der ÖVP.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Wir haben leider einen Bundeskanzler, der keine Lösungskompetenz hat. Das hat er gestern in vielen Debatten wieder bewiesen. Überdies haben wir eine Bundesregierung, die jetzt schon monatlich hier in diesem Hause weitere Belastungen beschließt, vom Strukturanpassungsgesetz angefangen; der nächste Brocken waren die Regelungen mit den Krankenkassen. Sie sind nur in der Lage, den Österreicherinnen und Österreichern etwas wegzunehmen. Sie sind aber nicht in der Lage, Strukturreformen durchzuführen! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Und die Bundeswirtschaftskammer – Herr Kollege Stummvoll ist leider auch nicht da – hat fleißig mitgeholfen. Die Kammerumlagen sind erhöht worden. Maderthaner und Stummvoll sind unehrlich zu den Unternehmern. Sie beklagen sich bei Kammerveranstaltungen immer wieder darüber, wie unerträglich es ist, daß die Unternehmer laufend belastet werden. Aber sie beschließen jede Belastung hier in diesem Hohen Haus mit – ohne Rücksicht auf die Unternehmer! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Herr Bundesminister! Sie sind gefordert! Wir erwarten von Ihnen Handlungen! Wenn Sie diese Handlungen nicht setzen, dann werden wir Sie und Ihre Regierungskollegen wie bisher vorantreiben. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Böhacker: Das kann man doch nicht trennen!
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn wir über solche Probleme in einer solchen Debatte des Hohen Hauses sprechen, dann will ich das nicht a priori als Populismus abwerten. Meine sehr geehrten Damen und Herren von der FPÖ! Sie müssen aber schon erlauben, daß wir uns damit auseinandersetzen, wie ernst Sie diese Frage nehmen, ob Sie nur die Überschrift der dringlichen Anfrage so ernst und dramatisch niederschreiben oder ob Sie die Probleme auch wirklich ernst nehmen. Und dabei ist mir etwas aufgefallen, sehr geehrter Herr Kollege Prinzhorn! Sie haben bei der Begründung dieser dringlichen Anfrage 21 Minuten lang geredet. In diesen 21 Minuten haben Sie sich genau 4 Minuten mit Semperit befaßt, während Sie 17 Minuten durchaus interessanten, diskussionswürdigen und durchaus in einer Debatte ernstzunehmenden wirtschaftspolitischen und wirtschaftlichen Fragen gewidmet haben, aber nicht jedoch Semperit. (Abg. Böhacker: Das kann man doch nicht trennen!)
Zwischenruf des Abg. Meisinger .
Dieses Mißverhältnis, Herr Abgeordneter Prinzhorn, resultiert vielleicht aus der gleichen Mentalität, aufgrund welcher Ihnen hier an diesem Pult auch eine Freudsche Fehlleistung unterlaufen ist. Sie haben nämlich einmal gesagt: Wir Unternehmer haben einen Antrag eingebracht. – Sie haben gemeint: Ihre Fraktion, die FPÖ, hat einen Antrag eingebracht. (Zwischenruf des Abg. Meisinger .)
Abg. Mag. Stadler: Niemand stört Sie!
Herr Kollege Dr. Haider! Wird es Ihnen nicht schon schön langsam unangenehm, daß Ihre Fraktion hier zunehmend den Eindruck erweckt wie die Zuhörer, die Sie sonst in Wirtshäusern und Bierzelten haben, daß Sie nämlich andere niederschreien, dreinplärren, nicht zuhören und andere keine Argumente entwickeln lassen? (Abg. Mag. Stadler: Niemand stört Sie!) Mir scheint, diese Fraktion, Herr Dr. Haider, "verstadlert" zunehmend. Seitdem nämlich Ihr Statthalter hier ist ... (Abg. Dr. Haider: Wer hat Sie jetzt gestört?) Die da hinten schreien ununterbrochen drein! Sie werden mich jedoch nicht davon abbringen, Ihnen das zu sagen, was ich mir zu sagen vorgenommen habe! (Beifall bei der SPÖ.)
Abg. Dr. Haider: Wer hat Sie jetzt gestört?
Herr Kollege Dr. Haider! Wird es Ihnen nicht schon schön langsam unangenehm, daß Ihre Fraktion hier zunehmend den Eindruck erweckt wie die Zuhörer, die Sie sonst in Wirtshäusern und Bierzelten haben, daß Sie nämlich andere niederschreien, dreinplärren, nicht zuhören und andere keine Argumente entwickeln lassen? (Abg. Mag. Stadler: Niemand stört Sie!) Mir scheint, diese Fraktion, Herr Dr. Haider, "verstadlert" zunehmend. Seitdem nämlich Ihr Statthalter hier ist ... (Abg. Dr. Haider: Wer hat Sie jetzt gestört?) Die da hinten schreien ununterbrochen drein! Sie werden mich jedoch nicht davon abbringen, Ihnen das zu sagen, was ich mir zu sagen vorgenommen habe! (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ.
Herr Kollege Dr. Haider! Wird es Ihnen nicht schon schön langsam unangenehm, daß Ihre Fraktion hier zunehmend den Eindruck erweckt wie die Zuhörer, die Sie sonst in Wirtshäusern und Bierzelten haben, daß Sie nämlich andere niederschreien, dreinplärren, nicht zuhören und andere keine Argumente entwickeln lassen? (Abg. Mag. Stadler: Niemand stört Sie!) Mir scheint, diese Fraktion, Herr Dr. Haider, "verstadlert" zunehmend. Seitdem nämlich Ihr Statthalter hier ist ... (Abg. Dr. Haider: Wer hat Sie jetzt gestört?) Die da hinten schreien ununterbrochen drein! Sie werden mich jedoch nicht davon abbringen, Ihnen das zu sagen, was ich mir zu sagen vorgenommen habe! (Beifall bei der SPÖ.)
Abg. Dr. Haider: Sie haben die falsche Rede vorbereitet, denn es hat Sie niemand gestört!
Daher drehe ich Ihnen jetzt einmal die Schulter zu, nämlich die kalte Schulter! Ich werde Ihnen weiter diese Frage stellen (Abg. Dr. Haider: Sie haben die falsche Rede vorbereitet, denn es hat Sie niemand gestört!): Wie ernst, meine sehr geehrten Damen und Herren von der FPÖ, nehmen Sie es mit dem Schicksal dieses Betriebes und mit dem Schicksal der Mitarbeiter dieses Betriebes?
Abg. Dr. Krüger: Woher wissen Sie das?
Stimmt leider nicht: Der Herr Dr. Haider hat es überhaupt nicht für notwendig gefunden, mit den Mitarbeitern dieses Betriebes Kontakt aufzunehmen. Er hat es überhaupt nicht für notwendig gefunden, die Vertreter der Mitarbeiter dieses Betriebes zu einem Gespräch einzuladen. Er hat sich den Generaldirektor des Unternehmens eingeladen und hat es nicht für notwendig gefunden, mit der Belegschaftsvertretung auch nur zu versuchen, ins Gespräch zu kommen, sie zu fragen, wie sie die Sache sieht. (Abg. Dr. Krüger: Woher wissen Sie das?) Ich weiß es, weil ich mit den Leuten geredet habe, weil ich mit diesen Leuten, Herr Kollege Krüger, seit Wochen, ja seit Monaten in Kontakt bin.
Abg. Dr. Partik-Pablé: Aber es gibt ein Foto davon in der "Presse"! Schauen Sie nach! – Abg. Mag. Stadler , auf ein Bild in der "Presse" weisend: Schauen Sie! Sie sind schon ertappt!
Er hat sie nicht einmal ignoriert! Dann ist er dort gestanden und hat versucht, mit ein paar Leuten von der Straße Kontakt aufzunehmen. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Aber es gibt ein Foto davon in der "Presse"! Schauen Sie nach! – Abg. Mag. Stadler , auf ein Bild in der "Presse" weisend: Schauen Sie! Sie sind schon ertappt!)
Abg. Dr. Partik-Pablé: Herr Abgeordneter Fuhrmann! Schauen Sie her! Da ist ein Foto, wie der Jörg Haider mit den Arbeitern redet!
Meine Damen und Herren! So ernst scheint es Ihnen – zumindest dem Abgeordneten Haider – um das Schicksal dieser Menschen, um das Schicksal dieser Region nicht zu sein, wie er in seiner heutigen Rede versucht hat, uns glauben zu machen. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Herr Abgeordneter Fuhrmann! Schauen Sie her! Da ist ein Foto, wie der Jörg Haider mit den Arbeitern redet!)
Beifall bei der SPÖ und bei den Grünen. – Abg. Dr. Partik-Pablé: Da ist das Foto, wo der Jörg Haider den Leuten das sagt!
Man muß der Führung der Firma Conti den Schließungspreis so teuer zu machen versuchen, daß man diese Schließung, diese Verlagerung auch nach den Kriterien, die der Vorstand der Firma Conti für richtig hält – ob wir das jetzt goutieren oder nicht –, zu teuer machen. Es darf sich für Conti nicht auszahlen. (Beifall bei der SPÖ und bei den Grünen. – Abg. Dr. Partik-Pablé: Da ist das Foto, wo der Jörg Haider den Leuten das sagt!)
Abg. Dr. Partik-Pablé: Ihr habt die Betriebsräte ausgeschickt!
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Und all diejenigen, die sich in den vergangenen Wochen und Monaten um die Sorgen der Semperitler wirklich gekümmert haben – der Fritz Verzetnitsch, der Willi Fuhrmann, der Erwin Pröll, der Ernest Gabmann, der Viktor Klima, der Franz Hums, der Heinz Fischer, um nur einige aufzuzählen, die dort waren –, waren nicht mit einem Fernsehteam dort, und sie haben auch ihren Besuch nicht auf Plakaten angekündigt. Sie aber haben vorher plakatiert: Der Jörg Haider kommt! Wir haben nicht plakatiert, daß wir hinkommen. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Ihr habt die Betriebsräte ausgeschickt!) Wir sind hingegangen und haben mit den Leuten von der Belegschaft und von der Betriebsführung geredet: Wo liegt das Problem? Wie kann man euch helfen? (Abg. Mag. Stadler: Da ist auch viel herausgekommen! Er ist unterm Tisch versunken, der Grünberg! Der fürchtet sich jetzt!)
Abg. Mag. Stadler: Da ist auch viel herausgekommen! Er ist unterm Tisch versunken, der Grünberg! Der fürchtet sich jetzt!
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Und all diejenigen, die sich in den vergangenen Wochen und Monaten um die Sorgen der Semperitler wirklich gekümmert haben – der Fritz Verzetnitsch, der Willi Fuhrmann, der Erwin Pröll, der Ernest Gabmann, der Viktor Klima, der Franz Hums, der Heinz Fischer, um nur einige aufzuzählen, die dort waren –, waren nicht mit einem Fernsehteam dort, und sie haben auch ihren Besuch nicht auf Plakaten angekündigt. Sie aber haben vorher plakatiert: Der Jörg Haider kommt! Wir haben nicht plakatiert, daß wir hinkommen. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Ihr habt die Betriebsräte ausgeschickt!) Wir sind hingegangen und haben mit den Leuten von der Belegschaft und von der Betriebsführung geredet: Wo liegt das Problem? Wie kann man euch helfen? (Abg. Mag. Stadler: Da ist auch viel herausgekommen! Er ist unterm Tisch versunken, der Grünberg! Der fürchtet sich jetzt!)
demonstrativer Beifall bei den Freiheitlichen
Das hat aber nicht lange gehalten, denn wir haben heute etwas anderes erlebt. Wobei ich aber noch einmal sage: Ich beschwere mich nicht darüber, daß wir diesbezüglich eine dringliche Debatte führen. Das ist ein Thema, wo man das durchaus machen kann. Nur, meine sehr geehrten Damen und Herren, sich da herstellen und jetzt plötzlich so zu tun, als ob einem über das Schicksal dieser Menschen dort das Herz bräche, als ob die "böse" Regierung und die "bösen" anderen, alle miteinander, diese Leute dort verraten, verkauft und vergessen hätten, und so zu tun, als ob es in dieser Republik nur einen Erlöser für die Armen und Geknechteten und Verratenen und Verkauften gäbe – und die Partik-Pablé kann mir noch soviel dreinschreien, ich werde trotzdem weiterreden –, und das sei der Haider (demonstrativer Beifall bei den Freiheitlichen) , das ist nicht richtig, weil das, was Sie da sagen, ganz einfach nicht stimmt, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei der SPÖ. – Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.
Das hat aber nicht lange gehalten, denn wir haben heute etwas anderes erlebt. Wobei ich aber noch einmal sage: Ich beschwere mich nicht darüber, daß wir diesbezüglich eine dringliche Debatte führen. Das ist ein Thema, wo man das durchaus machen kann. Nur, meine sehr geehrten Damen und Herren, sich da herstellen und jetzt plötzlich so zu tun, als ob einem über das Schicksal dieser Menschen dort das Herz bräche, als ob die "böse" Regierung und die "bösen" anderen, alle miteinander, diese Leute dort verraten, verkauft und vergessen hätten, und so zu tun, als ob es in dieser Republik nur einen Erlöser für die Armen und Geknechteten und Verratenen und Verkauften gäbe – und die Partik-Pablé kann mir noch soviel dreinschreien, ich werde trotzdem weiterreden –, und das sei der Haider (demonstrativer Beifall bei den Freiheitlichen) , das ist nicht richtig, weil das, was Sie da sagen, ganz einfach nicht stimmt, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.)
Abg. Dr. Partik-Pablé begibt sich zum Sitzplatz des Abg. Dr. Fuhrmann, um ihm das von ihr in Zwischenrufen mehrmals erwähnte Foto hinzulegen.
Wenn das nicht funktionieren sollte, wird man sich anderes zu überlegen haben; da gibt es Optionen, Management-Buyout mit Unternehmen und so weiter. (Abg. Dr. Partik-Pablé begibt sich zum Sitzplatz des Abg. Dr. Fuhrmann, um ihm das von ihr in Zwischenrufen mehrmals erwähnte Foto hinzulegen.) Ja, tänzeln Sie nur herum! Ich habe nur mehr eine halbe Minute und lasse mich von Ihnen da jetzt nicht ablenken.
Abg. Mag. Stadler: Und das ist ein Rechtsanwalt! Das sagt ein Rechtsanwalt!
Wir werden all diese zur Verfügung stehenden Optionen, die von den seriösen Rednerinnen und Rednern heute schon angeführt worden sind, sehr genau, mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, prüfen und selbstverständlich verfolgen. Aber das einzige Rezept, das wir von Ihnen (auf die Freiheitlichen weisend) bis jetzt gehört haben, war: Klagen! Klagt die Conti auf die 1,2 Milliarden Schilling! Auf diese Weise könnte man wahrscheinlich tatsächlich erreichen, daß der Betrieb gesperrt wird. (Abg. Mag. Stadler: Und das ist ein Rechtsanwalt! Das sagt ein Rechtsanwalt!)
Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir werden, wenn alle Stricke reißen, wenn es notwendig sein sollte, Conti mit einem Prozeß zu überziehen, alle diese Möglichkeiten ergreifen. (Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.) Aber – ich bin schon beim Schluß, Herr Präsident – wir werden das alles mit Vernunft angehen und nicht auf vordergründigen, kurzfristigen politischen Vorteil hinschielen, weil wir zum Unterschied von Ihnen nicht die Maxime vertreten, daß politisches Kleingeld nicht stinke. Aber Sie, so scheint mir, haben doch irgendwo ein bißchen einen Ansatz in diese Richtung. (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir werden, wenn alle Stricke reißen, wenn es notwendig sein sollte, Conti mit einem Prozeß zu überziehen, alle diese Möglichkeiten ergreifen. (Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.) Aber – ich bin schon beim Schluß, Herr Präsident – wir werden das alles mit Vernunft angehen und nicht auf vordergründigen, kurzfristigen politischen Vorteil hinschielen, weil wir zum Unterschied von Ihnen nicht die Maxime vertreten, daß politisches Kleingeld nicht stinke. Aber Sie, so scheint mir, haben doch irgendwo ein bißchen einen Ansatz in diese Richtung. (Beifall bei der SPÖ.)
Abg. Dr. Partik-Pablé: Er hat schon das Foto gesehen!
Das ist unrichtig. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Er hat schon das Foto gesehen!) Wir haben ihm bereits eine Tageszeitung zur Verfügung gestellt, wo auch ein Foto der Diskussion des freiheitlichen Parteiobmannes mit den Arbeitnehmern von Semperit zu sehen ist. Damit ist, glaube ich, auch klar, daß seine Behauptung unwahr gewesen ist. – Punkt eins.
Abg. Parnigoni: Das ist ein gescheiter Mensch! – Weitere Zwischenrufe.
Punkt zwei: Er hat gesagt, wir hätten nicht einmal die Belegschaftsverteter eingeladen. Ich habe bei Beginn des Gespräches mit dem Direktor Kraus gebeten, den Betriebsratschef miteinzuladen. Direktor Kraus hat dort vor Zeugen gesagt, er hat ihn eingeladen, aber der Betriebsratschef hat ihm mitgeteilt, er fühlt sich von uns nicht eingeladen und wird nicht erscheinen. (Abg. Parnigoni: Das ist ein gescheiter Mensch! – Weitere Zwischenrufe.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Das heißt also, ich habe vor Monaten bereits eine Anerkennung für meinen Einsatz für die Semperit-Arbeiter durch ein Schreiben des Zentralbetriebsrates erhalten. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Dr. Partik-Pablé: Sie sollten sich jetzt entschuldigen, Herr Dr. Fuhrmann! Ich würd’ mich entschuldigen, auch wenn’s schwerfällt!
Präsident Dr. Heinz Fischer: Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Firlinger. – Redezeit 15 Minuten. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Sie sollten sich jetzt entschuldigen, Herr Dr. Fuhrmann! Ich würd’ mich entschuldigen, auch wenn’s schwerfällt!)
Abg. Dr. Graf: Wie nehmen Sie’s?
Abgeordneter Mag. Reinhard Firlinger (Liberales Forum): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Hohes Haus! Die Problematik Semperit kann man immer von mehreren Seiten angehen und versuchen, einen individuellen Zutritt zu finden. (Abg. Dr. Graf: Wie nehmen Sie’s?) Das werden Sie gleich hören, Herr Kollege. Das werden Sie gleich hören.
Abg. Mag. Stadler: Wie nehmen wir ihn denn? – Heiterkeit bei den Freiheitlichen. – Abg. Parnigoni: Das ist aber lustig! Ein Würsteltheater!
Ich möchte an das anknüpfen, was Kollege Haselsteiner eingangs gemeint hat. (Abg. Mag. Stadler: Wie nehmen wir ihn denn? – Heiterkeit bei den Freiheitlichen. – Abg. Parnigoni: Das ist aber lustig! Ein Würsteltheater!) Lassen wir doch den Stadler! Lassen wir doch den Stadler! Er unterbricht gerne, das wissen wir.
Beifall beim Liberalen Forum.
Ich persönlich glaube, daß diese Entscheidung falsch wäre, und zwar nicht nur volkswirtschaftlich falsch, nicht nur rechtlich falsch, sondern auch betriebswirtschaftlich falsch. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Abg. Dr. Graf: Kollege Haselsteiner meint aber etwas anderes!
Warum, meine Damen und Herren? – Alle haben gewußt, daß Semperit ein teurer Standort ist, aber ein Standort mit Qualität, mit Qualitätsbewußtsein, mit einem hochwertigen Produkt. Alle haben gewußt, daß Semperit in Traiskirchen Reifen teurer als in den Billiglohnländern Europas, teurer als in Osteuropa produziert, aber billiger als in Deutschland, billiger als in England, billiger als in etlichen anderen Hochlohnländern Europas. Alle wissen, daß in Traiskirchen die Qualität vergleichbar ist mit jener in Deutschland. Daher: Wenn schon Überkapazitäten auf diesem Markt vorhanden sind, dann wäre es doch auch aus unternehmerischer Sicht sinnvoll, zunächst die allerteuersten Kapazitäten zu reduzieren. Die allerteuersten Kapazitäten stehen aber in Deutschland. Und das schaue ich mir an, ob es Herr Grünberg politisch durchsteht, ob er es im Heimatland Deutschland angesichts der politischen Lobby in Deutschland durchsteht, dort einen Standort zu schließen. Also geht man den bequemeren Weg – oder versucht es zumindest –, das in Österreich zu tun. Ich glaube nicht, daß das für einen international tätigen Konzern gescheit ist (Abg. Dr. Graf: Kollege Haselsteiner meint aber etwas anderes!) , aber wenn die Herren glauben, sie müssen das probieren: Ich glaube, die österreichische Politik weiß sich zur Wehr zu setzen.
Beifall beim Liberalen Forum.
Meine Damen und Herren! Was will ich damit sagen? Es gibt Möglichkeiten, dieses Problem zu lösen. Ich sehe keinen Grund, dauernd schwarzweißzumalen. Ich sehe aber auch keinen Grund – das muß ich Ihnen sagen, Herr Bundesminister –, das Management mit Glacéhandschuhen anzupacken, wie Sie das unlängst in der "ZiB 2" getan haben, sondern wir müssen hier alle politischen Kräfte, die ein Interesse daran haben, diesen Standort zu retten, mit sachlich fundierten Maßnahmen gewinnen und alles in Bewegung setzen, um diese wichtige Industrieregion zu retten, um einen dauerhaften Schaden abzuwehren. – Das ist unsere Antwort. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Und wenn der Herr Abgeordnete Fuhrmann sagt, ich habe nur 4 Minuten von 21 zu Semperit gesprochen, dann muß ich ihm leider unterstellen – werden Sie jetzt sagen –, daß er mich nicht verstanden hat. Das ist nämlich ein und dasselbe Thema. Ob das Semperit ist, die Staatsdruckerei oder die EU-Verhandlungen: Das ist das Thema Semperit. Das führt aber bei mehreren Firmen zum selben Erfolg, nämlich zum Verlust von Arbeitsplätzen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Verzetnitsch: Kennen Sie die Löhne bei Glanzstoff?
Dort lag die letzten 20 Jahre auch bei Semperit der Hase im Pfeffer. Jetzt machen Sie alles auf im Fall Hallein und sagen: Alles ist möglich. – Ich meine: Es ist zu spät, Herr Präsident! Wir laufen unserem Glück hinterher! (Abg. Verzetnitsch: Kennen Sie die Löhne bei Glanzstoff?)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Der Vorschlag wäre gewesen, daß es dort zwei Kollektivverträge gibt: einen für die Chemiearbeiter und einen für die Textilfertigung. Aber diese Flexibilität haben Sie nicht und daher werden Sie weiterhin Arbeitsplätze verlieren, bis Sie diese Flexibilität erreicht haben. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Zweiter Punkt: Im Falle negativer Verhandlungsergebnisse mit dem Continental-Konzern soll die Ausrüstung sämtlicher in Österreich in der öffentlichen Wirtschaft und Verwaltung eingesetzten Kfz, bei Neukauf und Ersatzkauf, mit Produkten anderer Hersteller vorgenommen werden. – Dazu möchte ich Ihnen sagen: Einerseits sagen Sie, daß wir jetzt nicht Verträge einfordern sollen, da Conti sonst "sauer" sein könnte, wie Ihr Herr Fuhrmann gesagt hat. Gleichzeitig äußern Sie aber Streikdrohungen und verunsichern Conti. Neubauer hat das die ganze Zeit gemacht. Da muß ich Sie fragen: Was soll denn das wieder für eine Strategie sein? Bremsen Sie jetzt etwa, damit Semperit zum Stillstand kommt? Was soll das bedeuten? (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Zwischenruf des Abg. Verzetnitsch.
Herr Präsident! Versuchen wir es doch gemeinsam! Es geht doch um unser gemeinsames Geld und unsere Arbeitsplätze! Wir brauchen letztere dringend! Wir sind im weitesten Sinn auch Zulieferant, viele Betriebe dieser Region sind Zulieferer, auch meine Firmen. Versuchen wir es doch! (Zwischenruf des Abg. Verzetnitsch. ) Ich biete Ihnen immer wieder die Hand. Sie müssen nur irgendwann einmal zupacken und nicht immer die Augen vor den Problemen verschließen!
Beifall bei den Freiheitlichen.
Ermannen Sie sich, nehmen Sie sich ein Beispiel an einem Unternehmer wie mir! Ich habe auch viel riskieren müssen. Es funktioniert nicht immer. Aber ich kann Sie nur ermuntern: Tun Sie etwas! Ich habe jahrelang in Amerika gearbeitet: Man kann ohneweiters etwas riskieren! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Parnigoni: Zwölf Leute sind gekommen!
Und dafür, daß er bei den Mitarbeitern dort besser ankommt als andere von uns und er dort keine Pressekonferenz einberufen mußte, sondern gleich ein paar hundert Leute gekommen sind, dürft ihr ihm doch nicht so neidig sein! (Abg. Parnigoni: Zwölf Leute sind gekommen!) Er kann das eben! Also bitte: Kein Futterneid! – Danke. – (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Und dafür, daß er bei den Mitarbeitern dort besser ankommt als andere von uns und er dort keine Pressekonferenz einberufen mußte, sondern gleich ein paar hundert Leute gekommen sind, dürft ihr ihm doch nicht so neidig sein! (Abg. Parnigoni: Zwölf Leute sind gekommen!) Er kann das eben! Also bitte: Kein Futterneid! – Danke. – (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Mag. Stadler: Sie ist ein Klub von Hofräten! – Rufe und Gegenrufe bei den Freiheitlichen und der SPÖ. – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.
Es ist für uns völlig klar, daß Förderungsgelder, wenn möglich, selbstverständlich zurückgefordert werden müssen. Am Freitag fand bei Finanzminister Klima eine Besprechung statt, bei der er gesagt hat, daß er die Finanzprokuratur damit beauftragen wird, zu überprüfen, ob eine Rückforderung möglich ist. Und die Finanzprokuratur ist eben der Anwalt des Staates. (Abg. Mag. Stadler: Sie ist ein Klub von Hofräten! – Rufe und Gegenrufe bei den Freiheitlichen und der SPÖ. – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.) Das ist bei der Finanzprokuratur richtig untergebracht. Es soll zurückgefordert werden, wenn es möglich ist, und wir werden jetzt nicht darüber streiten, wer diese Rückforderung einleitet.
Abg. Dr. Haider: 50 Prozent der Produktion!
Drittens: Es ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit, wenn man glaubt, daß Semperit deswegen geschlossen wird, weil es keinen entsprechenden Markt mehr gibt oder weil die Japan-Geschäfte verlorengegangen sind. (Abg. Dr. Haider: 50 Prozent der Produktion!) Das ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Das gewichtigere Argument lautet wie folgt: Die 4 Millionen Reifen, die jetzt produziert wurden, müssen auch nächstes Jahr produziert werden. Die Frage ist nur: Wo? (Abg. Dr. Haider: Neubauer sagt: 48 Prozent der Produktion!) Lassen Sie mich das ausführen, wir kommen im Endeffekt zum gleichen Ergebnis!
Abg. Dr. Haider: Neubauer sagt: 48 Prozent der Produktion!
Drittens: Es ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit, wenn man glaubt, daß Semperit deswegen geschlossen wird, weil es keinen entsprechenden Markt mehr gibt oder weil die Japan-Geschäfte verlorengegangen sind. (Abg. Dr. Haider: 50 Prozent der Produktion!) Das ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Das gewichtigere Argument lautet wie folgt: Die 4 Millionen Reifen, die jetzt produziert wurden, müssen auch nächstes Jahr produziert werden. Die Frage ist nur: Wo? (Abg. Dr. Haider: Neubauer sagt: 48 Prozent der Produktion!) Lassen Sie mich das ausführen, wir kommen im Endeffekt zum gleichen Ergebnis!
Rufe und Gegenrufe bei der SPÖ und bei den Freiheitlichen. – Zwischenruf des Abg. Dr. Haider. – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.
4 Millionen Stück Reifen werden jetzt produziert. 2 Millionen sollen nach der Reduktion produziert werden. Die Produktion von 4 Millionen Stück Reifen ist aber weiterhin notwendig für den Conti-Konzern. Der Conti-Konzern will diese Reifen aber nicht in Traiskirchen, sondern in Tschechien produzieren. Daher ist das Problem nicht der Marktverlust. Das Problem ist vielmehr ganz eindeutig, daß in Tschechien billiger produziert werden kann. (Rufe und Gegenrufe bei der SPÖ und bei den Freiheitlichen. – Zwischenruf des Abg. Dr. Haider. – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.)
Beifall bei der SPÖ. – Abg. Aumayr: Ich gehe, glaube ich, recht in der Annahme, daß Sie für die bilateralen Abkommen mit Tschechien sind!
Es geht letzten Endes bei Semperit darum, daß ein Konzern Lohndumping betreibt und daß er schließen will, obwohl er hier Gewinne macht, und zwar deswegen, weil die Gewinne in Tschechien noch größer sein könnten. Das ist der Punkt, um den es beim Problem Semperit wirklich geht! (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Aumayr: Ich gehe, glaube ich, recht in der Annahme, daß Sie für die bilateralen Abkommen mit Tschechien sind!) Darauf komme ich noch zu sprechen. Ich möchte aber jetzt noch ausführen, daß der Fall Semperit nicht passiert wäre, wenn man mit der Mehrheit an der Firma Semperit nicht auch die Einflußmöglichkeiten mit verkauft hätte. (Beifall des Abg. Dr. Haselsteiner. )
Beifall des Abg. Dr. Haselsteiner.
Es geht letzten Endes bei Semperit darum, daß ein Konzern Lohndumping betreibt und daß er schließen will, obwohl er hier Gewinne macht, und zwar deswegen, weil die Gewinne in Tschechien noch größer sein könnten. Das ist der Punkt, um den es beim Problem Semperit wirklich geht! (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Aumayr: Ich gehe, glaube ich, recht in der Annahme, daß Sie für die bilateralen Abkommen mit Tschechien sind!) Darauf komme ich noch zu sprechen. Ich möchte aber jetzt noch ausführen, daß der Fall Semperit nicht passiert wäre, wenn man mit der Mehrheit an der Firma Semperit nicht auch die Einflußmöglichkeiten mit verkauft hätte. (Beifall des Abg. Dr. Haselsteiner. )
Beifall bei der SPÖ.
Das ist ein Kreislauf, der in jeder Gewerkschaftsschule deutlich dargestellt werden kann. Begonnen hat dieser Kreislauf mit den Veräußerungen der Einflußmöglichkeiten und dem Aufgeben der Mehrheit bei der Firma Semperit. Daher sollte man bei allen ähnlichen Problemen – Stichwort: CA-Privatisierung et cetera – wirklich ernsthaft auf der Hut sein! (Beifall bei der SPÖ.)
Abg. Trenk: Wie will man das verhindern?
Zweitens: Die Betriebsräte und die Arbeitnehmer in diesem Betrieb sagen, daß sie es nicht zulassen werden, daß Maschinen und technische Anlagen in Traiskirchen abmontiert, abtransportiert und in Tschechien aufgebaut werden. (Abg. Trenk: Wie will man das verhindern?) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Selbstverständlich müssen wir die Betriebsräte und die Gewerkschaft bei dieser Aktion mit voller Solidarität unterstützen! (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ.
Zweitens: Die Betriebsräte und die Arbeitnehmer in diesem Betrieb sagen, daß sie es nicht zulassen werden, daß Maschinen und technische Anlagen in Traiskirchen abmontiert, abtransportiert und in Tschechien aufgebaut werden. (Abg. Trenk: Wie will man das verhindern?) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Selbstverständlich müssen wir die Betriebsräte und die Gewerkschaft bei dieser Aktion mit voller Solidarität unterstützen! (Beifall bei der SPÖ.)
Zwischenruf des Abg. Haselsteiner . – Zwischenrufe bei den Freiheitlichen. – Rufe und Gegenrufe bei der SPÖ und den Freiheitlichen.
Denn diese Solidarität treibt die Schließungskosten in die Höhe. Die Firma Conti rechnet damit, daß die Sommerreifenproduktion des Jahres 1997 in Tschechien durchgeführt werden kann. Wenn wir das damit verhindern können, daß der Abtransport der Maschinen nicht möglich ist, dann wird das ein wichtiger Faktor für die Entscheidungen bei der Firma Conti sein. (Zwischenruf des Abg. Haselsteiner . – Zwischenrufe bei den Freiheitlichen. – Rufe und Gegenrufe bei der SPÖ und den Freiheitlichen.)
Beifall bei der SPÖ und bei den Freiheitlichen.
Nächster Punkt – Problembereich Boykott: Natürlich muß es auch unsere Strategie sein, die Schließungskosten so teuer wie möglich zu machen, wenn die Conti-Produkte in Österreich boykottiert werden. Conti macht in Österreich etwa 50 Prozent des Reifenabsatzes. 80 Prozent der Conti-Produkte sind Semperit-Produkte, also etwa 40 Prozent des gesamten Reifenabsatzes in Österreich. Insgesamt beträgt der Marktanteil der österreichischen Conti-Produkte 3 Prozent der gesamten Weltabsatzes von Conti. Und wenn man weiß, daß Millionen und Milliarden in die Werbung eingesetzt werden, um ein halbes Prozent bis ein Prozent zusätzlichen Weltmarktanteil zu haben, dann realisiert man, daß 3 Prozent sehr, sehr viel sein muß. Dann wird klar, daß man mit Boykottmaßnahmen einiges ausrichten kann. Daher haben wir im Bereich der Niederösterreichischen Arbeiterkammer und auch mit der Gewerkschaft und den Betriebsräten klargestellt, daß die Niederösterreichische Arbeiterkammer Maßnahmen des Boykotts der Conti-Produkte mitinitiieren und mit ihrem PR-Instrumentarium mitunterstützen wird und wir diese Maßnahmen mittragen werden. Ich glaube, daß das ein ganz wesentlicher Punkt ist. (Beifall bei der SPÖ und bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei der SPÖ.
Eine weitere Maßnahme zur Erhöhung der Schließungskosten ist, wenn das auch ein relativ bescheidener Beitrag ist, die Rückforderung von Förderungskosten, wenn das möglich ist. – All das ist aber nur ein Teil des gesamten Spektrums von Maßnahmen unter dem Titel: "Verteuerung der Schließungskosten". (Beifall bei der SPÖ.)
Abg. Aumayr: Dafür müssen Sie die Rahmenbedingungen schaffen!
Daher ist es notwendig, daß es nicht nur in Österreich, sondern europaweit zu einer Art neuem Pakt zwischen Arbeitnehmern und Unternehmern kommt, der sich im wesentlichen wie folgt gestalten muß: Die eine Seite nützt die riesigen Lohnunterschiede, die es gibt, nicht aus. Und wenn diese riesigen Lohnunterschiede nicht ausgenützt werden, dann ergibt sich für die gesamte Wirtschaft die Chance, den Wachstumspol, der entsteht, auch entsprechend auszunutzen. Ich glaube, daß die zukünftige Strategie in etwa in diese Richtung gehen muß. Das eine neue, großangelegte Sozialpartnerschaft in Europa zu nennen, ist wahrscheinlich zu viel; ich möchte das als neue Qualität der Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und Arbeitnehmern auf europäischer Ebene bezeichnen. (Abg. Aumayr: Dafür müssen Sie die Rahmenbedingungen schaffen!)
Beifall bei der SPÖ.
Ich meine, daß der Weg, den Herr Dipl.-Ing. Prinzhorn angedeutet hat, nicht der richtige ist, daß sich nämlich der österreichische Wirtschaftsminister für den amerikanischen Wirtschaftsminister hält und versucht, dessen Macht gegenüber den Japanern auszuüben. Das wird nicht ganz gelingen, denn wir sind etwas kleiner als der gesamte europäische Markt. – Danke sehr. (Beifall bei der SPÖ.)
Zwischenrufe des Abg. Blünegger.
Meine Damen und Herren! Allerdings sehe ich ein Problem betreffend die Glaubwürdigkeit der Freiheitlichen. (Zwischenrufe des Abg. Blünegger. ) Ich hätte erwartet, daß sich zu diesem Thema schon früher ein Freiheitlicher zu Wort meldet. Das war jedoch nicht der Fall, und das bedaure ich wirklich! Denn in der Vergangenheit haben sich alle Fraktionen in der Frage
Beifall beim Liberalen Forum.
Herr Kollege Verzetnitsch! Sie haben heute aus einer APA-Meldung mit dem Thema: "Ein Fall von Wirtschaftskolonialismus" zitiert. Ich möchte nun etwas aus der Meldung zu Gehör bringen, was Sie nicht vorgelesen haben. Und das bestätigt auch, was ich vorhin in den Raum gestellt habe, nämlich ein Scheitern der Industrie- und Wirtschaftspolitik der Regierungsparteien. – Es heißt hier: "Natürlich kann man Continental nicht allein für das drohende Ende des Werks Traiskirchen verantwortlich machen. Der Großindustrieausverkauf ans Ausland hat ja deshalb stattgefunden, weil es die Industriepolitik in den vergangenen Jahrzehnten nicht geschafft hat, Rahmenbedingungen für das Entstehen österreichischer Konzerne herzustellen." – Meine Damen und Herren! Das ist ein Ausdruck des Scheiterns dieser Industrie- und Wirtschaftspolitik der beiden Regierungsparteien! (Beifall beim Liberalen Forum.)
Abg. Marizzi: Das ist doch kein Niedergang! Wieso ist das ein Niedergang? Sie schreiben schwarze Zahlen!
Meine Damen und Herren! Der Niedergang der Firma Semperit bedeutet auch die Fortsetzung des Industriesterbens in dieser Region. Das ist ja nichts Neues. (Abg. Marizzi: Das ist doch kein Niedergang! Wieso ist das ein Niedergang? Sie schreiben schwarze Zahlen!)
Beifall beim Liberalen Forum.
Ich glaube also, daß wir auch für Semperit in Traiskirchen eine zeitgemäße Lösung brauchen. Denn Semperit ist ein wirtschaftlich florierendes Unternehmen. Semperit zahlt Dividenden aus, Semperit hat hohe Qualität und einen guten Ruf auf dem Markt. Daher muß dieser Standort erhalten bleiben. Wir sind alle aufgerufen, entsprechende Kraftanstrengungen auf uns zu nehmen, damit die Fehler, die in der Vergangenheit passiert sind, nicht wiederholt werden, meine Damen und Herren! (Beifall beim Liberalen Forum.)
Abg. Verzetnitsch: Ihr eigener Kollege verlangt’s!
Aber was auch wichtig sein muß, ist, daß wir auf europäischer Ebene aktiv werden, und zwar nicht nur die Bundesregierung, sondern auch der Gewerkschaftsbund. Es ist, glaube ich, notwendig, initiativer zu sein, denn es kann nicht die Industrie- und Beschäftigungspolitik im Rahmen der Europäischen Union sein, daß eine Firma von einem Land zum anderen zieht, dort Subventionen bekommt, und sich dann letztendlich, weil es mit den osteuropäischen Ländern entsprechende Abkommen gibt, auslagert. Das geht nicht, bitte! (Abg. Verzetnitsch: Ihr eigener Kollege verlangt’s!) – Was ist denn, Herr Kollege Verzetnitsch? Was verlangt der eigene Kollege? (Abg. Verzetnitsch: Das Auslagern gehört zum Wirtschaftsleben dazu! – Abg. Parnigoni: Sag’ einmal, kennst du dein Wirtschaftsprogramm überhaupt? – Heiterkeit bei der SPÖ.)
Abg. Verzetnitsch: Das Auslagern gehört zum Wirtschaftsleben dazu! – Abg. Parnigoni: Sag’ einmal, kennst du dein Wirtschaftsprogramm überhaupt? – Heiterkeit bei der SPÖ.
Aber was auch wichtig sein muß, ist, daß wir auf europäischer Ebene aktiv werden, und zwar nicht nur die Bundesregierung, sondern auch der Gewerkschaftsbund. Es ist, glaube ich, notwendig, initiativer zu sein, denn es kann nicht die Industrie- und Beschäftigungspolitik im Rahmen der Europäischen Union sein, daß eine Firma von einem Land zum anderen zieht, dort Subventionen bekommt, und sich dann letztendlich, weil es mit den osteuropäischen Ländern entsprechende Abkommen gibt, auslagert. Das geht nicht, bitte! (Abg. Verzetnitsch: Ihr eigener Kollege verlangt’s!) – Was ist denn, Herr Kollege Verzetnitsch? Was verlangt der eigene Kollege? (Abg. Verzetnitsch: Das Auslagern gehört zum Wirtschaftsleben dazu! – Abg. Parnigoni: Sag’ einmal, kennst du dein Wirtschaftsprogramm überhaupt? – Heiterkeit bei der SPÖ.)
Abg. Parnigoni: Der Haselsteiner weiß schon nicht mehr, was er machen soll!
Das Auslagern gehört zum Wirtschaftsleben dazu, aber das kann nicht das ausschließliche Ziel der Politik sein. Daher wird es auch notwendig sein, im Rahmen der Europäischen Union auch eine entsprechende Wirtschaftspolitik und Industriepolitik durchzusetzen und zu betreiben. (Abg. Parnigoni: Der Haselsteiner weiß schon nicht mehr, was er machen soll!) Ja, das ist die Meinung des Herrn Kollegen Haselsteiner – wieso auch nicht? (Beifall beim Liberalen Forum.)
Beifall beim Liberalen Forum.
Das Auslagern gehört zum Wirtschaftsleben dazu, aber das kann nicht das ausschließliche Ziel der Politik sein. Daher wird es auch notwendig sein, im Rahmen der Europäischen Union auch eine entsprechende Wirtschaftspolitik und Industriepolitik durchzusetzen und zu betreiben. (Abg. Parnigoni: Der Haselsteiner weiß schon nicht mehr, was er machen soll!) Ja, das ist die Meinung des Herrn Kollegen Haselsteiner – wieso auch nicht? (Beifall beim Liberalen Forum.)
Beifall beim Liberalen Forum.
Ich appelliere von hier aus vor allem an den Wirtschaftsminister, sein bisher gezeigtes Desinteresse aufzugeben und alles daranzusetzen, daß durch ein aktiveres Engagement die Region, der Standort in eine bessere Zukunft geht. – Danke schön. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Beifall bei ÖVP und SPÖ.
Mein zweiter Punkt, den ich herausstellen sollte, basiert auf meiner eigenen Erfahrung: Zufällig hat unser Haus gerade einen neuen Wagen bestellt. Ich habe bei BMW anrufen lassen und gesagt: Ich nehme das Auto nur mit Semperit-Reifen. – Es ist ein kleinerer Dienstwagen, auf den Semperitprodukte passen. Es wird nicht einmal mit Semperit-Reifen ausgeliefert. Wir müßten aber doch auch über die Konsumentensolidarität erreichen können, daß wir sagen: Wir wollen von allen deutschen Ausrüstern, die in Österreich insgesamt große Marktanteile haben, daß sie österreichische Reifen in der Erstausrüstung verwenden. Das ist eine Dimension, die wir mit Nachbarn ausmachen können, da muß ich nicht nach Japan fliegen. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)
Beifall bei ÖVP und SPÖ.
Das führt mich zum letzten Teil meiner Zwischenintervention: Bei unseren Gesprächen mit den zuständigen Kommissaren in der Europäischen Union – ich denke hier vor allem an Sir Leon Brittan, ich werde nächste Woche dort sein – müssen wir versuchen, Verantwortung in die Hand zu nehmen und betonen, daß mit der von Conti jetzt gewählten Strategie der von uns beschworene Ernstfall bei den Verhandlungen eingetreten ist, und daß daher die EU jetzt zu ihrem Wort stehen muß, daß sie uns konsequent hilft, zumindest Teile des japanischen Marktes abzusichern. – Ich danke Ihnen. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)
Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Verzetnitsch: Dann melden Sie’s dem Arbeitsamt!
Nur, Herr Kollege Verzetnitsch: Ich habe schon einmal eine "riesige" Aussage von Ihnen vernommen. Sie haben einmal gesagt, in Ihrem Alter kriegt ein Installateur keinen Posten mehr. Ich kann Ihnen beweisen, Männer in Ihrem Alter nimmt, wenn sie gute Installateure sind, unsere Firma ständig auf. Immer wieder nehmen wir solche Leute auf und freuen uns, weil diese Leute sehr viel Erfahrung haben. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Verzetnitsch: Dann melden Sie’s dem Arbeitsamt!)
Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Dr. Haselsteiner: Dafür verstehen Sie sie auch nicht!
Das ist eine liberale oder freie Wirtschaftsordnung, wie Sie sie immer bezeichnen, die mir nicht gefällt. Ich halte nichts von einer Wirtschaftsordnung, in der einige große Baukonzerne fuhrwerken und das Baunebengewerbe zum Handlanger degradiert wird. Die guten Facharbeiter aus dem Baunebengewerbe müssen sich dort prostituieren, um überhaupt Aufträge zu bekommen. Eine solche Wirtschaft will ich nicht, die gefällt mir nicht. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Dr. Haselsteiner: Dafür verstehen Sie sie auch nicht!)
Abg. Dr. Haselsteiner: Es kommt nicht darauf an, was Sie wollen, sondern wie sich der Markt entwickelt!
Das ist das, was uns trennt. Ich bin ein Verfechter der sozialen Marktwirtschaftsordnung. Ich weiß, das ist heute nicht mehr modern, das will man heute nicht mehr, davon redet man nicht, damit hat man keine Freude. (Abg. Dr. Haselsteiner: Es kommt nicht darauf an, was Sie wollen, sondern wie sich der Markt entwickelt!) Herr Kollege Haselsteiner! Es gibt eben Menschen, die die Schöpfung nicht in der Weise ausgestattet hat, daß sie sich alles richten können, wie sie es brauchen. Auch sie haben ein Recht auf gerechte Behandlung, und für sie ist das System der sozialen Marktwirtschaft meines Erachtens das bessere System. Deshalb glaube ich daran.
Beifall bei den Freiheitlichen.
Ich halte natürlich auch nichts von einer zentralistischen planwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung. Die kann mir auch gestohlen bleiben, denn in letzter Konsequenz treffen sich für den Bürger diese beiden Systeme, nämlich die zentralistische planwirtschaftliche und Ihre sogenannte liberale oder freie Wirtschaftsordnung. – Das nur zur Erläuterung bezüglich der Wirtschaftssysteme. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Wenn ich mir die Entwicklungen der letzten Wochen, der letzten Monate betrachte, muß ich Sie schon fragen: Warum diskutieren wir erst heute? Warum haben wir eigentlich die Dringliche von den Freiheitlichen gebraucht, um das zu erörtern? (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Zwischenruf des Abg. Dietachmayr.
"Das Märchen von heimischer Industriepolitik lebt", hat er getitelt, der Herr Kommentarschreiber. Am Schluß dieses Kommentars heißt es: "Sie sollten sich ins Gedächtnis rufen, daß Continental 1,2 Milliarden Schilling vom Staat als Mitgift für die Semperit-Übernahme bekommen hat und trotzdem die Forschung und Entwicklung aussiedeln durfte." (Zwischenruf des Abg. Dietachmayr. ) – Nein, das ist dort nicht dringestanden! Machen Sie keinen Schmäh.
Beifall bei den Freiheitlichen.
Und dort sind wir! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei der SPÖ.
Meine Damen und Herren! Es geht hier nicht um Schwarz, Blau oder Rot, sondern es geht um 2 400 rot-weiß-rote Arbeitsplätze. (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ.
Und wenn der Herr Kollege Moser heute bei der Debatte um die NATO gemeint hat, daß NATO, WEU sehr wichtig sind, daß – natürlich – die NATO ein wichtiges Friedensprojekt der Nachkriegszeit ist, und daß diese NATO, diese WEU und die Europäische Union Krieg in Europa verhindern sollen: Ein NATO-Beitritt kostet vielleicht 40 oder 80 Milliarden Schilling. Mir wäre es wichtiger, daß wir 40 oder 50 Milliarden Schilling in die Entwicklung, in die Forschung hineinstecken, um so die soziale Sicherheit in Österreich zu gewährleisten, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ.
Es geht um Lohndumping, es geht um Gewinnmaximierung, es geht um Industrietourismus, und da ist nicht nur der Markt schuld, sondern teilweise auch die Liberalisierung. Liberalisierung heißt, daß die Konzerne die Betriebe heute in der Welt hin- und herschieben. So sollte es nicht sein, denn da geht es wirklich ans Eingemachte. Bei Semperit geht es um 2 400 Arbeitsplätze, und wir alle, meine sehr geehrten Damen und Herren, sollten uns mit den Arbeitern und Angestellten in dieser Region, mit Semperit Traiskirchen solidarisieren. (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ.
Aber: Wenn der Staat fette Bauaufträge vergibt, dann wird nicht dereguliert, dann soll das schön aufgeteilt werden in der Bauwirtschaft. Da steht der Herr Kollege Haselsteiner wieder in der ersten Reihe und sagt: Der Staat muß her, daß die Wirtschaft wieder floriert, daß die Bauwirtschaft wieder floriert! (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ.
Mir hat auch sehr gut gefallen, was Kollege Van der Bellen gesagt hat. Es wurde heute ja schon mehrmals angezogen, daß der Konsument in Österreich auch eine starke Waffe ist. Wenn Semperit und Conti in Österreich 48 Prozent Marktanteil haben und dann nach Tschechien gehen, dann sollten wir einmal darüber diskutieren, ob wir nicht den Konsumenten in Österreich deutlich machen sollten: Wenn die wirklich dorthin gehen, dann sollen sie sich auch mit ihren Produkten aus Österreich vertschüssen, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der SPÖ.)
Abg. Mag. Trattner: Und was ist dort mit den Förderungen?
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Daher müssen wir die Schließungskosten so hoch wie möglich machen – so wie bei Euroquarz. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich bin ein Betroffener. Bei Euroquarz geht es genau um ein Zehntel der Beschäftigten, um die es bei Semperit geht. 240 Beschäftigte sind dort von Arbeitslosigkeit bedroht, weil der Betrieb in die Slowakei gehen will, auslagern will, weil dort die Löhne um ein Vielfaches billiger sind. (Abg. Mag. Trattner: Und was ist dort mit den Förderungen?) Dazu komme ich schon, Herr Kollege.
Beifall bei der SPÖ.
Ansonsten, meine sehr geehrten Damen und Herren, werden wir verstärkte Arbeitslosigkeit haben, und daraus entsteht Krieg in der Gesellschaft. Wir Sozialdemokraten solidarisieren uns auf jeden Fall mit den Arbeitern von Semperit Traiskirchen! – Danke. (Beifall bei der SPÖ.)
Abg. Marizzi: Ich habe vergessen, dich zu loben!
Die Firma Euroquarz ist nicht nur von den Sozialisten oder von der ÖVP unterstützt worden. Ich möchte hier im Hohen Haus ausdrücklich darauf hinweisen, daß wir Freiheitliche im Gemeinderat am 11. März eine Dringliche eingebracht und darauf hingewiesen haben, daß, wenn Teilbetriebe der Firma Euroquarz in die Slowakei ausgelagert werden, voraussichtlich der ganze Betrieb nachziehen wird. (Abg. Marizzi: Ich habe vergessen, dich zu loben!) Daraufhin sind wir, ebenso wie hier im Hohen Haus, als Polemiker bezeichnet worden. Es hat geheißen, wir seien wirtschaftlich inkompetent, das sei lauter Blödsinn und stimme alles nicht.
Beifall bei den Freiheitlichen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Drei Monate später ist das eingetroffen, worauf wir bereits am 11. März in unserer Dringlichen aufmerksam gemacht hatten: Der ganze Betrieb wandert in die Slowakei aus. – Jetzt möchte ich Sie fragen, wer Wirtschaftskompetenz hat: SPÖ oder ÖVP? Oder haben doch die Freiheitlichen auch ein bißchen Ahnung davon? (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Auch beim Verhalten der ÖVP – ich denke nur an die Worte des Kollegen Kampichler – stellt es mir wirklich die Haare auf. Es ist unglaublich, was er heute hier aufgeführt hat. Liebe ÖVP-Fraktion! In einem solchen Fall hätte meiner Meinung nach zumindest Kollege Stummvoll hier sprechen müssen, aber nicht irgendein Herr Kampichler aus unserer Region, der nur mit Staubsaugern um die Welt fährt und an und für sich von den Betrieben gar keine Ahnung hat! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich glaube, daß sich die sogenannte Wunderpartei SPÖ, die Arbeitsplatzsicherer, die Arbeitsplatzbeschaffer, die sogenannten Wunderwuzis schon längst von der Arbeiterschicht verabschiedet haben. Denn sonst hätten sie viel früher auf die Situation im Semperit-Werk Traiskirchen reagiert! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Meine Damen und Herren! Ihre Schaumrollen-Geschichten entsprechen nicht der Realität: Bevor ein Werk zugrunde geht, die Arbeiter abgebaut oder ausgegliedert werden, gehen Sie zu diesen Arbeitern und sagen: Wir sind eh für euch da! Wir unterstützen euch! Wir lassen euch nicht im Stich! – Ich meine, solche Versprechen muß man rechtzeitig umsetzen. Man sollte den Arbeitern nicht nur Versprechungen machen, sondern diese auch wortwörtlich umsetzen, um der Arbeiterschicht wieder eine Garantie zu geben, daß sie in Österreich auch Arbeit haben beziehungsweise Arbeit bekommen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wie kann man sich heute, wenn doch 2 500 Arbeitsplätze verlorengehen, hinstellen und noch für die Europäische Union werben? Denn die Arbeiter wissen genau, daß die Europäische Union mit ihrer Orientierung auf den Japan-Markt hauptsächlich schuld daran ist, daß die Arbeitsplätze verlorengehen. Ich denke, meine sehr geehrten Damen und Herren, das ist eine Politik, mit der man den Arbeiter nicht unterstützt, sondern ihm gleichsam den Rest gibt, wenn er seinen Arbeitsplatz verliert. Meine lieben Freunde von der SPÖ! Diese Politik kann ich nicht vertreten! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Zwischenruf des Abg. Koppler.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ein ehrliches Wort wäre angebracht gewesen. Man hätte etwa, wie vor zwölf Jahren bei uns in Ternitz, ausdrücklich sagen können: Liebe Freunde! In einem Jahr muß der Betrieb zugesperrt werden. Sucht euch allmählich eine neue Arbeitsstelle! – Das ist eine Aussage von einem Politiker, die jeder Arbeiter und die gesamte Belegschaft verstehen wird. Nicht verstehen werden es die Leute aber, wenn man zuerst sagt: Ihr braucht keine Sorge um eure Arbeitsplätze zu haben!, und vier Monate später gibt es um 4 000 Arbeitsplätze weniger. (Zwischenruf des Abg. Koppler. )
Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenrufe bei der SPÖ.
Genau das spielt sich heute in Traiskirchen ab. Die roten Betriebsräte versprechen: Wir kümmern uns eh um euch! Politiker kommen nach Traiskirchen und sagen: Wir kümmern uns um euch! Sie wissen aber ganz genau – und Sie wissen das auch!-, daß der Standort überhaupt nicht mehr zu retten ist. – Verfolgen Sie im Vergleich dazu einmal das Wirtschaftskonzept der Freiheitlichen Partei! Wir hätten wieder Arbeitsplätze für diese heute in Österreich. So schaut es aus! (Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenrufe bei der SPÖ.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zum Schluß möchte ich folgendes sagen: Wir sollten hier im Parlament die Redner nicht auslachen oder verspotten, sondern wirklich versuchen – das meine ich ganz ehrlich! –, gemeinsam das Werk Traiskirchen mit 2 500 Arbeitsplätzen zu retten. Stellen Sie uns nicht immer so hin, als würden wir nur polemisieren! Denn wenn diese Debatte so uninteressant wäre, dann hätte sich ja niemand von Ihnen in die Rednerliste eintragen lassen! Das möchte ich auch einmal klarstellen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Wirtschaftsminister! Ich fordere Sie auf, wirklich Maßnahmen zu ergreifen, damit wir den Standort Traiskirchen, das Conti-Werk und die Arbeitsplätze mit allen Mitteln erhalten können! Und wenn ihr von der SPÖ, der ÖVP, den Liberalen oder den Grünen meint, daß die Freiheitliche Partei diese Situation ausnützt, um zu polemisieren, dann seit ihr auf dem Holzweg! Daß dem nicht so ist, haben wir euch nicht erst einmal, sondern mindestens schon zwanzig Mal bewiesen! – Danke. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Dr. Partik-Pablé: Jessas na! – Zwischenruf des Abg. Mag. Trattner.
Einen derartigen Fall haben wir bei uns in Kärnten in der Region Hüttenberg zu verzeichnen. Dort ist es bis heute, trotz größter Anstrengungen der Behörden auf regionaler Ebene und Landesebene, nicht gelungen, diese Wunde zu heilen. Deshalb bin ich sehr verwundert, auf welche Art und Weise man von seiten der Freiheitlichen Partei dieses Problem lösen zu können glaubt. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Jessas na! – Zwischenruf des Abg. Mag. Trattner. )
Abg. Dr. Pumberger: Ja, Kampichler!
Ja, natürlich! Ich habe mir vorher auch die Personen angeschaut, die heute hier als Erstredner aufgetreten sind. (Abg. Dr. Pumberger: Ja, Kampichler!) Es ist interessant, daß sich hier ein Dipl.-Ing. Prinzhorn (Abg. Dr. Pumberger: Von ihm könnt ihr etwas lernen!) , ein Dr. Haider und ein Dr. Haselsteiner als Erstredner zusammengefunden haben. Denn genau die drei gleichen Persönlichkeiten sind im Jahre 1989 in Kärnten, in Klagenfurt, zusammengesessen, um die zwei Zellstoffwerke Obir und Magdalen bei Villach zu retten. – Man kann fast sagen, daß es eine Ironie des Schicksals ist, daß sich just beim Fall Semperit die seinerzeitigen Sanierer von Magdalen und Obir ein politisches Stelldichein geben. (Beifall bei der ÖVP. – Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.)
Abg. Dr. Pumberger: Von ihm könnt ihr etwas lernen!
Ja, natürlich! Ich habe mir vorher auch die Personen angeschaut, die heute hier als Erstredner aufgetreten sind. (Abg. Dr. Pumberger: Ja, Kampichler!) Es ist interessant, daß sich hier ein Dipl.-Ing. Prinzhorn (Abg. Dr. Pumberger: Von ihm könnt ihr etwas lernen!) , ein Dr. Haider und ein Dr. Haselsteiner als Erstredner zusammengefunden haben. Denn genau die drei gleichen Persönlichkeiten sind im Jahre 1989 in Kärnten, in Klagenfurt, zusammengesessen, um die zwei Zellstoffwerke Obir und Magdalen bei Villach zu retten. – Man kann fast sagen, daß es eine Ironie des Schicksals ist, daß sich just beim Fall Semperit die seinerzeitigen Sanierer von Magdalen und Obir ein politisches Stelldichein geben. (Beifall bei der ÖVP. – Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei der ÖVP. – Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.
Ja, natürlich! Ich habe mir vorher auch die Personen angeschaut, die heute hier als Erstredner aufgetreten sind. (Abg. Dr. Pumberger: Ja, Kampichler!) Es ist interessant, daß sich hier ein Dipl.-Ing. Prinzhorn (Abg. Dr. Pumberger: Von ihm könnt ihr etwas lernen!) , ein Dr. Haider und ein Dr. Haselsteiner als Erstredner zusammengefunden haben. Denn genau die drei gleichen Persönlichkeiten sind im Jahre 1989 in Kärnten, in Klagenfurt, zusammengesessen, um die zwei Zellstoffwerke Obir und Magdalen bei Villach zu retten. – Man kann fast sagen, daß es eine Ironie des Schicksals ist, daß sich just beim Fall Semperit die seinerzeitigen Sanierer von Magdalen und Obir ein politisches Stelldichein geben. (Beifall bei der ÖVP. – Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei der ÖVP. – Abg. Haigermoser: Heute gibt es noch eine echte Wurmitzer-Rede!
Allein dieses Faktum hat mich natürlich veranlaßt, sehr aufmerksam zuzuhören. Und was habe ich gehört? – Schalmeientöne habe ich gehört, Schalmeientöne! Es hat großartig geklungen: Der Retter Haider ist da! Er ist es, der als einziger das Werk weiterführen kann. Die Mitarbeiter brauchen ihm nur zu vertrauen! – Das Wirtschaftskonzept der Freiheitlichen wird hier in den höchsten Tönen gelobt. Mir ist dann allerdings eingefallen, daß auch Meischberger Mitglied der Freiheitlichen Partei ist. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Haigermoser: Heute gibt es noch eine echte Wurmitzer-Rede!) Ja, ich freue mich schon darauf!
Ironische Heiterkeit bei der ÖVP. – Abg. Mag. Stadler: Jörg Haiders Busenfreund! – Weitere Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.
Wie sich die Bilder gleichen: Auch damals wurde der Betrieb besucht. Und auf einmal spielen sogar private Rechte überhaupt keine Rolle mehr, und auf einmal spielen auch Verträge keine Rolle mehr! Wenn man nämlich nachfragt, wer denn die Verträge im Falle Semperit gemacht hat, und überlegt, wer denn im Jahre 1985 Handelsminister war, dann stellt sich heraus: Dr. Norbert Steger, Bundesparteiobmann der FPÖ! (Ironische Heiterkeit bei der ÖVP. – Abg. Mag. Stadler: Jörg Haiders Busenfreund! – Weitere Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.)
Beifall des Abg. Dr. Haider.
Und es sitzt noch einer da. Wer war denn Staatssekretär im Finanzministerium? – Abgeordneter Dkfm. Holger Bauer! Er war auch ein bedeutender Mann in dieser Sache! (Beifall des Abg. Dr. Haider. ) Man muß sich also die Dinge ein bißchen genauer anschauen. Im Jahre 1989 trug es sich genauso zu: Auch damals hat Dr. Haider die beiden Betriebe besucht, rein zufällig waren auch damals die Medien dabei, und rein zufällig hat er damals jedem einzelnen Mitarbeiter dieser Betriebe den entsprechenden Teil einer Sonderzahlung in der Höhe von insgesamt 7 Millionen Schilling versprochen. – Bis heute warten die Arbeiter jedoch auf die Einlösung der Zusage des Herrn Dr. Haider!
Abg. Mag. Posch: Er sagt die Wahrheit!
Im Jahr 1989 wurde Haider dann Landeshauptmann. (Abg. Mag. Posch: Er sagt die Wahrheit!) Damals sind die drei Herren Dipl.-Ing. Prinzhorn, Dr. Haselsteiner und Dr. Haider zusammengesessen. Die Konsequenz: Es gab für beide Firmen keine Rettung! Beide Firmen und beide Werke wurden geschlossen.
Zwischenruf der Abg. Schaffenrath.
Es ist einfach unglaublich, daß, wenn damals alle drei zusammen nicht in der Lage waren, ein Werk mit 200 Mitarbeitern zu retten, heute zwei von ihnen ein Werk mit 2 400 retten wollen! (Zwischenruf der Abg. Schaffenrath. ) – Ich kann also schließen und sagen: Das sollen alle Arbeiter in Traiskirchen wissen: Wer auf Haider vertraut, hat auf Sand gebaut! (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)
Beifall bei ÖVP und SPÖ.
Es ist einfach unglaublich, daß, wenn damals alle drei zusammen nicht in der Lage waren, ein Werk mit 200 Mitarbeitern zu retten, heute zwei von ihnen ein Werk mit 2 400 retten wollen! (Zwischenruf der Abg. Schaffenrath. ) – Ich kann also schließen und sagen: Das sollen alle Arbeiter in Traiskirchen wissen: Wer auf Haider vertraut, hat auf Sand gebaut! (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)
Zwischenrufe bei der SPÖ.
Ich bitte Sie, mit dem Sachverhalt zu beginnen, den Sie berichtigen wollen. – Bitte, Sie haben das Wort. (Zwischenrufe bei der SPÖ.)
Abg. Kiss: Welchen Betrag?
Ich entnehme dem Landtagsprotokoll, daß die Kärntner Landesregierung unter Vorsitz des Landeshauptmannes Dr. Haider einstimmig beschlossen hat, diesen Betrag zu genehmigen. (Abg. Kiss: Welchen Betrag?) Ich entnehme dem Landtagsprotokoll weiters, daß sich die ÖVP-Fraktion im Landtag gegen die SPÖ und die FPÖ gegen die Auszahlung dieser Summe zur Wehr gesetzt hat. (Zwischenrufe bei der ÖVP. – Rufe und Gegenrufe zwischen der SPÖ, der ÖVP und den Freiheitlichen.)
Zwischenrufe bei der ÖVP. – Rufe und Gegenrufe zwischen der SPÖ, der ÖVP und den Freiheitlichen.
Ich entnehme dem Landtagsprotokoll, daß die Kärntner Landesregierung unter Vorsitz des Landeshauptmannes Dr. Haider einstimmig beschlossen hat, diesen Betrag zu genehmigen. (Abg. Kiss: Welchen Betrag?) Ich entnehme dem Landtagsprotokoll weiters, daß sich die ÖVP-Fraktion im Landtag gegen die SPÖ und die FPÖ gegen die Auszahlung dieser Summe zur Wehr gesetzt hat. (Zwischenrufe bei der ÖVP. – Rufe und Gegenrufe zwischen der SPÖ, der ÖVP und den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Herr Kollege Wurmitzer war zu diesem Zeitpunkt Klubobmann, hat das zur Koalitionsfrage gemacht und die Zurückstellung dieser Auszahlung und die entsprechende Beschlußfassung im Landtag beantragt. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Zwischenruf des Abg. Wurmitzer. – Heiterkeit bei der ÖVP.
Abgeordneter Dipl.-Ing. Maximilian Hofmann (Freiheitliche): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Hohes Haus! Wir haben soeben wieder eine Wurmitzer-Rede erlebt. Wie schon des öfteren war diese gespickt mit Unwahrheiten, wie üblich. Draußen beim Display hat Frau Abgeordnete Frieser vorher gesagt: Jetzt kommt Wurmitzer dran, das wird sicher lustig! – Das ist eben die Art und Weise, die der ÖVP offensichtlich gefällt. Trotzdem, Georg Wurmitzer, es ist einmal mehr in die Hose gegangen! (Zwischenruf des Abg. Wurmitzer. – Heiterkeit bei der ÖVP.)
Abg. Leikam: Prinzhorn hat geschrieben, daß der Betrieb veraltet ist!
Sehr geehrte Damen und Herren! Wir haben heute schon sehr viele Zahlen gehört. Alle haben beteuert, wie ernst die Situation ist. Wir haben von den 2 400 Mitarbeitern gehört, von jenen, die in der Region betroffen sind. Und wir haben gehört, welches Spiel die Firma Continental dabei spielt, nämlich ein – wie ich meine – sehr übles Spiel, vor allem wenn man weiß, daß die Produktionsstätte modernst ausgerüstet ist, daß es sich um einen modernen Betrieb handelt. Nichtsdestotrotz ... (Abg. Leikam: Prinzhorn hat geschrieben, daß der Betrieb veraltet ist!) Ich habe den Zwischenruf akustisch leider nicht verstanden, daher kann ich nicht darauf eingehen!
Zwischenruf des Abg. Grabner.
Kollege Fuhrmann hat hier festgestellt, daß Kollege Prinzhorn von seinen 21 Minuten Redezeit vier Minuten zur Sache gesprochen hat. – Ich habe ebenfalls auf die Uhr geschaut, Herr Kollege Fuhrmann: Sie haben in Ihren 15 Minuten Redezeit Polemiken und nichts als Polemiken gebracht! (Zwischenruf des Abg. Grabner. ) Das kann nicht sein, Kollege Grabner! Denn Kollege Fuhrmann ist erst dann, als das rote Lamperl zu blinken begann, dazu übergegangen, zu sagen: Wir müssen entsprechende Überlegungen anstellen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Kollege Fuhrmann hat hier festgestellt, daß Kollege Prinzhorn von seinen 21 Minuten Redezeit vier Minuten zur Sache gesprochen hat. – Ich habe ebenfalls auf die Uhr geschaut, Herr Kollege Fuhrmann: Sie haben in Ihren 15 Minuten Redezeit Polemiken und nichts als Polemiken gebracht! (Zwischenruf des Abg. Grabner. ) Das kann nicht sein, Kollege Grabner! Denn Kollege Fuhrmann ist erst dann, als das rote Lamperl zu blinken begann, dazu übergegangen, zu sagen: Wir müssen entsprechende Überlegungen anstellen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Kollege Fuhrmann! Dafür, Überlegungen anzustellen, haben Sie bislang Zeit gehabt. Sie haben aber nichts umgesetzt. Es nützt nichts, sich nur im Kreise der angeblich Interessierten, die sich mit der Rettung von Semperit befassen wollen, hinzusetzen und Überlegungen anzustellen, ohne etwas in die Tat umzusetzen. Wir Freiheitlichen haben hingegen einen Entschließungsantrag eingebracht, der einige der möglichen Maßnahmen zur Rettung der Arbeitsplätze in Traiskirchen aufzeigt. Und ich darf Sie, Herr Minister, ersuchen, die Überlegungen, die aus unserem Entschließungsantrag hervorgehen, auch ernsthaft in Ihr Bemühen miteinzubeziehen! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Als sehr erfolgreich für unsere Bemühungen habe ich die Wortmeldungen des Kollegen Marizzi empfunden. Er fordert ja sensationelle Dinge! Ich habe gedacht, ich traue meinen Ohren nicht, als Kollege Marizzi hier forderte, die Steuern ob des wirtschaftlichen Mißerfolges zu senken und den Investitionsbeitrag zu erhöhen. Sehr geehrte Damen und Herren von den Koalitionsparteien! Sie haben vor relativ kurzer Zeit genau das Gegenteil gemacht! Sie haben alles unternommen, was wirtschaftsfeindlich ist, und sozusagen alles unternommen, damit es zu derartigen Dingen wie Absiedelungen von Betrieben kommt, wie wir heute auch am Beispiel Semperit sehen! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Ruf bei der SPÖ: Was hat das mit Semperit zu tun?
Wenn man die Begleitumstände im Zusammenhang damit betrachtet: Da überlegt man, wie man sich die Kosten für den Abbau des Kohlenbrechers sparen kann, wie man da rekultivieren kann. Und man macht es ganz einfach: Man strengt sich an, um dieses eher häßliche Stück unter Denkmalschutz stellen zu lassen. (Ruf bei der SPÖ: Was hat das mit Semperit zu tun?) Es hat schon damit zu tun. Ich will nur aufzeigen, welche Vorgangsweisen hier gewählt werden, bis hin zur Schließung.
Beifall bei den Freiheitlichen.
Das nächste Beispiel: die Gleisanlagen der WTK. – Und im übrigen weiß ich nicht, werter Kollege, warum ich darauf angesprochen werde, nicht zu Semperit zu sprechen, wenn der Kollege Wurmitzer bis auf zwei Sätze zu Beginn seiner Rede nichts anderes zu tun hatte, als über Kärnten anno 1989 zu sprechen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Dr. Ofner: Der ist auf Tauchstation!
Abgeordneter Mag. Gilbert Trattner (Freiheitliche): Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Wirtschaftsminister! Sie tun mir heute ein bißchen leid: ein Wirtschaftsminister, der von seiner Fraktion so verlassen wird, so alleingelassen wird! Da kommt der Herr Kampichler heraus und hält ein paar Minuten eine langweilige Verteidigungsrede. Da kommt der Herr Kollege Wurmitzer herunter, hält eine Rede, in der er eigentlich nur den Bundesparteiobmann der Freiheitlichen Partei anschwärzt – der das aber eindeutig widerlegen konnte. Sonst kam kein einziger aus Ihrer Partei mit einer Wirtschaftskompetenz – nicht einmal der Kollege Stummvoll, ein Wirtschaftskämmerer (Abg. Dr. Ofner: Der ist auf Tauchstation!) – hierher und nahm sich dieser Sache an. Ich glaube, diese Fraktion haben Sie sich nicht verdient! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Abgeordneter Mag. Gilbert Trattner (Freiheitliche): Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Wirtschaftsminister! Sie tun mir heute ein bißchen leid: ein Wirtschaftsminister, der von seiner Fraktion so verlassen wird, so alleingelassen wird! Da kommt der Herr Kampichler heraus und hält ein paar Minuten eine langweilige Verteidigungsrede. Da kommt der Herr Kollege Wurmitzer herunter, hält eine Rede, in der er eigentlich nur den Bundesparteiobmann der Freiheitlichen Partei anschwärzt – der das aber eindeutig widerlegen konnte. Sonst kam kein einziger aus Ihrer Partei mit einer Wirtschaftskompetenz – nicht einmal der Kollege Stummvoll, ein Wirtschaftskämmerer (Abg. Dr. Ofner: Der ist auf Tauchstation!) – hierher und nahm sich dieser Sache an. Ich glaube, diese Fraktion haben Sie sich nicht verdient! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Wir haben im Jahr 1992 nach Japan Reifen in einer Größenordnung von mehr als zwei Millionen Stück geliefert, und jetzt sind wir unter 500 000. – Das ist die Crux der Geschichte, und deswegen verstehe ich eines nicht: Wo ist denn die Wirtschaftskompetenz der Österreichischen Volkspartei geblieben? – Bei der Budgetdebatte war Ihr Generalredner der Herr Höchtl – der Herr Höchtl ist in der Budgetdebatte der Generalredner für das Sparpaket, das für die österreichische Bevölkerung ein Belastungspaket darstellt! Er kassiert aber seit 20 Jahren 32 000 S monatlich an arbeitslosem Einkommen! Das ist Ihr Hauptredner für das Sparpaket! – Ihre Wirtschaftskompetenz ist mittlerweile gleich null. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen
Es wäre weiters eine dringende Angelegenheit, Herr Wirtschaftsminister, daß Sie nach Japan fahren und dort die Verhandlungen aufnehmen (Beifall bei den Freiheitlichen) , die Verhandlungen mit den Japanern in der Richtung aufnehmen, daß Sie betonen, daß das, was damals versprochen worden ist, eingehalten werden soll. Es ist zuwenig, daß Sie noch ein paar Sätze hier sagen, nachdem Ihre Fraktion nicht in der Lage ist, irgendeinen positiven Beitrag zu diesem Problem zu leisten. Es ist zuwenig, daß Sie sagen: Uns genügt es, wenn die deutschen Autos,
Beifall bei den Freiheitlichen.
Conti hat in den letzten Jahren 800 Millionen Schilling nach Deutschland abgezogen. So wird das nicht gehen, das ist keine Wirtschaftspolitik! Sie können nicht die österreichische Bevölkerung mit einem Belastungspaket belasten und auf der anderen Seite weitere Belastungen eines ausländischen Konzerns, der bereits 800 Millionen abgezockt hat, dem bereits verschuldeten Insolvenz-Entgeltfortzahlungsfonds andienen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Setzen Sie Maßnahmen! Kollege Van der Bellen hat hier ein ganz vernünftiges Strategiekonzept präsentiert. Nehmen Sie sich dieses Strategiekonzepts an! Entscheiden Sie, wer dieses Strategiekonzept umsetzen soll, nominieren Sie die entsprechenden Leute! Machen Sie es rasch! Sie werden die Unterstützung aller fünf Fraktionen hier im Hohen Haus haben. Aber tun Sie endlich einmal etwas! Es geht wirklich nicht so weiter, daß man ständig nur von der Regierungsbank aus Sonntagsreden hält und nichts passiert. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Nehmen Sie sich diesen Entschließungsantrag der Freiheitlichen Partei vor und lesen Sie ihn bitte durch. Der ist vernünftig. Auch die sozialistische Fraktion hat in vielen Wortmeldungen diesem Entschließungsantrag indirekt die Zustimmung gegeben. Es gab keine Abweichungen. Machen wir das gemeinsam – ich glaube, dann wäre es möglich, die Sache Semperit noch zu sanieren. Wenn nichts passiert, dann geht leider alles den Bach hinunter. Dafür haben wir leider schon zu viele negative Beispiele in Österreich. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall beim Liberalen Forum.
Und die Bank, die das verkauft hat, hatte damals einen politisch eindeutig zuordenbaren Generaldirektor, der hat Androsch geheißen. Sie war mehrheitlich im Besitz der öffentlichen Hand. Also wenn noch nicht einmal dann, wenn die öffentliche Hand Mehrheitseigentümer einer Bank ist, die auch Industriebetriebe und Beteiligungen hat, wenn nicht einmal dann die Wirtschaftspolitik imstande war, anders zu agieren, obwohl sie die unmittelbaren Möglichkeiten gehabt hätte, dann ist meine Hoffnung, daß es jetzt, wo sie diese Möglichkeiten nicht mehr hat, weil das Eigentum weggegeben wurde, sehr gering, wenn nicht endlich eine Industriepolitik in europäischer Dimension beginnt. Wenn das die Lehre aus dem Fall Semperit ist – in einer langfristigen Dimension zumindest –, wäre das durchaus etwas wert. Kurzfristig allerdings ist die Bundesregierung herzlich eingeladen, sich mehr einfallen zu lassen als schöne Worte. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Demonstrativer Beifall und Bravorufe bei der ÖVP.
Abgeordneter Helmut Haigermoser (Freiheitliche): Hohes Haus! Meine Damen und Herren! Ich möchte kurz noch einige Argumente skizzieren. Fast wäre ich gehalten, eine weitere Wurmitzer-Rede zu halten. (Demonstrativer Beifall und Bravorufe bei der ÖVP.) Meine Damen und Herren, ich glaube aber, es wäre der Ehre zuviel.
Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Schieder : Die war zu heiß, die Wärmflasche!
Vielleicht auch einen Blick zurück, wie Wurmitzer es getan hat: sein Blick nach Magdalen. Meiner geht zurück in meine Kindheit, als ich das erste Mal mit Semperit Bekanntschaft machte. Es war das, als mir meine Mutter eine Wärmflasche aus diesem Werk auflegte. Schorsch Wurmitzer hätte heute wohl eher einen Eisbeutel gebraucht ob seiner hitzigen Beiträge, die noch dazu substanzlos waren, meine Damen und Herren. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Schieder : Die war zu heiß, die Wärmflasche!)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Allenthalben werden von deinen Parteifreunden, Schorsch Wurmitzer, entsprechende Resolutionen gefaßt. Es wird dagegen angekämpft, die Lanze wird aufgepflanzt – und hier im Parlament wird dann brav mit der sozialistischen Koalition mitgestimmt. Der Mut verläßt euch, wenn es um die Umsetzung positiver wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen geht. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Das Problem habt ihr aber nicht nur bei diesen neuen Belastungen, sondern auch in der Vergangenheit. Ein Beispiel ist das sogenannte Arbeitnehmerschutzgesetz. Jetzt gibt es Resolutionen, Frau Tichy-Schreder tritt mit verbaler Kraftmeierei dagegen auf. Seinerzeit, 1994, hat Stummvoll mit großen, tönenden Worten für diese Belastung in diesem Haus hier gestimmt, meine Damen und Herren. Da sind Ihnen aber die Wähler draufgekommen. Aber nicht nur die Wähler insgesamt leiden darunter, sondern insbesondere in Wimpassing und in Traiskirchen, meine Damen und Herren – in Ternitz; Entschuldigung –, leiden 2 400 Mitarbeiter unter Ihrer Wirtschaftspolitik, die den Namen Wirtschaftspolitik nicht verdient. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Tichy-Schreder: Was hat denn das damit zu tun?
Schorsch Wurmitzer! Kurz hergehört, damit wir uns der Probleme annehmen, die in diesem Land vorherrschen, was den Wirtschaftsstandort anbelangt. Was kostet denn zum Beispiel die Betriebsgründung für eine GesmbH in der Bundesrepublik? Was kostet das? – 8 350 S! (Abg. Tichy-Schreder: Was hat denn das damit zu tun?) Das hat sehr viel damit zu tun, Frau Kollegin Tichy-Schreder, denn wenn Sie 2 400 Arbeitsplätze vernichten, müssen wir neue schaffen. Darum geht es! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Schorsch Wurmitzer! Kurz hergehört, damit wir uns der Probleme annehmen, die in diesem Land vorherrschen, was den Wirtschaftsstandort anbelangt. Was kostet denn zum Beispiel die Betriebsgründung für eine GesmbH in der Bundesrepublik? Was kostet das? – 8 350 S! (Abg. Tichy-Schreder: Was hat denn das damit zu tun?) Das hat sehr viel damit zu tun, Frau Kollegin Tichy-Schreder, denn wenn Sie 2 400 Arbeitsplätze vernichten, müssen wir neue schaffen. Darum geht es! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Zwischenruf des Abg. Dr. Cap
Ihre Rahmenbedingungen schauen so aus, daß im Vergleich diese Betriebsgründung in der Bundesrepublik 8 350 S kostet, in Österreich – man höre und staune! – 118 330 S. Dieselbe Betriebsgründung! Die Wirtschaftskammergebühr zum Beispiel, die sogenannte Einverleibungsgebühr, beträgt in der Bundesrepublik null Komma Josef, und in Österreich (Zwischenruf des Abg. Dr. Cap ) – Josef Cap, hergehört! – 20 000 S. 20 000 S muß man in den Tempel Maderthaners tragen, um zu einer Betriebsgründung zu kommen, in der Bundesrepublik null Schilling. (Abg. Dr. Keppelmüller: Helmut, das ist das Service der Bundeskammer!)
Abg. Dr. Keppelmüller: Helmut, das ist das Service der Bundeskammer!
Ihre Rahmenbedingungen schauen so aus, daß im Vergleich diese Betriebsgründung in der Bundesrepublik 8 350 S kostet, in Österreich – man höre und staune! – 118 330 S. Dieselbe Betriebsgründung! Die Wirtschaftskammergebühr zum Beispiel, die sogenannte Einverleibungsgebühr, beträgt in der Bundesrepublik null Komma Josef, und in Österreich (Zwischenruf des Abg. Dr. Cap ) – Josef Cap, hergehört! – 20 000 S. 20 000 S muß man in den Tempel Maderthaners tragen, um zu einer Betriebsgründung zu kommen, in der Bundesrepublik null Schilling. (Abg. Dr. Keppelmüller: Helmut, das ist das Service der Bundeskammer!)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Das ist dem Herrn Josef Cap egal. Das ist wurscht. Was sind denn 20 000 S? Wir genehmigen uns ja eh dann neue Spesen, da haben wir es wieder herinnen! – Aber den Betriebsgründer interessiert es, ob er Eigenkapital hat, wenn er seinen Betrieb gründet. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Das mag in der vergangenen Woche beim Wirtschaftskammertag durchaus lustig geklungen haben. Es zeigt aber deutlich auf, welche Geisteshaltung Ihnen innewohnt, meine Damen und Herren! Ich möchte Ihre Tüchtigkeit nicht in Frage stellen! Aber daß Sie nebenbei auch gleich öffentlich betonen, daß Sie das richtige Parteibuch gehabt haben und deswegen in diesem Land Ihre Karrieresprünge ohnedies vorgezeichnet waren, zeigt nicht nur Ihr Sittenbild, sondern auch das des Herrn Schorsch Wurmitzer deutlich, meine Damen und Herren. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Zum Schluß kommend möchte ich sagen: Mir kommt Ihre Wirtschaftspolitik so ähnlich vor wie eine Karikatur, die jüngst im "Kurier" zu sehen war: Vranitzky steht vor der Wand und unternimmt den untauglichen Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln. – Meine Damen und Herren! Diese Wirtschaftspolitik des Pudding-an-die-Wand-Nagelns zeigen Sie bei Ihrem Verhalten betreffend das Semperit-Werk sowie bei Ihrer Steuerpolitik insgesamt. Es tut uns leid, daß Sie nicht umdenken und daß Wurmitzer immer noch meint, mit persönlichen Angriffen gegen Haider von den Versäumnissen Ihrer Politik ablenken zu können. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Präsident Dr. Brauneder übernimmt den Vorsitz.
Es ist ja wirklich arg, was der Innenminister vorhat, nämlich gerade in Anbetracht dessen, was in der gesamten Ausländerfrage los ist. Wir kennen ja alle – Sie haben das genauso gelesen wie wir – den "Pakt gegen das Elend", den rote und schwarze Bezirksvorsteher geschlossen haben, um die katastrophale Lage in den Bezirken, die besonders stark von Ausländern bevölkert sind, einigermaßen darzustellen. (Präsident Dr. Brauneder übernimmt den Vorsitz.)
Abg. Öllinger spricht an der Regierungsbank mit Bundesminister Dr. Einem.
Herr Minister, ich möchte Sie heute aufmerksam machen ... (Abg. Öllinger spricht an der Regierungsbank mit Bundesminister Dr. Einem.) Könnten Sie sich vielleicht niedersetzen und dann reden, wenn einer Ihrer Abgeordneten spricht? – Aber ich komme ohnehin noch auf die Grünen zu sprechen. (Abg. Öllinger: Der Stadler redet viel öfter dazwischen! – Abg. Mag. Stadler: Gehen Sie ins Café, wenn Sie etwas zu reden haben!)
Abg. Öllinger: Der Stadler redet viel öfter dazwischen! – Abg. Mag. Stadler: Gehen Sie ins Café, wenn Sie etwas zu reden haben!
Herr Minister, ich möchte Sie heute aufmerksam machen ... (Abg. Öllinger spricht an der Regierungsbank mit Bundesminister Dr. Einem.) Könnten Sie sich vielleicht niedersetzen und dann reden, wenn einer Ihrer Abgeordneten spricht? – Aber ich komme ohnehin noch auf die Grünen zu sprechen. (Abg. Öllinger: Der Stadler redet viel öfter dazwischen! – Abg. Mag. Stadler: Gehen Sie ins Café, wenn Sie etwas zu reden haben!)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Herr Minister! Das ist kein Problem der sanften Stadterneuerung, sondern das ist ein Problem der zu großen Massierung von Ausländern in manchen Bezirken – und in Wien ganz besonders. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Aber es ist ja typisch – und damit bin ich schon bei den Grünen –, daß Sie immer nur die anderen verdächtigen und diffamieren. Bei denen sehen Sie immer das Schlechte, das Böse, nur Sie wollen immer herumlaufen und alle belehren, was gut ist und wie das Klima sein muß. Aber wie scheinheilig das ist, haben wir ja daran gesehen, was der Herr Wabl gestern für eine Rolle gespielt hat. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Er ist derjenige, der immer wieder am Stil der anderen etwas auszusetzen hat. Er ist immer derjenige, der im Ton eines Oberlehrers hier "herumhängt" und allen anderen Rügen erteilt. Und dann reagiert er auf eine Rede des Klubobmannes der Freiheitlichen in einer derart obszönen Weise, daß es wirklich eine Schande für dieses Parlament ist. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Frau Stoisits, ich kann mich daran erinnern: Sie haben gellend geschrien, als der Herr Burgstaller Sie in einer obszönen Weise mit einem Mikrophon in Zusammenhang gebracht hat, aber ich vermisse Ihre gellenden Schreie jetzt, wo es um den Herrn Wabl geht. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Wir bitten Sie, diesem unseren Abänderungsantrag zuzustimmen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Dr. Graf: Schauen Sie sich einmal den Wabl an!
Ich möchte Sie tatsächlich berichtigen und sagen, daß ich eher wortlos protestiert habe, nämlich in der Form, daß ich in einer abweichenden Stellungnahme sein Verhalten geschildert habe – selbstverständlich kritisch. (Abg. Dr. Graf: Schauen Sie sich einmal den Wabl an!) Ich möchte der Frau Kollegin Partik-Pablé den Rat geben, daß es ihr auch ...
Abg. Scheibner: Das habt ihr gemacht! Das waren eure Bezirksvorsteher!
Abgeordneter Robert Elmecker (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Meine Damen und Herren! Die Wortmeldung der Frau Dr. Partik-Pablé hat ja bewiesen, daß die Freiheitlichen gerne diese sehr sensible Frage der Ausländergesetzgebung zum Wahlkampfthema in Wien gemacht hätten. (Abg. Scheibner: Das habt ihr gemacht! Das waren eure Bezirksvorsteher!) Sie hat von "Elendsvierteln" gesprochen. Wir haben ja diesen Wahlslogan der Freiheitlichen schon einmal gehört, Kollege Scheibner: "Wien darf nicht Chicago werden" und dergleichen mehr.
Abg. Mag. Stadler: Das stammt von der SPÖ Vorarlberg!
Es wird aber gerade von freiheitlicher Seite in konsequenter Fortsetzung der bisherigen Ausländer-raus!-Strategie die Forderung nach einer Rückführung arbeitsloser Ausländer erhoben. (Abg. Mag. Stadler: Das stammt von der SPÖ Vorarlberg!) Da möchte ich doch darauf hinweisen, daß schon heute die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes zentrales Kriterium für die Erlangung, aber auch für die Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung ist. Das ist die derzeitige Rechtslage, meine Damen und Herren.
Abg. Mag. Stadler: Aber Ihnen versprechen wir, daß wir die Rumänen-Banden herschicken!
Wir haben uns aber nicht nur in Gesetzesinitiativen zu einer ordentlichen Ausländerpolitik ... (Abg. Mag. Stadler: Aber Ihnen versprechen wir, daß wir die Rumänen-Banden herschicken!)
Abg. Mag. Stadler: Was? Ich habe nicht gesagt? Sie sind für die Rumänen-Banden? Oder wollen Sie mit denen ziehen?
Lieber Kollege Mag. Stadler! Ich möchte Ihnen nur eines in aller Ruhe sagen: Ich kenne Ihre sogenannte Beißwütigkeit in dieser Richtung (Abg. Mag. Stadler: Was? Ich habe nicht gesagt? Sie sind für die Rumänen-Banden? Oder wollen Sie mit denen ziehen?) , aber diese Sache können Sie mir nicht anhängen. Das ist Gott sei Dank bei den Gerichten geklärt worden, und da können Sie den Richtern glauben, der Justiz glauben.
Beifall bei der SPÖ.
Meine Damen und Herren! Abschließend: Wir werden daher den eingeschlagenen Weg der strengen Begrenzung der Neuzuwanderung konsequent fortsetzen und in jenen Bereichen, in denen Verbesserungen der geltenden gesetzlichen Bestimmungen notwendig geworden sind, beim Vollzug dieser Gesetze auch die Menschlichkeit im Auge behalten. – Danke schön. (Beifall bei der SPÖ.)
Abg. Dr. Graf spricht an der Regierungsbank mit Bundesminister Dr. Einem.
Zu Wort gemeldet ist nun der Herr Abgeordnete Dr. Kier. (Abg. Dr. Graf spricht an der Regierungsbank mit Bundesminister Dr. Einem.)
Abg. Mag. Kukacka: Einen Tagesordnungspunkt einmal, wo Sie nicht reden! Nur einen!
Herr Abgeordneter Dr. Kier, Sie sind jetzt am Wort. (Abg. Mag. Kukacka: Einen Tagesordnungspunkt einmal, wo Sie nicht reden! Nur einen! )
Beifall beim Liberalen Forum.
Ein Schlußsatz zur Kollegin Partik-Pablé: Wenn die Bezirksvorsteher in bestimmten Bezirken Absiedlungen fordern, dann machen sie das, was der Bürgermeister Häupl von ihnen verlangt hat. Und das ist leider das Gegenteil von dem, was aus liberaler Sicht menschlich wäre. – Danke schön. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Beifall bei der ÖVP.
Herr Minister! Außerdem ersuche ich – und das ist im Interesse der Sicherheit, der Raschheit und Sparsamkeit des Zieles –, daß künftig und mittelfristig nur ein Exekutivkörper Grenzdienst verrichten soll. – Danke schön. (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall bei SPÖ und ÖVP.
Ich möchte daher abschließend feststellen: Je schneller es uns allen zusammen gelingen wird, an den EU-Außengrenzen den Schengener Standard zu erreichen, desto rascher werden wir der Bevölkerung bei der Bewältigung der Grenzen auch die erforderliche Reisefreiheit gewähren können. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)
Abg. Elmecker: Das war schon im Koalitionsabkommen enthalten!
Ich weiß, daß es in Ihrer Fraktion sehr großen Unmut, vor allem bei den Wiener Abgeordneten, gibt, daß Einem Ihnen dieses nette Präsentchen ins Nest gelegt hat. (Abg. Elmecker: Das war schon im Koalitionsabkommen enthalten!) Jetzt kommt er vor den Wiener Wahlen mit einem Integrationspaket daher, gemäß dem 100 000 bis 150 000 Ausländer zusätzlich über den Weg der Familienzusammenführung gerade in die Problemgebiete, vor allem in Wien, zuwandern können. – Das haben Sie sich selbst zuzuschreiben! Sie brauchen nicht wieder die Freiheitlichen beschuldigen, daß sie das jetzt aufs Tapet gebracht haben! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Ich weiß, daß es in Ihrer Fraktion sehr großen Unmut, vor allem bei den Wiener Abgeordneten, gibt, daß Einem Ihnen dieses nette Präsentchen ins Nest gelegt hat. (Abg. Elmecker: Das war schon im Koalitionsabkommen enthalten!) Jetzt kommt er vor den Wiener Wahlen mit einem Integrationspaket daher, gemäß dem 100 000 bis 150 000 Ausländer zusätzlich über den Weg der Familienzusammenführung gerade in die Problemgebiete, vor allem in Wien, zuwandern können. – Das haben Sie sich selbst zuzuschreiben! Sie brauchen nicht wieder die Freiheitlichen beschuldigen, daß sie das jetzt aufs Tapet gebracht haben! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Elmecker: Er hat das Hirn eines Dackels. – Zwischenruf des Abg. Mag. Stadler.
Und ich möchte Ihnen auch nicht noch einmal die Geschichte mit den Bezirksvorstehern zitieren, mit denen Sie schon Frau Kollegin Partik-Pablé konfrontiert hat. Das ist ja das allerbeste, Kollege Elmecker: Sie stellen sich hier als Nichtwiener her und sagen: Das ist eine Polemik der Freiheitlichen! – Ihre Bezirksvorsteher in Wien machen jedoch Propaganda mit Überschriften, daß die Ausländer umgesiedelt werden sollen! Es war Ihre Gewerkschaft, Herr Kollege Elmecker, die schon im Jahr 1993, als uns nicht eingefallen wäre, solche Forderungen zu stellen, einen Gastarbeiterabbau verlangt hat. Herr Kollege Elmecker! 1993 war es der Gewerkschaft vorbehalten, einen Gastarbeiterabbau zu verlangen! Damals haben wir immer nur gesagt: Die Probleme mit den Illegalen und Kriminellen sollen gelöst werden, vor allem die Neuzuwanderung soll gestoppt werden. Lassen Sie also die Kirche im Dorf, Herr Kollege! Sie haben hier allerhand zu klären! (Abg. Elmecker: Er hat das Hirn eines Dackels. – Zwischenruf des Abg. Mag. Stadler. )
Zwischenrufe bei der SPÖ. – Rufe und Gegenrufe zwischen den Freiheitlichen und den Grünen. – Zwischenruf des Abg. Öllinger.
Herr Kollege Einem, noch zum Schluß, weil Sie hier auch immer alles verharmlosen ... (Zwischenrufe bei der SPÖ. – Rufe und Gegenrufe zwischen den Freiheitlichen und den Grünen. – Zwischenruf des Abg. Öllinger. ) Sie sollten sich besser mit Ihren Freunden im "Kirchweger-Haus" treffen! Dort werden Sie Übereinstimmung finden! Dort ist alles wunderbar! Aber hier, bei der Vertretung der betroffenen Bevölkerung in Wien, sind Sie sicherlich falsch positioniert, Herr Kollege von den Grünen. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenruf des Abg. Wabl. )
Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenruf des Abg. Wabl.
Herr Kollege Einem, noch zum Schluß, weil Sie hier auch immer alles verharmlosen ... (Zwischenrufe bei der SPÖ. – Rufe und Gegenrufe zwischen den Freiheitlichen und den Grünen. – Zwischenruf des Abg. Öllinger. ) Sie sollten sich besser mit Ihren Freunden im "Kirchweger-Haus" treffen! Dort werden Sie Übereinstimmung finden! Dort ist alles wunderbar! Aber hier, bei der Vertretung der betroffenen Bevölkerung in Wien, sind Sie sicherlich falsch positioniert, Herr Kollege von den Grünen. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenruf des Abg. Wabl. )
Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Öllinger: Sie werden das schon schaffen!
Herr Bundesminister! Jedenfalls geht es jetzt nur um eine kleine Reform. Aber wir werden sehr genau aufpassen, und bei der von Ihnen so propagierten großen Reform, wenn es darum geht, diese Famillienzusammenführung zu verhindern, werden Sie uns wieder als Anwalt der Bürger finden. Wir werden nicht zulassen, daß gerade in die Problembereiche, vor allem der Großstädte, wo wir schon jetzt nicht mehr wissen, wie wir die Schulproblematik und die Wohnproblematik bewältigen sollen, über die Hintertür weitere 100 000 bis 150 000 Zuwanderer kommen. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Öllinger: Sie werden das schon schaffen!)
Beifall bei der ÖVP.
Die absolute Reisefreiheit innerhalb der Binnengrenzen garantiert das sogenannte Schengener Abkommen, dem Österreich, nachdem es die Voraussetzungen im nächsten Jahr erfüllt haben wird, auch beitreten soll. Abs. 1 in diesem Schengener Abkommen, meine Damen und Herren, lautet: "Die Binnengrenzen dürfen an jeder Stelle ohne Personenkontrolle überschritten werden." Das bedeutet natürlich für die Teilnehmerländer, daß die Außengrenzen optimal abgesichert werden müssen und Kontrollen im Inneren entsprechend durchgeführt werden müssen. Unser Fraktionsobmann Dr. Khol hat in diesem Zusammenhang bereits im Frühjahr das Schlagwort geprägt: Wenn der Verbrecher mit dem Porsche fährt, dann kann die Exekutive nicht mit dem VW Käfer hinten nachfahren. (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall bei der ÖVP.
Abschließend, meine Damen und Herren, danke ich dem Bundesheer und den Soldaten, die in hervorragender Art und Weise den Grenzschutz in einem Assistenzeinsatz im Burgenland und jetzt auch in Niederösterreich gewährleisten, bis die Voraussetzungen geschaffen werden, daß andere Exekutivorgane an ihre Stelle treten können. – Die Österreichische Volkspartei wird diesem Grenzkontrollgesetz, an dem sie wesentlich mitgearbeitet hat, welches auch ihre Handschrift trägt, natürlich zustimmen. (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall beim Liberalen Forum.
Sehr geehrter Herr Minister! Ich glaube, es wäre nicht zu früh, diese Bestimmung in das österreichische Fremdengesetz aufzunehmen. Es kann nie zu früh sein, wenn es um menschliche Schicksale geht. Ich glaube vielmehr, es ist höchste Zeit, diesen menschenrechtsverletztenden Zuständen entgegenzutreten. (Beifall beim Liberalen Forum.)
Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenrufe bei der SPÖ. – Rufe und Gegenrufe zwischen der SPÖ und den Freiheitlichen. – Abg. Mag. Stadler: Es ist ungehörig, was Sie von der SPÖ aufführen! – Rufe bei der SPÖ: Ungehörig bist du!
Denn in der ursprünglichen Fassung hat es geheißen, daß die uniformierte Zollwache komplett in den Grenzdienst der Bundesgendarmerie übernommen wird und nicht teilweise. In diesem Punkt hätten Sie diesen Akt schon erledigt gehabt, und es würde heute nicht mehr zu Differenzen zwischen dem Grenzdienst der Bundesgendarmerie und der Zollwache kommen. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenrufe bei der SPÖ. – Rufe und Gegenrufe zwischen der SPÖ und den Freiheitlichen. – Abg. Mag. Stadler: Es ist ungehörig, was Sie von der SPÖ aufführen! – Rufe bei der SPÖ: Ungehörig bist du!)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Diesbezüglich wurde auch ein Antrag vom Herrn Abgeordneten Platter eingebracht, der sinngemäß das gleiche beinhaltet; diesem Antrag werden wir zustimmen. – Ich ersuche Sie deshalb auch, unserem Antrag die Zustimmung zu geben. – Danke. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Und deshalb mein Appell an die Familienpolitiker der beiden Regierungsparteien, dafür zu sorgen, daß das in Zukunft wieder einmal anders wird. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei der ÖVP.
In diesem Falle sind also die Doppelrepetenten aus dem herausgefallen, was durch die marginale Zahl bereits in den Budgetverhandlungen deutlich angesprochen worden war. Es wurden wesentlich größere Zahlen angegeben, aber die Zahlen aus dem Schuljahr 1995/96 waren eher niedrig. 40 000 Familien wären anzuschreiben gewesen, 40 000 Familien wären verunsichert worden – aber es ist das zu einem guten Ende gebracht worden, indem sie eben herausgefallen sind. (Beifall bei der ÖVP.) Das ist also wunderbar gelungen.
Abg. Dkfm. Holger Bauer: Große Sonntagsreden halten draußen!
Des weiteren wird endlich auch offenes, modernes Lernen möglich. Es kommen jetzt nämlich auch andere Unterrichtsmittel, andere Lernbehelfe, automatisationsunterstützte Datenträger, wie CD-Rom und Disketten, zum Einsatz. Es ist dies zwar noch nicht in der Größenordnung möglich, wie ich sie mir für Lehrer wünschen würde – engagierte Lehrer brauchen verstärkt diese Unterrichtsmittel; derzeit beträgt ihr Anteil nur 5 Prozent –, aber vielleicht wird dann für das nächste Schuljahr mehr möglich sein. (Abg. Dkfm. Holger Bauer: Große Sonntagsreden halten draußen!) Wir in Österreich sind stolz auf diese Schulbuchaktion, aber ohne Wiederverwendung der Schulbücher ist sie in Zeiten des Sparens wohl nicht mehr denkbar. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)
Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.
Des weiteren wird endlich auch offenes, modernes Lernen möglich. Es kommen jetzt nämlich auch andere Unterrichtsmittel, andere Lernbehelfe, automatisationsunterstützte Datenträger, wie CD-Rom und Disketten, zum Einsatz. Es ist dies zwar noch nicht in der Größenordnung möglich, wie ich sie mir für Lehrer wünschen würde – engagierte Lehrer brauchen verstärkt diese Unterrichtsmittel; derzeit beträgt ihr Anteil nur 5 Prozent –, aber vielleicht wird dann für das nächste Schuljahr mehr möglich sein. (Abg. Dkfm. Holger Bauer: Große Sonntagsreden halten draußen!) Wir in Österreich sind stolz auf diese Schulbuchaktion, aber ohne Wiederverwendung der Schulbücher ist sie in Zeiten des Sparens wohl nicht mehr denkbar. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)
Beifall bei der ÖVP.
Einen großen Erfolg hat der Familienminister erzielt, indem er nun Verträge mit Verkehrsträgern, mit Verkehrsverbünden abschließen kann, indem er Tarife ausverhandeln kann. Das alles war nicht ursprüngliche Kompetenz des Familienministers. Der Erfolg hat sich bereits darin niedergeschlagen, daß Studenten Zeitkarten zu Preisen bekommen, die bereits 30 bis 40 Prozent unter denen der Verbundtarife liegen. Die Verkehrsverbünde können nicht länger so arrogant sein und eine so große Fahrgastgruppe ausschließen. (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall bei ÖVP und SPÖ.
Die Geburtenbeihilfe wurde aber gestrichen, ein entsprechendes Anreizsystem fehlt. Wir wissen aus deutschen Studien, daß nur mehr 40 bis 60 Prozent aller vorgesehenen Untersuchungen in Anspruch genommen werden. Hier müssen wir weiterdenken, hier muß ein Evaluieren, ein Umstrukturieren stattfinden, und wir müssen auch die zehn weiteren Untersuchungen des Obersten Sanitätsrats einfließen lassen, um für unsere Kinder die bestmögliche Versorgung anzubieten. Letztendlich wäre es schön, wenn aus diesem Mutter-Kind-Paß einmal ein allgemeiner Gesundheitspaß für unsere Jugend werden könnte. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)
Abg. Dr. Feurstein: Das stimmt alles!
Abgeordnete Klara Motter (Liberales Forum): Herr Präsident! Herr Minister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Frau Ministerin a. D.! Glauben Sie wirklich alles, was Sie uns jetzt versucht haben weiszumachen? Glauben Sie, daß wir Ihnen das abnehmen? Glauben Sie wirklich, daß das, was Sie jetzt von sich gegeben haben, den Tatsachen entspricht? (Abg. Dr. Feurstein: Das stimmt alles!)
Beifall beim Liberalen Forum und bei den Grünen.
Ein Fehlverhalten in den Strukturgesetzen, das wir schon lange erkannt haben – schon damals erkannt und auch hier angeprangert haben –, jetzt als großen Erfolg zu feiern, das spottet jeder Beschreibung! (Beifall beim Liberalen Forum und bei den Grünen.)
Beifall beim Liberalen Forum und bei den Grünen.
Meine Damen und Herren! Wir stimmen heute unter anderem auch über eine Gesetzesvorlage ab, die rückwirkend mit 1. Juli 1996 in Kraft tritt. Herr Minister, ich habe meinen Unmut bereits im Ausschuß kundgetan, und ich sage Ihnen auch heute: Ich bin mit Ihrer Antwort in keinster Weise zufrieden! Wie Sie über Abgeordnete drüberfahren, wie Sie als Regierungsmitglied uns vormachen wollen, was wir zu tun haben, das ist ebenso ein Fehlverhalten – und ich werde Ihnen das immer wieder vorhalten, merken Sie sich das! (Beifall beim Liberalen Forum und bei den Grünen.)
Beifall beim Liberalen Forum und bei den Grünen.
Und weil in diesem Zusammenhang auch der Familienlastenausgleich nach neuen Grundsätzen zu überarbeiten wäre, halten wir es auch nicht für sinnvoll, auch zweifellos kleinen Verbesserungen, die durch Versäumnisse in der Strukturreform heute neu beschlossen werden, unsere Zustimmung zu geben. (Beifall beim Liberalen Forum und bei den Grünen.)
Beifall bei der SPÖ.
Abgeordnete Dr. Ilse Mertel (SPÖ): Herr Präsident! Hohes Haus! Frau Abgeordnete Haller, ich stimme mit Ihnen überein, wenn Sie sagen, daß die Wertigkeit der Familie wohl nicht sehr hoch sein kann, wenn entsprechende Themen immer in der Nacht abgehandelt werden. Da stimme ich Ihnen zu! Ich glaube aber, daß der Familie diese Wertigkeit nicht mit Absicht zugeordnet wird. Denn wir können ja bei der Erstellung der Tagesordnung nicht voraussehen, wie viele dringliche Anfragen Ihre Partei einbringen wird. (Beifall bei der SPÖ.)
Beifall bei der SPÖ. – Zwischenruf der Abg. Haller .
Aber ich schließe mich Ihrem Vorschlag an, uns künftig zu bemühen, daß das Kapitel Familie immer vor den dringlichen Anfragen der Freiheitlichen abgehandelt wird. (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenruf der Abg. Haller .)
Abg. Schaffenrath: 5 Prozent!
Ich räume ein und gebe zu, daß die ... (Abg. Schaffenrath: 5 Prozent!) Das ist immerhin etwas! Und das Jahr darauf werden es dann 10 Prozent sein!
Beifall des Abg. Grabner .
Auch unter dem Aspekt der Transparenz und der Kostenwahrheit ist der Wegfall der Sozialtarifabgeltung an die ÖBB zu betrachten. Wichtig ist, daß eine Verbilligung der Schülertarife erreicht wird. Wichtig ist aber auch eine Entlastung des Familienlastenausgleichsfonds und des Bundesbudgets. Als Kärntnerin begrüße ich daher, Herr Minister, die Einigung mit den Verkehrsbetrieben in Villach und Klagenfurt. Zwar hat die Presse in Kärnten von einer Notlösung geschrieben, ich begrüße die Lösung aber dennoch und hoffe, daß wir bald eine Einigung mit den Wiener Neustädter Verkehrsunternehmen erreichen werden. (Beifall des Abg. Grabner .)
Zwischenruf des Abg. Dr. Niederwieser .
Eine Anmerkung möchte ich allerdings auch machen: In Österreich ist die Zahl der Repetenten ziemlich hoch, sie liegt, glaube ich, bei 45 000 im Jahr. Man muß bedenken, daß das auch mit innerfamiliären Konflikten verbunden ist. Solche Konflikte können – wie man in Pressemeldungen der letzten Tage verfolgen konnte – auch zu tragischen Vorfällen führen; abgesehen von dem Aufwand für Nachhilfestunden, der mit der horrenden Summe von 1,4 Milliarden Schilling im Jahr beziffert wird. Ich glaube, auf diesem Gebiet sind die Bildungspolitiker, Herr Kollege Niederwieser, aber auch die Familienpolitiker besonders gefordert. (Zwischenruf des Abg. Dr. Niederwieser .) Danke, Herr Kollege!
Abg. Schaffenrath: Das ist ein Schrittchen !
Im Sinne der Ausweitung der Schulautonomie bekommen Schulen also insgesamt mehr Freiraum bei der Ausweitung der Unterrichtsmittel. Das ist, glaube ich, als erster Schritt durchaus begrüßenswert. (Abg. Schaffenrath: Das ist ein Schrittchen !) Wir wissen, daß wir mit Schrittchen angefangen haben, denn je höher die Stöckelschuhe sind, desto schwieriger sind Riesenschritte. Ich möchte daher betonen, Herr Familienminister, daß für die SPÖ-Familienpolitikerinnen die bestehende Schulbuchaktion eine wichtige bildungs- und familienpolitische Maßnahme darstellt. – Meine Kollegin stört den Herrn Minister. Vielleicht sagt sie es ihm gerade. (Ruf bei der ÖVP: Die Kollegin schwätzt!) Sie schwätzen. Solange sie nicht schäkert, ist alles in Ordnung!
Ruf bei der ÖVP: Die Kollegin schwätzt!
Im Sinne der Ausweitung der Schulautonomie bekommen Schulen also insgesamt mehr Freiraum bei der Ausweitung der Unterrichtsmittel. Das ist, glaube ich, als erster Schritt durchaus begrüßenswert. (Abg. Schaffenrath: Das ist ein Schrittchen !) Wir wissen, daß wir mit Schrittchen angefangen haben, denn je höher die Stöckelschuhe sind, desto schwieriger sind Riesenschritte. Ich möchte daher betonen, Herr Familienminister, daß für die SPÖ-Familienpolitikerinnen die bestehende Schulbuchaktion eine wichtige bildungs- und familienpolitische Maßnahme darstellt. – Meine Kollegin stört den Herrn Minister. Vielleicht sagt sie es ihm gerade. (Ruf bei der ÖVP: Die Kollegin schwätzt!) Sie schwätzen. Solange sie nicht schäkert, ist alles in Ordnung!
Abg. Mag. Stoisits: Mein Kollege möchte schon reden!
Ich möchte im Zusammenhang mit den Schulbüchern auch auf die Kostenentwicklung hinweisen, weil immer wieder gesagt wird, daß das Teuerste an der Familienpolitik die Schulbücher seien. Die Kostenentwicklung liegt ... (Abg. Mag. Stoisits: Mein Kollege möchte schon reden!) Worum geht es Ihnen eigentlich? (Abg. Mag. Stoisits: Kollege Öllinger möchte auch reden!) Möchte er schon reden? (Abg. Mag. Stoisits: Sie reizen ihn wegen der Länge Ihrer Rede!) – Ich bin gleich fertig.
Abg. Mag. Stoisits: Kollege Öllinger möchte auch reden!
Ich möchte im Zusammenhang mit den Schulbüchern auch auf die Kostenentwicklung hinweisen, weil immer wieder gesagt wird, daß das Teuerste an der Familienpolitik die Schulbücher seien. Die Kostenentwicklung liegt ... (Abg. Mag. Stoisits: Mein Kollege möchte schon reden!) Worum geht es Ihnen eigentlich? (Abg. Mag. Stoisits: Kollege Öllinger möchte auch reden!) Möchte er schon reden? (Abg. Mag. Stoisits: Sie reizen ihn wegen der Länge Ihrer Rede!) – Ich bin gleich fertig.
Abg. Mag. Stoisits: Sie reizen ihn wegen der Länge Ihrer Rede!
Ich möchte im Zusammenhang mit den Schulbüchern auch auf die Kostenentwicklung hinweisen, weil immer wieder gesagt wird, daß das Teuerste an der Familienpolitik die Schulbücher seien. Die Kostenentwicklung liegt ... (Abg. Mag. Stoisits: Mein Kollege möchte schon reden!) Worum geht es Ihnen eigentlich? (Abg. Mag. Stoisits: Kollege Öllinger möchte auch reden!) Möchte er schon reden? (Abg. Mag. Stoisits: Sie reizen ihn wegen der Länge Ihrer Rede!) – Ich bin gleich fertig.
Beifall bei der SPÖ.
Herr Bundesminister! Für die SPÖ und vor allem für die SPÖ-Frauen ist es ein dringendes Anliegen, daß die Vereinbarkeit von Familie und Beruf endlich realisiert wird. Das heißt, es muß eine ausreichende Anzahl von Kinderbetreuungseinrichtungen im ganzen Bundesgebiet mit bedarfsgerechten ganzjährigen und ganztägigen Öffnungszeiten zu sozialen Tarifen mit qualifiziertem, fachlich ausgebildetem Personal, das sozial und arbeitsrechtlich abgesichert ist, geschaffen werden. (Beifall bei der SPÖ.)
Abg. Dr. Niederwieser: Stoisits hat gesagt: Kurz reden!
Präsident MMag. Dr. Willi Brauneder: Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Öllinger. – Bitte, Herr Abgeordneter. (Abg. Dr. Niederwieser: Stoisits hat gesagt: Kurz reden!)
Beifall der Abg. Dr. Mertel .
Abgeordneter Karl Öllinger (Grüne): Einen schönen guten Morgen, meine Damen und Herren! Vielleicht könnten wir irgendwann einmal, wenn wir wieder über das Kapitel Familienpolitik verhandeln, auch über familienfreundliche Zeiten hier im Parlament sprechen. Es wäre zumindest eine Anregung wert, daß wir in diesem Punkt einen Schritt weiterkommen. (Beifall der Abg. Dr. Mertel .)
Beifall bei den Grünen. – Abg. Dr. Mertel: Warum ist das peinlich?
Die Schulbuchaktion, die uns die ehemalige Familienministerin Moser als eine der Perlen in ihrer langen Aneinanderreihung von tollen Perlen und Erfolgen im Sinne der ÖVP-Familienpolitik präsentiert hat, ist leider, Frau Kollegin Moser, nicht so gelungen, wie Sie das dargestellt haben. Sie selbst haben immer wieder davon gesprochen, daß es keinen Selbstbehalt geben wird. Wir haben den Selbstbehalt jedoch nach wie vor. Und das ist ein großes Problem! Man soll nicht etwas versprechen, wenn man es nicht halten kann, Frau Kollegin Moser! – Das ist das einzige, was ich zum Thema Schulbuchaktion, zu dieser leidigen Sache, sagen will. Und Sie sind noch sehr stolz darauf, daß 5 Prozent der Mittel für CD-ROM, audiovisuelle Medien und ähnliches mehr verwendet werden dürfen! Es ist sehr peinlich, daß Sie das so anpreisen, da wir in dieser Sache doch eigentlich wenig weitergekommen sind. (Beifall bei den Grünen. – Abg. Dr. Mertel: Warum ist das peinlich?) Das wollte ich dazu sagen.
Beifall bei den Grünen.
Absolut letzter Punkt: Der Antrag betreffend die Studierenden, den Abgeordneter Rosenstingl gestellt hat, betrifft ein wirklich grundsätzliches und richtiges Anliegen. Wir sind der Meinung, daß es nicht angehen kann, daß dieser Antrag des Abgeordneten Rosenstingl so niedergestimmt wird, wie das bereits im Ausschuß geschehen ist. Ich halte es in Zeiten, in denen Studierende gezwungen sind, ihr Einkommen aus anderen Quellen zu lukrieren, nachdem die Sozialeinkommen gekürzt worden sind, für wichtig und notwendig, auch über das Anliegen des Abgeordneten Rosenstingl nachzudenken und dieses zu unterstützen, daß nämlich der Anteil von Freibeträgen erhöht werden darf, wenn man Familienbeihilfe bezieht. – Das war alles, was ich dazu zu sagen habe. Ich wünsche Ihnen noch einen guten Morgen! (Beifall bei den Grünen.)
Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.
Meine Damen und Herren! Wenn Sie fragen, was die "familienpolitischere" Leistung ist, das Wochengeld auf der einen Seite oder die Subventionierung von Verkehrsunternehmen, insbesondere der Österreichischen Bundesbahnen über den § 39c, auf der anderen Seite, dann kann ich sagen: Ich glaube, es kann kein Zweifel daran bestehen, daß es zielführend ist, in Richtung einer höheren und stärkeren Finanzierung des Wochengeldes zu gehen und dafür auf der anderen Seite sehr wichtige Fortschritte bei der Entlastung des FLAF aus dem Titel Schülerfreifahrt zu erreichen. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.) Denn das sind Fortschritte, die über Jahre nicht erreicht werden konnten. Frau Abgeordnete Moser hat schon davon gesprochen, daß die einmalige Inanspruchnahme des FLAF aus dem Titel des § 39c bereits aus dem Jahr 1988 datiert.
Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.
Frau Kollegin Haller! Ich sage Ihnen aber, daß wir – damit meine ich unter anderen Frau Ministerin Gehrer und mich – sehr wohl weiter reichende Reformen im Bereich der Schulbuchaktion vor Augen haben. Wenn es zu mehr Wettbewerb, zu einer höheren Wiederverwendungsrate von Schulbüchern und damit auch zu mehr Sparsamkeit kommt, so soll uns das nur mehr als recht sein! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)
Beifall bei ÖVP und SPÖ.
Meine Damen und Herren! So gesehen ist das – ich wiederhole mich zu dieser frühen Stunde –ein herzeigbares familienpolitisches Paket, auch deswegen, Frau Kollegin Haller, weil es finanzierbar ist. Es ist sehr schön, wenn Sie meinen, daß das eine oder andere auch für alle Mütter finanziert werden sollte und die Freibeträge für Studierende bezüglich ihrer Tätigkeit auf 6 000 S angehoben werden sollten. All das ist sehr schön, aber nicht finanzierbar und nicht verantwortbar. Die Verantwortung liegt bei den Regierungsfraktionen und bei der Regierung, und daher war so vorzugehen. – Ich danke, Herr Präsident. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)
Präsident Dr. Fischer übernimmt den Vorsitz.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Lassen Sie mich zum Stichwort Doppelrepetenten etwas sagen. Wir haben mit Kollegin Moser sehr gelitten, als sie noch Ministerin war und wirklich darum gekämpft hat, für die Doppelrepetenten die Familienbeihilfe zu erhalten. Während davon nur relativ wenige Schüler betroffen sind – das hat sie immer richtig behauptet; im Schuljahr 1995/96 waren es 1 453 Kinder –, war es eigentlich immer unbestritten, daß auch 11 205 Lehrlinge in diesen Genuß kommen. Davon ist bislang nicht gesprochen worden. Darüber sollte man sich auch freuen. Die Schätzungen des Finanzministers, daß es 10 000 Doppelrepetenten gibt, haben sich natürlich als falsch herausgestellt. – Ich glaube, es ist sehr wichtig, daß wir diese Regelung haben. (Präsident Dr. Fischer übernimmt den Vorsitz.)
Beifall bei der ÖVP.
Ich glaube, dieses Thema wird uns noch lange beschäftigen, weil es bezüglich der Beschäftigung der Tagesmütter viele Fragen und viele Vor- und Nachteile gibt. Ich spreche mich nicht dagegen aus. Ich glaube, wir sollten darin eine neue Möglichkeit der Kinderbetreuung sehen, die Kinder und Frauen dringend brauchen. Und diese Lösung ist mindestens um die Hälfte billiger, denn angestellte Tagesmütter kosten nach den Berechnungen des Niederösterreichischen Hilfswerkes in etwa 6 000 S, wobei der Betrag immer davon abhängt, wie viele Kinder sie betreuen, während eine staatliche Einrichtung wie ein Kindergarten immerhin 11 000 bis 15 000 S kostet. Eine flexiblere und eine humanere Form der Kinderbetreuung erfolgt meiner Meinung nach durch Tagesmütter. (Beifall bei der ÖVP.)
Beifall bei der ÖVP.
Ich habe nur eine Bitte: Verhindern wir nicht mit Reglements bereits wieder von vornherein eine gewisse Flexibilisierung, die die Mütter beziehungsweise die Kinder dringend brauchen, weil die Lebensschicksale der einzelnen Familien eben verschieden sind. – In diesem Sinne freue ich mich über die Beschlußfassung betreffend die heute vorliegenden Punkte. Es ist in diesem Zusammenhang vieles gelungen! Herr Bundesminister! Ich wünsche mir weiterhin ein solch aktives Engagement im Sinne der Familien! (Beifall bei der ÖVP.)
Abg. Dr. Niederwieser: Das stimmt nicht!
Ist die pekuniäre Anerkennung eines Studiums über Kinder- oder Familienbeihilfen eine an sich fragwürdige und eine den Status letztlich abqualifizierende Form, so bedeutet der unerwartete und rückwirkend wirksame Entzug mit der Semestererfolgsklausel einen brutalen Schnitt. Die durchschnittliche Studienzeit beträgt derzeit mehr als 14 Semester und liegt um mehr als fünf Semester über den theoretischen Mindestzeiten. (Abg. Dr. Niederwieser: Das stimmt nicht!)
Abg. Dr. Niederwieser: Acht Semester!
Herr Kollege, bei einzelnen Studienrichtungen sind es, wie Sie wissen, sieben und acht Semester mehr. Und wenn Sie so lachen: Hier herinnen sitzen mehr als 60 Akademiker; keiner von Ihnen ist mit der Mindeststudiendauer ausgekommen. Andernfalls lade ich Sie gerne zur tatsächlichen Berichtigung ein, Herr Kollege Niederwieser. (Abg. Dr. Niederwieser: Acht Semester!)
Abg. Dr. Mertel: Zu welchem Punkt der Tagesordnung sprechen Sie, Herr Kollege?
Die Menge des Unterrichtsraumes hingegen hat sich in diesem Zeitraum pro Student fast halbiert. Es sind keine leeren Worte der Rektoren Otruba, März, Skalicky & Co, wenn sie von Aufnahmesperre, eingeschränktem Betrieb und neuerlichen Streiks reden. Und während die ehrenwerten sozialistischen Bildungspolitiker den freien Zugang zu den Hohen Schulen lauthals verkünden, führen sie den Numerus clausus subtilis ein. (Abg. Dr. Mertel: Zu welchem Punkt der Tagesordnung sprechen Sie, Herr Kollege?)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Dieser Antrag wurde im Ausschuß – wie erwartet – abgelehnt, ich bitte Sie aber trotzdem im Namen der akademischen Jugend, im Namen jener, die mit diesem Überfall nicht rechnen konnten, ihm hier zuzustimmen. – Danke (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei der SPÖ.
Eine Bemerkung zur Frau Kollegin Bauer, die meinte, daß viele Schulbücher zum Schulschluß verbrannt werden. Meiner Meinung nach muß man unterscheiden zwischen Sachbüchern und den Büchern, die man weiter verwendet. Ich bin schon etwas länger aus der Schule, habe aber noch immer meinen Atlas, auch wenn er keine Gültigkeit mehr hat, und ich habe auch noch andere Bücher. Ich meine, man kann nicht in der Form pauschalieren, daß alle Bücher, die die Kinder bekommen, am Schulende dann verbrannt werden. (Beifall bei der SPÖ.) – Das zum einen.
Widerspruch bei SPÖ und ÖVP.
Abgeordneter Franz Koller (Freiheitliche): Hohes Haus! Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wer sich mit Familienpolitik beschäftigt, gilt als konservativ und rückständig. (Widerspruch bei SPÖ und ÖVP.) Der Beweis dafür ist, daß der Familienblock ans Ende der Tagesordnung gesetzt wurde. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Abgeordneter Franz Koller (Freiheitliche): Hohes Haus! Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wer sich mit Familienpolitik beschäftigt, gilt als konservativ und rückständig. (Widerspruch bei SPÖ und ÖVP.) Der Beweis dafür ist, daß der Familienblock ans Ende der Tagesordnung gesetzt wurde. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen. – Heiterkeit bei der SPÖ.
Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Eine gesunde Familienpolitik muß Rahmenbedingungen schaffen, die das Leben in der Familie fördern und unterstützen. Aber auch die Ehe muß wieder gesellschaftsfähig und lebenswert gemacht werden. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Heiterkeit bei der SPÖ.) Es stimmt mich bedenklich, daß 38 Prozent der Ehen geschieden werden. Das derzeitige System ist familienfeindlich und unterminiert die Ehe. Wir dürfen nicht ein Land von Alleinerziehenden werden.
Beifall bei den Freiheitlichen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der FLAF darf nicht in erster Linie der Sicherstellung der Finanzierbarkeit der Familienleistungen dienen. Hunderttausend Familien leben in Österreich unter der Armutsgrenze, wobei Mehrkinderfamilien besonders betroffen sind. Am Dienstag beschlossen Sie – SPÖ und ÖVP – Politikerbezüge, die von der Bevölkerung überhaupt nicht verstanden werden. Aber den Familien wird tief in die Taschen gegriffen! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Wir brauchen eine Bewußtseinsbildung in unserer Gesellschaft, wonach Ehe und Familie wieder den Stellenwert erhalten, der ihnen zusteht. Die Familie ist und bleibt die wichtigste Gemeinschaft. Die Prägung des Menschen fürs ganze Leben erfolgt im Elternhaus. Wir alle sind gefordert! – Danke. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Lebhafte Heiterkeit bei der SPÖ. – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.
Abgeordnete Elfriede Madl (Freiheitliche): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Hohes Haus! Ich wollte mich eigentlich nicht mehr melden, das heißt, ich wollte mich von der Rednerliste streichen lassen, aber bei der Wortmeldung der Frau Abgeordneten Moser, die über die "wunderbaren" Verhandlungen des Familienministers, bei der zukünftigen Tarifgestaltung der Verkehrsbetriebe gesprochen hat, habe ich begonnen, es mir anders zu überlegen. Die "Kostenwahrheit" der Frau Dr. Mertel hat mir dann schon fast sauer aufgestoßen. Aber die Wortmeldung des Herrn Bundesministers hat dem Faß den Boden durchgeschlagen, und dann konnte ich mich eigentlich nicht mehr beherrschen. (Lebhafte Heiterkeit bei der SPÖ. – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.)
Abg. Dr. Keppelmüller: Wie meinen Sie das? Ackerl mein Landesrat?
In diesem Brief heißt es: Auswirkungen auf die Verkehrsunternehmen und Länder. Landesrat Ackerl – ist Ihnen bekannt, ist ja Ihr Landesrat, den müssen Sie kennen ... (Abg. Dr. Keppelmüller: Wie meinen Sie das? Ackerl mein Landesrat?) – stellen Sie sich vor, Herr Abgeordneter, der schreibt einen Brief an den Minister, und den wollen Sie nicht einmal hören! (Abg. Dr. Keppelmüller: Ich versteh’ Sie so schlecht!) Ich werde es dem Landesrat erzählen, wie Sie sich hier im Parlament aufführen, wenn ein Brief von Ihrem Landesrat vorgelesen wird. Das ist die sozialdemokratische Solidarität, die Sie hier in diesem Hohes Haus ununterbrochen predigen! (Abg. Dr. Keppelmüller: Der Stadler redet uns pausenlos drein!) Ich weiß, daß Sie unbedingt reden wollen. Ich habe so viel Redezeit, wir können noch eine Stunde reden. (Abg. Dr. Keppelmüller: Ich versteh’ Sie so schwer!) Herr Kollege, eine ganze Stunde noch! (Beifall bei den Freiheitlichen. – Weitere Zwischenrufe des Abg. Dr. Keppelmüller. – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.) Sie können Ihrem Namen gemäß keppeln, wie Sie wollen. Mich halten Sie nicht davon ab, diesen Brief zu verlesen.
Abg. Dr. Keppelmüller: Ich versteh’ Sie so schlecht!
In diesem Brief heißt es: Auswirkungen auf die Verkehrsunternehmen und Länder. Landesrat Ackerl – ist Ihnen bekannt, ist ja Ihr Landesrat, den müssen Sie kennen ... (Abg. Dr. Keppelmüller: Wie meinen Sie das? Ackerl mein Landesrat?) – stellen Sie sich vor, Herr Abgeordneter, der schreibt einen Brief an den Minister, und den wollen Sie nicht einmal hören! (Abg. Dr. Keppelmüller: Ich versteh’ Sie so schlecht!) Ich werde es dem Landesrat erzählen, wie Sie sich hier im Parlament aufführen, wenn ein Brief von Ihrem Landesrat vorgelesen wird. Das ist die sozialdemokratische Solidarität, die Sie hier in diesem Hohes Haus ununterbrochen predigen! (Abg. Dr. Keppelmüller: Der Stadler redet uns pausenlos drein!) Ich weiß, daß Sie unbedingt reden wollen. Ich habe so viel Redezeit, wir können noch eine Stunde reden. (Abg. Dr. Keppelmüller: Ich versteh’ Sie so schwer!) Herr Kollege, eine ganze Stunde noch! (Beifall bei den Freiheitlichen. – Weitere Zwischenrufe des Abg. Dr. Keppelmüller. – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.) Sie können Ihrem Namen gemäß keppeln, wie Sie wollen. Mich halten Sie nicht davon ab, diesen Brief zu verlesen.
Abg. Dr. Keppelmüller: Der Stadler redet uns pausenlos drein!
In diesem Brief heißt es: Auswirkungen auf die Verkehrsunternehmen und Länder. Landesrat Ackerl – ist Ihnen bekannt, ist ja Ihr Landesrat, den müssen Sie kennen ... (Abg. Dr. Keppelmüller: Wie meinen Sie das? Ackerl mein Landesrat?) – stellen Sie sich vor, Herr Abgeordneter, der schreibt einen Brief an den Minister, und den wollen Sie nicht einmal hören! (Abg. Dr. Keppelmüller: Ich versteh’ Sie so schlecht!) Ich werde es dem Landesrat erzählen, wie Sie sich hier im Parlament aufführen, wenn ein Brief von Ihrem Landesrat vorgelesen wird. Das ist die sozialdemokratische Solidarität, die Sie hier in diesem Hohes Haus ununterbrochen predigen! (Abg. Dr. Keppelmüller: Der Stadler redet uns pausenlos drein!) Ich weiß, daß Sie unbedingt reden wollen. Ich habe so viel Redezeit, wir können noch eine Stunde reden. (Abg. Dr. Keppelmüller: Ich versteh’ Sie so schwer!) Herr Kollege, eine ganze Stunde noch! (Beifall bei den Freiheitlichen. – Weitere Zwischenrufe des Abg. Dr. Keppelmüller. – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.) Sie können Ihrem Namen gemäß keppeln, wie Sie wollen. Mich halten Sie nicht davon ab, diesen Brief zu verlesen.
Abg. Dr. Keppelmüller: Ich versteh’ Sie so schwer!
In diesem Brief heißt es: Auswirkungen auf die Verkehrsunternehmen und Länder. Landesrat Ackerl – ist Ihnen bekannt, ist ja Ihr Landesrat, den müssen Sie kennen ... (Abg. Dr. Keppelmüller: Wie meinen Sie das? Ackerl mein Landesrat?) – stellen Sie sich vor, Herr Abgeordneter, der schreibt einen Brief an den Minister, und den wollen Sie nicht einmal hören! (Abg. Dr. Keppelmüller: Ich versteh’ Sie so schlecht!) Ich werde es dem Landesrat erzählen, wie Sie sich hier im Parlament aufführen, wenn ein Brief von Ihrem Landesrat vorgelesen wird. Das ist die sozialdemokratische Solidarität, die Sie hier in diesem Hohes Haus ununterbrochen predigen! (Abg. Dr. Keppelmüller: Der Stadler redet uns pausenlos drein!) Ich weiß, daß Sie unbedingt reden wollen. Ich habe so viel Redezeit, wir können noch eine Stunde reden. (Abg. Dr. Keppelmüller: Ich versteh’ Sie so schwer!) Herr Kollege, eine ganze Stunde noch! (Beifall bei den Freiheitlichen. – Weitere Zwischenrufe des Abg. Dr. Keppelmüller. – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.) Sie können Ihrem Namen gemäß keppeln, wie Sie wollen. Mich halten Sie nicht davon ab, diesen Brief zu verlesen.
Beifall bei den Freiheitlichen. – Weitere Zwischenrufe des Abg. Dr. Keppelmüller. – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.
In diesem Brief heißt es: Auswirkungen auf die Verkehrsunternehmen und Länder. Landesrat Ackerl – ist Ihnen bekannt, ist ja Ihr Landesrat, den müssen Sie kennen ... (Abg. Dr. Keppelmüller: Wie meinen Sie das? Ackerl mein Landesrat?) – stellen Sie sich vor, Herr Abgeordneter, der schreibt einen Brief an den Minister, und den wollen Sie nicht einmal hören! (Abg. Dr. Keppelmüller: Ich versteh’ Sie so schlecht!) Ich werde es dem Landesrat erzählen, wie Sie sich hier im Parlament aufführen, wenn ein Brief von Ihrem Landesrat vorgelesen wird. Das ist die sozialdemokratische Solidarität, die Sie hier in diesem Hohes Haus ununterbrochen predigen! (Abg. Dr. Keppelmüller: Der Stadler redet uns pausenlos drein!) Ich weiß, daß Sie unbedingt reden wollen. Ich habe so viel Redezeit, wir können noch eine Stunde reden. (Abg. Dr. Keppelmüller: Ich versteh’ Sie so schwer!) Herr Kollege, eine ganze Stunde noch! (Beifall bei den Freiheitlichen. – Weitere Zwischenrufe des Abg. Dr. Keppelmüller. – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.) Sie können Ihrem Namen gemäß keppeln, wie Sie wollen. Mich halten Sie nicht davon ab, diesen Brief zu verlesen.
Abg. Dr. Keppelmüller: Der Stadler redet pausenlos drein! Wissen Sie, wie unangenehm das ist? – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.
Landesrat Ackerl schrieb also: Falls der Nationalrat diese Änderung in dieser Form beschließen sollte, wäre die Aufrechterhaltung des öffentlichen Verkehrs in Frage gestellt. (Abg. Dr. Keppelmüller: Der Stadler redet pausenlos drein! Wissen Sie, wie unangenehm das ist? – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Dann schreibt er weiter: Sollte dieses Gesetz tatsächlich in Kraft treten, so bedeutet dies, daß den Verkehrsunternehmen allein im Raume Oberösterreich zirka 350 bis 400 Millionen Schilling entgingen. Dies würde zu einem Zusammenbruch des öffentlichen Personen- und Nahverkehrs in Oberösterreich führen. – Herr Minister! Mit keinem Wort haben Sie diesen Brief und die Schwierigkeiten, die Sie mit den Verkehrsverbünden haben, die Aussichtslosigkeit bei zukünftigen Verhandlungen erwähnt! Ich finde, das ist wirklich nicht in Ordnung. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Mag. Kukacka: 1988! Das war aber schon lang!
Ein Thema war voriges Jahr die überhöhte Tarifabgeltung bei den Verkehrsbetrieben. Das ist sehr gut, das werden wir unter die Leute bringen und sagen, im Jahre 1988 werden wir die Verkehrsbetriebe gerecht bezahlen (Abg. Mag. Kukacka: 1988! Das war aber schon lang!) , denken Sie, wissen aber ganz genau, daß Sie mit diesen Verhandlungen niemals durchkommen werden, Herr Minister! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Ein Thema war voriges Jahr die überhöhte Tarifabgeltung bei den Verkehrsbetrieben. Das ist sehr gut, das werden wir unter die Leute bringen und sagen, im Jahre 1988 werden wir die Verkehrsbetriebe gerecht bezahlen (Abg. Mag. Kukacka: 1988! Das war aber schon lang!) , denken Sie, wissen aber ganz genau, daß Sie mit diesen Verhandlungen niemals durchkommen werden, Herr Minister! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Dr. Keppelmüller: Aber für Fußball ist der Meischberger zuständig!
Spaß beiseite: Das ist es nicht. Es waren vielmehr zwei meiner Vorrednerinnen, die mich dazu veranlaßt haben, die mir hier einen Ball aufgelegt haben. Das muß ich einfach ausnützen, um endlich einmal vor einem so großen Forum über Familienpolitik zu sprechen. (Abg. Dr. Keppelmüller: Aber für Fußball ist der Meischberger zuständig!) – Ich habe es ihm halt ein bißchen abgenommen, damit er es leichter hat, Herr Kollege Keppelmüller.
Zwischenruf der Abg. Silhavy.
Frau Bauer! Sie wissen ganz genau – und es war dies wieder eines Ihrer Lippenbekenntnisse ... (Zwischenruf der Abg. Silhavy. ) Ich rede mit der Frau Kollegin Bauer, Frau Silhavy, Sie kommen dann schon noch dran, wenn Sie unbedingt wollen.
Beifall bei den Freiheitlichen.
Frau Kollegin Bauer, Sie wissen ganz genau, daß die Tagesmütter gerade für Kleinkinder die adäquateste Fremdbetreuung darstellen, daß diese Form der Betreuung dem Kindeswohl am besten entspricht. Warum gibt es dann nicht von Ihrer Seite, von seiten der ÖVP, da Sie sich anscheinend auch so dazu bekennen, in diesem Hohes Haus Initiativen dazu? – Warum gibt es nicht Initiativen der Tagesmütter als Beruf? Man könnte ja auch bundesweite Vorgaben bezüglich der Ausbildung schaffen. Ich habe das heute bereits erwähnt. (Beifall bei den Freiheitlichen.) So aber muß ich Ihre heutigen Aussagen zu den Tagesmüttern wieder nur in den Bereich der Alibihandlungen verweisen.
Abg. Dr. Niederwieser: Wo ist der Ball jetzt gelandet?
Ich bin aber jederzeit bereit, mit Ihnen gemeinsam diesen Kampf weiter zu führen. (Abg. Dr. Niederwieser: Wo ist der Ball jetzt gelandet?) Da warten wir noch, wir spielen ja noch, Herr Kollege Niederwieser – und wahrscheinlich noch länger. Denn ich möchte jetzt auf die Aussage einer sozialistischen Kollegin Bezug nehmen möchte, die gesagt hat, der Kinderbetreuungsscheck sei ein Scheck, der nicht gedeckt sei. Ja da frage ich mich wirklich: Wer war in der letzten Zeit an der Regierung?
Abg. Binder: Das ist Ländersache, nicht Bundessache!
Von allen Seiten wurden immer flächendeckende Kinderbetreuungseinrichtungen verlangt, seit Jahren. Sie haben das nicht vollzogen, Sie haben es nicht möglich gemacht, daß es in Österreich ein flächendeckendes Netz an Kinderbetreuungseinrichtungen gibt! (Abg. Binder: Das ist Ländersache, nicht Bundessache!) Und in der derzeitigen budgetären Situation, meine lieben
Beifall bei den Freiheitlichen.
Deshalb will ich zumindest versuchen, es in allen Bundesländern zuwege zu bringen, daß man dort die Einführung des Kinderbetreuungsschecks zumindest einmal ins Auge faßt und prüft. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Dr. Ofner: Warum?
Abgeordneter Dr. Peter Kostelka (fortsetzend): Richtig, Herr Präsident! Es ist ausschließlich eine Umstellung der Tagesordnung und keine Absetzung von Tagesordnungspunkten oder eine Ergänzung. (Abg. Dr. Ofner: Warum?)
Zwischenrufe bei der SPÖ.
Abgeordneter Mag. Johann Ewald Stadler (Freiheitliche) (zur Geschäftsbehandlung): Herr Präsident! Ich ersuche darum, an der in der Präsidiale erzielten Einigung, die auch protokolliert ist, die im Einvernehmen im Rahmen einer ausführlichen Debatte erzielt wurde festzuhalten, weil die ... (Zwischenrufe bei der SPÖ.)
Heiterkeit bei SPÖ und ÖVP. – Anhaltende Rufe bei der SPÖ und Gegenrufe bei den Freiheitlichen.
Herr Präsident! Ich brauche mir von keinem Mitglied des Hohes Hauses in irgendeiner Form Vertragsbruch vorwerfen zu lassen – auch nicht, was Präsidialbeschlüsse anlangt. Ich ersuche, die dortigen Abmachungen hinsichtlich der Tagesordnung auch einzuhalten, insbesondere deshalb, weil entsprechende klubvorbereitende Beschlüsse bei uns auch hinsichtlich der Rednereinteilung bereits fixiert sind und so spät nicht mehr umgestellt werden. (Heiterkeit bei SPÖ und ÖVP. – Anhaltende Rufe bei der SPÖ und Gegenrufe bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Die Mitglieder meines Parlamentsklubs sehen so überhaupt keine Möglichkeit, in irgendeiner Form eine Sitzungsplanung durchführen zu können. Wenn die Sozialdemokraten in letzter Minute auf die Idee kommen, willkürlich die Tagesordnung umzustellen, so soll sich das Hohe Haus danach richten. (Beifall bei den Freiheitlichen.) Das sehen wir in keiner Weise ein, zumal sich Kollege Kostelka bis jetzt nicht bemüßigt fühlte, auch nur mit einem Satz eine Begründung nachzuliefern.
Beifall bei den Freiheitlichen.
Das wird von uns nicht goutiert und von uns nicht unterstützt werden. Ich kann Ihnen für diesen Fall heute schon voraussagen, daß wir das mit entsprechenden Maßnahmen zu verhindern wissen werden. Sie werden die Debatte über eine verfehlte Wirtschaftspolitik in diesem Land, die von dieser Regierung zu verantworten ist und die derzeit ein prominentes, großes Unternehmen als Opfer fordert, auch zu einem Zeitpunkt führen müssen, zu dem die Medien und die entsprechende Medienöffentlichkeit noch im Hohes Haus anwesend sind. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Dr. Graf: All das sind Ausreden!
Wir haben gedacht, da die Aussprache zur Landwirtschaft morgen in der Früh nicht stattfindet, daß die Landwirtschaftsdiskussion mit einer sehr bedeutenden Gesetzesmaterie, die sehr wichtig ist und längere Zeit dauert ... (Abg. Dr. Graf: All das sind Ausreden!) Das sind keine Ausreden, Herr Kollege, denn wir haben keinen einzigen Tagesordnungspunkt weggestrichen oder sonst eine Umänderung vorgenommen. (Abg. Dr. Graf: Irgend etwas steckt dahinter!)
Abg. Dr. Graf: Irgend etwas steckt dahinter!
Wir haben gedacht, da die Aussprache zur Landwirtschaft morgen in der Früh nicht stattfindet, daß die Landwirtschaftsdiskussion mit einer sehr bedeutenden Gesetzesmaterie, die sehr wichtig ist und längere Zeit dauert ... (Abg. Dr. Graf: All das sind Ausreden!) Das sind keine Ausreden, Herr Kollege, denn wir haben keinen einzigen Tagesordnungspunkt weggestrichen oder sonst eine Umänderung vorgenommen. (Abg. Dr. Graf: Irgend etwas steckt dahinter!)
Zwischenrufe bei ÖVP und SPÖ.
Abgeordneter Dr. Michael Krüger (Freiheitliche): Meine sehr geehrten Damen und Herren! Hohes Haus! Heute werden meines Wissens das erste Mal seit Beginn der XX. Legislaturperiode Abmachungen der Präsidiale bezüglich der Tagesordnung geändert. (Zwischenrufe bei ÖVP und SPÖ.) Herr Kollege Khol! Da können Sie noch so in die Hände klatschen! Offensichtlich sind Sie im Zuge der Verhandlungen über die Geschäftsordnungsnovelle schon in eine Art Machtrausch verfallen und glauben, Sie können jetzt mit einer saloppen Wortmeldung und Scheinbegründung alles wieder umwerfen! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Abgeordneter Dr. Michael Krüger (Freiheitliche): Meine sehr geehrten Damen und Herren! Hohes Haus! Heute werden meines Wissens das erste Mal seit Beginn der XX. Legislaturperiode Abmachungen der Präsidiale bezüglich der Tagesordnung geändert. (Zwischenrufe bei ÖVP und SPÖ.) Herr Kollege Khol! Da können Sie noch so in die Hände klatschen! Offensichtlich sind Sie im Zuge der Verhandlungen über die Geschäftsordnungsnovelle schon in eine Art Machtrausch verfallen und glauben, Sie können jetzt mit einer saloppen Wortmeldung und Scheinbegründung alles wieder umwerfen! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Lebhafte Zwischenrufe bei der SPÖ.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Hohes Haus! Das ist unglaublich! Es ist nichts anderes als ein Taschenspielertrick, den Sie vorhaben, wenn Sie jetzt hier vorgeben, daß Sie aus zeitlichen Gründen eine Umreihung der Tagesordnungspunkte erreichen wollen. Was soll denn das für einen Sinn machen? Deshalb verkürzt oder verlängert sich doch nichts! Was heißt denn das: aus zeitlichen Gründen? (Lebhafte Zwischenrufe bei der SPÖ.) Das müssen Sie uns erst einmal erklären!
Abg. Dr. Niederwieser: Wie spät ist es jetzt?
Offensichtlich handelt es sich, meine sehr geehrten Damen und Herren, um ein abgekartetes Spiel! Alles wurde von den beiden Klubobleuten wohl abgemacht und akkordiert. Und es ist meines Erachtens eine unglaublich Entgleisung, wenn der Klubobmann der Sozialdemokratie hier ohne jegliche Begründung, außer der saloppen Bemerkung: aus zeitlichen Gründen, verlangt, daß eine neue Tagesordnung festgelegt wird. (Abg. Dr. Niederwieser: Wie spät ist es jetzt?)
Beifall bei den Freiheitlichen.
Ihr Verhalten ist meines Erachtens nur darauf zurückzuführen, daß Sie jetzt draufgekommen sind, daß im Zuge der Geschäftsordnungsreform ohnedies die Kontrollrechte der einzig wahren Opposition, nämlich der freiheitlichen Opposition, eingeschränkt werden sollen. Das ist Ihnen aber offenbar nicht genug, deshalb wollen Sie noch einmal auftrumpfen und mit einer fadenscheinigen Begründung aus rein taktischen Gründen eine Umstellung der Tagesordnung erwirken! (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Dr. Niederwieser: Guten Morgen!
Präsident Dr. Heinz Fischer: Es liegt noch eine dritte Wortmeldung vor. Jede Fraktion hat das Recht, drei Redner zu stellen. – Bitte, Kollege Dr. Ofner. (Abg. Dr. Niederwieser: Guten Morgen!)
Ironische Heiterkeit und Zwischenrufe bei der SPÖ. – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.
Abgeordneter Dr. Harald Ofner (Freiheitliche): Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich habe eine vor meinem unmittelbaren Vorredner etwas abweichende Meinung. – Ich glaube gar nicht, daß es sich um taktische Überlegungen handelt, die zu diesem Schritt geführt haben. Ich glaube, daß Sie uns nach den Ereignissen des gestrigen Tages im Zusammenhang mit der Geschäftsordnungsdebatte einfach zeigen wollen, daß Sie mit uns machen können, was Sie wollen! (Ironische Heiterkeit und Zwischenrufe bei der SPÖ. – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.)
Abg. Dr. Nowotny: Wie spät ist es jetzt? – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.
Wir können das auch nicht verhindern. Ich gebe es nur zu bedenken. Sie wollen uns zeigen, daß Sie uns mit dem Absatz ins Gesicht steigen können und daß wir uns nicht dagegen wehren können! (Abg. Dr. Nowotny: Wie spät ist es jetzt? – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.) Auch noch so wegwerfenden Handbewegungen von angeblichen Demokraten wie Guggenberger machen das auch nicht wirklich besser.
Beifall bei den Freiheitlichen.
Horchen Sie einmal in die Reihen Ihrer eigenen Fraktion, mit welchem Schimpfwort man Sie dort bedenkt! Horchen Sie ein bisserl herum! Ich erspare es Ihnen, es hier zu erwähnen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)
Abg. Dr. Nowotny: Wie der Schelm denkt, so ist er!
Es ist eine bedenkliche Entwicklung, daß man nur deshalb, weil man andere demütigen möchte, andere, die die eine Million Wähler vertreten, eine Maßnahme durchsetzen möchte, die nicht eine Sekunde Zeitgewinn bringt. Sie wollen uns zeigen, daß Sie uns demütigen können. (Abg. Dr. Nowotny: Wie der Schelm denkt, so ist er!) – Wir haben es nicht getan, du tust es!
Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Dr. Fuhrmann: Ihnen fehlt der Anstand!
Das ist eine Entwicklung, für die Sie sich schämen müssen! Das ist eine Entwicklung, die für die Demokratie bedenklich ist! Daß Sie, Herr Klubobmann Kostelka, da gar keine Bedenken haben, habe ich längst erkannt. Denn Ihnen fehlt das Gefühl für Parlamentarismus, für Demokratie und für Gerechtigkeit! (Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Dr. Fuhrmann: Ihnen fehlt der Anstand!)